Posted in Allgemein

Universitätsalltag, per Verordnung grau

Zu meinen Dienstaufgaben gehört nicht nur das kunstgerechte Zerlegen der Leichen, was ein wenig farbenfrohes(1) und durchweg destruktives(2) Geschäft ist, sondern auch das Abhalten der Anatomievorlesung. Jene hätte ich gerne konstruktiv(3) und bunt. Ich hätte … Weiterlesen (Mehr in: KosmoLogs)

Posted in WissenschaftAktuell

Erforschung des Arktischen Wandels

Helmholtz-Vorlesung an der HU mit der Polar- und Tiefseeforscherin Prof. Antje Boetius
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Von der Fliege im Fliegenglas: Neue Einsichten zur Denk- und Arbeitsweise von Ludwig Wittgenstein

„Was ist dein Ziel in der Philosophie? – Der Fliege den Weg aus dem Fliegenglas zeigen.“ So heißt es in Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen, §309. Wie er die Metapher genau verstanden haben wollte, wurde aus seinen publizierten Texten nicht in derselben Weise klar, wie dies nun anhand der Mitschriften der „Whewell’s Court Lectures“ (1938-1941) deutlich wird. Die Wittgenstein-Forscher Volker Munz und Bernhard Ritter haben die Vorlesungsmitschriften redigiert, mit Einleitungen und Verweisen auf publizierte Schriften versehen und zeitlich eingeordnet. Nun ist das Buch dazu erschienen, das viel Erhellendes zu Wittgensteins Denken bereithält.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Abschiedsvorlesung des Politologen der Freien Universität Prof. Dr. Oskar Niedermayer am 4. Juli

„Trump, Schulz und die deutschen Mitgliederparteien“ lautet das Thema der Abschiedsvorlesung des Politologen Professor Dr. Oskar Niedermayer am 4. Juli um 16.15 Uhr. Der langjährige Wissenschaftler des Otto-Suhr-Instituts (OSI) für Politikwissenschaft der Freien Universität stellt dabei die jüngsten Entwicklungen der Mitgliederzahlen der politischen Parteien vor, die er seit mehreren Jahrzehnten analysiert. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Energiewende – Was wir können und was wir wollen

Was können erneuerbare Energien leisten? Wie entstehen daraus Strom und Wärme? Welche Rolle spielt Wasserstoff in einer nachhaltigen Energieversorgung? Warum verabschieden wir uns nicht ganz von Öl und Kohle? Robert Schlögl, der renommierte deutsche Chemiker und Katalyseforscher, wird diesen Fragen im Rahmen der Helmholtz-Vorlesung nachgehen.

Das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik (HZK) lädt gemeinsam mit der Stiftung Mercator zur Helmholtz-Vorlesung mit Prof. Dr. Robert Schlögl (Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin; Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion, Mülheim an der Ruhr) ein.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Französischer Historiker hält Antrittsvorlesung an der Europa-Universität Viadrina

Er ist einer der renommiertesten Experten Frankreichs für die Erforschung des Ersten Weltkriegs und Berater der französischen Regierung für die offiziellen Gedenkfeierlichkeiten an den Ersten Weltkrieg: der Historiker Prof. Dr. Nicolas Offenstadt. Am Dienstag, dem 12. Januar, 18.15 Uhr, stellt sich der Geschichtswissenschaftler von der Pariser Universität Panthéon-Sorbonne mit einer Antrittsvorlesung an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) vor. In seinem öffentlichen Vortrag skizziert er die Rolle, die Historikerinnen und Historikern bei der Vermittlung von Geschichte in der Öffentlichkeit zukommt.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

„Konvertiten suchen nach Wahrheit“

Exzellenzcluster untersucht Bekehrungen von der Antike bis heute – Ringvorlesung „Konversion. Glaubens- und Lebenswenden“ ab 20. Oktober in Münster
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in Wissen

Zur Ideengeschichte der anonymen Kritik

In einem langen Interview erklärt der FAZ-Journalist Patrick Bahners, warum Studierende das Recht haben, eine Vorlesungsreihe öffentlich und pseudonym[foot]Leider wird auch hier ‚anonym‘ und ‚pseudonym‘ verwechselt.[/foot] zu kommentieren: „Keine Ausweispflicht für den Gebrauch der Meinungsfreiheit“ [foot]via L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung.[/foot] Seine Antworten führen weit über den aktuellen Fall ‚Münkler-Watch‘ hinaus und sollten Ihnen gerade deshalb 15 Minuten wert sein. (Mehr in: WissensLogs)

Posted in WissenschaftAktuell

Exkursion in den Zertifikate-Dschungel – Auftakt zur Ringvorlesung „Nachhaltigkeit“

Die gemeinsame Ringvorlesung „Nachhaltigkeit“ der Ulmer Hochschulen geht in die zweite Runde. Den Auftakt macht am 16. April der Nachhaltigkeitskeitsforscher Prof. Martin Müller (Uni Ulm) mit einem Vortrag zum Thema „Zertifizierungssysteme – Fluch oder Segen?“. „Im heutigen Zertifikate-Dschungel sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Bei dieser verwirrenden Vielfalt an Öko-Siegeln und Nachhaltigkeitszertifikaten verliert der Verbraucher schnell den Überblick. Denn nicht alles, was als umweltverträglich, fair oder nachhaltig beworben wird, kann dieses Versprechen auch halten“, so Müller. Die Veranstaltungsreihe soll den Verbrauchern Orientierung geben.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Europa-Universität Viadrina lädt zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“

„Mit Hausschuhen und Laptop gegen Plagiatsfallen und Aufschieberitis“ – Europa-Universität Viadrina lädt zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ Vorlesungsfreie Zeit ist Schreibzeit. Wer aber kennt sie nicht, die Angst vor
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in Wissen

Marie Sklodowska Curie

Heute, am Weltfrauentag, möchte ich an eine großartige Wissenschaftlerin erinnern, deren Biografie ich vor Jahren gelesen habe und die mich aus vielen Gründen sehr fasziniert hat. Marie Curie hat nicht nur einige Elemente entdeckt und erstmals erkannt, dass Radioaktivität etwas ganz anderes ist als die chemischen Reaktionen, die man bis dahin kannte. Sie ist auch eine der vier Menschen, die zwei Nobelpreise verliehen bekommen haben. Und sie war eine ausgesprochen fleißige Person, die unermüdlich im Labor arbeiten konnte und kompromisslos für die Freiheit der Wissenschaft eingetreten ist.

Marie Curie wurde 1867 in Warschau, das damals unter russischer Herrschaft stand, als Marie Sklodowska geboren und ist dort zweisprachig aufgewachsen. In der Schule war Russisch vorgeschrieben, zuhause wurde heimlich Polnisch gesprochen. Sie soll schon als Schülerin auffällig selbstbewusst und brillant gewesen sein. Da Frauen damals in Wahrschau nicht studieren durften, schloss die junge Marie mit ihrer Schwester einen Pakt: Sie arbeitete nach der Schule als Gouvernante um ihrer Schwester ein Studium in Paris zu ermöglichen. Die Schwester würde sie dann nachholen, wenn sie in Paris ein Einkommen hat. Im Herbst 1891 hatte sie das endlich geschafft und Marie Curie begann das Studium der Naturwissenschaften an der Sorbonne.

Als Marie Curie 1897 ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt wählte, waren die von Antoine-Henri Becquerel 1896 entdeckten Uranstrahlen gerade ein heißes Thema. Das wollte sie zusammen mit ihrem Ehemann Pierre Curie genauer untersuchen. Ihre Fragestellung war: Was ist es, das in der Pechblende die rätselhaften Strahlen aussendet? Sie besorgte also große Mengen schwach radioaktiver Pechblende und begann die chemischen Bestandteile dieses Erzes zu separieren. Das erste strahlende Element, das Marie Curie entdeckte, nannte sie nach ihrer Heimat Polonium. Es ist ein Zwischenprodukt des Stufenweisen Zerfalls von Uran in Blei. Ein Poloniumatom hält im Mittel nur 140 Tage und zerfällt dann unter Aussendung von Strahlung weiter in stabiles Blei. Das weitaus wichtigere Element, das Curie entdeckte, war das Radium, ein anderes Zwischenprodukt derselben Zerfallsreihe. Radium hat eine wesentlich längere Halbwertszeit von 1600 Jahren. Erst nach 1600 Jahren ist also die Hälfte einer Menge von Radiumatomen zerfallen.

Marie Curie hatte als erste die Idee, dass Uranstrahlung mit einem Prozess verbunden ist, der die bis dahin als unteilbar und ewig haltbar geltenden Elemente ineinander umwandeln konnte. Während andere den Zerfall der Elemente noch für einen chemischen Prozess hielten, prägte Marie Curie den neuen Begriff Radioaktivität für eine Kernumwandlung. Ernest Rutherford gelang es 1902, diese Hypothese endgültig zu beweisen. 1903 wurde Marie Curie gemeinsam mit Pierre Curie der Nobelpreis für Physik zu einer Hälfte verliehen. Die andere Hälfte wurde Becquerel für die ursprüngliche Entdeckung der Strahlung zugesprochen.1

Radium galt um die Jahrhundertwende geradezu als Wunderelement. Im Gegensatz zum kurzlebigen Polonium nahm seine Strahlenintensität nicht merklich ab und es konnte bestimmte Stoffe zum grünlichen Leuchten bringen. Man versprach sich von Radium allerlei Heilwirkungen und hielt es für möglich, dass eines Tages alle Wohnzimmer mit Radiumlampen erleuchtet würden. Ganz ohne den Einsatz von Elektrizität oder der Notwendigkeit Brennstoff nachzufüllen.

Marie Curie war die Entdeckerin des chemischen Verfahrens mir dem Radium separiert werden konnte. Hierfür bekam sie 1911, diesmal als alleinige Preisträgerin, den Nobelpreis für Chemie. Hätte sie das Verfahren patentieren lassen und sich Lizenzen zahlen lassen, hätte Marie Curie ein Vermögen verdienen können. Sie war aber davon überzeugt, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit frei sein sollten. Also verzichtete sie auf ein Patent. Ihr Verfahren sollte frei von Gebühren allen Menschen nutzen können.

Marie Curie war nicht nur der erste Mensch, der zwei Nobelpreise bekam, sie war auch 1906 nach dem Tod ihres Mannes die erste Frau, die an der Sorbonne gelehrt hat und zwei Jahre später Professorin wurde. Einer Frau eine Professur zu übertragen, traute man(n) sich 1906 noch nicht so recht. Dabei stand es außer Frage, dass Marie Curie als Nobelpreisträgerin und Entdeckerin der Radioaktivität die beste Besetzung für Pierre Curies Nachfolge war. Ihre erste Vorlesung an der Sorbonne war ein Medienereignis und bis auf den letzten Platz besetzt. Die bescheidene Madame Curie dachte aber nicht daran, diesen Ruhm auszukosten und eine Rede zu halten. Sie nahm der Lehrstoff genau dort auf, wo ihr Mann zuvor abgebrochen hatte. Vermutlich verstanden weit über die Hälfte der Anwesenden kein Wort.

