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Schlafstörungen: Auch Erwachsene bräuchten einen Sandmann

Erholsamer Schlaf ist für ein gesundes Leben ebenso wichtig wie Ernährung und Sport. Rituale helfen, Schlafstörungen vorzubeugen – je einfacher, desto besser. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Wildtierhandel der Maya: Jaguar günstig abzugeben

Die Maya opferten in ihren Ritualen Wildkatzen, Hirsche, Eulen und Krokodile. Eine neue Studie zeigt jetzt: Sie jagten die Tiere nicht nur, sondern hielten sie als Haustiere, um sie zu verkaufen. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Studie verdeutlicht Schädigungen des Gehirns durch Alkohol- und Zigarettenkonsum

Für viele Menschen gehört ein Glas Wein oder Bier, sowie der Zigarettenkonsum zum täglichen Ritual. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und der Universität Oxford haben im Rahmen einer Studie nun anhand modernster Messverfahren nachgewiesen, dass selbst kleine Mengen Nikotin oder Alkohol auch im Gehirn Spuren hinterlassen. Die Ergebnisse der in Oxford ausgeführten Studie wurden aktuell im Journal of the American Medical Association (JAMA. 2018 Aug 21;320(7):665-673, doi: 10.1001/jama.2018.11498.) publiziert.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Beschneidung: Die Prüfung ihres Lebens

In Südafrika werden jedes Jahr Tausende Jungen brutal beschnitten. Nicht alle überleben das geheime Ritual in den Bergen. Einer von ihnen hat der ZEIT davon erzählt. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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ISS-Kommandant Alexander Gerst: Ein Deutscher auf Gagarins Spuren

Von derselben Rampe wie einst Raumfahrt-Ikone Jurij Gagarin startet nun Alexander Gerst ins All. Zuvor muss der Deutsche eine lange Liste bizarrer russischer Rituale abarbeiten. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Erschlagen, zerlegt, gepfählt: Das Gemetzel von Jütland

Im heutigen Dänemark tobte vor 2000 Jahren eine Schlacht. Nun haben Archäologen rekonstruiert, was damals genau passierte. Sie fanden Hinweise auf grausige Rituale. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Der Hauch des Todes – UDE-Forscher löst Rätsel um das Tor zur Hölle

An der Schwelle zur Unterwelt ist‘s gefährlich. Das weiß auch Professor Hardy Pfanz. Der Vulkanbiologe der Universität Duisburg-Essen (UDE) erforscht seit Jahren das Tor zur Hölle. Diese Tempelgrotten waren schon in der Antike Kult: Denn während die Tiere bei den Opferritualen tot umfielen, blieben die Priester unversehrt. Waren es übernatürliche Kräfte? Mitnichten, konnte Pfanz mit türkischen und italienischen Kollegen am Heiligtum von Hierapolis (heutige Türkei) nachweisen. Es liegt am Kohlendioxid, das dort nachts und früh morgens besonders stark vorherrscht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Strukturen machen Leute – aber welche?

Menschen brauchen Halt, sagt man. Sie brauchen ihre eigene Ordnung, ihre liebgewonnenen Rituale, vielleicht auch eine gemütliche Filterblase. Wir alle lieben verlässliche Orientierungen, die uns als Rahmen für ein sinnvolles Leben dienen können. Moralische Gesetze, … Weiterlesen (Mehr in: KosmoLogs)

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"Maischberger" zu Wetterextremen: Willkommen im Klimatheater

Norddeutschland erholt sich von Sturm „Xavier“, und Maischberger fragt: „Kippt unser Klima?“ Eigentlich eine simple Frage. Doch die Sendung folgte in perfekter Form dem ritualisierten Klimatheater. Hereinspaziert! (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Mystik & Spiritualität in interdisziplinärer Perspektive – Ein neues Buch, eine neue Kategorie

Als Wolfgang Achtner (Gießen) zur Eröffnung des “Reformationsjahres” 2017 zu einer Tagung mit dem wunderbar provokanten Thema “Mystik als Kern der Weltreligionen?” einlud, sagte ich sofort zu! Und tatsächlich war die interdisziplinäre Fachtagung dann auch … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Zauberei: Es ist Magie! 10.000 Seiten uralter Zaubersprüche entdeckt

Verstaubt in der Unibibliothek, Jahrhunderte alt: In Leipzig ist eine einzigartige Ritualsammlung aufgetaucht. Geister beschwören, sich unsichtbar machen – so geht’s. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Zauberei: Es ist Magie! 10.000 Seiten uralter Zaubersprüche wieder entdeckt

Verstaubt in der Unibibliothek, Jahrhunderte alt: In Leipzig ist eine einzigartige Ritualsammlung aufgetaucht. Geister beschwören, sich unsichtbar machen – so geht’s. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Rätselhaftes Totenritual am Göbekli Tepe

Anthropologen des Deutschen Archäologischen Instituts entdecken rituelle Ritzungen an 11.000 Jahre alten menschlichen Schädeln
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Was auf Tagungen wirklich geschieht: Kinder, wie die Zeit nicht vergeht

Tagungen folgen faszinierenden Ritualen: Man darf Wein trinken, aber nicht aufs Namensschild glotzen. Wer sind die Einsamsten, wer redet am meisten? Und was machen Fadfinder und Losmüsser? Eine Gebrauchsanweisung. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Bestattung: Vorletzte Ruhe

Ein Sternmarsch durch Europa – im Gepäck Verweste und Halbverweste. So sah es aus, ein Bestattungsritual in der Steinzeit. Sie denken, so etwas wäre heute undenkbar? (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Festtagsrituale: Die Wahrheit über den Osterhasen

Woher kommt der Glaube an den Osterhasen? Was hat es mit seinen Eiern auf sich? In welchem Verhältnis steht der Hase zur Jesus? Alles nicht leicht zu beantworten. Anders als die Frage, warum das Tierchen so populär ist. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Knochenspuren: Archäologen deuten Kratzer als Zombie-Ritual

Die Furcht vor Untoten saß im Mittelalter tief bei den Menschen. Verstümmelungen von Leichen sollten eine Rückkehr verhindern. Forscher sehen in malträtierten Knochen aus England nun einen Hinweis auf solche Methoden. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Zombie-Abwehr: Knochenspuren weisen auf Rituale gegen Untote hin

(Mehr in: RSS-Feed Wissenschaft – die neusten Meldungen zum Thema Wissenschaft von STERN.DE)

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Ägyptische Ritualbilder aus der Jungsteinzeit

Ägyptologen der Universität Bonn stießen während einer Grabung bei einer Nekropole nahe Assuan in Ägypten auf Felsenbilder aus dem vierten Jahrtausend vor Christus. Die Zeichnungen wurden in Form von kleinen Punkten in den Fels graviert und zeigen Jagdszenen, wie sie auch in Schamanendarstellungen vorkommen. Möglicherweise stellen sie ein Bindeglied zwischen der Jungsteinzeit und der altägyptischen Kultur dar. Für ihre Entdeckung wurden die Wissenschaftler vom Antikenminister in Kairo mit dem Preis für eine der aktuell zehn bedeutendsten archäologischen Entdeckungen in Ägypten ausgezeichnet.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Der Bayesianische Geist – Wissenschaft, Spiritualität und die Gestaltung unserer Zukunft

Von dem theoretischen Physiker Richard Feynman stammt die Aussage: „Religion ist eine Kultur des Glaubens, Wissenschaft ist eine Kultur des Zweifels.“ Dieser Satz birgt eine Menge intellektuellen Sprengstoff. Denn bei eingehenderer Betrachtung beschreibt er ein … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Wissenschaft und Spiritualität – von Unterschieden und Gemeinsamkeiten

Geht es um tieferes Wissen oder bedeutungsvolle Erkenntnisse, eine erfolgreiche Lebensgestaltung oder gar Weisheit, haben die Naturwissenschaften in der öffentlichen Wahrnehmung heute einen eher schweren Stand. Wer nach Lebensfreude, Gelehrtheit und Einsicht in das Geheimnisvolle … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Buchveröffentlichung: Das Mittelmeer und der Tod

Das Mittelmeer ist seit jeher Verbindung und trennendes Element zwischen Menschen: Es ermöglicht Reisen und Transporte, birgt aber auch Gefahren. Wer auf ihm reist, kann dabei umkommen. Wer ankommt in der Fremde und bleibt, wird dort sterben und bestattet werden müssen. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen haben die Rituale im Umgang mit dem Tod rund ums Mittelmeer von der Antike über das Mittelalter bis zur Gegenwart mit ihren Flüchtlingsdramen untersucht. Ihre Ergebnisse sind jetzt in einem Sammelband erschienen, den das Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität Bochum herausgegeben hat.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Was Darwin über die Evolution der Religion schrieb – Meine erste Radioproduktion beim Deutschlandfunk

Gestern morgen warf ich mit etwas Herzklopfen das iPod an: Denn zum ersten Mal ging eine Radiosendung in den Stream, zu der ich nicht nur Interview- oder Textbeiträge geliefert hatte. Vielmehr hatte ich auf Einladung der ermutigenden Silvia Becker von der katholischen Hörfunkarbeit beim Deutschlandfunk erstmals als Autor ein eigenes Stück produziert – und den Text im Tonstudio komplett mit Regie, Technikerin und einem Schauspieler als Stimme Darwins aufgenommen. Dieser Rollenwechsel war eine intensive und gute Erfahrung!

Wenn Sie das Ergebnis interessiert, können Sie es in der ARDmediathek zum Hören (als mp3) bis Anfang Febuar 2017 abrufen oder untenstehend lesen.

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Evolution und Religion – Charles Darwin als Theologe

Blume:
Der Vortragssaal der Universität Tübingen war randvoll mit Biologinnen und Biologen aus europäischen Ländern von Island bis Israel. Die European Society for Evolutionary Biology (ESEB) hatte ihre Jahrestagung 2011 in Baden-Württemberg ausgerichtet und eine Idee der Organisatoren war es gewesen, eine Vorlesung zum Thema „Die Evolution der Religion“ anzubieten. Wir wussten nicht, ob überhaupt jemand kommen würde.

Doch sie kamen und kamen. Mein Herz pochte, als ich zum Rednerpult ging. Oft und gerne hatte ich als Religionswissenschaftler vor Kolleginnen und Kollegen der Biologie gesprochen; doch diesmal war vieles anders und alles auf Englisch.

Ich eröffnete meinen Vortrag mit der Ankündigung, dass ich ihnen zur „Evolution der Religion“ die Überlegungen eines Theologen vorstellen würde. Skepsis und Entsetzen machte sich auf den Gesichtern breit; die meisten Biologinnen und Biologen haben von Religionsgelehrten selten Gutes gehört. Doch dann ließ ich hinter mir das Bild des Gelehrten aufscheinen – und die Zurückhaltung, die im Raum quasi physisch zu spüren war, ging in Überraschung und schließlich Gelächter über. Denn hinter und über mir schaute niemand Geringeres in den Saal als der Begründer der Evolutionsbiologie selbst: Charles Darwin!

Ja, es ist wahr. In den meisten Kurzbiografien wird Charles Darwin als „Naturforscher“ vorgestellt. Und bis heute treffe ich auf großes Erstaunen, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass der bedeutendste Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts einen einzigen Studienabschluss erworben hatte – den eines Bachelors in christlich-anglikanischer Theologie! Darwin schnitt als zehntbester seines Jahrgangs in Cambridge ab und wäre beinahe Landpfarrer geworden. Doch er erbte von seinem Vater ein beträchtliches Vermögen. Und auch Darwins Ehefrau Emma brachte nicht nur ihren christlichen Glauben, sondern auch ein eigenes Vermögen in den Haushalt ein. So kam es, dass Darwin sein Leben lang als wohlhabender „Privatierund Familienvater, als Buchautor und als „Citizen Scientist“ – als ehrenamtlicher Bürgerwissenschaftler – wirken konnte. Im damals sehr interdisziplinären Theologiestudium hatte er die Fähigkeiten erworben, die es ihm ermöglichten, die bedeutendste wissenschaftliche Theorie zur Geschichte des Lebens zu entdecken.

Aber war Darwin denn nicht ein Gegner der Religion, wie sowohl religiöse Fundamentalisten als auch atheistische Religionskritiker immer wieder behaupten?

Oh nein, ganz und gar nicht. Noch in hohem Alter von 70 Jahren, drei Jahre vor seinem Tod, schrieb Darwin einem fragenden Studenten:

Darwin:
„Es scheint mir absurd zu bezweifeln, dass ein Mensch ein entschiedener Theist und ein Evolutionär sein kann. […] In meinen extremsten Schwankungen bin ich nie ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte.“

Blume:
Tatsächlich hatten Darwins spätere Zweifel am christlichen Glauben am wenigsten mit seinen wissenschaftlichen Entdeckungen zu tun. Allerdings konnte er nicht glauben, dass sein Vater und viele seiner nichtreligiösen, aber gutherzigen Freunde in die Hölle wandern würden, wie es die meisten Prediger damals noch lehrten. Und er rang mit der Theodizee-Frage – der Frage, wie ein guter Gott so viel Leid auf der Welt geschehen lassen konnte. Tagebuchaufzeichnungen belegen, dass ihn vor allem die lange Krankheit und der qualvolle Tod seiner Tochter Annie schwer bedrückten. Nach ihrer Beerdigung begleitete er seine Familie noch zum sonntäglichen Kirchgang, nahm aber selbst nie wieder an einem Gottesdienst teil.

Dem christlichen Kollegen und Freund Asa Gray schrieb Darwin:

Darwin:
„Im Hinblick auf die theologische Sicht der Frage; dies ist mir immer schmerzhaft. – Ich bin verunsichert. – Ich hatte nicht die Absicht, atheistisch zu schreiben. Aber ich räume ein, dass ich nicht sehen kann, nicht so klar, wie andere es tun und wie ich es wünschen sollte zu tun, dass es Beweise für Design und Güte auf allen Seiten um uns gebe. Es scheint mir zu viel Elend in der Welt zu geben. […] Auf der anderen Seite kann ich in keiner Weise zufrieden sein, dieses wundervolle Universum und vor allem die Natur des Menschen zu betrachten und zu schließen, dass alles nur Resultat roher Kraft sein würde. Ich tendiere dazu, alles als aus designten Gesetzen resultierend zu betrachten, deren Details, ob gut oder schlecht, dem zur Ausarbeitung überlassen wurde, was wir Zufall nennen. Nicht dass diese Haltung mich vollständig befriedigen würde. Ich empfinde sehr stark, dass dieses ganze Thema zu schwierig für den menschlichen Intellekt ist. Ein Hund könnte ebenso über den Geist Newtons spekulieren. – Lasst jeden Menschen hoffen und glauben, was er kann.“

Blume:
Schließlich erkannte Darwin: Wenn sich der Mensch tatsächlich in seiner Evolutionsgeschichte zu den heutigen Formen entwickelt hatte – dann musste auch die Religion selbst darin entstanden sein! Evolution und Religion waren also nicht nur keine Widersprüche; die Evolution selbst hatte auch den Glauben an höhere Wesen und schließlich an Gott hervorgebracht!

Entsprechend nahm Darwin in sein zweites Hauptwerk – „Die Abstammung des Menschen“ von 1871 – ein eigenes Unterkapitel und mehrere weitere Thesen zur Evolution des Gottesglaubens auf. Er setzte sich dabei mit den Thesen bekannter Theologen, Völkerkundler und Religionswissenschaftler auseinander und entwarf eine Annahme, die sich inzwischen in Grundzügen bestätigt hat!

Demnach sei der Glaube an „unsichtbare und spirituelle Wesenheiten“ aus den normalen sozialen Wahrnehmungen der Menschen entstanden, die damit auch ihre Lebens- und Traumwelt ausdeuteten. Über den Glauben an Geister und Ahnen sei es schließlich zum Glauben an viele Gottheiten und schließlich zur „höchsten Form“ der Religion gekommen: dem Glauben an einen einzigen, guten und gerechten Gott!

Darwin:
„Allem Anscheine nach ist es eine richtigere und wohltuendere Ansicht, dass Fortschritt viel allgemeiner gewesen ist als Rückschritt, dass der Mensch, wenn auch mit langsamen und unterbrochenen Schritten, sich von einem niedrigeren Zustande zu dem höchsten jetzt in Kenntnissen, Moral und Religion erhoben hat. […]

Viele jetzt noch existierende, abergläubische Züge sind Überbleibsel früherer falscher religiöser Ansichten. Die höchste Form der Religion – die großartige Idee eines Gottes, welcher die Sünde hasst und die Gerechtigkeit liebt – war während der Urzeiten unbekannt.“

Blume:
Darwin ging davon aus, dass ein gemeinsamer Glaube an kulturell bestimmte höhere Wesen schon unsere Vorfahren dazu motiviert hatte, sich zu engeren Gemeinschaften zusammenzuschließen und gemeinsame Regeln zu beachten.

Im Gegensatz zu anderen behauptete er dabei nie, dass Moral erst durch Religion möglich werde – moralische Gefühle wie Liebe, Fairness und Mitgefühl hätten sich schließlich bei allen höheren Säugetieren entwickelt und seien daher auch bei allen Menschen anzutreffen. Allerdings könnten Religionen diese allgemeine Moral kulturell aufgreifen und sowohl zu „schrecklichem Aberglauben“ oder auch zu höchster Vollendung führen.

EvolutionundGottesfrageAlle Zitate aus: „Evolution und Gottesfrage. Charles Darwin als Theologe“ (Herder 2013)

Darwin:
„Gutes zu tun in Erwiderung für Böses, den Feind zu lieben, ist eine Höhe der Moralität, von der wohl bezweifelt werden dürfte, ob die sozialen Instinkte für sich selbst uns dahin gebracht haben würden. Notwendigerweise mussten diese Instinkte, in Verbindung mit Sympathie, hoch kultiviert und mit Hilfe des Verstandes, des Unterrichts, der Liebe oder Furcht Gottes erweitert werden, ehe eine solche goldene Regel je hätte erdacht und befolgt werden können.“

Blume:
Daher plädierte Darwin auch nicht dafür, Religion einfach „gut“ oder „schlecht“ zu finden, sondern er erkannte sie als einen Teil der Evolutions-, Natur- und Kulturgeschichte des Menschen. Sie prägte unsere Vergangenheit, unser Werden mit und würde auch in Zukunft eine Rolle spielen.

So beeindruckend und vorausweisend Darwins Theorien zur Evolution von Religion auch waren, so hatte der Gelehrte aus heutiger Sicht jedoch zwei wichtige Faktoren übersehen.

So erkundete er nicht, wie die Menschen sich den „gemeinsamen Glauben“ an die höheren Wesen denn gegenseitig glaubwürdig bezeugen könnten. Heute wissen wir, dass genau dafür so genannte „Credibility enhancing displays“ – Glaubwürdigkeit steigernde Signale – da sind; beispielsweise regelmäßige Gemeinschaftsgottesdienste und -rituale, Opfer sowie religiöse Kleidungs-, Verhaltens- und Speisegebote. Wer sich bereit zeigt, für seinen Glauben Kosten und Mühen, vielleicht gar Leiden oder den Tod auf sich zu nehmen, der signalisiert damit auch die Ernsthaftigkeit seines Glaubens und festigt die Gemeinschaft.

Und diese religiösen Gemeinschaften werden, zweitens, wesentlich auch von Frauen getragen. Erfolgreiche Religionsgemeinschaften zeichnen sich bis heute dadurch aus, dass sie das Leben und die Familie fördern, zum Beispiel durch Ehe- und Familienregeln, den Betrieb von Schulen, Kindergärten, Stiftungen und Krankenhäusern. Entsprechend haben Frömmere quer durch die Weltreligionen auch durchschnittlich mehr Kinder und Enkel – der Goldstandard der Evolution.

In einigen Traditionen – etwa dem katholischen Christentum oder dem Buddhismus – ist es sogar üblich, dass Einzelne aus religiöser Berufung auf eine eigene Familie verzichten, um sich ganz in den lebensförderlichen Dienst der Gemeinschaft zu stellen: etwa durch Streitschlichtung und Heilung, durch Predigt und nicht zuletzt durch Bildung und Betreuung. Von Gewalt sollen sich solche Priester, Mönche und Nonnen eigentlich fernhalten und häufig werden sie respektvoll mit Familienbezeichnungen wie Vater, Mutter oder Schwester angesprochen. Dass Papst – italienisch: Papa! – Franziskus gerade eine eigene Lehrschrift zur Bedeutung der Liebe in Familien veröffentlicht hat, ist daher gut verständlich!

Diesen Aspekt sah Darwin nicht. Er war ein Mann seiner Zeit und ging davon aus, dass die Männer in stetigem, unbarmherzigem Überlebenskampf miteinander stünden und auch der Erfolg von Religionen vor allem darin zu suchen wäre, die stärkeren Kampfgruppen hervorgebracht zu haben. Kinder bekämen die Sieger dann schon von selbst.

Doch schon zu Darwins Lebzeiten gab es eine Frau und Evolutionsforscherin, die ihm mit sehr guten Argumenten widersprach! Die 1825 geborene Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) hatte sich als eine der ersten US-Amerikanerinnen überhaupt ein Theologiestudium erkämpft und wurde schließlich zur ersten Gemeindepastorin der Vereinigten Staaten. Sie führte außerdem eine glückliche Ehe und wurde sechsfache Mutter, engagierte sich für das Frauenwahlrecht, die Befreiung der Sklaven – und für die Wissenschaften.

Entsprechend war auch sie von der Evolutionstheorie begeistert – aber entsetzt, als sie sah, wie Frauen darin dargestellt wurden. Daher schrieb sie ein eigenes Buch „The Sexes throughout Nature – Die Geschlechter quer durch die Natur“. In diesem Buch wies sie darauf hin, dass Darwin und seine männlichen Kollegen übersahen, dass Evolution nur im Miteinander der Geschlechter funktioniere. So werde der Aufwand für das Aufziehen von Kindern zwischen den Eltern und anderen Personen ganz unterschiedlich verteilt, aber eben immer verteilt. Ohne die Berücksichtigung dieser Dienste am Leben könne die Evolution gar nicht verstanden werden! Brown-Blackwell schickte ein Exemplar ihres Buches an Darwin, der ihr zwar mit wenigen Sätzen dankte, es jedoch leider nie aufgriff und wohl nicht einmal las.

Heute wissen wir, dass Darwins Evolutionsforschung auch zur Religion noch besser geworden wäre, wenn auch damals schon die Stimmen der Frauen gehört worden wäre und er das Miteinander der Geschlechter stärker in den Blick genommen hätte. Es ist eben kein Zufall, das Gottes allererstes Worte an den Menschen, nach jüdischer Zählung auch sein erstes Gebot, lautet: „Seid fruchtbar und mehret euch!

Pflanzen und Tiere brauchen eine solche Aufforderung nicht, ihr Fortpflanzungsverhalten ist biologisch festgeschrieben. Doch unsere Vorfahren überschritten, als sie Menschen wurden, diese Festlegungen – und sie fragen seitdem, wofür sie eigentlich leben, wofür sie sich binden und wofür sie auch noch mühsam Leben schenken sollen.

Die Wissenschaft kennt viele religiöse Traditionen, die über Jahrhunderte hinweg kinderreich und lebendig geblieben sind. Wo immer sich jedoch der religiöse Glauben auflöste, lockerten sich auch die Gemeinschafts- und Familienstrukturen und sank die Kinderzahl bis unter die so genannte „Bestandserhaltungsgrenze“ ab. Der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks schrieb gerade auch mit Blick auf die Evolutionsforschung dazu, Religionen stifteten den Generationen übergreifenden „Willen zum Leben“.

Charles Darwin hatte also Recht: Für religiöse Menschen gibt es keinen Grund, sich vor den Erkenntnissen der Wissenschaft und insbesondere der Evolutionsforschung zu fürchten. Religion ist ebenso wie Sprache und Musik ein Teil unserer menschlichen Natur, die wir durch Kultur lebensförderlich, aber leider auch lebensfeindlich ausgestalten können. In jedem Falle aber gilt: Die Evolution selbst hat die Religion, den Glauben an höhere Wesen und schließlich an Gott hervorgebracht.

Schluss…

…hier mit einem Video aus der Wissenssendung Quarks & Co. zum Thema Evolution und Religion:

(Mehr in: BrainLogs)

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Newsblog Juli und August 2016 – Spiritualität (ZITH Tübingen), Sonderkontingent (Integra Filderstadt) und Sommerakademie (Ev. Akademie Wittenberg)

Die Sommerferien nahen und viele Menschen – ja, auch Blogger – freuen sich auf einige freie und sonnige Tage. Wie zugesagt gebe ich aber gerne die noch anstehenden Veranstaltungen bekannt, damit wir uns begegnen können, falls Sie Lust und Zeit haben.

So spreche ich am Montag, 11.7.2016 von 14 bis 16 Uhr am Zentrum für islamische Theologie (ZITH) in Tübingen zum Thema „Spiritualität im Lichte von Hirnforschung und Evolution“ im Rahmen der Vorlesungsreihe „Islamische Mystik“.

ZITPlakatMichaelBlume0716Veranstaltungsplakat das ZITH Tübingen.

Herzliche Einladung in die Rümelinstraße 27 nach Tübingen, der Eintritt ist frei.

Für den Mittwoch, den 13.7.2016, habe ich dann eine Einladung des Integrationsvereines Integra e.V. in Filderstadt zu einem Vortrag über die „Flüchtlingsursache Öl- und Glaubenskriege. Erfahrungsbericht aus dem Irak“ angenommen. Auch der Erwerb und das Signieren von Büchern werden möglich sein. Herzliche Einladung um 19 Uhr ins Bildungszentrum Seefälle, Mahlestraße 14 in Filderstadt-Bonlanden, der Eintritt ist ebenfalls frei.

IntegraMichaelBlume0716Veranstaltungsplakat von Integra e.V., Filderstadt

Und schließlich wirke ich auch noch bei der Wittenberger Sommerakademie mit, die vom 7. bis 13. August 2016 bei der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt – in „der“ Lutherstadt – stattfindet. Das Thema der sehr interdisziplinär besetzten Tagungswoche lautet:

Gehirn, Gesellschaft, Gott und Google
– Was bedingt die Moral in einer modernen Gesellschaft?

WittenbergerSommerakademie0816Einladungsheader der Wittenberger Sommerakademie.

Für die Teilnahme an der Akademie ist freilich eine – kostenpflichtige – Anmeldung erforderlich, alles Nähere ist über die Homepage zu erfahren.

Vielleicht sehen wir uns ja? Den Blog versuche ich auf jeden Fall auch über den Sommer aktiv weiterzuführen, aber den nächsten Newsblog gibt es erst im September.

Danke für Ihr und Euer lebendiges Interesse an Religionswissenschaft in Blog-, Video-, Audio- und Buchform! 🙂

(Mehr in: BrainLogs)

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War Barack Obama ein gescheiterter Messias? Anmerkungen zu einem Problem säkular-politischer Kultur

Wohl zum letzten Mal besuchte Barack Obama als US-Präsident die Bundesrepublik Deutschland. Dabei hielt er in Hannover auch eine Art „Abschiedsrede“, die neben Danksagungen an Angela Merkel vor allem den Wert und die Bedeutung der Europäischen Union im Angesicht neo-nationalistischer Strömungen unterstrich. (Und die Hoffnung, einmal als Nicht-mehr-Präsident das Oktoberfest besuchen zu dürfen.) Es ist eine durchaus bemerkenswerte Rede und ich hatte auch kurz mit dem Gedanken gespielt, sie (wie eine frühere) zu übersetzen. Ich kann sie nur empfehlen. Doch ein Kommentar des SPIEGEL-(Mit)Erben und SPIEGEL-Online-Kolumnisten Jakob Augstein erinnerte mich an die zivilreligiöse Einsetzungsfeier in Washington 2009 und das breite und wichtige Thema Zivilreligion – den religiösen Überbau aus Mythen, Symbolen und Ritualen, den alle aktiven politische Körperschaften entwickeln (müssen). Augstein schrieb: Barack Obama war in Deutschland. Abschiedstournee eines Mannes, der einmal der Messias war. „Die Deutschen“ hätten – so Augstein – Obama zunächst als „Messias“ geglaubt und gefeiert. Und sich selbst einbeziehend urteilt er: (Mehr in: BrainLogs)

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Religion und Ritual – Das Jahrbuch für Interdisziplinäre Anthropologie 03-2015 von Gerald Hartung und Matthias Herrgen (Hrsg)

Mit den jährlich erscheindenen Bänden zur „Interdisziplinären Anthropologie“ haben Prof. Dr. Gerald Hartung und Matthias Herrgen inzwischen eine neue Forschungsmarke im deutschsprachigen Raum etabliert, die auch bereits ins Internationale auszustrahlen beginnt. So erinnere ich mich sehr gerne an die gelungene Tagung über die „Philosopical Anthropology of Religion“ in Wuppertal 2014, bei der u.a. Prof. Matt Rosano von der Southeastern Louisiana University zur interdisziplinären Evolutionsforschung sprach. Hartung und Herrgen entschieden dann, diesen englischsprachigen Vortrag zum „Target Article“ des Jahrbuches 03/2015 zuweiter (Mehr in: BrainLogs)

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Artenschutz: Geier vor Sturzflug

Elefanten- und Nashorn-Wilderer vergiften Geier, weil sie sie verraten. Medizinmänner nutzen Körperteile der Vögel für Heil-Rituale. Afrikas Geier haben zu viele Feinde. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Fundamentalismus & Extremismus – Die gefährlichen Seiten des Glaubens

Schon vor über 5 Jahren schrieb ich im Fazit meiner ersten Titelgeschichte „Homo religiosus“, dass das enorme Potential von Religiosität auch gefährliche Seiten habe. Zu beobachten sei eben auch, „dass in besonders engen Gemeinschaften nicht nur Vertrauen und Kooperation zunehmen, son­dern genauso die Abgrenzung gegenüber An­dersgläubigen und Atheisten, die Ablehnung von Toleranz und Humor und teilweise sogar die Bereitschaft, eigene Interessen gewaltsam durchzusetzen. Auch extremistische und kriminelle Gemein­schaften nutzen religiöse Lehren und Rituale, um den inneren Zusammenhalt gegen die Au­ßenweltweiter (Mehr in: BrainLogs)

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Archäologie: Streit über Karthagos Kinderopfer

Seit Jahren zanken sich Archäologen und Anthropologen heftig über die Kinderopfer von Karthago. Sind sie eine Erfindung der Römer oder gab es sie tatsächlich? Nun holen die an das blutige Ritual Glaubenden in einem Fachartikel erneut zum Schlag aus. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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+++ Livestream aus Stockholm +++: Wer gewinnt den Physik-Nobelpreis?

Das Ritual sorgt jedes Jahr für Hochspannung in der Welt der Wissenschaft: Das schwedische Karolinska-Institut gibt die kommenden Nobelpreisträger bekannt. Verfolgen Sie im Livestream auf SPIEGEL ONLINE, wer 2013 in der Physik die begehrteste Forscher-Ehrung der Welt erhält. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Biologie: Wie Mensch und Löwe miteinander auskommen könnten

Afrika sucht nach Wegen, wie Menschen und Löwen nebeneinander leben können, ohne einander umzubringen. Doch bei den Massai gehört das Töten eines Löwen zum Ritual – wenn auch auf einem schonenden Weg.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Gesetzesvorlage des Justizministeriums: Regierung will fachgerechte Beschneidung erlauben

Ein Gesetzentwurf soll die hitzige Debatte um die Rechtmäßigkeit der Beschneidung beenden. Laut dem Papier soll das Ritual künftig erlaubt sein, sofern es medizinisch fachgerecht ausgeführt wird.
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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Archäologie: Ritual – Tote Tiere unter Haus gefunden

Forscher sind unter einem Haus in einem Freilichtmuseum auf Tierskelette gestoßen: Ein Ferkel und ein Kalb, die Köpfe einander zugewandt. Vermutlich steckt ein bislang unbekanntes Ritual dahinter.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Neue Forschungen zur „Achsenzeit“

Mit der Veröffentlichung seines Buches „Religion in Republican Rome. Rationalization and Ritual Change“ hat Prof. Dr. Jörg Rüpke vom Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt seine Forschungen zum Thema „Achsenzeit“ beendet. Das 336 Seiten starke Buch ist jetzt in der Reihe „A volume in the Empire and After“ im Verlag University of Pennsylvania Press erschienen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Das Liebeslied der Fliege

Neurobiologen am Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie untersuchen am Fortpflanzungsritual der Fliege, wie das Nervensystem Verhalten erzeugt, steuert und sinnvoll einsetzt. Mit neu entwickelten Methoden der Thermogenetik können sie den Balzgesang des Fliegenmännchens „ferngesteuert“ auslösen und die beteiligten Nervennetze beschreiben. Ihre Arbeit wird in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Neuron veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft