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Paläothermometer verbessert: Schweizer Seen als Modellsystem

Seit Jahren versuchen Wissenschaftler das Klima der Vergangenheit zu ermitteln, um Vorhersagen zu zukünftigen Klimabedingungen treffen zu können. Nun ist es gelungen, die Methodik zur Klimarekonstruktion mithilfe fossiler Mikroben zu verbessern. Dazu analysierten Wissenschaftler unter Leitung der Universität Basel Sedimente in über 30 Schweizer Seen. Die Ergebnisse lassen sich auf Seen weltweit anwenden, wie die Wissenschaftler in PNAS berichten.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Bodenverflüssigung macht Erdbeben gefährlich (mit Schiffeversenken)

Eine der Gefahren bei Erdbeben geht von der so genannten Bodenverflüssigung aus. Unverfestigte Sedimente verhalten sich im Falle von Erschütterung plötzlich wie eine Flüssigkeit. Doch nicht nur bei Erdbeben, auch bei Erdrutschen und sogar im … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Schwarzer Kohlenstoff altert in Böden und Flüssen vor dem Transport ins Meer

Bei Waldbränden und der Verbrennung fossiler Brennstoffe gelangt der Grossteil des Kohlenstoffs als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein knapper Drittel bleibt als schwarzer Kohlenstoff zurück. UZH-Forschende zeigen nun, dass dieser über Jahrtausende an Land und in Flüssen altern kann, bevor er ins Meer fliesst und sich in den Sedimenten ablagert.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Dolomitfunde werfen ein neues Licht auf die Klimageschichte

Bisher waren Forscher, die das Mineral Dolomit in Meeres- und Seesedimenten gefunden haben, davon ausgegangen, dass es sich vor allem bei hohen Salzgehalten und hohen Temperaturen zwischen 20 und 40 Grad Celsius bildet. Funde des Minerals in Sedimentbohrungen wurden daher als Zeichen für ein entsprechendes trockenes und heißes Klima in der Vergangenheit interpretiert. Geologen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben Dolomit jetzt überraschend in verhältnismäßig jungen Proben aus dem Vanseeboden gefunden, ausgerechnet aus Zeiten mit niedrigerem Salzgehalt und gleichbleibend tiefer Temperatur des Wassers um drei Grad Celsius.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Frage eines US-Politikers: Lassen abstürzende Steine den Meeresspiegel steigen?

Erhöhen sich die Pegel der Ozeane, weil Steilküsten einstürzen und Flüsse Sedimente ins Meer spülen? Das wollte ein US-Politiker von einem Klimaforscher wissen. Die Antwort fiel knapp aus. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

Forschenden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Brasilien gelungen, anhand eines ungewöhnlich aufschlussreichen Sedimentkernes aus dem südchinesischen Meer neue Erkenntnisse über einen entscheidenden Wendepunkt des globalen Klimas im Zeitraum von vor neun bis fünf Millionen Jahren zu gewinnen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Was löste Gashydrate am Ende der letzten Eiszeit auf?

Große Mengen des Treibhausgases Methan lagern als feste Gashydrate in den Kontinentalhängen der Ozeanränder. Sie sind nur bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck stabil. Doch welche Faktoren können die Gashydratstabilität noch beeinflussen? Ein deutsch-norwegisches Forscherteam hat vor Norwegen Belege gefunden, dass die Menge des sich auf dem Meeresboden ablagernden Sediments eine entscheidende Rolle spielen kann. Die Studie erscheint heute in der internationalen Fachzeitschrift Nature Communications.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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BRIESE-Preis 2017: Wichtigen „Ökosystemleistungen“ von sandigen Meeressedimenten auf der Spur

Der BRIESE-Preis für Meeresforschung 2017 geht an Soeren Ahmerkamp. Die Jury würdigt damit seine Forschung zum Sauerstofftransport in sandigen Nordseesedimenten und wie dieser die Aktivität der dort lebenden Bakterien beeinflusst. Dazu kombinierte er Laborversuche, Modellrechnungen und Feldmessungen, für die er ein spezielles Meeresbodenobservatorium entwickelte. Er konnte erstmals unter Feldbedingungen zeigen, dass Rippelstrukturen sandiger Meeresböden dazu führen, dass Sauerstoff und Nährstoffe tiefer ins Sediment dringen als bei glatten Böden und so die Mikroorganismen besser versorgen. Sande spielen nicht zuletzt deswegen eine besonders wichtige Rolle als Filter für Nährstoffeinträge.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Unterschätzte Gefahr: Mikroplastik auf dem Trockenen

Kleinste Plastikteilchen stellen auch für Lebewesen an Land eine Bedrohung dar und könnten dort sogar schädlicher wirken als in Meeren. Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und Berliner KollegInnen warnen: Die Auswirkungen von Mikroplastik in Böden, Sedimenten und Binnengewässern könnten terrestrische Ökosysteme auf der ganzen Welt dauerhaft negativ beeinflussen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Plastikmüll in der Arktis: Die Müllkippe im Norden

Die Arktis wird mehr und mehr zum globalen Endlager für den Plastikmüll. Er findet sich an der Meeresoberfläche, am Boden der Tiefsee – und als Mikroplastik sogar in Eisschollen und Sedimenten. Was tun? (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Auf den Spuren von Jacques Cousteau

Aus dem berühmten Blue Hole im Karibischen Meer barg das Team des französischen Meeresforschers Jacques Cousteau 1970 einen ungewöhnlichen Stalaktiten. Was er über das Klima seit der letzten Eiszeit verrät, erklärt der Geowissenschaftler Eberhard Gischler von der Goethe Universität in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Sedimentary Research“.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Abkühlung im hohen Norden führte zu Wüstenbildung in Nordafrika

Das Ende der „Grünen Sahara“: Fallende Temperaturen in hohen nördlichen Breiten führten dazu, dass vor 5500 Jahren die Niederschläge in Nordafrika deutlich zurückgingen. Das zeigen Analysen von Blattwachsen im Sediment des Golfs von Guinea.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Öl- und Gasbohrungen als starke Quelle von Treibhausgasen

Neue Studie belegt Methan-Leckagen rund um Bohrlöcher in der Nordsee

Bohrlöcher in der Nordsee könnten eine deutlich größere Quelle von Methan, einem starken Treibhausgas, sein als bisher angenommen. Das zeigt eine Studie, die Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht haben. Demnach treten aus den die Bohrungen umgebenden Sedimenten große Mengen Methan aus, vermutlich über lange Zeiträume.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland

Versteckt unter einer mächtigen Sedimentbedeckung könnten sich in Norddeutschland nicht nur Zink und Blei, sondern auch wirtschaftsstrategisch bedeutsame Hochtechnologiemetalle wie Gallium, Germanium, Indium oder Lithium befinden. Mit modernsten geowissenschaftlichen Analysemethoden werden nun im Forschungsprojekt „MinNoBeck“ unter der Leitung der Jacobs University in Bremen Bohrkerne und Formationswässer aus der Erdöl- und Erdgasexploration und -förderung untersucht, um eventuell vorhandenen Erzen auf die Spur zu kommen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Forscher gehen Sumatra-Erdbeben auf den Grund

Welche Rolle haben Mineralien im Meeresboden gespielt, als ein Seebeben vor Sumatra eine riesige Tsunamiwelle auslöste? Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat jetzt Beweise dafür gefunden, dass dehydrierte Minerale im Meeresboden-Sediment die Stärke des Sumatra-Erdbebens am 26. Dezember 2004 beeinflusst haben könnten. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden jetzt unter der Leitung von Dr. Andre Hüpers (MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen) im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Urmenschen-Erbgut in Höhlensedimenten entdeckt

Forscher können mit neuer Methode alte DNA aus Höhlensedimenten identifizieren, auch wenn dort keine Skelettüberreste vorhanden sind
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Entstehung von Goldlagerstätten in Südafrika

Deutsch-kanadisches Forscherteam entdeckt neuen Bildungsmechanismus in früherem marinen Sedimentbecken

20.04.2017/Kiel. Der Witwatersrand in Südafrika beherbergt das größte bekannte Goldvorkommen auf der Erde. Doch wie ist es entstanden? Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und von kanadischen Einrichtungen haben nun mit detektivischer Kleinarbeit herausgefunden, wie sich ein Teil der weltweit größten Goldlagerstätten vor etwa drei Milliarden Jahren gebildet hat. Öl und heiße Quellen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Studie ist kürzlich in der Fachzeitschrift „Precambrian Research“ erschienen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion

Die Studie einer Forschergruppe aus Belgien, Deutschland und der Schweiz unter Mitarbeit von Wissenschaftlern der Universitäten in Bonn und Augsburg zeigt eine bisher wenig bedachte Rückkopplung zwischen den langfristigen Auswirkungen der menschengemachten Entwaldung und Bodenverlagerung auf die globalen Treibhausgasemissionen seit Beginn des menschlichen Ackerbaus. Rund 40 Prozent aller Kohlenstoffemissionen, die aus der Umwandlung von Grasland oder Wald in Ackerland entstehen, werden in Sedimenten gebunden. Die überraschenden Ergebnisse sind nun im Journal „Nature Climate Change” veröffentlicht. ACHTUNG SPERRFRIST: Nicht vor Montag, 10. April, 17 Uhr MESZ veröffentlichen!
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Klimaschaukel am Ende der letzten Kaltzeit: Warmes Europa lässt Ostasien abkühlen

Eine Veränderung der Niederschlagsverhältnisse an einem Ort kann ihren Ursprung auf der anderen Seite des Globus haben. Ein besseres Verständnis dieser „Telekonnektionen“ kann dabei helfen, die Auswirkungen künftiger Klimaänderungen besser vorauszusehen. Ein gutes Mittel zur Untersuchung der Telekonnektionen ist der Blick in die Klimavergangenheit der Erde. Ein internationales Team unter Beteiligung des GFZ hat nun anhand von Seesedimenten aus Japan das Zusammenspiel lokaler Klimaänderungen auf der Nordhalbkugel vor etwa 12.000 Jahren entschlüsselt. Ihre Ergebnisse zeigen, wie eine Erwärmung in Europa zu einer Abkühlung und stärkeren Schneefällen in Ostasien führte.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Sauerstoffkrisen in der Adria sind nicht nur vom Menschen verursacht

Marine Todeszonen sind nicht ausschließlich ein Phänomen der letzten Jahre. Paläontologen der Universität Wien um Martin Zuschin haben aus 500 Jahre alten Sedimentkernen der nördlichen Adria auch frühere Sauerstoffkrisen des Mittelmeeres abgelesen – und zwar aus Schwankungen im Auftreten der „Körbchenmuschel“, einer tierischen Überlebenskünstlerin, die bei Sauerstoffmangel ihre Stoffwechseltätigkeit umstellt. Ihre Ergebnisse, die sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Geology“ publizieren, belegen aber auch, dass die Eutrophierung, also vom Menschen verursachter Nährstoffüberschuss in den Meeren, die Situation der Adria klar verschärft.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Ein neuer Name für die Seekuh aus dem Mainzer Becken

Die Wirbeltierpaläontologin Manja Voß und ihr Kollege Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde Berlin fanden heraus, dass sich insgesamt zwei Arten von fossilen Seekühen in ca. 30 Millionen Jahre alten Sedimenten des Mainzer Beckens nachweisen lassen. Die beiden neu entdeckten Arten sind außerdem so verschieden von allen anderen bekannten Seekühen, dass sie eine eigenständige Gruppe bilden mit dem Gattungsnamen Kaupitherium.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Spiel mit dem Feuer – wie Eiszeitjäger das Landschaftsbild Europas prägten

Bereits vor 20.000 Jahren haben Jäger und Sammler möglicherweise gezielt Feuer eingesetzt und damit zur Entstehung des lichten Charakters der eiszeitlichen europäischen Landschaft beigetragen. Das legt eine kürzlich im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlichte Studie nahe, zu deren Autoren auch eine Senckenberg-Wissenschaftlerin gehört. Es wäre einer der frühesten Hinweise auf einen großflächigen Eingriff des Menschen in die natürliche Vegetation seiner Umgebung. Der Befund erklärt, warum Analysen von Sedimenten belegen, dass in der Eiszeit in Europa eine offene Steppenlandschaft vorherrschte, während Vegetationsmodelle ergeben, dass Teile Europas damals dichter bewaldet gewesen sein müssten.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Studie zeigt Auswirkungen der Antarktis auf den Klimawandel

Internationales Forscherteam untersucht anhand von Sedimenten Zusammenhang zwischen Klimawandel und Antarktischen Eisbergen

Wissenschaftler wissen seit Jahrzehnten, dass kleine Veränderungen im Klima erhebliche Auswirkungen auf das massive Antarktis-Eisschild haben können. Nun legt eine neue Studie nahe, dass das auch umgekehrt der Fall sein kann. Ein internationales Forscherteam hat dafür Sedimente aus den vergangenen 8.000 Jahren untersucht. Ihre Entdeckung kann auch erklären, warum das Meereis in der südlichen Hemisphäre zugenommen hat, obwohl der Rest der Erde wärmer wird. Die Ergebnisse der Studie hat die Fachzeitschrift Nature jetzt (12.12.2016) veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Geschichte in Schichten

Sedimente faszinieren die Geologen, aber auch die Paläontologen. Denn die Vergangenheit der belebten Natur ist nur in Erdablagerungen zu erkunden: versteinerte Schwämme, Dinosaurier-Knochen, Mikrofossilien aus der Steinzeit oder frühmenschliche Zähne … alles findet sich wohl … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Antarktisches Eisschild reagiert sensibler als gedacht

Das Eisschild in der Antarktis reagiert deutlich sensibler auf Temperaturschwankungen als bislang geglaubt. Kleine Erwärmungen reichen aus, um eine verhängnisvolle Kaskade in Gang zu setzen, die etwa in einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels münden kann. Das hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn an Sedimenten des Scotiameeres aus den vergangenen 8.000 Jahren herausgefunden. Dieses Ergebnis, das nun in „Nature“ veröffentlicht wird, könnte auch helfen zu erklären, warum das Meereis in der Südhemisphäre in letzter Zeit zugenommen hat, obwohl der Rest der Erde wärmer wird. ACHTUNG SPERRFRIST: Nicht vor Montag, 12. Dezember, 17 Uhr MEZ veröffentlichen!
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Migrationsdebatte mal anders – War der frühe Homo Sapiens ein ‚Klimaflüchtling‘?

Das Projekt A3 des Sonderforschungsbereiches 806 der Universitäten Köln, Aachen und Bonn versucht diesen Fragen nun anhand von Sedimenten auf den Grund zu gehen. Der Lake Chew Bahir im Süden Äthiopiens, auch als Stefaniesee bekannt, ist hierbei besonders vielversprechend. Professor Frank Schäbitz zum Forschungsprojekt: „Anhand der Seesedimente können wir das Klima und die Umweltbedingungen der letzten 200.000 Jahre rekonstruieren und Faktoren untersuchen, die schließlich die Ausbreitung und Migration des modernen Menschen förderten.“
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Die Suche nach dem Erdbeben-Keim-Sind kalkhaltige Sedimente Schwachstellen in seismogenen Zonen?

01.08.2016/Kiel. Wo eine Erdplatte unter eine andere abtaucht, in den sogenannten Subduktionszonen an den Ozeanrändern, entstehen viele schwere Erdbeben. Besonders die Beben in geringer Tiefe verursachen häufig auch Tsunamis. Wodurch werden solche Erdbeben genau ausgelöst? Welche Zusammensetzung des Untergrundes begünstigt einen Bruch im Erdinneren, der zu einer solchen Naturkatastrophe führen kann? Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und der Universität Utrecht (NL) veröffentlichen jetzt in der Fachzeitschrift Nature Geoscience eine Studie, die zeigt, dass kalkhaltige Sedimente die Keimzelle von Erdbeben bilden können.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Alarmierende Ergebnisse: Schadstoffbelastung durch Mikroplastik im Sediment höher als erwartet

Zu alarmierenden Ergebnissen kommt die Untersuchung von Mikroplastik im Sediment von Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee: Mikroplastik bindet deutlich mehr Schad- und Giftstoffe im Sediment als bisher vermutet. Die kleinen Plastikteilchen sind um das Drei- bis Vierfache stärker belastet als das ohnehin schon kontaminierte Sediment. Die größte Schadstoffbelastung wurde nahe der Kläranlage Lübeck gemessen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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PK 1.8./11h: Schadstoffbelastung durch Plastik-Giftcocktails im Sediment höher als erwartet

Zu alarmierenden Ergebnissen kommt die Untersuchung von Mikroplastik im Sediment der Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee: Mikroplastik bindet deutlich mehr Schad- und Giftstoffe im Sediment als bisher vermutet. Die kleinen Plastikteilchen sind um das Drei- bis Vierfache stärker belastet als das ohnehin schon kontaminierte Sediment. Die größte Schadstoffbelastung wurde nahe der Kläranlage Lübeck gemessen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Anthropozän: Die Wissenschaft im Dialog mit Politik und Gesellschaft? – Ein Zwischenbericht

Einleitung: der Anthropozän-Diskurs

Wer hätte gedacht, dass das Anthropozän-Konzept derart rasch Fahrt aufnehmen würde: Nicht nur der Anthropozäniker auf Scllogs, sondern – wie auch an dieser Stelle immer wieder berichtet – Kulturprojekte, Ausstellungen, Bücher, ja sogar Comics thematisieren die „Menschenzeit“ [1]. Auch die Wissenschaften stürzen sich darauf: Geistes-, Kultur-, Sozial-, Ingenieurs- und Naturwissenschaftler scheinen gleichermaßen interessiert, Philosophen, Ethiker, Historiker und Juristen diskutieren plötzlich mit Geologen; manche sprechen sogar von einer weiteren kopernikanischen Wende – eine völlig veränderte Sicht auf die Welt, in der Natur, Technik, Kultur und Gesellschaft zu einem einzigen System vereint sind [2]. Auch außerhalb der Wissenschaftswelt berufen sich viele auf das Anthropozän: Umweltaktivisten, Politiker, Kreative und sogar Firmen zählen sich teilweise ebenfalls zum Club der Anthropozän-Fans [3].

Gleichzeitig gibt es aber auch Gegenwind. Mancher Umweltverband erkennt darin nur neue Schläuche für alten Wein, während andere den Naturschutz damit ausgehebelt sehen – Geologie statt Ökologie? Manche Theologen, Ethiker, Philosophen, Kultur- und Sozialwissenschaftler sind ausgesprochene Befürworter des Anthropozän-Konzepts, während andere aus denselben Fächern es für komplett unnütz erklären (siehe auch meinen früheren Blogbeitrag hier). Etlichen  ist das Konzept zu politisch, anderen wieder zu unpolitisch und wieder andere halten es gar für einen neuen Zweig der Pop-Kultur (Hamilton 2016) (Abb. 1). Es steht auch das ambivalente Urteil im Raum, der Anthropozän-Ansatz sei „absolut positivistisch und zukunftsbejahend. Aus der Technikverliebtheit der Vergangenheit wird eine Forschungsverliebtheit, die einen radikalen Fortschrittsgedanken in sich trägt.“ [4] Im aktuellen online-Dossier von Spektrum der Wissenschaften wird ein Artikel von des Journalisten und Geographen Gabor Páal nochmals aufgeführt mit dem Titel „Das Anthropozän muss wissenschaftlich bleiben“. Er befürchtet, dass  „Die Idee vom Anthropozän … dabei [ist], zum vulgärwissenschaftlichen Topos zu werden wie einst die heisenbergsche Unschärferelation … oder der so genannte Schmetterlingseffekt …“ , wenn sich Geistes- und Sozialwissenschaftlers ebenfalls des Begriffs bemächtigen. Er sieht damit das Anthropozän-Konzept offensichtlich fest in den Geowissenschaften verankert. Alles an Überbau, ethischer Relevanz der Befunde und möglichen Lösungsansätzen sieht er damit offensichtlich nicht mehr als Teil des Anthropozänkonzeptes. All dies sei eher die Sache der Geoethik, zu der bereits zwei (konkurrierende?) Fachgesellschaften bestehen. Das Beispiel zeigt gut, dass es vor allem der systemische Anspruch des Anthropozän-Ansatzes ist, der einerseits bei vielen Wissenschaftlern eine immense integrative Kraft zu inter- und transdisziplinärem Arbeiten entfaltet, der aber auch andererseits Befürchtungen bei anderen Wissenschaftlern verursacht, das Anthropozän könne einem etwas vom eigenen „wegnehmen“. Dies gilt sowohl in innerhalb der Geowissenschaften – dort gibt es selbstverständlich ebenfalls Vorbehalte (nach dem Motto: „wir haben doch schon Quartärgeologie und Geographie“, was allerdings das Wesen des Anthropozän-Konzepts komplett verkennt [5], aber auch in anderen Communities, bei denen diffuse Ängste unterstellt werden können, die Geowissenschaften würden sich über die Schiene des Anthropozän-Konzeptes der Philosphie, der Humanökologie oder eben auch der Humanethik bemächtigen. Richtig bösartig und fast schon verschwörungstheoretisch wird es bei durchaus auch aus dem wissenschaftlichen Umfeld stammenden Strohpuppen-Konstrukten mit Unterstellungen wie die Anthropozäniker (dabei implizit auch der Autor) seien katastrophenblind, würden Geoengineering und Technokratie befürworteten („Am Horizont ihrer Idee vom Weltgarten scheint das Bild einer Ökodiktatur auf. In dieser herrschen aber nicht Philosophenkönige, sondern Geologen. Und Ingenieurskönige.“) und sogar geheimbundartige Strukturen aufbauen [6|.  Es geht also durchaus zur Sache bei der Diskussion ums Anthropozän, was allerdings überdeckt, welch großes Interesse und Zustimmung das Konzept insgesamt erfährt (Abb. 2).

Dennoch: Worin sind diese so unterschiedlichen und widersprüchlichen Ansichten – von irrealen Kompetenzverlustängsten einmal abgesehenen – tatsächlich begründet? Liegt es daran, dass doch jeder etwas anderes unter dem noch neuen Begriff „Anthropozän“ versteht? Oder ist es doch wieder ein dualistisches Problem, nämlich die Annahme einer gefährliche Engführung auf der einen Seite bzw. die Hoffnung auf eine gemeinsame Basis auch für einen breiten Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf der anderen Seite. Der vorliegende Beitrag, der nur einen Zwischenbericht in einem dynamischen, offenen Prozess darstellt, will dies nicht wissenschaftstheoretisch und empirisch basiert behandeln, sondern trotz (oder vielleicht gerade wegen) solcher Vorbehalte vor allem das kommunikative und dialogische Potenzial der dritten Ebene des Anthropozän-Konzepts (siehe unten) aufgreifen. Können neue „anthropozäne“ Denkweisen und Narrative helfen, auch zu einem neuen integrativen Denken zu führen? Dazu müssen wir allerdings in einem ersten Schritt die drei konzeptionellen Ebenen des Anthropozän-Ansatzes noch einmals kurz darlegen und strukturieren, um in einem zweiten Schritt insbesondere dessen dialogische Potentiale herauszuarbeiten.

Das Anthropozän-Konzept – ein Wissenschafts- und Denkansatz auf mehreren Ebenen

Als Geburtsstunde des Anthropozän-Konzepts wird allgemein eine Tagung der Erdsystemwissenschaftler im Jahr 2000 in Mexiko angesehen. Erdsystemwissenschaftler versuchen die Prozesse des Erdsystems und damit das Zusammenspiel von Lithosphäre, Pedosphäre, Hypdrosphäre, Biosphäre und Atmosphäre zu verstehen, dabei wird auch der Einfluss des Menschen auf diese Sphären und damit auf die Stabilität des Erdsystems bewertet. Die erste konzeptionelle Ebene dieses Systems ist die Erdsystemanalyse (Abb. 3). Die menschlichen Eingriffe sind inzwischen geradezu von gigantischem Ausmaß: Der Mensch ist zu einem ganz wesentlichen Erdsystemfaktor geworden, dies ist an anderer Stelle (siehe auch auf diesem Blog, z.B. hier oder hier oder hier) genügend herausgearbeitet worden. Obwohl also die Umwelteingriffe durch den Menschen zwar grundsätzlich bekannt sind, werden deren globale Auswirkungen und die Unumkehrbarkeit dieser Prozesse jedoch weitgehend verdrängt. Dabei ist es schlichtweg eine Tatsache, dass die umweltstabile Zeit des Holozäns bereits hinter uns liegt. Das Erdsystem verändert sich rasant, die Gefahr eines Kippens in einen völlig neuen Status ist groß, insbesondere wenn es nicht gelingt, die anthropogene Klimaerwärmung auf global höchstens 2°C zu begrenzen, wobei selbst eine Erwärmung um „nur“ 2°C bereits deutlich außerhalb der Spannbreite des Holozäns liegt (Leinfelder & Haum 2016). Eine Hypothese des Anthropozän-Konzeptes besagt, dass die Menschheit das Erdsystem bereits in einer Weise verändert hat, welche diese Veränderungen unumkehrbar macht. Durch alle vorliegenden Daten scheint dies inzwischen leider bestätigt. Wie weit sich das neue Erdsystem von dem des Holozän entfernt, wird jedoch durchaus noch von unserem zukünftigen Handeln abhängen. Daraus ergibt sich eine zweite konzeptionelle Ebene, die wiederum an einer Hypothese festzumachen ist. Diese besagt, dass sich die Veränderungen des Erdsystems auch dauerhaft niederschlagen, das heißt, geologisch überlieferungsfähige Signaturen in den heutigen und zukünftigen Sedimenten liefern werden (Abb. 3). Die eingehende Untersuchung dieser beiden Hypothesen bildet den wissenschaftlichen Kern des Anthropozän-Konzepts (Waters et al. 2016). Die Internationale Stratigraphische Kommission, die offizielle geologische »Weltbehörde« der Stratigraphie, hat in diesem Sinne eine interdisziplinäre Anthropocene Working Group (zu der auch der Autor gehört) eingerichtet, die gegebenenfalls auch eine formale geologische Definition für die neue erdgeschichtliche Epoche, eben die Anthropozän-Epoche, vorschlagen wird.

Aus diesen beiden wissenschaftlichen Ebenen des Anthropozän-Konzepts lässt sich eine dritte konzeptionelle Ebene ableiten, die wiederum an einer Hypothese festgemacht werden könnte. Diese würde auf die Hoffnung hinauslaufen, dass die zur immensen geologischen Kraft gewordene Menschheit, die das Erdsystem an den Rand eines möglichen Kippens gebracht hat, auf der Basis ihres Wissens auch in der Lage sein sollte, die Erde gleichsam »wissensgärtnerisch« so zu gestalten, dass wir Menschen integrativer Teil eines funktionsfähigen anthropozänen Erdsystems wären (Abb. 3). Im besten Falle wäre damit die Grundlage gerechter Entwicklungschancen für gegenwärtige und künftige Generationen geschaffen. Diese Hypothese beruht auf der Einsicht, dass die Menschheit sich als dem Erdsystem zugehörig begreifen muss. Wir können nicht vom Erdsystem, sondern nur mit dem Erdsystem leben. Wir sind nicht von einer Umwelt umgeben, sondern wir leben in einer von uns entscheidend geprägten »Unswelt«. Aus diesem Verständnis heraus ergibt sich ein Imperativ zu anthropozänem (Um-)Denken und Handeln: Politik oder Wirtschaft alleine können eine erdsystemische Integration der Menschheit nicht gewährleisten, da gerade auch individuelles Handeln in der Summe globale Auswirkungen hat. Daher sind alle zu einer verträglichen, nachhaltigen Nutzung der Erde verpflichtet. Der derzeitige »Parasitismus« des Menschen an der Natur müsste sich wandeln zu einer echten Symbiose von Mensch und Natur, im Sinne eines gegenseitigen Nutzens. (siehe auch Leinfelder 2016a)

Anthropozänes Denken – möglicher Schlüssel für einen Gesellschaftsvertrag zur Großen Transformation

Der Weg in ein dauerhaft funktionsfähiges, mit menschlichen Gesellschaften kompatibles Erdsystem kann vermutlich nur durch einen virtuellen Gesellschaftsvertrag für die notwendige Große Transformation erreicht werden, wie ihn etwa der WBGU in seinem Hauptgutachten von 2011 konzipiert hat (WBGU 2011). Hierbei müssen Wissenschaften, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten, wobei die Politik aufgefordert ist die Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Ob ein virtueller Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation tatsächlich zustande kommen und funktionieren kann, hängt aber ganz wesentlich von der Kommunikation zwischen allen beteiligten Akteuren ab. Erforderlich ist ein umfassender, wechselseitiger und offener Austausch. In der Politik müssen nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse verstanden werden, sondern sich auch die Einsicht durchsetzen, dass Wissenschaftler als Mitglieder der Zivilgesellschaft ein soziales Bewusstsein haben, also auch „Gewissenschaftler“ (sensu H.J. Schellnhuber) sind. In den Wissenschaften muss ein besseres Verstehen untereinander sowie eine verbesserte Kooperation erlernt werden, wofür vor allem auch gemeinsame Zielsetzungen im Sinne von Transformationsforschung und transformativer Forschung notwendig sind. Das Bildungssystem ist gehalten, dies aufzugreifen, in geeigneter Weise zu reflektieren und zu vermitteln. All das mag trivial klingen, angesichts der enorm sektoralen Ausprägung von Behörden, Verwaltungen, Universitäten, Schulen sowie der politischen Landschaft ist es das jedoch keinesfalls (vgl. Leinfelder 2011, 2013). In dieser Hinsicht kann der Anthropozän-Ansatz mit seinem integrativen systemischen Denkansatz überaus hilfreich sein. Zur Verdeutlichung soll im Folgenden beispielhaft auf ein mögliches Narrativ eingegangen werden (adaptiert aus Leinfelder et al. 2016):

Die Küche als »Kommandozentrale« der Globalisierung: Zubereitung und Verzehr von Nahrung ist in unserer Vorstellung eine eher persönliche Angelegenheit, die jeweils an variable Gegebenheiten geknüpft (kulturelle Prägung, religiöse Tabus etc.) und lokal eingegrenzt scheint. Dabei haben wir (hier in Deutschland) die Globalisierung quasi direkt auf dem Teller: Die von uns verzehrten Lebensmittel – Getreide, Obst und Gemüse, vielerlei Fleisch, Geflügel und Fisch, Kaffee und Tee, Kakao, Schokolade und Gewürze – wurden vielfach rund um den Globus bewegt. Als Konsumenten haben wir in der Küche somit einen Schalthebel der Globalisierung in der Hand. Wir beeinflussen mit unserem Ernährungstyp (vegan, vegetarisch, etc.), unserem Ernährungsstil (saisonal, regional, etc.), unserer sozialen Wohnstruktur (Single, Kleinfamilie, Wohngemeinschaft etc.) und nicht zuletzt mit der Einrichtung und den Gerätschaften unserer Küchen, wie die Produktion und Zubereitung von Genuss- und Nahrungsmitteln die Welt mitgestaltet und auch verändert (Abb. 4).

Das Beispiel-Narrativ »Die Anthropozän-Küche« zeigt, dass jede(r) Einzelne nicht passiv weit entfernte Abläufe beobachtet, sondern vielmehr unmittelbar Beteiligte(r) ist und durch eine Vielzahl kleiner und großer Entscheidungen auch Verantwortung trägt. Des Weiteren kann an diesem Beispiel eine ganze Kette von Verknüpfungen aufgezeigt werden: Wir ernähren nicht nur uns, sondern auch unsere (Küchen-) Maschinen (Abb. 5). Diese müssen mit Energie gefüttert werden, mit Strom, zu dessen Erzeugung fossile Brennstoffe, Wasserkraft etc. verbraucht wird. Ebenso musste bereits zur Herstellung dieser Maschinen Energie aufgewendet werden, und es wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Rohstoffe verarbeitet. Die gesamte technische Produktionskette hat ihre Grundlagen im Verbrauch von Ressourcen, die aus der Natur stammen (Abb. 4, 5, 6). Es sind teilweise in Hunderten von Millionen Jahren akkumulierte und durch geologische Prozesse umgewandelte Stoffe, die es uns letztlich ermöglichen am häuslichen Herd bequem auf Tasten zu drücken (cf. Williams et al 2016). Nicht nur fossile Energien, die konservierte Energie von Lebewesen wie Bäumen, Sträuchern oder Meeresplankton sind, die nicht gefressen wurden, sondern akkumulierten und umgewandelt wurden, auch andere Bodenschätze gehen auf solche metabolischen Organismenprozesse zurück; dazu gehören der größte Teil der Eisenerzlagerstätten und auch die für unsere Ernährung so notwendigen Phosphate (Abb. 6). Womit die Kette der Verknüpfungen wieder bei ihrem Ausgangspunkt, die Küche als »Kommandozentrale« der Globalisierung angekommen ist (Leinfelder et al. 2016).

Narrative wie das der » Anthropozän-Küche« sind geeignet, in unterschiedlichen Medien und Formaten (Ausstellungen, Comics (Leinfelder et al. 2016), Vorträge, Workshops etc.) in wissenschaftlichen, politischen und gesamtgesellschaftlichen Kontexten die räumliche und zeitliche Verflochtenheit mit dem Erdsystem bewusst zu machen, die vom Individuum bis zur gesamten Weltgesellschaft reicht. Es wird daran einsehbar, wie viel stärker wir hinsichtlich der für unser Leben und Wirtschaften notwendigen Ressourcen von Prozessen auf der großen Zeitskala der Erdgeschichte abhängig sind als von kurzskaligen gegenwärtigen Aktualitäten. Zugleich zeigt sich daran aber auch, dass unsere kurzskaligen Aktivitäten das Potenzial haben, auf die große erdgeschichtliche Skala einzuwirken und wir daraus lernen müssen – selbst wenn Artensterben, Atommüllproduktion und CO2-Ausstoß aus fossilen Quellen schon morgen abgestellt werden könnten, würde das nichts mehr daran ändern, dass sich die Auswirkungen über Jahrhunderte, Jahrtausende und Jahrmillionen erstrecken werden. So gesehen leben wir im »Langen Jetzt«. Damit es nicht zu einer „Diktatur des Jetzt“ kommt, müssen Politik und Wirtschaft umdenken. Das aber wird wiederum nur geschehen, wenn die Zivilgesellschaft ihre aktive Rolle und Verantwortung wahrnimmt und an Entscheidungsprozessen teilnimmt bzw. diese einfordert. Hierzu ist ein umfassender, kommunikativer, auch diskursiver Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik notwendig.

 

 

Die Zukunft im Anthropozän – mögliche Pfade der Zeitreise

Der Anthropozän-Ansatz stellt für den notwendigen Dialog von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik eine hervorragende Orientierung dar und kann wesentlich zu der Einsicht beitragen, dass ein Umdenken und Umlenken notwendig ist. Daraus ergibt sich allerdings nicht zwangsläufig die Antwort, in welche Richtung und wie es denn nun tatsächlich weitergehen müsste, aber auch für das Skizzieren möglicher Zukunftspfade bietet die Offenheit, aber auch die Gestaltungsnotwendigkeit des Anthropozäns einen guten Rahmen. So stoßen zwar bei der Frage nach dem „richtigen“ Weg in die Zukunft divergierende, teils sehr konträre Meinungen aufeinander, die sich aber durchaus gewinnbringend gemeinsam im Sinne eines Möglichkeitsspektrums diskutieren lassen (Leinfelder 2016b, Leinfelder & Haum 2016, siehe auch „Zukunftswelten laden ein„, in: Der Tagesspiegel Sonntag vom 10.7.2016). Alternative Pfade der Reise in mögliche „Zukünfte“ könnten folgendermaßen aussehen [7] (vgl. Abb. 7):

  • Wir begegnen den Umweltproblematiken und sonstigen Herausforderungen reaktiv, im Sinne von raschen, umfassenden Reparaturen an kritischen Symptomen, weil wir gar nicht weit genug in die Zukunft vorausschauen können und uns die Zeit davonläuft: CO2-Abscheidung und Speicherung im Untergrund? Schutzdämme gegen den Meeresspiegelanstieg? Schwimmende Städte (wie etwa in den Niederlanden schon erprobt)? Steigerung der Nahrungsmittelproduktion, um die weiter rasch wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können.
  • Wir halten uns an die Devise Weniger ist mehr! Häuser werden besser gedämmt Heizungen heruntergeregelt, stattdessen vielleicht Pullis getragen. Wir essen bedeutend weniger Fleisch, ernähren uns überwiegend von regionalen und saisonalen Produkten, und am besten vegetarisch oder gar vegan. Was wir an Energie brauchen, schöpfen wir aus erneuerbaren Energien, die Erzeugung organisieren wir dezentral.
  • Wir etablieren eine neue Überflussgesellschaft. Es kann weiter kräftig produziert werden, sofern wir die Natur zum Vorbild nehmen und in Kreisläufen wirtschaften. Alles wird wiederverwertet oder in optimierter Weise an die Natur zurückgegeben. In dieser bioadaptiven Kreislaufwirtschaft bleiben die Ressourcen im Fluss, sie werden mit viel (erneuerbarer) Energie immer wieder zu neuen Produkten zusammengesetzt. Ebenso lernen wir beim Essen von der Natur, vielleicht indem wir gekoppelte Aquaponik-Kreislaufsysteme weiterentwickeln, bei denen z.B. Abwasser aus der Fischzucht gleich wieder die Tomaten mit Nährstoffen versorgt, oder wir gar auf die ressourcenschonende Insektenzucht als Ersatz für Fleisch und Fischfutter setzen.
  • Wir folgen den High-Tech-Visionären. Die ländliche Natur wird entlastet, indem wir uns fast vollständig in die Städte zurückziehen. Dort leben und arbeiten wir verdichtet in Ultrahochhäusern aus Nanokohlenstoff-verstärkten Baumaterialien, nutzen ein individualisiertes gondelartiges Personen-Nahverkehrssystem, produzieren Gemüse und Getreide in LED-beschienenen Farmhochhäusern und Kunstfleisch im Labor. Die Energie wird mittels künstlicher Photosynthese an Hochhauswänden gewonnen. Und vielleicht klappt es ja sogar noch mit der Kernfusion?

 

Fällt die Entscheidung schwer, hier gleich den „richtigen“ Zukunftspfad auszuwählen? Wir sollten auch nicht nach „Bauchgefühl“ entscheiden. Warum schaffen wir also nicht erst einmal die Möglichkeit, vieles davon in Labor-Situationen unter Beteiligung vieler zu entwickeln und auszuprobieren, ja, in eigenen Prototypen zu produzieren? Schon jetzt kann man erkunden, wie es sich anfühlt, in einer landwirtschaftlichen Kleingenossenschaft selbst an der Produktion seiner eigenen Nahrungsmittel beteiligt zu sein. Auch unterschiedliche Formen des Wohnens, etwa in einer minimalistischen, aber hochfunktionalen Kleinstwohnung, könnte man derzeit schon im Urlaub erproben. Noch nicht ganz so einfach ist es wahrscheinlich, Erfahrungen im Umgang mit Robotern als Hausgehilfen zu machen oder mit Augmented Reality Freunde aus weiter Ferne mit an den eigenen Tisch zu holen. Das erhebende Gefühl in einem Repaircafé beispielsweise den eigenen kaputten Haarfön wieder selbst in Gang gesetzt zu haben oder bei einer Maker Faire ein kleines Insektenzuchtsystem mitentwickelt zu haben, ist dagegen ganz in Reichweite.

Fazit

Das auf wissenschaftlicher Erkenntnis basierende Anthropozän-Konzept zeigt neben der erstystemisch-geologischen Analyse des derzeitigen Zustands des Planeten zum einen in aufklärerischem Sinne die vielfältigen Wechselwirkungen auf, die zwischen allen Lebensbereichen (bspw. Ernährung, Wohnen, Gesundheit, Energie, Arbeiten und Wirtschaften) bestehen. Darüber hinaus eröffnet es eine neue Sicht auf die Welt, ohne selbst weltanschaulich zu sein. Das Konzept bedeutet ausdrücklich nicht eine Engführung in der Entwicklung von Zukunftsoptionen. Die Erdsystem- und Sozialwissenschaften geben lediglich gemeinsam den dringenden Hinweis darauf, dass wir zur Erreichung globaler Entwicklungsziele, wie Gerechtigkeit, Nahrungssicherheit, Gesundheit und Frieden, auch weiterhin „einschätzbare“ Bedingungen des Erdsystems benötigen. Um die relative Stabilität des Holozän nicht gegen unwägbare Risiken vollständig einzutauschen, sondern in ein dauerhaft habitables Anthropozän zu gestalten, wird es notwendig im Sinne des Anthropozän-Konzepts planetarische Grenzen (sensu Rockström et al. 2009, Steffen et al. 2015) nicht zu überschreiten. Innerhalb dieses weiten Rahmens kann je nach Bereich, je nach Kulturkreis, je nach gesellschaftlichen Erfordernissen und Wünschen sehr frei verhandelt und werden, wohin die Zukunftsreise im Einzelnen gehen soll. In diesem Sinne ist das Anthropozän-Konzept auf keiner Ebene »technikverliebt« oder »forschungsverliebt«, ebenso wenig ist es positivistisch. Stattdessen hebt es die Orientierung an diversen gesellschaftlichen Wünschbarkeiten hervor, die allerdings hinsichtlich potentieller Nebenwirkungen durchdacht sein müssen. Nur so kann das Anthropozän tatsächlich zu einer langen erdgeschichtlichen Epoche der Integration menschlicher Gesellschaften in ein funktionsfähiges Erdsystem werden. Aufgrund der integrativen und transdisziplinären wissenschaftlich-gesellschaftlichen Ausrichtung erscheint das Anthropozän-Konzept, von dem der Impuls für eine erdsystemkompatible Gestaltung der Zukunft ausgeht, als ein geeigneter Kommunikations- und Diskursansatz, um einen kollaborativen Gesellschaftsvertrag vorstellbar und umsetzbar zu machen. Durch das Skizzieren möglicher Zukunftspfade und das Aufzeigen vielfältiger Handlungsoptionen soll im ersten Schritt ein Umdenken vorangetrieben werden, im zweiten Schritt können auf dieser Basis auch praktikable Handlungsvorschläge erarbeitet werden.

Fußnoten:

[1] zum Beispiel: Das Anthropozän-Projekt, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2013/2014), Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft Erde, Deutsches Museum, München (2014-2016), Anthropozän als Cover z.B. in Le Monde, Time Magazin, Economist u.v.m., Buch Menschenzeit (von Christian Schwägerl, 2010, Riemann, 2012 Goldmann), Sachcomic Die Anthropozän-Küche. (Leinfelder et al. 2016, Springer), Amazon zeigt 54 Bücher zum Stichwort Anthropozän an, Google-Ergebnisse zu Anthropozän: ca. 95.000, zu Anthropocene: ca 433.000 , Fachartikelsuche in Google Scholar zu Anthropozän 723 Ergebnisse, zu Anthropocene ca. 26.300 Ergebnisse (jeweils Stand 6.7.2016)

[2] z.B. Ayestaran 2008, cf. Schellnhuber 1999, siehe auch Richter in Bayern 2, v. 7.1.2016 http://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung-1142362.html

[3] z.B. Michael Müller, SPD, ehem. Staatssekretär, derzeit Vorsitzender der Naturfreunde in DIE ZEIT: http://www.zeit.de/2013/50/anthropozaen-paul-crutzen/komplettansicht ,Theaterperformance Klagenfurt http://imsueden.at/termine/anthropozaen/, Symposien und Tagungen der Deutschen Bundesumweltstiftung zum Anthropozän, z.B. https://www.dbu.de/708ibook76845_36602_2486.html oder https://www.dbu.de/1254ibook76506_36460_2487.html ; Marx21: https://www.marx21.de/09-02-09-umwelt/, Turnschuh Anthropozän-Sneaker von Adidas: http://www.spikeartmagazine.com/de/artikel/adidas-anthropozan-sneaker u.v.m.

[4] Bundeszentrale für Politische Bildung, pers. Mitt.

[5] Auch die internationale Anthropocene Working Group, zu der der Autor gehört, befasst sich damit intensiv, etwa auf einem Workshop in Oslo im Frühjahr dieses Jahres. Auch werden einige Stellungnahmen zu speziellen Kritikpunkten vorbereitet bzw sind im Druck. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich darüber getrennt berichten.

[6] Statt einer näheren Stellungnahme sei hier auf die Stellungnahme von Christian Schwägerl verwiesen: http://christianschwaegerl.com/?p=1444

[7] Die skizzierten idealtypischen Zukunftspfade basieren auf meinem inhaltlichen Konzept für das Haus der Zukunft (seit 4.7.2016 umbenannt in Futurium). Eine vorläufige Version wurde ursprünglich hier auf diesem Blog unter dem Namen „Das Haus der Zukunt als Ort der Partizipation“ vorab veröffentlicht (5. Okt. 2014), eine aktualisierte Version stellt Leinfelder (2016b) dar. Siehe auch aktuelles Interview zum Konzept im Tagesspiegel vom 10.7.2016 sowie weitere Artikel zum Futurium aus derselben Ausgabe zum Ausstellungskonzept, zum Reallabor, zur Architektur und generelles zur Zukunftsforschung.

 

 

 

Zitierte Literatur

Ayestaran, I. (2008): The second Copernican revolution in the Anthropocene: an Overview.- Revista International de Sustenibilidad,Tecnología y Humanidade.- No. 3. 145-157

Hamilton, C. (2016): The Anthropocene as a rupture.- The Anthropocene Review, doi: 10.1177/2053019616634741

Leinfelder, R. (2011): Von der Umweltforschung zur Unsweltforschung,- Frankfurter Allgemeinen Zeitung 12.10.2011, siehe auch http://www.scilogs.de/der-anthropozaeniker/unsweltforschung/

Leinfelder, R. (2013): Verantwortung für das Anthropozän übernehmen. Ein Auftrag für neuartige Bildungskonzepte. In: Vogt, M., Ostheimer, J. & Uekötter, F. (Hg), Wo steht die Umweltethik? Argumentationsmuster im Wandel.- Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung, Bd. 5., S. 283-311, Metropolis Verlag, Marburg.

Leinfelder, R. (2016a): Vom Parasitismus zur Symbiose. Zu den drei Hauptebenen des Anthropozäns.- Politik & Kultur 3/16 (Mai/Juni 2016), S. 20 (> download des gesamten Heftes)

Leinfelder, R. (2016b): Das Haus der Zukunft (Berlin) als Ort der Partizipation.- In: Popp, R. (ed.), Einblicke, Ausblicke, Weitblicke. Aktuelle Perspektiven der Zukunftsforschung S. 74-93, Berlin, Wien etc. (LIT-Verlag), ISBN 978-3-643-90662

Leinfelder, R., Hamann, A., Kirstein, J. & Schleunitz, M. (Hrsg.)(2016): Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – in zehn Speisen um die Welt.- 236 S., Springer-Spektrum Verlag (Berlin, Heidelberg, New York), ISBN 978-3-662-49871-2

Leinfelder, R. & Haum, R. (2016): Die Reise ins Anthropozän.- In: Sommer, Jörg & Müller, Matthias (Hrsg.), Unter 2 Grad? Was der Weltklimavertrag wirklich bringt. S.133-141, Stuttgart (Hirzel-Verlag). ISBN 978-3-7776-2570-6 (erscheint am 20.4.2016)

Rockström, J., et al. (2009), A Safe Operating Space for Humanity, Nature, 461, 4725.

Schellnhuber, H.-J. (1999):  „Earth System“ Analysis and the second Copernican Revolution.- Nature, 402, supplement C19-C23.

Steffen et al. (2015): Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. cience  Science. Vol. 347, Issue 6223, DOI: 10.1126/science.1259855

Waters, C., N., Zalasiewicz, J., Summerhayes, C., Barnosky, A.D., Poirier, C., Galuszka, A., Cearreta, A., Edgeworth, E., Ellis, E.C., Ellis, M., Jeandel, C., Leinfelder, R., McNeill, J. R., Richter, D.B., Steffen, W., Syvitski, J., Vidas, D., Wagreich, M., Williams, M., Zhisheng, A., Grinevald, J., Odada, E., Oreskes, N.,& Wolfe, A.P. (2016): The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene.- Science, 8 January 2016: Vol. 351 no. 6269, DOI: 10.1126/science.aad2622

Williams, Mark, Jan Zalasiewicz, Colin N. Waters, Matt Edgeworth, Carys Bennett, Anthony D. Barnosky, Erle C. Ellis, Michael A. Ellis, Alejandro Cearreta, Peter K. Haff, Juliana A. Ivar do Sul, Reinhold Leinfelder, John R. McNeill, Eric Odada, Naomi Oreskes, Andrew Revkin, Daniel deB Richter, Will Steffen, Colin Summerhayes, James P. Syvitski, Davor Vidas, Michael Wagreich, Scott L. Wing, Alexander P. Wolfe andAn Zhisheng (2016): The Anthropocene: a conspicuous stratigraphical signal of anthropogenic changes in production and consumption across the biosphere.Earth’s Future (Wiley) doi: 10.1002/2015EF000339

WBGU (Schellnhuber, H.J., Messner, D., Leggewie, C., Leinfelder, R., Nakicenovic, N., Rahmstorf, S., Schlacke, S., Schmid, J. & Schubert, R.) (2011): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation.- Hauptgutachten, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, 420 p. (WBGU, Berlin).

 

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(Mehr in: BrainLogs)

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Noch mehr mysteriöse Meteorite: Jetzt auch mit Quasikristallen (und schwerer Artillerie)

Kürzlich hat sich Blog-Kollege Lars Fischer im Fischblog heldenhaft in die Bresche geworfen, um im Rahmen des Blog-Gewitters zur EM das faszinierende, aber auch recht abstrakte Thema der Kristallographie gewohnt anschaulich zu erklären. Er geht auch auf die Thematik der Quasikristalle ein, und da gibt es eine interessante planetologische Verbindung. Aber erst mal alles von Anfang an.

Ich habe noch ganz klassisch Mineralogie studiert, gab es damals in den 90ern noch als separates Studienfach (heute ist alles Geologie). Und da lernt man gleich im Grundstudium in Min 1, beim Drehen von uralten Pappmodellen, dass eigentlich nur 1-, 2-, 3-, 4-, und 6-zählige Symmetrien in Kristallen möglich sind. Fünfzählige Symmetrien (und solche über 6) sind erstmal nicht möglich, da man mit einer solchen Symmetrie den Raum nicht periodisch zukacheln kann. Anfang der 60er Jahre wurden dann Quasikristalle erst mal theoretisch begründet, und Anfang der 80er dann in Legierungen erstmals festgestellt. 2011 gabs dafür sogar den Nobelpreis.

In der Natur wurden lange keine Quasikristalle gesichtet. Bis dann 2009 Bindi, Steinhardt et al. ein Paper über 30 Mikron (0.03 mm) große Quasikristalle in aus dem  Koryak-Gebirge in Kamtschatka in Science veröffentlichten. Es handelt sich um eine Legierung aus Aluminium, Kupfer und Eisen. Benannt wurde es als Icosahedrit, Al63Cu24Fe13. Die 5-zählige Struktur erinnert ein wenig an einen Fußball.

Dummerweise war die Herkunft der Proben damals noch etwas schwammig – sie stammten aus tonhaltigen Flusssedimenten, konnten also aus irgendeinem obskuren Winkel in dem sibirischen Gebirge stammen. Also wurde Material vor Ort eingesammelt, und tatsächlich noch weitere Proben entdeckt, nachdem größere Mengen Material durchgesiebt wurden. Eine genauere Studie der mit dem Icosahedrit verwachsenen Minerale deutete dann 2012 darauf hin, dass es sich möglicherweise sogar um Brösel aus einem Meteoriten handelte. Zentral war hier die gute, alte Sauerstoffisotopie der angelagerten Silikate und Oxide, die klar auf eine extraterrestrische Herkunft hindeutete. Sie ist ähnlich derer in den kohligen Chondriten. Noch besser, es kam auch Stishovit vor, ein Mineral, das nur unter hohen Drücken wie bei Impakten oder Kollisionen entsteht. Weitere Untersuchungen zeigten auch generelle petrologische Ähnlichkeit zu kohligen Meteoriten (z.B. Fragmente von Chondren) hin. Genug, um die ~0.1 Gramm Brösel  als den Khatyrka CV3 Meteoriten offiziell anzuerkennen (Eintrag in der Meteoritcal Bulletin Database). Es ging Schlag auf Schlag  weiter. 2013 wurde ein weiteres natürliches, quasikristallines Mineral in dem Material entdeckt: Decagonit (Al71Ni24Fe5), der Name kommt von der 10-zähligen Symmetrie.

Dann aber fiel mir Anfang dieses Jahr auf der Lunar and Planetary Science Conference in Houston ein unbemanntes Poster auf. Es stammte von der Gruppe um Steinhardt, inzwischen verbündet mit Glenn MacPherson, einem rennomierten Meteoritenforscher vom Smithsonian. Man muß nicht zwischen den Zeilen lesen, dass es hier hinter den Kulissen ordentlich gekracht hat. Es scheint sogar der Vorwurf eines ‚Hoax‘, also einer Täuschung oder Fälschung gefallen zu sein, oder zufälliger Kontamination z.B. durch industrielle Schlacke (und das Zeug findet man irgendwie überall auf unserem Planeten).  Ein Schlag ins Kontor, starker Tobak also.

Dann ein Gegenstoß. Es wurde sprichwörtlich schweres Geschütz aufgefahren. Die bedrängte Forschergruppe beschloss, in die Offensive zu gehen, und die Minerale künstlich herzustellen, und zwar unter realistischen Bedingungen. Man wollte also die Kollision auf dem Asteroiden nachstellen, in der die Quasikristalle entstanden. Ein zentraler Hinweis war das Vorkommen von Stishovit, was eine Bestimmung des Drucks erlaubte. Angeführt von Paul Asimow (Caltech), wurden Minerale, die als Ausgangsmaterial in Frage kamen, in einen Stahlzylinder eingeschraubt. Dann wurde die hilflose Probe in einem vier Meter langen Geschütz mit einem Projektil beschossen. Diese Sample Recovery-Technik erlaubt hohe Drücke mit relativen niedrigen Projektilgeschwindigkeiten zu erzeugen. Das waren immerhin noch 1 Kilometer pro Sekunde, und das ist immer noch ein ordentlicher Wumms (weiß ich aus eigener Erfahrung mit solchen Experimenten). Die in der Regel völlig zerbeulte Stahlkapsel muss dann aufgesägt werden, um wieder an das Material zu kommen.

Veröffentlicht wurde das Ganze kürzlich von Asimow et al. unter dem Titel Shock synthesis of quasicrystals with implications for their origin in asteroid collisions in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS). Das Blatt hat sich in den letzten Jahren ziemlich gemausert, hat zwar nicht den (meiner Meinung nach überhypten) Impaktfaktor von Nature oder gar Science, spielt aber schon vorne mit.

So ergaben die Untersuchungen der Ergebnisse mit Röntgenbeugung und Transmissionselektronenmikroskop, dass sich in der Tat winzige, aber identifizierbare Quasikristalle gebildet hatten. So macht ergibt das Alles eben doch Sinn – auch wenn ein ‚richtiger‘ Meteorit im Komplettzustand mit Quasikristallen noch besser wäre. Und das ist natürlich schon faszinierend,  dass sich die Quasikristalle in einer sich von irdischen Gegebenheiten doch sehr unterscheidenden Umgebung gebildet haben. Wobei primitive Meteorite dann eigentlich schon der Ort wäre, wo man so abgefahrene Minerale erwarten würde. Aber selten sind die Teile, die Gefahr dass die Minerale schlichtweg bisher übersehen wurden ist gering – metallische Aluminiumlegierungen wie die von Icosahedrit und Decagonit würden ziemlich schnell bei den üblichen chemischen Untersuchungen mit EDX oder Mikrosonde ins Auge springen. Eine Schlussfolgerung erlaubt das Vorkommen der Quasikristalle in den sehr alten CV3 Chondriten – nämlich das sie über lange, geologische Zeiträume stabil sind. Dadurch kann eine Hypothese über die Entstehung der Quasikristalle, die ‚Entropische Theorie‘ wohl ausgeschlossen werden, nach der es sich bei den Quasikristallen um in zufälligen Prozessen entstandene, instabile Objekte handelt.

(Mehr in: BrainLogs)

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Es ist angerichtet – die Anthropozän-Küche

Neue interkulturelle Narrative für das Anthropozän am Beispiel der Ernährung

 

Essen zieht sich durch alle unsere Lebensbereiche. Es lässt uns vom Säugling zum Erwachsenen werden und versorgt unser gesamtes System, vom Gehirn, über die Muskeln und alle sonstigen Organe und Körperteile mit Energie und lebenswichtigen Bausteinen. Der gemeinsame Genuss von Speisen ist oft das zentrale Element des Familienlebens bzw. unseres kompletten sozialen Austausches: keine Party ohne Häppchen, kein Geburtstag ohne einen Kuchen oder etwas Süßes, keine Feier ohne Festtagsessen, aber auch kaum ein Treffen mit einer guten Freundin oder einem guten Freund, bei dem wir nicht irgendetwas zu uns nehmen. Wir integrieren die Ernährung in unser Arbeitsleben, etwa indem wir uns zu Geschäftsessen treffen oder uns in der Kantine mit Kolleginnen und Kollegen austauschen. Unsere Ernährung ist eng verbunden mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden, nicht umsonst heißt es ja auch: Du bist, was du isst. Viele Menschen legen großen Wert auf ihre Küchen und deren Ausstattung, andere haben nur eine Mikrowelle, aber eine Wohnung ohne Küche ist beinahe undenkbar.Egal, in welcher Form wir unsere Nahrung zu uns nehmen, irgendwoher muss sie kommen und irgendwer muss sie produzieren. Das hat große globale Auswirkungen, meist ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Es macht einen Unterschied, ob Sie im Supermarkt einkaufen gehen oder im Kiezladen um die Ecke, ob die Waren in der Region hergestellt wurden oder von einem Weltkonzern. Die Produktion und Weiterverarbeitung benötigen viel Fläche, immense Technik, Infrastrukturen und vor allem Energie. Auch unsere Nahrungsmittel brauchen Nährstoffe, um überhaupt entstehen zu können. So fressen Kühe Gras oder auch zunehmend Soja, dies beansprucht Bodenfläche, Wasser und wiederum Nährstoffe, die wir teils durch technische Prozesse wie das Haber-Bosch-Verfahren einfach aus der Luft gewinnen, um Stickstoffdünger zu generieren, oder für die wir mineralische Ressourcen abbauen, wie Phosphat und Kalium, und zur Ertragssteigerung auf den Feldern ausbringen.

Essen ist und bleibt ein lokaler, sehr persönlicher und oftmals auch emotionaler Akt. Gleichzeitig bekommen wir dabei die Globalisierung quasi direkt auf den Teller; verzehren Obst, Schokolade, Gewürze, Fleisch, Fisch, Getreide oder Gemüse, die teilweise rund um den Globus unterwegs waren. In der Küche haben wir also nicht nur den Kochlöffel, sondern auch den Schalthebel der Globalisierung in der Hand. Wir bestimmen mit unserem Ernährungstyp (vegan, vegetarisch, etc.), unserem Ernährungsstil (saisonal, lokal, global), unserer sozialen Wohnstruktur (ein Single kauft anders ein als eine Familie oder eine WG) und nicht zuletzt unserer Kücheneinrichtung (auch Töpfe und Teller wollen hergestellt und transportiert werden, und Gas ist eine andere Energiequelle als Strom oder Holzkohle), wie das Essen die Welt gestaltet und verändert. Die Lebensmittelindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Zugang zu gesunder Ernährung für eine rasant wachsende Weltbevölkerung gehört weiterhin zu den großen globalen Herausforderungen und ist eng verknüpft mit Themen wie Gesundheit, Armut, Gerechtigkeit und Frieden, aber auch Klimawandel, Schutz der biologischen Vielfalt und Endlichkeit der Ressourcen.

Mit diesen Themen befinden wir uns mitten im Anthropozän. Werfen wir einen ernährungstechnischen Blick zurück: Unsere Menschenart, den Homo sapiens, gibt es seit etwa 200.000 Jahren – das Thema Ernährung hat uns dabei sprichwörtlich herumgetrieben. Die meiste Zeit waren wir Jäger und Sammler, bis wir uns vor mehr als 10.000 Jahren zunehmend niederließen und begannen, das Land zu bestellen. Seitdem greifen wir kräftig in die Natur ein. Frühe Bauern schufen Acker- und Weideflächen, indem sie Wälder abholzten, damit einen natürlichen Kohlenstoffspeicher plünderten und so das Treibhausgas CO2 freisetzten. Sie fluteten Felder zum Reisanbau und produzierten im modderigen Schlamm ein weiteres Treibhausgas, das Methan. Durch gezielte Zuchtverfahren und Eliminierung aller Feinde schränkte der Mensch die natürliche Tier- und Pflanzenwelt ein, zusätzlich verfrachtete er seit den Entdeckungsreisen der frühen Neuzeit ihm nützlich erscheinende Arten, welche lokale Ökosysteme zu einem großen Teil umgestalteten.

Mit dem Beginn der Industrialisierung nahm auch die Emanzipation des Menschen von seiner eigenen Muskelkraft immer weiter zu: Unsere Vorfahren konnten sich nur mit ihren eigenen Muskeln fortbewegen. Auch Tiere müssen mit ihren Kiefer-, Zungen- oder Lippenmuskeln Pflanzen abreißen und zerkauen oder Beute fangen und diese zerkleinern. Sie graben, bauen Nester oder fällen sogar ganze Bäume. Die dafür notwendige Kraft müssen sie sich förmlich „anfressen“. Ganz anders der moderne Mensch: Er ließ sich zuerst durch Ochs, Esel und Pferd, dann durch Wasser- und Windräder und noch später durch Dampfmaschinen und andere Motoren die eigene Muskelarbeit abnehmen. Diese neuen Maschinen mussten aber wiederum selbst mit Energie gefüttert werden, zuerst mit Holz, dann mit Kohle, Erdgas und Erdöl. In der Industrialisierung begann eine wahre Kettenreaktion von sich gegen- seitig verstärkenden Entwicklungen: Durch die Förderung von fossilen Brennstoffen konnten mehr Bodenschätze abgebaut werden, mit denen man mehr Maschinen bauen konnte, die wiederum mehr Energie benötigten. Produktionsmaschinen und Transportmittel wie Eisenbahn, Autos, Schiffe und Flugzeuge eroberten die Welt. Nun müssen wir nicht mehr essen, um uns fortzubewegen oder Dinge zu produzieren. Wie wir wohl aussähen, wenn wir uns aus Muskelkraft wie in einem PKW mit 100 PS fortbewegen wollten? Mit Muskelpakete von 100 Pferden bepackt? Nicht auszudenken! Dank der fossilen Energien, die wiederum nichts anderes sind als die konservierte Energie von Lebewesen, wie Bäumen, Sträuchern oder Meeresplankton, die nicht von anderen gefressen, sondern über teilweise Hunderte von Millionen Jahren akkumulierten und durch geologische Prozesse zu Kohle, Öl und Gas umgewandelt wurden, können wir still am Schreibtisch sitzen und Tasten drücken oder eben im 100 PS-Auto durch die Gegend flitzen. Alles dank der fossilen Organismen. Selbst Bodenschätze wie der größte Teil der Eisenerzlagerstätten oder die für unsere Ernährung so notwendigen Phosphate gehen auf Organismenprozesse zurück.

Bleiben wir bei Narrativen: Der Mensch hat einen derartigen Einfluss auf das gesamte Erdsystem gewonnen, dass die Geologen in ihm eine wesentliche geologische Kraft sehen, vergleichbar mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Kontinentalbewegungen. Starke Worte, aber die Fakten sprechen für sich: Nur noch knapp ein Viertel der (nicht vom Eis bedeckten) Erdoberfläche entspricht noch einer unveränderten Natur. Wir tragen Berge ab, schneiden Täler, geben den Flüssen einen neuen Lauf, erschaffen Seen oder lassen andere austrocknen; wir können sogar den Meeresspiegel heben und das Klima verändern. Jedes Jahr produzieren wir so viel Plastik, wie es der Gesamtmasse aller heute lebenden Menschen entspricht. Unsere Nutztiere und Nutzpflanzen dominieren die Biosphäre. Wir verfrachten Sediment in einem Umfang, wie es die Natur durch Abtragung und Transportprozesse nie könnte. Wir haben sogar neue Fossilien geschaffen! Die Geologen nennen sie Technofossilien: Plastikteilchen finden sich heute im Boden von Hochgebirgsseen genauso wie in Tiefseesedimenten, elementares Aluminium, Betonfragmente oder Ascheteilchen aus industriellen Verbrennungsprozessen sind als Ablagerungen weltweit nachweisbar. Radioaktive Niederschläge aus den Atombombenversuchen der Nachkriegszeit, aber auch von Tschernobyl und Fukushima sind ebenfalls charakteristisch für das menschengemachte Neue, so hieße das Anthropozän in der wörtlichen Übersetzung. Die Nacheiszeit der letzten 12.000 Jahre, das umweltstabile Holozän, ist also offensichtlich zu Ende und wurde vom Anthropozän abgelöst.

Wie soll dieses Anthropozän weitergehen? Ergibt sich aus der erschreckenden Erkenntnis, dass der Mensch fähig war, die Erde dermaßen umzugestalten, nicht auch gleichzeitig die Lösung? Sollten wir Menschen in einer Zeit, in der nicht nur die Umweltzerstörung, sondern auch das Wissen über die zugrundeliegenden Prozesse exponentiell gestiegen sind, nicht dazu fähig sein, wissensbasiert, wie behutsame Gärtner, das Anthropozän so zu gestalten, dass die planetaren Grenzen des Erdsystems nicht gefährdet werden, indem wir uns als Teil eines Gesamtsystems verstehen, das es zu erhalten gilt? Die Metapher des Gärtnerns stammt nicht von ungefähr aus dem Ernährungsbereich. Wer dauerhaft ernten will, hegt und pflegt seinen Garten und übernutzt ihn nicht. Wer dauerhaft auf dieser Erde leben will, beutet sie nicht aus, sondern gestaltet sie so, dass menschliches Handeln die eigenen Grundlagen nicht zerstört.

Aber wie sollten wir handeln, oder, um bei der Ernährung zu bleiben, wie sollten wir essen, ohne die Freude daran zu verlieren, und dabei nicht nur uns, sondern auch die Erde gesund erhalten? Nach wie vor haben wir, weltweit betrachtet, eine sehr vielfältige Ernährungs- und Essenskultur. Sollten in dieser Vielfalt nicht auch Lösungsansätze stecken? Dazu müssen wir genau hinsehen und uns in der Welt umschauen. In einem interkulturellen und partizipativen Projekt haben wir dies am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung im Projekt „Die Anthropozän-Küche. Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt“ versucht – herausgekommen ist der Wissenscomic „Die Anthropozän-Küche“, in der wir wir eine Kartographie der Ernährungsstile in globalem Maßstab – natürlich nur exemplarisch und so offen wie möglich versucht haben. Und vor allem – vom Menschen ausgehend. Wissensbasiertes Gärtnern heißt nicht nur, wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Dies ist zwar ein sehr wichtiger Schritt, aber genügt alleine nicht. Wir sollten auch Erfahrungen zusammentragen und berücksichtigen, egal, ob sie aus jahrhundertealten Traditionen stammen, aus neuen Ernährungsmoden resultieren, oder aus der Notwendigkeit heraus, Hungersnöte zu bekämpfen.

 

Also befragten wir zehn Personen aus zehn Ländern in fünf Kontinenten, was und wie sie essen, wo sie einkaufen, ob sie wissen, woher ihre Nahrung kommt und welche Rolle die Küche dabei spielt. Sie verrieten uns ihre Lieblingsrezepte, die für uns Ankerpunkt der Gespräche waren und die Sie nun gerne nachkochen können. Die Ergebnisse dieses Prozesses dienten als Ausgangspunkt unserer wissenschaftlichen Recherchen. In ständigem Austausch entstanden so nach und nach Geschichten, in denen unsere Gesprächspartner nun als Protagonisten in den einzelnen Kapiteln erlebbar sind.

Ein verbindendes Element – und in diesem Fall ist es wirklich ein Element –, das sich durch alle Kapitel durchzieht, ist der Phosphor. Phosphorverbindungen sind nicht nur essenziell für alles Leben auf der Welt, sondern als Phosphat auch einer von drei Hauptbestandteilen in allen Düngemitteln. Phosphat steigerte die weltweiten Agrarerträge um ein Vielfaches und machte die Ernährung einer schnell wachsenden Weltbevölkerung erst möglich. Seine Bedeutung als endliche und nicht erneuerbare Ressource ist vielen noch nicht bewusst. Das möchten wir gerne ändern, und so zieht sich Phosphor als roter Faden durch die Reise um die Welt und zeigt dabei seine vielseitigen Facetten.

Überhaupt geht es im Anthropozän eben nicht um einfache Lösungen sondern um Vielfalt, bei den Lösungsoptionen, die eben auch regionen- und kulturspezifisch sein können, ja vermutlich sogar sein müssen. Daher ist in diesem Buch noch einer ganz anderen Vielfalt zu begegnen, ja, sie wird sogar förmlich „ins Auge springen“. Wer könnte das Lebensgefühl, die Umgebung, die Essgewohnheiten oder den Lebensalltag der Protagonisten besser darstellen als Zeichner aus den Regionen, in denen die Geschichten spielen? So ist auch die bildliche Umsetzung von größter Diversität. Zwölf Künstler ließen sich auf dieses spannende Projekt ein und stellten sich der Aufgabe, wissenschaftliche Fakten und individuelle Erfahrungen in Bildgeschichten zu übersetzen. Die vollkommen verschiedenen Stile und Perspektiven sind eine große Bereicherung und spiegeln die kulturelle Vielfalt unserer Protagonisten, aber auch – wie wir meinen – der ganzen Welt wider.

Wie es im Anthropozän eben so ist, sind Lösungsansätze nicht unbedingt einfach, oder gar noch „sexy“, sondern bestehen aus einem möglichen Portfolio von Lösungsansätzen, die oft sogar alternativ sein können. Wir haben im Buch daher einerseits einen aus den Wissenschaften heraus entwickelten kurzen Abriss möglicher Lösungsansätze – vier Pfade in die Ernährungszukunft, mit ganz vielen Haltestellen, alternativen Ansätzen und unterschiedlichem Ethos. Sie entsprechen im Wesentlichen dem von mir auch fürs Haus der Zukunft entwickelten (und erstmalig hier auf Scilogs präsentierten) Pfadkonzept für mögliche Lösungswege. Vielleicht haben nach der Lektüre des Buches auch die Leser Ideen für sich gewonnen, wie sie selbst die Zukunft mitgestalten wollen, die vier Zukunftspfade mit ihren vielen Rastplätzen sollen dabei zusätzlich helfen, das für sich richtige zu finden.

 

Dem gegenüber setzen wir allerdings noch einen zweiten, eher künstlerischen Ansatz. Alle Künstler kamen nach Erstellung der einzelnen Länderkapitel zu einem Ernährungs- und Comicexpertensymposium und einem anschließenden Workshop zusammen und diskutierten zuerst geeinsam mit den internationalen Experten, dann untereinander die Zukunft unserer Ernährung. Für die Darstellung ihrer Überlegungen und Ergebnisse fanden die Künstler eine unerwartete Form – „konkrete Utopien“: Sie ließen die Protagonisten des Buchs in die Zukunft reisen, jeweils in ein anderes Land. Von dort schicken diese Postkarten und berichten über das Leben und die Ernährung im Jahr 2050. Auch hier gibt es wieder Vielfalt, sowie eine Mischung aus Dystopien und Utopien, wiederum mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern.

Wir hoffen, dass wir den Lesern mit dem Buch neben den Kochrezepten also auch genügend Futter zum Reflektieren, Diskutieren und Ausprobieren mit an die Hand geben.

Dieses Buch ist das Ergebnis eines weltumspannenden Experiments mit vielen Beteiligten und der Welt als Labor. Vielleicht ist daher nicht verwunderlich, dass es in einem interdisziplinären Exzellenzcluster mit Namen Bild Wissen Gestaltung – Ein Interdisziplinäres Labor an der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden ist, und zwar in unserem Forschungsprojekt „Die Anthropozän-Küche: Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt“, in dem Natur- und Kulturwissenschaftler, Designer, Architekten und Künstler eng zusammenarbeiten. Dank auch für die zusätzliche  Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie die Freie Universität Berlin.

Die Mutter aller Labore ist natürlich die Küche, und die Ernährung im Anthropozän ist ein Großlaborversuch. Vielleicht geht ja die Liebe zu unserer Welt auch durch Ihren Magen. Dann hätten wir mit den neuen Narrativen zum Anthropozän vielleicht einen Hilfe gefunden, den Wandel einer parasitischen Lebensbeziehung zwischen Menschheit und Umwelt hin zu einer symbiontischen Beziehung zu ebnen.

(Dieser Beitrag basiert auf dem – für SciLogs leicht veränderten und mit Abbildungen ergänzten  –  Vorwort von Reinhold Leinfelder, Alexandra Hamann, Jens Kirstein und Marc Schleunitz zum ihrem Buch: Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – In zehn Speisen um die Welt. 236 S., Springer Verlag, ISBN 978-3-662-49871-2. Die englische Version: Eating Anthropocene. Curd Rice, Bienenstich and a Pinch of Phosphorus – Around the World in Ten Dishes erscheint im September, ebenfalls bei Springer, ISBN 978-3-662-50402-4

Näheres siehe http://anthropocene-kitchen.com sowie http://www.springer.com/de/book/9783662498712 (auch mit Link zum Originalvorwort des Buchs)

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(Mehr in: BrainLogs)

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Ida Valeton (1922 – 2016) – eine Geowissenschaftlerin im 20. Jahrhundert

Manchmal liegen Freude und Trauer ja sehr dicht beieinander. Es war auf der Rückfahrt von unserem Bloggertreffen im April, als mir in der Bahn eine Todesanzeige auffiel. Sie besagte, dass Frau Prof. Dr. Ida Valeton im Alter von 94 Jahren verstorben war. Frau Valeton war, wenn man das so sagen kann, die Begründerin der Sedimentpetrographie in Hamburg und eine der großen Kennerinnen der lateritischen Verwitterung. Eines ihrer Hauptarbeitsgebiete war die Geologie der Bauxite, bedeutender Aluminiumlagerstätten. Ich gehe vermutlich nicht zu weit, wenn ich behaupte, dass jedes mal, wenn jemand auf der Welt einen Gegenstand aus Aluminium in der Hand hält, dies auch zum Teil auf ihre Arbeit zurück geht. Meine persönliche Geschichte mit Frau Valeton ist etwas kompliziert. Nein, eigentlich ist sie das nicht. Als ich mit mit dem Studium die Bühne der Uni Hamburg betrat, war Frau Valeton schon seit längerer Zeit pensioniert und betreute ihre letzte Dissertation. Wir haben uns also um einige Zeit verpasst. Zumindest in direkter Linie. Denn ihr letzter Doktorand, Andreas Schumann, wurde mein Mentor und Lehrer in Uganda. Und mein tansanischer Lehrer, Prof. Mutakyahwa, war ebenfalls ihr Schüler, von seiner Master-Thesis bis zu seiner Dissertation. Ich möchte mich daher ein wenig als ihr wissenschaftlicher Enkel bezeichnen. (Mehr in: BrainLogs)

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„Deepwater Horizon“-Katastrophe: Öl rieselte wie Schnee auf den Meeresgrund

Wo blieb das Öl nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko? Eine Sedimentfalle am Meeresgrund zeigt: Klumpenweise sanken riesige Ölmengen auf den Grund. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Tiefsee-Sedimente verraten jüngste Sternexplosionen

(Mehr in: RSS-Feed Wissenschaft – die neusten Meldungen zum Thema Wissenschaft von STERN.DE)