Im ersten Weltkrieg stattete Marie Curie mehrere Röntgenwagen aus und fuhr selbst an die Front, um verwundeten zu helfen. Nach dem Krieg leitete sie das Radium-Institut in Paris, in dem sie auch gezielt Frauen und aus dem Ausland stammende Studierende förderte. Marie Curies Radium-institut war eines der führenden Kernforschungsinstitute weltweit. Sie bildete dort unter anderem ihre Tochter Irène Joliot-Curie aus, die 1935 zusammen mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot den Nobelpreis für Chemie erhielt. Den Joliot-Curies gelang es erstmals, durch radioaktive Bestrahlung neue Elemente künstlich zu schaffen.

Marie Curie starb 1934 im Alter von 66 Jahren. Vermutlich an den Langzeitfolgen der von ihr entdeckten Strahlung. Ihrer jüngeren Tochter Eve verdanken wir unter anderem diesen Blogbeitrag. Sie hat eine sehr lesenswerte Biographie über ihre Mutter geschrieben: Madame Curie

(Mehr in: Quantenwelt)

Posted in Wissen

Ziviler Nutzen von „miltärischer“ Mathematik?

Mündliche Abiturprüfung “Katholische Religionslehre”, Mai 1981: Mein Religionslehrer will wissen, was Heisenberg mit der “Ambivalenz von Wissenschaft und Technik” meine. Ich habe damals herumgedruckst – weil ich nicht zugeben wollte, dass ich nicht wusste, was “Ambivalenz” ist.

Was damals abstrakte “Ambivalenz” war, äußert sich heute ganz konkret als “dual-use”: Zivile Technik, die in den Kriegseinsatz kommen könnte – ein aktuelles, hochpolitisches Thema, auch bei deutschen, europäischen, russischen und US-amerikanischen Lieferungen in den nachfrühlingshaft brodelnden Nahen Osten.

Mir geht es aber nicht um die Lastwagen, auf die Raketenabschussrampen montiert werden könnten: alle Wissenschaft, Forschung und Technik kann (wenn überhaupt) zum Guten und zum Bösen eingesetzt werden – das gilt auch für die abstraktesten Ideen und Strukturen der Mathematik. Aktueller Anlass, darüber zu sprechen, ist ein noch nicht ganz fertiggestelltes Hochhaus in London, 20 Fenchurch Street, “Walkie Talkie” genannt, dessen Fassade wie ein gigantischer Parabolspiegel wirkt, das Sonnenlicht bündelt und billige Fahrradsättel entflammt und Karosserieteile an Nobelkarossen zum Schmelzen bringt, die nichtsahnende Besitzer unglücklicherweise unbeaufsichtigt im Brennpunkt des Spiegels geparkt haben. Die Geschichte ist so unglaublich wie (offenbar) wahr, und galoppiert seit ein paar Tagen durch die Gazetten – teilweise mit martialischen Überschriften: “Ein Wolkenkratzer als Strahlenkanone?” hieß das in der Stuttgarter Zeitung.

www.cityam.com/, Bericht über die Hitzeschäden durch Reflektion an der Fassade von 20 Fenchurch Street, London

(Screenshot von http://www.cityam.com/)

Aber hat irgendjemand darauf hingewiesen, dass es sich hier um ein bemerkenswertes Beispiel für zivilen Nutzen von mathematisch-physikalischer Kriegsforschung handelt, sehr ambivalent? Archimedes hat der Legende nach gigantische Parabolspiegel entworfen und bauen lassen, die dann erfolgreich verwendet wurden, um während der Belagerung seiner Heimatstadt Syrakus 215-212 v.Chr. Sonnenlicht zu bündeln und damit römische Schiffe in Brand zu setzen. 

Kupferstich auf dem Titelblatt der lateinischen Ausgabe des Thesaurus opticus, einem Werk des arabischen Gelehrten Alhazen. Die Darstellung zeigt wie Archimedes von Syrakus römische Schiffe mit Hilfe von Parabolspiegeln in Brand gesetzt haben soll. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München

(Archimedes setzt römische Schiffe in Brand. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München)

Ob das funktioniert haben kann, wurde nach jahrhundertelangem Streit in letzter Zeit experimentell getestet und ausführlich diskutiert. Und nun: Es funktioniert! Ein Jaguar beschädigt, ein Fahrradssattel brennt, Straßenbeläge zeigen Reparaturbedarf, Parkplätze werden vorsorglich gesperrt.

Wie konnte das passieren – wer hat Schuld? Hätte man das nicht vorher wissen können und müssen? Nun, Architekten lernen Geometrie in der Schule, und auch im Studium, und manche hassen das Fach. Und Quadriken sind ein esoterisch-anmutendes Thema aus der Hochschul-Geometrie: Flächen, die man in Raumkoordinaten (x,y,z) durch quadratische Gleichungen von der Form ax2 + by2 + cz2 + dxy +exz + fyz + gx + hy +iz + j= 0 beschreiben kann. Die Klassifikation der Quadriken war im 19. Jahrhundert wohl Schulwissen; sie wird jetzt in den Anfängervorlesungen des Mathematikstudiums als Teil der “Linearen Algebra und Analytischen Geometrie” recht stiefmütterlich betrachtet. Das ist schade, und auch nicht angemessen, denn die Quadriken sind Grundformen der Natur, der Technik, der Wissenschaft – viele davon schön, viele davon nützlich, manche davon gefährlich. Aus der Formenvielfalt, die es da zu entdecken und zu bändigen gilt, greife ich hier nur zwei besondere Strukturen heraus:

  1. einschalige Hyperboloide werden für Turmkonstruktionen verwendet, unter ihnen nicht nur der Moskauer Fernsehturm, sondern auch die Skulptur Mae West am Effnerplatz in München. Eine wichtige Struktur für Ingenieure und Architekten (weil sich das Hyperboloid aus Geraden zusammensetzen lässt, eine Regelfläche ist), aber eben auch Kunst!
  2. Rotationsparaboloide werden als Spiegel verwendet, um parallel-einfallendes Licht (etwa von der Sonne) auf einen Punkt (den Brennpunkt) zu fokussieren – oder aber Licht, das aus einem Punkt kommt (Glühbirne!) in paralleles Licht zu transformieren (Parabolspiegel!). Das ist also eine Kriegswaffe bei Archimedes, aber ein Segen für die Autofahrer – und jetzt ein Problem in London, weil die Architekten des Gebäudes offenbar nicht wussten, dass und wie Quadriken als Spiegel wirken.

Quadriken für das Leben, als Kriegswaffen, als Hochhausfassaden, und als Kunstwerke!
Warum mich das gerade jetzt so elektrisiert? Weil das mehrere Erzählstränge verbindet aus meinem neuen Buch „Mathematik – Das ist doch keine Kunst!“, das gerade eben fertig geworden ist:

Cover von Günter M. Ziegler: Mathematik - Das ist doch keine Kunst!, Knaus 2013, 300dpi

Darin tauchen die Quadriken in zwei ganz unterschiedlichen Kapiteln auf: in dem Kapitel über Mathematik und Krieg, und über die „Mae West“-Skulptur in München. Das Buch präsentiere ich erstmals am 17. September in Berlin im Museum für Kommunikation und freue mich auf Gäste!  

Der Beitrag Ziviler Nutzen von „miltärischer“ Mathematik? erschien zuerst auf MATHEMATIK IM ALLTAG.

(Mehr in: MATHEMATIK IM ALLTAG)

Posted in Wissen

Ziviler Nutzen von „miltärischer“ Mathematik?

Mündliche Abiturprüfung “Katholische Religionslehre”, Mai 1981: Mein Religionslehrer will wissen, was Heisenberg mit der “Ambivalenz von Wissenschaft und Technik” meine. Ich habe damals herumgedruckst – weil ich nicht zugeben wollte, dass ich nicht wusste, was “Ambivalenz” ist.

Was damals abstrakte “Ambivalenz” war, äußert sich heute ganz konkret als “dual-use”: Zivile Technik, die in den Kriegseinsatz kommen könnte – ein aktuelles, hochpolitisches Thema, auch bei deutschen, europäischen, russischen und US-amerikanischen Lieferungen in den nachfrühlingshaft brodelnden Nahen Osten.

Mir geht es aber nicht um die Lastwagen, auf die Raketenabschussrampen montiert werden könnten: alle Wissenschaft, Forschung und Technik kann (wenn überhaupt) zum Guten und zum Bösen eingesetzt werden – das gilt auch für die abstraktesten Ideen und Strukturen der Mathematik. Aktueller Anlass, darüber zu sprechen, ist ein noch nicht ganz fertiggestelltes Hochhaus in London, 20 Fenchurch Street, “Walkie Talkie” genannt, dessen Fassade wie ein gigantischer Parabolspiegel wirkt, das Sonnenlicht bündelt und billige Fahrradsättel entflammt und Karosserieteile an Nobelkarossen zum Schmelzen bringt, die nichtsahnende Besitzer unglücklicherweise unbeaufsichtigt im Brennpunkt des Spiegels geparkt haben. Die Geschichte ist so unglaublich wie (offenbar) wahr, und galoppiert seit ein paar Tagen durch die Gazetten – teilweise mit martialischen Überschriften: “Ein Wolkenkratzer als Strahlenkanone?” hieß das in der Stuttgarter Zeitung.

www.cityam.com/, Bericht über die Hitzeschäden durch Reflektion an der Fassade von 20 Fenchurch Street, London

(Screenshot von http://www.cityam.com/)

Aber hat irgendjemand darauf hingewiesen, dass es sich hier um ein bemerkenswertes Beispiel für zivilen Nutzen von mathematisch-physikalischer Kriegsforschung handelt, sehr ambivalent? Archimedes hat der Legende nach gigantische Parabolspiegel entworfen und bauen lassen, die dann erfolgreich verwendet wurden, um während der Belagerung seiner Heimatstadt Syrakus 215-212 v.Chr. Sonnenlicht zu bündeln und damit römische Schiffe in Brand zu setzen. 

Kupferstich auf dem Titelblatt der lateinischen Ausgabe des Thesaurus opticus, einem Werk des arabischen Gelehrten Alhazen. Die Darstellung zeigt wie Archimedes von Syrakus römische Schiffe mit Hilfe von Parabolspiegeln in Brand gesetzt haben soll. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München

(Archimedes setzt römische Schiffe in Brand. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München)

Ob das funktioniert haben kann, wurde nach jahrhundertelangem Streit in letzter Zeit experimentell getestet und ausführlich diskutiert. Und nun: Es funktioniert! Ein Jaguar beschädigt, ein Fahrradssattel brennt, Straßenbeläge zeigen Reparaturbedarf, Parkplätze werden vorsorglich gesperrt.

Wie konnte das passieren – wer hat Schuld? Hätte man das nicht vorher wissen können und müssen? Nun, Architekten lernen Geometrie in der Schule, und auch im Studium, und manche hassen das Fach. Und Quadriken sind ein esoterisch-anmutendes Thema aus der Hochschul-Geometrie: Flächen, die man in Raumkoordinaten (x,y,z) durch quadratische Gleichungen von der Form ax2 + by2 + cz2 + dxy +exz + fyz + gx + hy +iz + j= 0 beschreiben kann. Die Klassifikation der Quadriken war im 19. Jahrhundert wohl Schulwissen; sie wird jetzt in den Anfängervorlesungen des Mathematikstudiums als Teil der “Linearen Algebra und Analytischen Geometrie” recht stiefmütterlich betrachtet. Das ist schade, und auch nicht angemessen, denn die Quadriken sind Grundformen der Natur, der Technik, der Wissenschaft – viele davon schön, viele davon nützlich, manche davon gefährlich. Aus der Formenvielfalt, die es da zu entdecken und zu bändigen gilt, greife ich hier nur zwei besondere Strukturen heraus:

  1. einschalige Hyperboloide werden für Turmkonstruktionen verwendet, unter ihnen nicht nur der Moskauer Fernsehturm, sondern auch die Skulptur Mae West am Effnerplatz in München. Eine wichtige Struktur für Ingenieure und Architekten (weil sich das Hyperboloid aus Geraden zusammensetzen lässt, eine Regelfläche ist), aber eben auch Kunst!
  2. Rotationsparaboloide werden als Spiegel verwendet, um parallel-einfallendes Licht (etwa von der Sonne) auf einen Punkt (den Brennpunkt) zu fokussieren – oder aber Licht, das aus einem Punkt kommt (Glühbirne!) in paralleles Licht zu transformieren (Parabolspiegel!). Das ist also eine Kriegswaffe bei Archimedes, aber ein Segen für die Autofahrer – und jetzt ein Problem in London, weil die Architekten des Gebäudes offenbar nicht wussten, dass und wie Quadriken als Spiegel wirken.

Quadriken für das Leben, als Kriegswaffen, als Hochhausfassaden, und als Kunstwerke!
Warum mich das gerade jetzt so elektrisiert? Weil das mehrere Erzählstränge verbindet aus meinem neuen Buch „Mathematik – Das ist doch keine Kunst!“, das gerade eben fertig geworden ist:

Cover von Günter M. Ziegler: Mathematik - Das ist doch keine Kunst!, Knaus 2013, 300dpi

Darin tauchen die Quadriken in zwei ganz unterschiedlichen Kapiteln auf: in dem Kapitel über Mathematik und Krieg, und über die „Mae West“-Skulptur in München. Das Buch präsentiere ich erstmals am 17. September in Berlin im Museum für Kommunikation und freue mich auf Gäste!  

Der Beitrag Ziviler Nutzen von „miltärischer“ Mathematik? erschien zuerst auf MATHEMATIK IM ALLTAG.

(Mehr in: MATHEMATIK IM ALLTAG)

Posted in WissenschaftAktuell

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Matthias Wemhoff als Honorarprofessor der Freien Universität

Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte und Berliner Landesarchäologe, hält am Mittwoch, 1. Dezember 2010, seine Antrittsvorlesung am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin. Er spricht über den spektakulären Skulpturenfund der Berliner Landesarchäologie vor wenigen Wochen in Berlin-Mitte und erläutert anhand dieses Beispiels auch andere archäologische Projekte der Moderne. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Kleine Partikel mit großer Wirkung

Chemie-Nobelpreisträgerin Prof. Ada Yonath hält Bohlmann-Vorlesung 2010
Dr. Matthias Karg erhält Schering Preis 2009
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Wittener Ringvorlesung zur Forschung rund um Familienunternehmen

Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) holt erneut hochkarätige Wissenschaftler aus dem In- und Ausland an die Universität Witten/Herdecke
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Experimente: Eine etwas andere Chemie-Vorlesung

Mit einem schelmischen Grinsen und dem Schalk in der Stimme tritt Michael Veith immer im Dezember vor seine Studenten: Seit 25 Jahren ist es an der Universität Saarbrücken Tradition, dass der Chemie-Professor am letzten Tag vor den Weihnachtsferien eine Vorlesung voller bunter, lauter Experimente hält.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Jahrestage – mehr als nur "Memoria-Kultur"?

FRANKFURT. 23. Mai 2009 – der 60. Jahrestag des Grundgesetzes und des Bestehens der Bundesrepublik Deutschland ist einer der zentralen Gedenktage in diesem Super-Gedenkjahr. „Dabei scheint die Rede von Gründungsmythen und kultureller Selbstvergewisserung den Blick auf die Gegenwart zu dominieren“, konstatiert die Frankfurter Germanistin Prof. Susanne Komfort-Hein. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den vielfältigen Dimensionen von Erinnerungskulturen und konzipiert zurzeit gemeinsam mit Prof. Heinz Drügh eine Vorlesungsreihe zu Jahrestagen, die im Wintersemester an der Goethe-Universität stattfinden wird.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

200 Jahre Charles Darwin

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg: Ringvorlesung der Fakultät für Biologie und des SFB 592
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in Medizin

Training an virtuellen Patienten hilft Therapiefehler vermeiden

Training an virtuellen Patienten hilft Therapiefehler vermeiden
(Stuttgart/Hannover) März 2009 – Mit dem Europäischen eLearning Award werden herausragende Beispiele für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien ausgezeichnet. Das Online-Lernsystem INMEDEA Simulator der Tübinger INMEDEA GmbH belegte in den Kategorien Mediendidaktik und Gesamteindruck jeweils den zweiten Platz. Es simuliert klinische Abläufe und Situationen in den verschiedenen Fachabteilungen eines Krankenhauses am Beispiel virtueller Patienten. Den Bedarf an diesem innovativen Fortbildungsinstrument unterstreicht ein aktueller Beitrag einer amerikanischen Fachzeitschrift: Falsche Diagnosen gefährden den Patienten in einem höheren Maß als Behandlungsfehler. Hier setzt das INMEDEA-Konzept an, das die optimalen Schritte zur korrekten Diagnose an virtuellen Patienten einüben lässt. Continue reading „Training an virtuellen Patienten hilft Therapiefehler vermeiden“

Posted in WissenschaftAktuell

2000 Jahre Schlacht im Teutoburger Wald – Freie Universität lädt zur Vortragsreihe über die römisch-germanische Varus-Schlacht

Die Varus-Schlacht vor 2.000 Jahren im Teutoburger Wald steht im Mittelpunkt einer öffentlichen Vorlesungsreihe, die am 20. April 2009 an der Freien Universität beginnt. Im Rahmen der Veranstaltung mit dem Titel „Geschichte – Archäologie – Legenden: 2000 Jahre Varus-Schlacht“ untersuchen Wissenschaftler in zwölf Vorträgen die Bedeutung der Varus-Schlacht für den europäischen Kontinent. In den Blick genommen wird dieser Konflikt unter anderem aus althistorischer, archäologischer und neuhistorischer Perspektive.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Lernen 2.0 — Die mobile Vorlesung

Jede Vorlesung im Bereich Angewandte Telematik/e-Business der Universität Leipzig wird ab sofort als Video (in Form eines Screencasts) und als MP3 zum Download angeboten. Dafür werden in den Vorlesungen die Erläuterungen der Dozenten zusammen mit den Folien aufgezeichnet, für das Internet aufbereitet und zum Download oder zum online Anschauen veröffentlicht. Im Screencast können gezielt Inhalten gesucht und einzelne Kapitel beliebig wiederholt werden. Und in welcher Vorlesung gibt es schon einen Pause-Knopf?
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Noch freie Studienplätze zum Sommersemester an der HAW Hamburg

Jetzt bewerben!

Zum Sommersemester 2009 können noch Studienplätze für die BA-Studiengänge Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Umwelttechnik, Medizintechnik und Technische Informatik vergeben werden.

Die Bewerbungsfrist geht bis zum Vorlesungsbeginn am 10. März 2009 vorbehaltlich dann noch verfügbarer Studienplätze.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

Posted in WissenschaftAktuell

Universität Heidelberg: Zweite Marsilius-Vorlesung mit Professor Wolfgang Frühwald

Ehemaliger Präsident der DFG und der Alexander von Humboldt Stiftung spricht am Donnerstag, 19. Februar, um 16 Uhr in der Alten Aula der Universität – Thema: „“Lies nur die linken Seiten eines Buches!“ Über Mehrung und Zerfall moderner Wissenswelten“ – Verleihung der Marsilius-Medaille
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft