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Carl Friedrich Christian Mohs und seine berühmte Härteskala

Der Name Mohs sollte Mineraliensammlern und den meisten Studenten der Erdwissenschaften geläufig sein, gilt er doch als einer der bedeutendsten Mineralogen in der Geschichte der Geologie, auch wenn sein Name besser bekannt ist als sein … Weiterlesen

Quelle: SciLogs

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Im Praxistest: Fünf Autos mit fünf unterschiedlichen Antrieben

Wie schneiden fünf Fahrzeuge mit fünf unterschiedlichen Antrieben im praktischen Alltagstest ab? Was verbrauchen sie in der Stadt, auf der Autobahn und bei einer Fahrt über Land? Wie viel klimaschädliches CO2 stoßen sie dabei aus? Mit diesen Fragestellungen haben sich Studenten im Master-Studiengang Fahrzeugtechnik der Hochschule Esslingen beschäftigt. In einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Professor Werner Klement haben sie über ein Jahr lang die fünf Fahrzeuge getestet und verglichen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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ESEO-Start verschoben

Der ursprünglich für heute um 19:31 MEZ  angesetzte Start einer Falcon 9-Rakete mit dem europäischen Studentensatelliten ESEO und 70 anderen Nutzlasten an Bord ist verschoben worden. Das neue Startdatum wird noch angekündigt. (Mehr in: BrainLogs)

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ESEO-Start am Montag, 19.11, 19:31 MEZ

Der von europäischen Studenten entwickelte, 45 kg schwere Mikrosatellit ESEO (European Student Earth Orbiter) wird, wie ich gerade erfahren habe, gemeinsam mit einer Anzahl ähnlicher  Satelliten am Montag, den 19.11.2018 um 19:31 MEZ an Bord … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Grand Canyon: Studenten finden 310 Millionen Jahre alte Fußspuren

Auf einem Felsbrocken im Grand-Canyon-Nationalpark hat ein Geologe mit seinen Studenten 28 Trittspuren entdeckt. Sie sind mehrere Hundert Millionen Jahre alt – und stammen wohl von einer reptilienähnlichen Kreatur. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Simulierte Geschichte

Computer-Spiele können Studenten beim Lernen über historische Ereignisse helfen. In Zukunft könnten sie sogar dazu genutzt werden, Zusammenhänge zu verstehen und unerwünschte Entwicklungen zu verhindern.

(Mehr in: Technology Review)

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Rekord-Versuch: Weltgrößtes Papierflugzeug fliegt nicht

In den USA will ein Künstler das weltweit größte Papierflugzeug gebaut haben und damit deutschen Studenten einen Rekord streitig machen. Doch mit dem Flieger gibt es ein Problem. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Vom Weiberrat zur Frauenprofessur

Die Frauenbewegung der 68er war eine Revolte innerhalb der Revolte. Das berichten zwei Zeitzeuginnen in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt zum Thema „die 68er“. Im Rückblick halten sie die Frauenbewegung für nachhaltiger als die Studentenbewegung.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Attentat auf Rudi Dutschke: Der Tag, der Deutschland spaltete

Am 11. April 1968 verletzte ein Attentäter den Studentenführer Rudi Dutschke. Die Tat löste Proteste aus – und prägt Deutschland bis heute. Bilder von den Ereignissen (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Rudi Dutschke: Drei Schüsse, die Zehntausende trafen

Studentenführer und Hassfigur der Rechten: Das Attentat auf Rudi Dutschke vor 50 Jahren löste Straßenschlachten aus. Zornige junge Leute zog es vor das Springer-Hochhaus. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Software AG will mit YouTube-Serie Studenten locken

Meet the Nerds

Software AG will mit YouTube-Serie Studenten locken

Die Software AG will mit einer eigenen Mini-Serie auf YouTube dem anhaltenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Die Clips der Reihe "Meet the Nerds" sollen Studenten auf das Darmstädter Unternehmen aufmerksam machen.

(Mehr in: COM! – Das Computer Magazin)

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Mediziner: Lost in Statistik

Statistik. Vielen Medizinstudenten ist das ein Gräuel. Die Uni-Kurse sind selten gut besucht. Und wenn, dann nur, weil sie Pflicht sind. Doch Studien unter Ärzten und Studenten zeigen, dass bei der Risikoeinschätzung und Interpretation diagnostischer … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Mohs Härteskala

Talk – Gips – Calcit – Fluorit – Apatit – Feldspat – Quarz – Topas – Korund – Diamant, eine Reihenfolge die den meisten Studenten der Erdwissenschaften geläufig sein sollte, gehört sie doch zur Grundausstattung … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Studium meets Rock’n’Roll: Lehrreiche Pharmacocktails

Was kann man von toten Musikstars lernen? Wie gut verkäuflich ihre Musik ist? Welche Stars und Genies der Welt verloren gegangen sind? In Frankfurt und München lernen die Studenten in Pharma-Vorlesungen niemals mit Beruhigungsmitteln und … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Gut was gegaudert !

content Die vorangegangenen Befunde aus den Tagen zuvor wurden heute Morgen fleißig und bis ins kleinste Detail von der Studententruppe notiert, abgemessen und gemalt. Einige mussten ihre Zeichnungen vor dem einsetzenden Regen im Bauwagen in Sicherheit … Weiterlesen (Mehr in: KosmoLogs)

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Archäologische Ausgrabung auf dem Galgenberg in Perleberg 2017

content Bald ist es soweit, am 14.08.2017 – bis 01.09.2017-  startet die diesjährige Lehrgrabung für die Studenten der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und der Humboldt-Universität zu Berlin auf dem Galgenberg in Perleberg. Durch die Hilfe der Stadt … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Umfrage mit Rekordbeteiligung

Neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt soziale und wirtschaftliche Lage von Studierenden in Deutschland
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Wahrheit oder Lüge

Der Physik-Nobelpreisträger (1965) Richard P. Feynman war nicht nur ein charismatischer und brillanter Hochschullehrer mit exzellenten Vermittlungsstrategien, sondern erzählte auch gerne Anekdoten aus seinem Leben – z.B. aus seiner Studentenzeit am MIT: „Mein Meisterstück im … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Microsoft Windows: Das S steht für Bildung

Ein Vorzeige-Laptop, das verschlankte Windows 10 S und jede Menge Kollaboration: Ein ganzes Ökosystem für Schüler und Studenten hat Microsoft am Dienstag vorgestellt. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Alles digital)

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NS-Geschichte: "Niemand sollte überleben"

Was machte viele in Nazideutschland zu Massenmördern? Das erforscht der Historiker Ulrich Herbert. Und er erklärt, weshalb der Holocaust kaum Thema unter Studenten ist. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Zukunftsangst: „Biohacking ist geradezu ein Sport unter Studenten“

Cyberkriege, Terroristen mit Biowaffen und Roboter, die uns die Jobs wegnehmen: Wie bedrohlich ist die Zukunft? Ein Gespräch mit Star-Astrophysiker Sir Martin Rees (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Grüne Woche: Mehr Nachhaltigkeit in Kantinen & Co.

Immer mehr Menschen essen in Kantinen. So werden etwa in den Betriebskantinen täglich 4,3 Millionen und in den Mensen der Studentenwerke jährlich über 80 Millionen Essen ausgegeben. Aber auch in Schulen, Seniorenheime und Krankenhäuser gibt es die sogenannte Gemeinschaftsverpflegung. Wie die Menüs in Kantinen nachhaltiger gestaltet werden können, untersucht das Öko-Institut im Rahmen mehrerer Projekte.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Falsche Prognosen: Wo kommen all die Studierenden her?

„Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen“ – dieses mal Mark Twain, Winston Churchill oder Kurt Tucholsky zugeschriebene Zitat trifft auch auf Studentenzahlen zu. Woran liegt das eigentlich? (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Smartphone-Dieben auf der Spur

Kurzfilm „Find my Phone“

Smartphone-Dieben auf der Spur

Einem holländischen Filmstudenten wird das Smartphone gestohlen. Da beschließt er, ein weiteres Gerät mit allerlei Überwachungssoftware auszustatten, als Köder auszulegen und einen Film über die Diebe zu drehen.

(Mehr in: COM! – Das Computer Magazin)

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Fake News: „Wir vergraben uns in unseren Vorurteilen“

Schüler und Studenten erkennen im Netz nicht, was wahr und was falsch ist. Ein Gespräch mit dem Stanford-Professor Sam Wineburg über Fake News, Facebook und Filterblasen (Mehr in: ZEIT ONLINE: Alles digital)

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Up your game!

Am Tag nach dem Donald Trump zum zukünftigen Präsidenten der USA gewählt wurde, veröffentlichte Josh Drew, Dozent an der Colombia University, New York, USA einen offenen Brief an seine Studentinnen und Studenten. https://labroides.org/2016/11/09/an-open-letter-to-my-class/ Seinem Kurs … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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World Solar Challenge in Australien: Projekt Sonnenwagen

Tausende Kilometer durch Australien, nur mit Sonnenenergie. Ein Studententeam aus Aachen stellt sich der Herausforderung bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Solarrennwagen. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Gestensteuerung für Handamputierte

Moderne Prothesen geben Menschen, die eine Hand verloren haben, einen Teil ihrer Fähigkeiten zurück. Gerade die Bedienung von Computern ist damit aber erschwert – Berliner Studenten wollen das ändern.

(Mehr in: Technology Review)

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Zeichnen im beginners‘ course Teil2

Heute waren die Aufgaben klar verteilt…nur die Grabungsleitung hat anscheinend kurzfristig den Überblick verloren…aus diesem Grunde gibt es heute zwei schöne Berichte! Man könnte vermuten, dass die Begeisterung von Studenten, die bereits die halbe Welt … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Privatsphäre im Krankenhaus: Unter uns

In Kliniken erleben Patienten täglich Verletzungen der Privatsphäre. Mal hört der Bettnachbar mit, mal eine ganze Gruppe von Ärzten und Studenten. Muss das sein? (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Bus ohne Fahrer

In Holland sollen automatische E-Kleinbusse Studenten von Tür zu Tür bringen.

(Mehr in: Technology Review)

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Austausch über den Tellerrand: Was bestimmt Normalität in Bildung und Wissenschaft?

Übermorgen ist es wieder soweit: dann beginnt die vierte Ausgabe unserer deutsch-italienischen Sommerschule zur Astrophysik. Dieses Jahr geht es nach Florenz bzw. ans Observatorium in Arcetri. Dabei sein werden mehr als 70 Lehrer, Lehramtsstudenten und … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Nature sucht Lehren aus dem Brexit

Die Zeitschrift Nature hat in ihrer Ausgabe vom 28. Juli die Überlegungen von fünf Wissenschaftlern zu den Lehren aus dem Brexit veröffentlicht. Das Ergebnis ist wenig hilfreich, aber durchaus erhellend.

Für die Wissenschaft ist der Brexit eine schlechte Nachricht. Nature schreibt: „Das britische Votum zum Verlassen der EU gefährdet das Budget der Wissenschaftler, die Zusammenarbeit, die Stellen und die Studenten; es hinterlässt eine angeschlagene Nation und ein verletzliches Europa. Diese Zeit der Spaltung lässt Wissenschaftler darüber nachsinnen1, wie sie am besten einen Beitrag leisten können.“

Die Einleitung lässt einige Fragen offen. Wozu sollen die Forscher beitragen? Und wie ist der Begriff „nachsinnen“ zu verstehen? Im englischen Original heißt es „Soul-searching“, eine Suche in der Seele, dort, wo sich Verstand und Intuition treffen. Bei angefragten Spitzenforschern aus den Bereichen Politik, Populismus, Geschichte, Wahlverfahren und Psychologie hoffte die Nature-Redaktion sicherlich auf gründlich fundierte Erkenntnisse, die in den aufgeregten Reaktionen der ersten Wochen nicht zu finden waren. Da dominierten unter den Wissenschaftlern die allgegenwärtigen Talkshow-Professoren. Sie haben die im Fernsehen besonders gefragte Fähigkeit, die aktuelle Situation im kluge Worte zu fassen. Fachwissen ist dabei weniger gefragt, und manchmal eher hinderlich.

Nun ist Nature keine Talkshow und hat einen Ruf zu verteidigen. Man darf also zumindest überlegte Beiträge erwarten. Vier der fünf Beiträge beschreiben zunächst in maximal drei Sätzen die Ursachen des Brexit aus ihrer Sicht, im fünften wird der Brexit nicht explizit erwähnt. Danach legen alle Autoren ausführlich2 dar, was aus ihrer Sicht jetzt geschehen sollte.

5 x geballtes Fachwissen

Den ersten Beitrag („Rethink social progress)“ hat der holländische Historiker Johan Schot geschrieben, der zur Zeit die Science Policy Research Unit der University of Sussex in dem malerischen Dorf Falmer bei Brighton in England leitet. Die Unit befasst sich mit der geschichtlichen Sicht auf tiefe Transformationen. Damit sind gesellschaftlichen Veränderungen gemeint, die gravierende Auswirkungen auf die Zukunft haben. Der Brexit gehört sicherlich dazu.

I
Schot bezeichnet den Brexit als „Rüffel des Volks für die Vernunft“ und verlangt ein dringendes Überdenken des sozialen Fortschritts. Konkreter wird es nicht. In langen Sätzen reiht er statt dessen gängigen Schlagworte aneinander, ohne dass ein einziger origineller Gedanke aufblitzt. Z.B.:

„Nötig sind neue Konstrukte für lokale, nationale und internationale Führungsstrukturen (governance), die Technokratie und Demokratie kombinieren, um das Demokratiedefizit zu reduzieren, von dem der Brexit ein Symptom ist.“

oder

„Stattdessen müssen wir darüber debattieren, wie die Produktion von Wissen zum sozialen Fortschritt beiträgt, um die gesellschaftlichen Herausforderungen und Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts anzugehen.“

Sollte es wirklich so sein, dass die Wissenschaft zu wenig debattiert? Den Eindruck teile ich wirklich nicht. Aber etwas mehr Ergebnisse wären vielleicht nicht schlecht.

II
Der zweite Beitrag („Compare populist movements“) stammt aus Ungarn. Der Autor, der Politologe Levente Littvay von der privaten Central European University in Budapest, forscht zum Thema Populismus. Und genau den sieht er beim britischen EU-Referendum als zentrales Übel an. Die Brexiteers hätten die niedersten Instinkte der wirtschaftlich, sozial und kulturell Abgehängten angesprochen, Falschinformationen verbreitet und jede ernsthafte Debatte über die verheerenden Folgen des Brexit abgelehnt. Das sei kein rein britisches Problem, Populisten tauchten im Moment überall in Europa auf. Und deshalb brauche man jetzt qualitativ hochwertige Daten, für die man eine übernationale Bewertungsmethode entwickeln müsse. Die Erhebung solcher Daten sei aufwändig, aber notwendig, um besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen Populismus gedeiht, um zu dokumentieren, ob er sich immer negativ auswirkt, und, falls ja, wie man ihn besiegt.

Zum Schluss stellt der Autor ein vielversprechendes Projekt vor, die fachübergreifende Initiative „Team Populism“ (populism.byu.edu), die sich dieser Aufgabe angenommen hat. Der Autor schließt: „Solche Initiativen sollten dabei helfen, die alarmierende Art von Politik anzugehen, die zum Brexit geführt hat.“

Das ist sicher eine verdienstvolle Arbeit, allerdings gibt es bereits eine ganze Reihe von Studien, die sich den Unterschieden zwischen populistischen Bewegungen in verschiedenen Ländern befassen. Auch wäre es eine unzulässige Verkürzung, die Brexit-Entscheidung der Briten auf die populistische Wahlkampfführung des Leave-Lagers zurückzuführen. Die Ursachen liegen tiefer und sind breiter gestreut. Und irgendwie hat Littvay auch zu erwähnen versäumt, dass er am Team Populism maßgeblich beteiligt ist.3

Wenn ein Wissenschaftler gebeten wird, über ein Problem nachzusinnen, sollte er dann nicht mehr zutage fördern, als eine Werbung für seine eigenen Projekte?

III
Der russisch-amerikanische Anthropologe Peter Turchin („Mine the past for patterns“) erwähnt den Brexit mit keinem Wort. Er hat sich auf die Vorhersage aktueller politischer Entwicklung durch mathematische Analysen geschichtlicher Gesetzmäßigkeiten spezialisiert und dafür den Begriff „Kliodynamik“ erfunden4. Turchin beginnt seinen Kommentar zum Brexit mit der Bemerkung, dass es schwierig sein, Menschen zu einer Zusammenarbeit in sehr großen Gruppen wie der EU zu bewegen. Es sei auch schwierig zu verstehen, wie Menschen überhaupt kooperative Gesellschaften bilden. Aber man komme deutlich weiter, wenn man auf wissenschaftliche Weise historische Daten analysiere. Die EU sei zu schnell gewachsen, und inzwischen auch zu heterogen, schreibt Turchin. Man solle die Entwicklung von klassischen Imperien analysieren, um bessere Strukturen für die EU zu finden. Als erster Schritt solle man „massiv“ in Aspekte der Kliodynamik investieren, genauer gesagt, in die Forschung zur Frage, wie Menschen in der Vergangenheit eine Zusammenarbeit im großen sozialen Maßstab erreicht hätten.

Die Idee, dass eine massive Investition in die eigene Forschung die Welt zu einem besseren Ort macht, ist sicher schon vielen Forschern gekommen. Auch ohne dass sie dafür tief nachdenken müssten.

IV
Der amerikanische Politologe Steven J. Brams findet bei der gründlichen Durchsuchung seiner Seele die Idee eines anderen Abstimmungsverfahrens („Offer more voting options“). Brams‘ Spezialgebiet ist die Spieltheorie und die faire Aufteilung von Ressourcen sowie die Theorie von Wahlen und Abstimmungen. Man hätte mehr Alternativen anbieten sollen und den Wählern erlauben sollen, beliebig viele davon anzukreuzen. Approval voting (Wahl durch Zustimmung) lautet der Fachbegriff für dieses Verfahren. Der Wähler hat dabei die Freiheit zu sagen: „Ich akzeptiere die Alternativen 1,3 und 5, 2 und 4 gefallen mir nicht“. Eine Rangfolge darf er nicht angeben, das könnte zu einer ringförmigen Präferenz führen, die keine eindeutige Aussage zulässt. Nun ist das Brexit-Referendum gelaufen, aber bei ähnlichen vergleichbaren Abstimmungen könnte man das Approval Voting verwenden. Das empfiehlt zumindest Steven Brams. Vielleicht hätte er aber daran denken können, dass Volksabstimmungen in aller Regel nicht die genaue Meinung des Volks herausfinden sollen. Vielmehr will eine Gruppe oder Partei nachweisen, dass sie für ihre Politik eine Mehrheit findet.

Hilft dieser Beitrag also, den Brexit-Schock zu verarbeiten? Ich habe da meine Zweifel. Immerhin wissen wir jetzt, wie andere Staaten nach einer besonders fairen Abstimmung aus der EU ausscheiden können.

V
Den letzte Kommentar („Study how groups collaborate“) hat der österreichische, in Nottingham lehrende Psychologe Simon Gächter verfasst. Die britische Entscheidung, die EU zu verlassen, könne als Skepsis gegenüber einer weitreichenden multilateralen Zusammenarbeit interpretiert werden, schreibt er. Man solle also untersuchen, unter welchen Bedingungen Gruppen zum gemeinsamen Vorteil kooperieren können.

„Neue experimentelle Studien sollte insbesondere den Einfluss der [Gruppen- oder Stammes-]Identität auf die Zusammenarbeit in und zwischen Gruppen untersuchen, wenn ein Zielkonflikt zwischen Eigeninteresse und gemeinsamem Vorteil besteht oder zu bestehen scheint.“

Es ist nicht unbedingt ein Zufall, dass solche Studien in sein Arbeitsgebiet fallen.

Lehren aus dem Brexit

Alle fünf Beiträge stammen von anerkannten Forschern auf ihrem Gebiet. Die Nature-Redaktion hat sie um „Soul-searchung“ gebeten. Die Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen:

1 x „Weitere Debatten sind nötig.“
1 x „Ein anderes Abstimmungsverfahren für künftige Exit-Referenden wäre sinnvoll.“
3 x „Lehren? Können wir liefern, aber erst nach weiteren Forschungen.“5

Mit Verlaub: Das ist erbärmlich. Europa droht zu zerfallen und fünf renommierte Forscher geben auf ausdrückliche Anfrage von Nature keine sinnvollen Ratschläge. Die meisten Wissenschaftler sind fest davon überzeugt, dass eine enge internationale Zusammenarbeit wichtiger ist als je zuvor. Sonst werden wir Probleme wie Unterernährung, Seuchen, Kriege, mörderischen Fanatismus oder Klimawandel nicht besiegen können. Man dürfe Ziele wie Frieden, Wohlstand und Zusammenarbeit in Europa nicht den Politikern überlassen, schließt Peter Turchin seinen Kommentar. Nur dann müssen die Wissenschaftler dann auch konkrete Vorschläge machen. Sonst dürfen sie sich nicht beklagen, dass man sie nicht mehr fragt.

Anmerkungen

[1] Im Original: These schismatic times have researchers worldwide soul-searching over how best to contribute.

[2] Naja, so ausführlich wie das Format es hergibt: Nature hatte offenbar 500 Worte vorgegeben.

[3] Levente Littvay leitet das Team Survey der Initiative.
Link: https://populism.byu.edu/Pages/Surveys.aspx

[4] Klio ist die Muse der Geschichtsschreibung und der Heldendichtung.

[5] Ob historische Analysen wirklich Leitlinien für aktuelle Politik liefern können, ist durchaus zweifelhaft. Die EU lässt mit dem Reich Alexanders des Großen oder dem römischen Imperium kaum vergleichen. Die EU ist alles andere ein zentral gesteuertes Großreich, sondern ein freiwilliger Zusammenschluss von souveränen Nationalstaaten. Der Kern entstand aus der traumatischen Erfahrung der Weltkriege, die Erweiterung ist dem Zerfall des sowjetischen Imperiums geschuldet. Eine Analyse der EU auf der Grundlage historischer Imperien muss also in die Irre führen. Ich wage auch zu bezweifeln, ob man unbedingt neue Experimente braucht, um Aussagen darüber zu treffen, wie sich Menschen gegenüber der Mitgliedern der eigenen Gruppe im Vergleich zu Mitgliedern fremder Gruppen verhalten. Eine ganze Reihe von Studien aus den letzten Jahren zeigen eine deprimierende Tendenz, die eigene Gruppe unter alle Umständen zu bevorzugen.

(Mehr in: BrainLogs)

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Was Darwin über die Evolution der Religion schrieb – Meine erste Radioproduktion beim Deutschlandfunk

Gestern morgen warf ich mit etwas Herzklopfen das iPod an: Denn zum ersten Mal ging eine Radiosendung in den Stream, zu der ich nicht nur Interview- oder Textbeiträge geliefert hatte. Vielmehr hatte ich auf Einladung der ermutigenden Silvia Becker von der katholischen Hörfunkarbeit beim Deutschlandfunk erstmals als Autor ein eigenes Stück produziert – und den Text im Tonstudio komplett mit Regie, Technikerin und einem Schauspieler als Stimme Darwins aufgenommen. Dieser Rollenwechsel war eine intensive und gute Erfahrung!

Wenn Sie das Ergebnis interessiert, können Sie es in der ARDmediathek zum Hören (als mp3) bis Anfang Febuar 2017 abrufen oder untenstehend lesen.

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Evolution und Religion – Charles Darwin als Theologe

Blume:
Der Vortragssaal der Universität Tübingen war randvoll mit Biologinnen und Biologen aus europäischen Ländern von Island bis Israel. Die European Society for Evolutionary Biology (ESEB) hatte ihre Jahrestagung 2011 in Baden-Württemberg ausgerichtet und eine Idee der Organisatoren war es gewesen, eine Vorlesung zum Thema „Die Evolution der Religion“ anzubieten. Wir wussten nicht, ob überhaupt jemand kommen würde.

Doch sie kamen und kamen. Mein Herz pochte, als ich zum Rednerpult ging. Oft und gerne hatte ich als Religionswissenschaftler vor Kolleginnen und Kollegen der Biologie gesprochen; doch diesmal war vieles anders und alles auf Englisch.

Ich eröffnete meinen Vortrag mit der Ankündigung, dass ich ihnen zur „Evolution der Religion“ die Überlegungen eines Theologen vorstellen würde. Skepsis und Entsetzen machte sich auf den Gesichtern breit; die meisten Biologinnen und Biologen haben von Religionsgelehrten selten Gutes gehört. Doch dann ließ ich hinter mir das Bild des Gelehrten aufscheinen – und die Zurückhaltung, die im Raum quasi physisch zu spüren war, ging in Überraschung und schließlich Gelächter über. Denn hinter und über mir schaute niemand Geringeres in den Saal als der Begründer der Evolutionsbiologie selbst: Charles Darwin!

Ja, es ist wahr. In den meisten Kurzbiografien wird Charles Darwin als „Naturforscher“ vorgestellt. Und bis heute treffe ich auf großes Erstaunen, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass der bedeutendste Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts einen einzigen Studienabschluss erworben hatte – den eines Bachelors in christlich-anglikanischer Theologie! Darwin schnitt als zehntbester seines Jahrgangs in Cambridge ab und wäre beinahe Landpfarrer geworden. Doch er erbte von seinem Vater ein beträchtliches Vermögen. Und auch Darwins Ehefrau Emma brachte nicht nur ihren christlichen Glauben, sondern auch ein eigenes Vermögen in den Haushalt ein. So kam es, dass Darwin sein Leben lang als wohlhabender „Privatierund Familienvater, als Buchautor und als „Citizen Scientist“ – als ehrenamtlicher Bürgerwissenschaftler – wirken konnte. Im damals sehr interdisziplinären Theologiestudium hatte er die Fähigkeiten erworben, die es ihm ermöglichten, die bedeutendste wissenschaftliche Theorie zur Geschichte des Lebens zu entdecken.

Aber war Darwin denn nicht ein Gegner der Religion, wie sowohl religiöse Fundamentalisten als auch atheistische Religionskritiker immer wieder behaupten?

Oh nein, ganz und gar nicht. Noch in hohem Alter von 70 Jahren, drei Jahre vor seinem Tod, schrieb Darwin einem fragenden Studenten:

Darwin:
„Es scheint mir absurd zu bezweifeln, dass ein Mensch ein entschiedener Theist und ein Evolutionär sein kann. […] In meinen extremsten Schwankungen bin ich nie ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte.“

Blume:
Tatsächlich hatten Darwins spätere Zweifel am christlichen Glauben am wenigsten mit seinen wissenschaftlichen Entdeckungen zu tun. Allerdings konnte er nicht glauben, dass sein Vater und viele seiner nichtreligiösen, aber gutherzigen Freunde in die Hölle wandern würden, wie es die meisten Prediger damals noch lehrten. Und er rang mit der Theodizee-Frage – der Frage, wie ein guter Gott so viel Leid auf der Welt geschehen lassen konnte. Tagebuchaufzeichnungen belegen, dass ihn vor allem die lange Krankheit und der qualvolle Tod seiner Tochter Annie schwer bedrückten. Nach ihrer Beerdigung begleitete er seine Familie noch zum sonntäglichen Kirchgang, nahm aber selbst nie wieder an einem Gottesdienst teil.

Dem christlichen Kollegen und Freund Asa Gray schrieb Darwin:

Darwin:
„Im Hinblick auf die theologische Sicht der Frage; dies ist mir immer schmerzhaft. – Ich bin verunsichert. – Ich hatte nicht die Absicht, atheistisch zu schreiben. Aber ich räume ein, dass ich nicht sehen kann, nicht so klar, wie andere es tun und wie ich es wünschen sollte zu tun, dass es Beweise für Design und Güte auf allen Seiten um uns gebe. Es scheint mir zu viel Elend in der Welt zu geben. […] Auf der anderen Seite kann ich in keiner Weise zufrieden sein, dieses wundervolle Universum und vor allem die Natur des Menschen zu betrachten und zu schließen, dass alles nur Resultat roher Kraft sein würde. Ich tendiere dazu, alles als aus designten Gesetzen resultierend zu betrachten, deren Details, ob gut oder schlecht, dem zur Ausarbeitung überlassen wurde, was wir Zufall nennen. Nicht dass diese Haltung mich vollständig befriedigen würde. Ich empfinde sehr stark, dass dieses ganze Thema zu schwierig für den menschlichen Intellekt ist. Ein Hund könnte ebenso über den Geist Newtons spekulieren. – Lasst jeden Menschen hoffen und glauben, was er kann.“

Blume:
Schließlich erkannte Darwin: Wenn sich der Mensch tatsächlich in seiner Evolutionsgeschichte zu den heutigen Formen entwickelt hatte – dann musste auch die Religion selbst darin entstanden sein! Evolution und Religion waren also nicht nur keine Widersprüche; die Evolution selbst hatte auch den Glauben an höhere Wesen und schließlich an Gott hervorgebracht!

Entsprechend nahm Darwin in sein zweites Hauptwerk – „Die Abstammung des Menschen“ von 1871 – ein eigenes Unterkapitel und mehrere weitere Thesen zur Evolution des Gottesglaubens auf. Er setzte sich dabei mit den Thesen bekannter Theologen, Völkerkundler und Religionswissenschaftler auseinander und entwarf eine Annahme, die sich inzwischen in Grundzügen bestätigt hat!

Demnach sei der Glaube an „unsichtbare und spirituelle Wesenheiten“ aus den normalen sozialen Wahrnehmungen der Menschen entstanden, die damit auch ihre Lebens- und Traumwelt ausdeuteten. Über den Glauben an Geister und Ahnen sei es schließlich zum Glauben an viele Gottheiten und schließlich zur „höchsten Form“ der Religion gekommen: dem Glauben an einen einzigen, guten und gerechten Gott!

Darwin:
„Allem Anscheine nach ist es eine richtigere und wohltuendere Ansicht, dass Fortschritt viel allgemeiner gewesen ist als Rückschritt, dass der Mensch, wenn auch mit langsamen und unterbrochenen Schritten, sich von einem niedrigeren Zustande zu dem höchsten jetzt in Kenntnissen, Moral und Religion erhoben hat. […]

Viele jetzt noch existierende, abergläubische Züge sind Überbleibsel früherer falscher religiöser Ansichten. Die höchste Form der Religion – die großartige Idee eines Gottes, welcher die Sünde hasst und die Gerechtigkeit liebt – war während der Urzeiten unbekannt.“

Blume:
Darwin ging davon aus, dass ein gemeinsamer Glaube an kulturell bestimmte höhere Wesen schon unsere Vorfahren dazu motiviert hatte, sich zu engeren Gemeinschaften zusammenzuschließen und gemeinsame Regeln zu beachten.

Im Gegensatz zu anderen behauptete er dabei nie, dass Moral erst durch Religion möglich werde – moralische Gefühle wie Liebe, Fairness und Mitgefühl hätten sich schließlich bei allen höheren Säugetieren entwickelt und seien daher auch bei allen Menschen anzutreffen. Allerdings könnten Religionen diese allgemeine Moral kulturell aufgreifen und sowohl zu „schrecklichem Aberglauben“ oder auch zu höchster Vollendung führen.

EvolutionundGottesfrageAlle Zitate aus: „Evolution und Gottesfrage. Charles Darwin als Theologe“ (Herder 2013)

Darwin:
„Gutes zu tun in Erwiderung für Böses, den Feind zu lieben, ist eine Höhe der Moralität, von der wohl bezweifelt werden dürfte, ob die sozialen Instinkte für sich selbst uns dahin gebracht haben würden. Notwendigerweise mussten diese Instinkte, in Verbindung mit Sympathie, hoch kultiviert und mit Hilfe des Verstandes, des Unterrichts, der Liebe oder Furcht Gottes erweitert werden, ehe eine solche goldene Regel je hätte erdacht und befolgt werden können.“

Blume:
Daher plädierte Darwin auch nicht dafür, Religion einfach „gut“ oder „schlecht“ zu finden, sondern er erkannte sie als einen Teil der Evolutions-, Natur- und Kulturgeschichte des Menschen. Sie prägte unsere Vergangenheit, unser Werden mit und würde auch in Zukunft eine Rolle spielen.

So beeindruckend und vorausweisend Darwins Theorien zur Evolution von Religion auch waren, so hatte der Gelehrte aus heutiger Sicht jedoch zwei wichtige Faktoren übersehen.

So erkundete er nicht, wie die Menschen sich den „gemeinsamen Glauben“ an die höheren Wesen denn gegenseitig glaubwürdig bezeugen könnten. Heute wissen wir, dass genau dafür so genannte „Credibility enhancing displays“ – Glaubwürdigkeit steigernde Signale – da sind; beispielsweise regelmäßige Gemeinschaftsgottesdienste und -rituale, Opfer sowie religiöse Kleidungs-, Verhaltens- und Speisegebote. Wer sich bereit zeigt, für seinen Glauben Kosten und Mühen, vielleicht gar Leiden oder den Tod auf sich zu nehmen, der signalisiert damit auch die Ernsthaftigkeit seines Glaubens und festigt die Gemeinschaft.

Und diese religiösen Gemeinschaften werden, zweitens, wesentlich auch von Frauen getragen. Erfolgreiche Religionsgemeinschaften zeichnen sich bis heute dadurch aus, dass sie das Leben und die Familie fördern, zum Beispiel durch Ehe- und Familienregeln, den Betrieb von Schulen, Kindergärten, Stiftungen und Krankenhäusern. Entsprechend haben Frömmere quer durch die Weltreligionen auch durchschnittlich mehr Kinder und Enkel – der Goldstandard der Evolution.

In einigen Traditionen – etwa dem katholischen Christentum oder dem Buddhismus – ist es sogar üblich, dass Einzelne aus religiöser Berufung auf eine eigene Familie verzichten, um sich ganz in den lebensförderlichen Dienst der Gemeinschaft zu stellen: etwa durch Streitschlichtung und Heilung, durch Predigt und nicht zuletzt durch Bildung und Betreuung. Von Gewalt sollen sich solche Priester, Mönche und Nonnen eigentlich fernhalten und häufig werden sie respektvoll mit Familienbezeichnungen wie Vater, Mutter oder Schwester angesprochen. Dass Papst – italienisch: Papa! – Franziskus gerade eine eigene Lehrschrift zur Bedeutung der Liebe in Familien veröffentlicht hat, ist daher gut verständlich!

Diesen Aspekt sah Darwin nicht. Er war ein Mann seiner Zeit und ging davon aus, dass die Männer in stetigem, unbarmherzigem Überlebenskampf miteinander stünden und auch der Erfolg von Religionen vor allem darin zu suchen wäre, die stärkeren Kampfgruppen hervorgebracht zu haben. Kinder bekämen die Sieger dann schon von selbst.

Doch schon zu Darwins Lebzeiten gab es eine Frau und Evolutionsforscherin, die ihm mit sehr guten Argumenten widersprach! Die 1825 geborene Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) hatte sich als eine der ersten US-Amerikanerinnen überhaupt ein Theologiestudium erkämpft und wurde schließlich zur ersten Gemeindepastorin der Vereinigten Staaten. Sie führte außerdem eine glückliche Ehe und wurde sechsfache Mutter, engagierte sich für das Frauenwahlrecht, die Befreiung der Sklaven – und für die Wissenschaften.

Entsprechend war auch sie von der Evolutionstheorie begeistert – aber entsetzt, als sie sah, wie Frauen darin dargestellt wurden. Daher schrieb sie ein eigenes Buch „The Sexes throughout Nature – Die Geschlechter quer durch die Natur“. In diesem Buch wies sie darauf hin, dass Darwin und seine männlichen Kollegen übersahen, dass Evolution nur im Miteinander der Geschlechter funktioniere. So werde der Aufwand für das Aufziehen von Kindern zwischen den Eltern und anderen Personen ganz unterschiedlich verteilt, aber eben immer verteilt. Ohne die Berücksichtigung dieser Dienste am Leben könne die Evolution gar nicht verstanden werden! Brown-Blackwell schickte ein Exemplar ihres Buches an Darwin, der ihr zwar mit wenigen Sätzen dankte, es jedoch leider nie aufgriff und wohl nicht einmal las.

Heute wissen wir, dass Darwins Evolutionsforschung auch zur Religion noch besser geworden wäre, wenn auch damals schon die Stimmen der Frauen gehört worden wäre und er das Miteinander der Geschlechter stärker in den Blick genommen hätte. Es ist eben kein Zufall, das Gottes allererstes Worte an den Menschen, nach jüdischer Zählung auch sein erstes Gebot, lautet: „Seid fruchtbar und mehret euch!

Pflanzen und Tiere brauchen eine solche Aufforderung nicht, ihr Fortpflanzungsverhalten ist biologisch festgeschrieben. Doch unsere Vorfahren überschritten, als sie Menschen wurden, diese Festlegungen – und sie fragen seitdem, wofür sie eigentlich leben, wofür sie sich binden und wofür sie auch noch mühsam Leben schenken sollen.

Die Wissenschaft kennt viele religiöse Traditionen, die über Jahrhunderte hinweg kinderreich und lebendig geblieben sind. Wo immer sich jedoch der religiöse Glauben auflöste, lockerten sich auch die Gemeinschafts- und Familienstrukturen und sank die Kinderzahl bis unter die so genannte „Bestandserhaltungsgrenze“ ab. Der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks schrieb gerade auch mit Blick auf die Evolutionsforschung dazu, Religionen stifteten den Generationen übergreifenden „Willen zum Leben“.

Charles Darwin hatte also Recht: Für religiöse Menschen gibt es keinen Grund, sich vor den Erkenntnissen der Wissenschaft und insbesondere der Evolutionsforschung zu fürchten. Religion ist ebenso wie Sprache und Musik ein Teil unserer menschlichen Natur, die wir durch Kultur lebensförderlich, aber leider auch lebensfeindlich ausgestalten können. In jedem Falle aber gilt: Die Evolution selbst hat die Religion, den Glauben an höhere Wesen und schließlich an Gott hervorgebracht.

Schluss…

…hier mit einem Video aus der Wissenssendung Quarks & Co. zum Thema Evolution und Religion:

(Mehr in: BrainLogs)

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Blick zurück im Zorn ? Oder: Gab es Bazillen auf dem Mars? Ein Rückblick.

Is there Life on Mars ?, das fragten sich schon David Bowie und sein Produzent Tony Visconti Anno 1973. Ein paar Jahrzehnte später sah es dann so aus, als ob darauf tatsächlich eine Antwort gefunden wurde.

20 Jahre ist es also her. Damals, in der fernen Vergangenheit der 90er also (Himmel, dieses Jahr ist das 25te Abitreffen. Alt, ich bin wirklich alt). Flauschige Schul-, Zivi-, Studenten-, und sogar erste Doktorandenjahre (persönlich wahrlich ein bewegtes Jahrzehnt). Der Durchbruch für Internet,  Handys, Grunge (erinnert sich wer ?) und Pokemon (ja, alles schon mal dagewesen).
Und am 7.August 1996 hielt der Präsident der USA, Bill Clinton (irgendwie auch verwandt mit der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton) eine Fernsehansprache. Und zwar über einen Meteoriten. Kommt auch nicht alle Tage vor – außer in Filmen, wenn was Größeres von oben droht… Impakt-Filme waren übrigens auch in Mode in den 90ern, Deep Impact und Armageddon (bäh).

Um was ging es denn? Erst mal um einen Meteoriten, ALH 84001. Hier zeitgenössische Artikel im Spektrum, Bild der Wissenschaft, und dem Spiegel. Prima Zusammenfassung vom wie immer zuverlässigen PSRD auf Hawaii hier, und hier vom Lunar and Planetary Institute LPI in Houston. ALH heißt: Kommt von den Alan Hills in der Antarktis. Da kommen bekanntlich viele Meteorite her. ALH 84001 ist ein SNC-Meteorit, wie die Marsmeteorite auch genannt werden. SNC steht für die drei grundlegenden Typen: Shergotitte, Nakhlite und Cassignite. Aber ALH84001 passt nicht ganz ins Schema, weshalb er auch als SNC-Orthopyroxenit bezeichnet wird (hier der Eintrag im Katalog der Meteoritical Society). Der Meteorit besteht also vor allem aus dem gängigen Eisen-Magnesiumsilikat Orthopyroxen. Das hat jetzt aber erst mal nichts mit den Lebenspuren zu tun.

Interessant wird es bei den weiteren Mineralen. Denn darunter findet sich ein eisenreiches Karbonat, Siderit. Zu den Karbonaten gehört auch der Kalzit, gemeinhin als Kalkstein bekannt. Das ist schon mal interessant, weil sich dieser gerne in Wasser bildet. Das alleine hat aber immer noch nichts direkt mit Leben zu tun, aber halt schon eine wichtige Grundlage. Dann waren da die PAH – Polyzyklisches Hydrokarbon. Das kann schon was mit Leben zu tun haben, nämlich als Zerfallsprodukt (z.B. in Kohle). Das wäre dann doch schon mal was. Eine weitere mineralogische Spur waren dann spezielle, längliche Anordnungen und Formen von Eisenoxid (Magnetit) und Eisensulfiden, die an Überbleibsel irdischer Bakterien erinnern – Nanofossilien. Diese wurden zusammen mit den Karbonaten gefunden. Diese wurmartigen Objekte waren allerdings deutlich kleiner (ein paar hundert Nanometer) denn die Überreste ihrer potentiellen irdischen Kollegen (im Mikrometer-Bereich). Das alles Zussammen war die Grundlage für die These, dass es sich um extraterrestrische Fossilien handelte.

Das Gebiet  der Astrobiologie hat unter vielen Kollegen den Ruf des spekulativen, mit einem Hang zu Schnellschüssen. Vor 1996 war Astrobiologie eher untergeordnet. Die beiden Vikings in den 70ern hatten zwar Experimente an Bord, die Leben nachweisen sollten. Aber so richtig ernst wurde die Astrobiologie als Forschungsrichtung eigentlich nicht genommen. Die meisten Forscher auf dem Gebiet waren/sind Geowissenschaftler und Physiker, die sich an Gestein oder Eis abarbeiten. Mit der Entdeckung änderte sich dieses. Die Suche nach Leben (nicht nur) auf dem Mars trat in den Vordergrund in den Planetary Sciences, Gelder flossen plötzlich üppig für alles in dieser Richtung. Was natürlich bei denjenigen, die auf anderen Feldern forschten dann auch nicht so gut ankam. Zunächst überwog aber wohlwollendes Interesse, kein Wunder, war zunächst mal eine spektakuläre, fundamentale Entdeckung. Dann aber drehte sich Wind und Stimmung in der Branche ziemlich schnell.

Grund für den Rückschlag spielte war unter anderem, dass die NASA-Gruppe sich nicht richtig an die Gepflogenheiten in der Branche hielt. Anstatt erst das Ganze ’seriös‘ zu veröffentlichen, oder sich der wissenschaftlichen Öffentlichkeit generell zu stellen, wurden die Ergebnisse eben zuerst auf der Pressekonferenz verkündet. Dazu gab es nur wenige Wochen vorher auf der Meteoritical Society Conference damals in Berlin (wie auch dieses Jahr !) die Möglichkeit, oder Anfang des Jahres auf der LPSC. Das kam nicht so gut an. Wobei es durchaus Andeutungen gab, in welche Richtung die Forschung ging, siehe ein Tagungsabstrakt ein Jahr vorher.

Zunächst also wurde ordentlich geforscht. Ein Problem war der Mangel an brauchbaren Proben – Marsmeteorite sind und waren nicht so häufig. Schaut man sich die Veröffentlichungen zum Thema an, so scheint es dann zur LPSC 1997 so richtig losgegangen zu sein. Und zwar sprichwörtlich, die Stimmung in den Mars-Sessions zum Thema war so aufgeheizt, wie ich es mir in jüngeren Jahren vorgestellt habe.  Und noch 4 Jahre später haben sich die Vertreter beider Stämme gar übelst verbal während der speziellen Session angegangen, war für mich als kleinen Doktoranden damals schon beeindruckend. Der Split ging durch Familien, es gab mindestens einen Fall wo ein Familienmitglied auf der Pro, der andere auf der Gegen-Seite dabei war.

Ein Fokus der Forschung zum einen auf den Karbonaten – deren Aufbau und Zusammensetzung erlaubt Rückschlüsse auf die Entstehungsbedigungen. Dummerweise ergaben diverse Studien Temperaturen von knapp über Nullpunkt bis hin zu 700°C. Außerdem deutete einiges auf einen komplexen Entstehungsprozess in verschiedenen Stufen (ältere Papers in Meteoritics&Planetary Science sind tatsächlich frei zugänglich, lobenswert) hin, mit Anzeichen für eine chemische Verbindung zu anderen Verwitterungsprodukten wie Tonmineralen. Es gibt Anzeichen für Impaktschock in den Karbonaten – und die generierte Hitze konnte den eisenreichen Siderit zerlegen – und dabei kann Magnetit entstehen, in der Form, wie in ALH 84001 beobachtet. Die Magnetite können also generell auch mit anderen Prozessen erklärt werden, nicht nur biologischen. Wie man an dem Abstrakt sieht, war auch noch 2010 die Stimmung etwas … sagen wir mal angespannt. Hier das Gegenstück von der ‚Pro‘ Seite.

Und dann das organische Material. Ein Paper von Mikhail Zolotov bringt alle drei Säulen der Argumentation in einem Modell zusammen – in dem das organische Material in einem Impakt (vielleicht mit vorhergehenden magmatischen Prozessen) abiotisch generiert wurde. Auch zeigten die PAH keine räumliche Korrelation mit den Karbonaten, was zu erwarten wäre – sie sind wohl terrestrische Kontamination z.B. durch die Treibstoffe der Fahrzeuge der Expedition, die die Proben einsammelte.

Alles also sehr, sehr kompliziert. Und es wird noch immer ordentlich geforscht. Aber die Sache war halt bei weitem nicht so Eindeutig, dass es zwingend auf Leben auf dem Mars hindeutet. Wobei mich rückblickend doch etwas erstaunt, was für Wellen die wenigen Indizien ausgelöst haben. Heute würde das (natürlich dank der Erfahrung damals) nicht wohl ganz so gehypt werden. Andererseits – die Mode, auch wackeligste Entdeckungen mit großen, laut angekündigten Pressekonferenzen in die Welt zu setzten, entstammt wohl auch aus dieser Zeit.

So was bleibt von dem Ganzen? Durchaus viel. Das der Mars heute ein derart gut erforschter Planet ist, dürfte auf die Sache zurückgehen. Wobei natürlich auch so der Mars wieder deutlicher ins Zentrum des Interesses geraten wäre, einige Raummissionen waren zum Zeitpunkt der Affäre schon in fortgeschrittenem Zustand. Aber heute ist der rote Planet der nach der Erde wohl am besten erkundete Himmelskörper. Die Wissenschaft ist inzwischen so weit, das hier nicht ein Körper einfach mal abfotografiert wurde und gut wars.  Heute haben wir eine praktisch kontinuierliche Beobachtung, so das auch aktive Prozesse auf dem Planeten recht zeitnah verfolgt werden können. Und dabei geht es nicht nur um einen Haufen Steine –  ein schönes Beispiel ist die Arbeit eines Kollegen hier in Münster, der an Staubteufeln,  Luftschwirbeln in der Marsatmosphäre forscht.

Und wie gesagt, geforscht wird an ALH 84001 nach wie vor ordentlich. Und die Arbeitsgruppe, die das ganze ins Rollen brachte, steht auch nach wie vor zu den Ergebnissen.

Und es wurde einiges an Grundlagenforschung betrieben. Zentraler Punkt war natürlich, wie überhaupt so ein Brocken von einer Planetenoberfläche in einer Art und Weise in den Weltraum geschleudert werden kann, so dass organisches Material in erkennbarer Form durchkommt. Ganz zu schweigen von der feindlichen Umgebung des Weltalls. Das inspirierte Studien in diese Richtung. Aber dazu mehr ein anderes Mal.

Fazit: Vielleicht nicht ganz ein Look back in Anger (obligatorische Bowie-Referenz zum Abrunden am Schluss, Meiner Meinung nach eines seiner besten Lieder).

(Mehr in: BrainLogs)