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Teufelszwirn: Schmarotzer und dennoch Alarmüberträger bei Insektenbefall

Ein Team von Wissenschaftlern des Kunming Instituts für Botanik in China und des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena hat entdeckt, dass parasitische Pflanzen der Gattung Cuscuta (Teufelszwirn) ihren Wirtspflanzen nicht nur Nährstoffe entziehen, sondern bei Insektenbefall auch wichtige Nachrichtenüberträger zwischen benachbarten Pflanzen sind. Der Teufelszwirn verbindet verschiedene Pflanzen über sein parasitisches Netzwerk. Wird eine vom Teufelszwirn bewachsene Pflanze von Insekten attackiert, werden auch in nicht-befallenen Nachbarpflanzen Verteidigungs-gene aktiviert, die diese Pflanzen warnen und somit resistenter gegen ihre Fressfeinde machen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Filter als Nistmaterial: Zigaretten gegen Zecken: Vögel schützen Nester vor Parasiten

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Seeking the parasite

The sun is burning; it is hot, humid and incredibly dusty. We reach the first destination for our malaria field studies via a bumpy and due to strong rains partially flooded road: The small village … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Auf der Suche nach dem Parasiten

Die Sonne brennt herunter, es ist heiß, schwül, und wahnsinnig staubig. Über holprige und durch die starken Regenfälle zum Teil überschwemmte Straßen erreichen wir unser erstes Ziel für unsere Malariafeldstudien: Das Dorf Phak Kha in … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Das wundersame Leben des Parasiten Plasmodium

Die Tropenkrankheit Malaria wird durch den Parasiten Plasmodium ausgelöst. Plasmodium hat sich raffinierte Strategien ausgedacht, um sich sein eigenes Überleben und seine Verbreitung zu sichern. Dazu gehört auch sein komplexer Lebenszyklus. Parasiten brauchen zum Überleben … Weiterlesen (Mehr in: BrainLogs)

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Übertragung von Parasiten: Marienkäfer mit zwei Punkten werden immer seltener

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Haustiere: Dein Hund, eine Dreckschleuder!

Flöhe und Bandwürmer, na klar. Aber wussten Sie, dass Hunde weltweit gefährliche Erreger wie multiresistente Keime oder Parasiten verbreiten? (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Forscher entschlüsseln Immunität gegen Parasiten

Fadenwürmer (Nematoden) sind ein großes Problem in der Landwirtschaft, weil sie als Parasiten viele wichtige Nutzpflanzen wie Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln befallen. Doch die Pflanzen können sich wehren. Wissenschaftler der Universität Bonn entdeckten mit Kollegen vom Sainsbury Laboratory Norwich ein Protein, das Pflanzen ermöglicht, verräterische Stoffe von Nematoden zu erkennen und Abwehrreaktionen gegen die Eindringlinge in Gang zu setzen. Diese Entdeckung soll dazu führen, Nutzpflanzen mit einer gesteigerten Abwehr gegen die Parasiten zu entwickeln. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe von „PLoS Pathogens“ publiziert.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Ansteckungsgefahr am Geruch erkennen

Einfluss von Parasitismus auf die Evolution von Sozialverhalten
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Marderhund ist akuteres Risiko als Überträger heimischer Parasiten als Waschbär

Die in Europa stetig wachsende Zahl von Waschbär und Marderhundmachte rückt die beiden Neozoen auch als Wirte für Krankheitserreger in den Fokus von Parasitologen. Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna analysierte nun Proben der beiden Wildtiere in Österreich. Der mit dem Fuchs näher verwandte Marderhund dient als zusätzlicher Überträger heimischer Parasiten, wie dem Fuchsbandwurm oder Trichinen, also auch für den Menschen relevanten Krankheiten, neben dem heimischen Fuchs dar. Der Waschbär ist dagegen aufgrund seiner ursprünglichen Herkunft aus Gehegehaltung noch weitgehend frei von gefährlichen Parasiten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Parasitology Research veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Neuer Wirkstoff gegen die Schlafkrankheit

Ein neu entwickelter Wirkstoff tötet gezielt den Erreger der Schlaf- und der Chagas-Krankheit. Das berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München gemeinsam mit Kollegen der Technischen Universität München und der Ruhr Universität Bochum in ‚Science‘. Der Trick dabei: Die Forscher konnten zunächst durch Einsatz modernster Verfahren der Strukturbiologie die Achillesferse des Parasiten ausmachen und dann einen passgenauen Wirkstoff entwickeln.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Arten entdeckt: Mikroparasiten tragen zur Stabilität des Ökosystems im Regenwald bei

Der tropische Regenwald zählt zu den artenreichsten Gebieten der Erde. Hier leben Tausende von Insekten-, Vogel- und Säugetierarten. Auch kleinere Organismen, mit bloßem Auge nicht sichtbar, sind hier heimisch, etwa sogenannte Protisten. Sie leben unter anderem in den Böden der Wälder. Forscher um Micah Dunthorn von der Technischen Universität Kaiserslautern haben sie genauer untersucht und ihr Genom analysiert. Dabei haben sie viele unbekannte Arten entdeckt; darunter auch Parasiten, die wahrscheinlich zur Stabilität des Ökosystems im Regenwald beitragen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „Nature Ecology and Evolution“ veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Methode beschleunigt die Malaria-Forschung

Hamburg, 14. März 2017 – Der Malariaerreger Plasmodium falciparum ist schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, dennoch ist die Funktion von mehr als der Hälfte seiner rund 30.000 Gene bis heute nicht geklärt. Mit einer neuen gentechnischen Methode können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) nun gezielt und schnell feststellen, welche Gene für das Überleben des Parasiten notwendig sind und wo die entsprechenden Genprodukte, d. h. Proteine, im Malariaerreger lokalisiert sind. Ihre Methode haben sie in der Fachzeitschrift Nature Methods veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Kreislauf des Schreckens: Parasit zwingt Schnecke zu tödlichem Verhalten

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Schlüsselgene für das Immunsystem von Honigbienen aufgedeckt

Leipzig/Halle(Saale). Ein internationales Wissenschaftlerteam hat wichtige Schlüsselgene identifiziert, die bei Honigbienen an der Abwehr von Krankheiten beteiligt sind. Die neuen Erkenntnisse ermöglichen weitergehende Studien zur Gesundheit von Honigbienen. Sie könnten dabei helfen, künftig Honigbienen zu züchten, die widerstandsfähiger gegen Viren und Parasiten sind. Die Studie entstand im Rahmen einer internationalen Arbeitsgruppe am Forschungszentrum iDiv. Daran beteiligt war unter anderem die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Erschienen ist sie jetzt im Fachjournal BMC Genomics.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Bereits Spuren von Insektiziden machen Wespen geruchsblind

Biologen der Universität Regensburg untersuchten in einer Studie die Wirkung des Insektizids Imidacloprid auf parasitische Wespen, die andere Insekten parasitieren und so quasi als natürliche Schädlingsbekämpfer dienen. Sie fanden heraus, dass selbst geringste Mengen des Wirkstoffes die Wahrnehmung von chemischen Signalen bei den Insekten stören, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, Paarungspartner und Wirte für die Eiablage zu finden.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Malaria-Erreger gefilmt: Vom Ringelreigen zum Poledance

Neue Erkenntnisse durch Filme im Mikrometer-Maßstab: Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg entdeckten Schlüsselprotein für „Geburt“ der Erreger und Hinweis darauf, wofür Krümmung der Parasiten sinnvoll sein könnte.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Des Wolfes kleine „Mitbewohner“

Mit wachsendem Wolfsbestand nimmt auch die Zahl der pro Wolfsindividuum gefundenen Parasitenarten zu. Welpen haben eine größere Vielfalt von Parasitenarten als ältere Tiere. Die Parasiten stellen jedoch keine Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Die Studienergebnisse wurden in der Online-Fachzeitschrift „Scientific Reports“ der Nature Publishing Group publiziert.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Mitochondrien-Reste leisten Aufbauarbeit für Basisprozesse

Der Parasit Mikrosporidium ist so sehr aufs Wesentliche reduziert, dass er sogar den Atem anhält – aber er schafft es noch, Werkteile zusammenzuschmieden, die er unbedingt für die Basisprozesse des Lebens braucht. So lässt sich umschreiben, was Zellforscherinnen und Zellforscher um Professor Dr. Roland Lill von der Philipps-Universität Marburg herausgefunden haben, als sie Zellbestandteile der Parasiten untersuchten, die ihre Funktion größtenteils verloren haben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Marburg, Mülheim und Großbritannien berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Which way out? – Der Weg des Malariaparasiten aus den roten Blutkörperchen

In einem internationalen Forschungsprojekt zur Untersuchung dieser Frage hat die Heisenberg-Professorin Gabriele Pradel aus dem Lehr- und Forschungsgebiet für Zelluläre und Angewandte Infektionsbiologie der RWTH Aachen University an einer wegweisenden Studie mitgewirkt, die jetzt im Fachmagazin „Cell Host & Microbe“ erschienen ist.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Zelluläres Wettrüsten gegen DNA-Parasiten: Wie winzige RNAs springende Gene zähmen

Ein Forscherteam am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) konnte erstmals aufklären, wie kleine RNA Fragmente in der Zelle zu einem effektiven Sicherheitsystem gegen Genomparasiten generiert werden, wie das Fachjournal Nature in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Gute Sänger tragen grosse Krawatten

Nicht alle Kohlmeisen singen gleich schön. In einer neuen Studie, die in «Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS» veröffentlicht wurde, zeigt Prof. Heinz Richner vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern, dass bei Kohlmeisenmännchen, die Tonintervalle besonders exakt singen, das schwarze Federband über der Brust breiter ist als bei ihren weniger begabten Artgenossen. Diese «Krawattengrösse» korreliert mit dem sozialen Status, dem Erfolg bei Weibchen, der Nachkommenzahl und der Resistenz gegen Parasiten.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Toxoplasmose: Parasit beeinflusst Gedächtnisleistung

Jeder zweite Deutsche trägt den Erreger Toxoplasma gondii in seinem
Körper. Der weltweit vorkommende Einzeller verursacht eine der häufigsten
Infektionskrankheiten. Bekannt ist Toxoplasmose schon lange,
hauptsächlich im Zusammenhang mit gesundheitlichen Risiken in der
Schwangerschaft und für immunschwache Menschen. Studien am Leibniz-
Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) zeigen, dass eine
Infektion auch das Arbeitsgedächtnis im Alter beeinträchtigen kann.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Ausländische Pilze breiten sich in der Schweiz aus

In der Schweiz gibt es immer mehr Pilze, die hier ursprünglich nicht vorkamen. Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL haben erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme dieser „neuen Pilze“, der sogenannten Neomyceten, erstellt. Unter den gut 300 Arten finden sich viele Parasiten von Garten- und Wildpflanzen, einige geniessbare Pilze – und sogar die eine oder andere Kuriosität.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Olympia: Wie krank macht uns Rio?

Zika, Dengue, Malaria – alles Infekte, die Brasiliens Moskitos verbreiten. Sie fürchten sich nicht mal vor Wurmparasiten? Fahren Sie ruhig hin. Aber lesen Sie vorher das, (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Die Weltraummuränen von Ridley Scott

Ich erinnere mich an wenig aus dem Film Alien. Ich habe den ersten Teil bestimmt 3 mal gesehen und immer weggeguckt, wenn das Monster kam. Jedenfalls, wie es hier in dem Ausschnitt zu sehen ist (ich musste wieder weggucken aaahh), hat das Alien ein todbringendes zweites Gebiss, das ihm aus dem Maul heraus schnellt.

Ich kann jetzt natürlich nicht wissen, ob Ridley Scott wirklich 1979 wusste, dass ein zweites Gebiss bei vielen Fischarten vorkommt. Besonders markant setzen sie Muränen Anguilliformes/Muraenidae ein, wie in diesem Video zu sehen ist:

Man braucht also eigentlich gar nicht ins Weltall zu gehen, um sich zu gruseln. Bei den Muränen konnten Rita Mehta und Peter Wainwright 2007 zeigen, dass diese so genannte Pharyngealia – ich nenne dieses Merkmal ab jetzt Schlundkiefer – dank spezieller Muskeln besonders weit durch den ersten Kiefer hervorschnellen kann. Dieser zweite Kiefer packt die Beute im Maul und zieht sie den Rachen herunter. Mehta und Wainwright entdeckten jedoch nicht, dass Muränen Schlundkiefer besitzen, wie es die englische Wikipedia-Seite behauptet, sondern wie die Tiere sie beim Schlingen der Beute verwenden. Ridley Scott scheint das Ganze jedenfalls schon 1979 gekannt zu haben.

In abgewandelter Form kommt dieser Kiefer bei fast allen Knochenfischen vor. Er entsteht aus den Kiemenbögen und dient meist dem Schlucken und Kauen von Nahrung. Es entspricht somit unseren Backenzähne und der Zunge. Die Muränen entwickelten besonders flexible Kiefer und Bögen, die mit Reiszähnen bestückt sind. Die Schlussfolgerung von Mehta ist, dass die Tiere auf diese Weise fressen, weil sie im Korallenriff hocken und nicht durch saugen oder schwimmen die Nahrung in ihren Schlund bewegen können.

Es gibt einige Methoden, mit denen Fische Nahrung aufnehmen. Die Hauptmethode ist das „suction feeding“. Wasser wird mit geschlossenen Kiemen angesaugt, in dem der Mundboden abgesenkt wird, und dann durch die Kiemen durchgestoßen, wodurch die Saugwirkung entsteht. Siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=yx_Wrbl_5ks

Für Muränen scheint diese Verhaltensweise nicht erfolgsversprechend zu sein. Im Laufe der Evolution haben sie die Fähigkeit dazu verloren. Wahrscheinlich ist Zubeißen in diesem Habitat erfolgreicher. Andere Aale wir Congeraale saugen ihre Beute ein. In einem weiteren Paper von 2014 zeigt Mehta, dass dieser Verhaltens-Switch hin zum Beißen wahrscheinlich zu einer sprunghaften Vervielfältigung der Kieferformen geführt hat.

Das belegt, dass wenn eine morphologische Struktur im Laufe einer Verhaltensänderung aus ihrer Funktionalität befreit wird, Arten entstehen, die in diesen Strukturen besonders variabel sind. In diesem Beispiel heißt das, dass auf diese Weise bei den Muränen viele verschiedene Gebissformen entstehen konnten, da sie nicht mehr zum „suction feeding“ gebaut sein mussten.

Auch in der Evolution der Buntbarsche scheint der Schlundkiefer eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Das besondere an der Evolutionsgeschichte der Buntbarsche ist, dass sie sich in den Ost-Afrikanischen Seen wie im Victoria oder Tanganjika See an alle möglichen Habitate angepasst und sich viele verschiedene Arten aus der gleichen Gattung entwickelt haben. Dieses Phänomen nennt man „adaptive radiation“. Der untere Schlundkiefer ist bei Buntbarschen zu einer Platte verschmolzen, wie fest sie verwachsen ist, unterscheidet sich von Buntbarschart zu Buntbarschart. Darrin Husley stellt 2006, nach dem er die Schlundkiefer bei Pflanzen und Schneckenfressern untersucht hatte, die Hypothese auf, dass die Variabilität dieser Platte den Fischen einen besonderen Vorteil verschaffte: Je nach dem wie stark die Kiefer verschmolzen sind und was für Zähne darauf zu sehen sind, seien sie besonders geeignet um Schneckenschalen, Pflanzen oder Fische zu kauen. Verschmelzungsgrad der Platten und Anzahl und Form der Zähne scheinen sich je nach Verwendung der Kiefer plastisch anzupassen („phenotypic plasticity“ wie hier) aber auch zu einem gewissen Grad genetischen fixiert zu sein – eine komplizierte Verzahnung (hoho 😉 ) von Umwelteinflüssen und Vererbung verursachen wahrscheinlich die Unterschiede zwischen den Buntbarscharten.

Karel F. Liem stellte in den 70er Jahren schon die These auf, dass dieser besondere Schlundkiefer den Buntbarschen zu der unglaublichen Artenvielfalt verhalf, die man heute in den Ost-Afrikanischen Seen beobachten kann.

Nach diesem kleinen Ausschnitte aus der vielseitigen Schlundkiefergeschichte der Fische verwandelt sich Ridley Scotts Alien in eine einfache Weltraum-Muräne mit parasititärem Fortpflanzungsverhalten.

Quellen:

http://mehta.eeb.ucsc.edu/wp-content/uploads/2013/11/MehtaWainwright2007b.pdf

http://sysbio.oxfordjournals.org/content/22/4/425.short

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/000399699500074Y

Mehr über Buntbarsche:

http://www.spektrum.de/magazin/buntbarsche-meister-der-anpassung/825489

http://www.scientificamerican.com/article/the-extraordinary-evolution-of-cichlid-fishes/

„Soft-Skills“ in Buntbarschfamilien

(Mehr in: BrainLogs)

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Wie sich die Tomate den pflanzlichen Parasiten Teufelszwirn vom Stängel hält

Tübinger Forscher entdecken den Mechanismus der Erkennung des Schmarotzers als Grundlage der natürlichen Resistenz
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Anthropozän: Die Wissenschaft im Dialog mit Politik und Gesellschaft? – Ein Zwischenbericht

Einleitung: der Anthropozän-Diskurs

Wer hätte gedacht, dass das Anthropozän-Konzept derart rasch Fahrt aufnehmen würde: Nicht nur der Anthropozäniker auf Scllogs, sondern – wie auch an dieser Stelle immer wieder berichtet – Kulturprojekte, Ausstellungen, Bücher, ja sogar Comics thematisieren die „Menschenzeit“ [1]. Auch die Wissenschaften stürzen sich darauf: Geistes-, Kultur-, Sozial-, Ingenieurs- und Naturwissenschaftler scheinen gleichermaßen interessiert, Philosophen, Ethiker, Historiker und Juristen diskutieren plötzlich mit Geologen; manche sprechen sogar von einer weiteren kopernikanischen Wende – eine völlig veränderte Sicht auf die Welt, in der Natur, Technik, Kultur und Gesellschaft zu einem einzigen System vereint sind [2]. Auch außerhalb der Wissenschaftswelt berufen sich viele auf das Anthropozän: Umweltaktivisten, Politiker, Kreative und sogar Firmen zählen sich teilweise ebenfalls zum Club der Anthropozän-Fans [3].

Gleichzeitig gibt es aber auch Gegenwind. Mancher Umweltverband erkennt darin nur neue Schläuche für alten Wein, während andere den Naturschutz damit ausgehebelt sehen – Geologie statt Ökologie? Manche Theologen, Ethiker, Philosophen, Kultur- und Sozialwissenschaftler sind ausgesprochene Befürworter des Anthropozän-Konzepts, während andere aus denselben Fächern es für komplett unnütz erklären (siehe auch meinen früheren Blogbeitrag hier). Etlichen  ist das Konzept zu politisch, anderen wieder zu unpolitisch und wieder andere halten es gar für einen neuen Zweig der Pop-Kultur (Hamilton 2016) (Abb. 1). Es steht auch das ambivalente Urteil im Raum, der Anthropozän-Ansatz sei „absolut positivistisch und zukunftsbejahend. Aus der Technikverliebtheit der Vergangenheit wird eine Forschungsverliebtheit, die einen radikalen Fortschrittsgedanken in sich trägt.“ [4] Im aktuellen online-Dossier von Spektrum der Wissenschaften wird ein Artikel von des Journalisten und Geographen Gabor Páal nochmals aufgeführt mit dem Titel „Das Anthropozän muss wissenschaftlich bleiben“. Er befürchtet, dass  „Die Idee vom Anthropozän … dabei [ist], zum vulgärwissenschaftlichen Topos zu werden wie einst die heisenbergsche Unschärferelation … oder der so genannte Schmetterlingseffekt …“ , wenn sich Geistes- und Sozialwissenschaftlers ebenfalls des Begriffs bemächtigen. Er sieht damit das Anthropozän-Konzept offensichtlich fest in den Geowissenschaften verankert. Alles an Überbau, ethischer Relevanz der Befunde und möglichen Lösungsansätzen sieht er damit offensichtlich nicht mehr als Teil des Anthropozänkonzeptes. All dies sei eher die Sache der Geoethik, zu der bereits zwei (konkurrierende?) Fachgesellschaften bestehen. Das Beispiel zeigt gut, dass es vor allem der systemische Anspruch des Anthropozän-Ansatzes ist, der einerseits bei vielen Wissenschaftlern eine immense integrative Kraft zu inter- und transdisziplinärem Arbeiten entfaltet, der aber auch andererseits Befürchtungen bei anderen Wissenschaftlern verursacht, das Anthropozän könne einem etwas vom eigenen „wegnehmen“. Dies gilt sowohl in innerhalb der Geowissenschaften – dort gibt es selbstverständlich ebenfalls Vorbehalte (nach dem Motto: „wir haben doch schon Quartärgeologie und Geographie“, was allerdings das Wesen des Anthropozän-Konzepts komplett verkennt [5], aber auch in anderen Communities, bei denen diffuse Ängste unterstellt werden können, die Geowissenschaften würden sich über die Schiene des Anthropozän-Konzeptes der Philosphie, der Humanökologie oder eben auch der Humanethik bemächtigen. Richtig bösartig und fast schon verschwörungstheoretisch wird es bei durchaus auch aus dem wissenschaftlichen Umfeld stammenden Strohpuppen-Konstrukten mit Unterstellungen wie die Anthropozäniker (dabei implizit auch der Autor) seien katastrophenblind, würden Geoengineering und Technokratie befürworteten („Am Horizont ihrer Idee vom Weltgarten scheint das Bild einer Ökodiktatur auf. In dieser herrschen aber nicht Philosophenkönige, sondern Geologen. Und Ingenieurskönige.“) und sogar geheimbundartige Strukturen aufbauen [6|.  Es geht also durchaus zur Sache bei der Diskussion ums Anthropozän, was allerdings überdeckt, welch großes Interesse und Zustimmung das Konzept insgesamt erfährt (Abb. 2).

Dennoch: Worin sind diese so unterschiedlichen und widersprüchlichen Ansichten – von irrealen Kompetenzverlustängsten einmal abgesehenen – tatsächlich begründet? Liegt es daran, dass doch jeder etwas anderes unter dem noch neuen Begriff „Anthropozän“ versteht? Oder ist es doch wieder ein dualistisches Problem, nämlich die Annahme einer gefährliche Engführung auf der einen Seite bzw. die Hoffnung auf eine gemeinsame Basis auch für einen breiten Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf der anderen Seite. Der vorliegende Beitrag, der nur einen Zwischenbericht in einem dynamischen, offenen Prozess darstellt, will dies nicht wissenschaftstheoretisch und empirisch basiert behandeln, sondern trotz (oder vielleicht gerade wegen) solcher Vorbehalte vor allem das kommunikative und dialogische Potenzial der dritten Ebene des Anthropozän-Konzepts (siehe unten) aufgreifen. Können neue „anthropozäne“ Denkweisen und Narrative helfen, auch zu einem neuen integrativen Denken zu führen? Dazu müssen wir allerdings in einem ersten Schritt die drei konzeptionellen Ebenen des Anthropozän-Ansatzes noch einmals kurz darlegen und strukturieren, um in einem zweiten Schritt insbesondere dessen dialogische Potentiale herauszuarbeiten.

Das Anthropozän-Konzept – ein Wissenschafts- und Denkansatz auf mehreren Ebenen

Als Geburtsstunde des Anthropozän-Konzepts wird allgemein eine Tagung der Erdsystemwissenschaftler im Jahr 2000 in Mexiko angesehen. Erdsystemwissenschaftler versuchen die Prozesse des Erdsystems und damit das Zusammenspiel von Lithosphäre, Pedosphäre, Hypdrosphäre, Biosphäre und Atmosphäre zu verstehen, dabei wird auch der Einfluss des Menschen auf diese Sphären und damit auf die Stabilität des Erdsystems bewertet. Die erste konzeptionelle Ebene dieses Systems ist die Erdsystemanalyse (Abb. 3). Die menschlichen Eingriffe sind inzwischen geradezu von gigantischem Ausmaß: Der Mensch ist zu einem ganz wesentlichen Erdsystemfaktor geworden, dies ist an anderer Stelle (siehe auch auf diesem Blog, z.B. hier oder hier oder hier) genügend herausgearbeitet worden. Obwohl also die Umwelteingriffe durch den Menschen zwar grundsätzlich bekannt sind, werden deren globale Auswirkungen und die Unumkehrbarkeit dieser Prozesse jedoch weitgehend verdrängt. Dabei ist es schlichtweg eine Tatsache, dass die umweltstabile Zeit des Holozäns bereits hinter uns liegt. Das Erdsystem verändert sich rasant, die Gefahr eines Kippens in einen völlig neuen Status ist groß, insbesondere wenn es nicht gelingt, die anthropogene Klimaerwärmung auf global höchstens 2°C zu begrenzen, wobei selbst eine Erwärmung um „nur“ 2°C bereits deutlich außerhalb der Spannbreite des Holozäns liegt (Leinfelder & Haum 2016). Eine Hypothese des Anthropozän-Konzeptes besagt, dass die Menschheit das Erdsystem bereits in einer Weise verändert hat, welche diese Veränderungen unumkehrbar macht. Durch alle vorliegenden Daten scheint dies inzwischen leider bestätigt. Wie weit sich das neue Erdsystem von dem des Holozän entfernt, wird jedoch durchaus noch von unserem zukünftigen Handeln abhängen. Daraus ergibt sich eine zweite konzeptionelle Ebene, die wiederum an einer Hypothese festzumachen ist. Diese besagt, dass sich die Veränderungen des Erdsystems auch dauerhaft niederschlagen, das heißt, geologisch überlieferungsfähige Signaturen in den heutigen und zukünftigen Sedimenten liefern werden (Abb. 3). Die eingehende Untersuchung dieser beiden Hypothesen bildet den wissenschaftlichen Kern des Anthropozän-Konzepts (Waters et al. 2016). Die Internationale Stratigraphische Kommission, die offizielle geologische »Weltbehörde« der Stratigraphie, hat in diesem Sinne eine interdisziplinäre Anthropocene Working Group (zu der auch der Autor gehört) eingerichtet, die gegebenenfalls auch eine formale geologische Definition für die neue erdgeschichtliche Epoche, eben die Anthropozän-Epoche, vorschlagen wird.

Aus diesen beiden wissenschaftlichen Ebenen des Anthropozän-Konzepts lässt sich eine dritte konzeptionelle Ebene ableiten, die wiederum an einer Hypothese festgemacht werden könnte. Diese würde auf die Hoffnung hinauslaufen, dass die zur immensen geologischen Kraft gewordene Menschheit, die das Erdsystem an den Rand eines möglichen Kippens gebracht hat, auf der Basis ihres Wissens auch in der Lage sein sollte, die Erde gleichsam »wissensgärtnerisch« so zu gestalten, dass wir Menschen integrativer Teil eines funktionsfähigen anthropozänen Erdsystems wären (Abb. 3). Im besten Falle wäre damit die Grundlage gerechter Entwicklungschancen für gegenwärtige und künftige Generationen geschaffen. Diese Hypothese beruht auf der Einsicht, dass die Menschheit sich als dem Erdsystem zugehörig begreifen muss. Wir können nicht vom Erdsystem, sondern nur mit dem Erdsystem leben. Wir sind nicht von einer Umwelt umgeben, sondern wir leben in einer von uns entscheidend geprägten »Unswelt«. Aus diesem Verständnis heraus ergibt sich ein Imperativ zu anthropozänem (Um-)Denken und Handeln: Politik oder Wirtschaft alleine können eine erdsystemische Integration der Menschheit nicht gewährleisten, da gerade auch individuelles Handeln in der Summe globale Auswirkungen hat. Daher sind alle zu einer verträglichen, nachhaltigen Nutzung der Erde verpflichtet. Der derzeitige »Parasitismus« des Menschen an der Natur müsste sich wandeln zu einer echten Symbiose von Mensch und Natur, im Sinne eines gegenseitigen Nutzens. (siehe auch Leinfelder 2016a)

Anthropozänes Denken – möglicher Schlüssel für einen Gesellschaftsvertrag zur Großen Transformation

Der Weg in ein dauerhaft funktionsfähiges, mit menschlichen Gesellschaften kompatibles Erdsystem kann vermutlich nur durch einen virtuellen Gesellschaftsvertrag für die notwendige Große Transformation erreicht werden, wie ihn etwa der WBGU in seinem Hauptgutachten von 2011 konzipiert hat (WBGU 2011). Hierbei müssen Wissenschaften, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten, wobei die Politik aufgefordert ist die Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Ob ein virtueller Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation tatsächlich zustande kommen und funktionieren kann, hängt aber ganz wesentlich von der Kommunikation zwischen allen beteiligten Akteuren ab. Erforderlich ist ein umfassender, wechselseitiger und offener Austausch. In der Politik müssen nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse verstanden werden, sondern sich auch die Einsicht durchsetzen, dass Wissenschaftler als Mitglieder der Zivilgesellschaft ein soziales Bewusstsein haben, also auch „Gewissenschaftler“ (sensu H.J. Schellnhuber) sind. In den Wissenschaften muss ein besseres Verstehen untereinander sowie eine verbesserte Kooperation erlernt werden, wofür vor allem auch gemeinsame Zielsetzungen im Sinne von Transformationsforschung und transformativer Forschung notwendig sind. Das Bildungssystem ist gehalten, dies aufzugreifen, in geeigneter Weise zu reflektieren und zu vermitteln. All das mag trivial klingen, angesichts der enorm sektoralen Ausprägung von Behörden, Verwaltungen, Universitäten, Schulen sowie der politischen Landschaft ist es das jedoch keinesfalls (vgl. Leinfelder 2011, 2013). In dieser Hinsicht kann der Anthropozän-Ansatz mit seinem integrativen systemischen Denkansatz überaus hilfreich sein. Zur Verdeutlichung soll im Folgenden beispielhaft auf ein mögliches Narrativ eingegangen werden (adaptiert aus Leinfelder et al. 2016):

Die Küche als »Kommandozentrale« der Globalisierung: Zubereitung und Verzehr von Nahrung ist in unserer Vorstellung eine eher persönliche Angelegenheit, die jeweils an variable Gegebenheiten geknüpft (kulturelle Prägung, religiöse Tabus etc.) und lokal eingegrenzt scheint. Dabei haben wir (hier in Deutschland) die Globalisierung quasi direkt auf dem Teller: Die von uns verzehrten Lebensmittel – Getreide, Obst und Gemüse, vielerlei Fleisch, Geflügel und Fisch, Kaffee und Tee, Kakao, Schokolade und Gewürze – wurden vielfach rund um den Globus bewegt. Als Konsumenten haben wir in der Küche somit einen Schalthebel der Globalisierung in der Hand. Wir beeinflussen mit unserem Ernährungstyp (vegan, vegetarisch, etc.), unserem Ernährungsstil (saisonal, regional, etc.), unserer sozialen Wohnstruktur (Single, Kleinfamilie, Wohngemeinschaft etc.) und nicht zuletzt mit der Einrichtung und den Gerätschaften unserer Küchen, wie die Produktion und Zubereitung von Genuss- und Nahrungsmitteln die Welt mitgestaltet und auch verändert (Abb. 4).

Das Beispiel-Narrativ »Die Anthropozän-Küche« zeigt, dass jede(r) Einzelne nicht passiv weit entfernte Abläufe beobachtet, sondern vielmehr unmittelbar Beteiligte(r) ist und durch eine Vielzahl kleiner und großer Entscheidungen auch Verantwortung trägt. Des Weiteren kann an diesem Beispiel eine ganze Kette von Verknüpfungen aufgezeigt werden: Wir ernähren nicht nur uns, sondern auch unsere (Küchen-) Maschinen (Abb. 5). Diese müssen mit Energie gefüttert werden, mit Strom, zu dessen Erzeugung fossile Brennstoffe, Wasserkraft etc. verbraucht wird. Ebenso musste bereits zur Herstellung dieser Maschinen Energie aufgewendet werden, und es wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Rohstoffe verarbeitet. Die gesamte technische Produktionskette hat ihre Grundlagen im Verbrauch von Ressourcen, die aus der Natur stammen (Abb. 4, 5, 6). Es sind teilweise in Hunderten von Millionen Jahren akkumulierte und durch geologische Prozesse umgewandelte Stoffe, die es uns letztlich ermöglichen am häuslichen Herd bequem auf Tasten zu drücken (cf. Williams et al 2016). Nicht nur fossile Energien, die konservierte Energie von Lebewesen wie Bäumen, Sträuchern oder Meeresplankton sind, die nicht gefressen wurden, sondern akkumulierten und umgewandelt wurden, auch andere Bodenschätze gehen auf solche metabolischen Organismenprozesse zurück; dazu gehören der größte Teil der Eisenerzlagerstätten und auch die für unsere Ernährung so notwendigen Phosphate (Abb. 6). Womit die Kette der Verknüpfungen wieder bei ihrem Ausgangspunkt, die Küche als »Kommandozentrale« der Globalisierung angekommen ist (Leinfelder et al. 2016).

Narrative wie das der » Anthropozän-Küche« sind geeignet, in unterschiedlichen Medien und Formaten (Ausstellungen, Comics (Leinfelder et al. 2016), Vorträge, Workshops etc.) in wissenschaftlichen, politischen und gesamtgesellschaftlichen Kontexten die räumliche und zeitliche Verflochtenheit mit dem Erdsystem bewusst zu machen, die vom Individuum bis zur gesamten Weltgesellschaft reicht. Es wird daran einsehbar, wie viel stärker wir hinsichtlich der für unser Leben und Wirtschaften notwendigen Ressourcen von Prozessen auf der großen Zeitskala der Erdgeschichte abhängig sind als von kurzskaligen gegenwärtigen Aktualitäten. Zugleich zeigt sich daran aber auch, dass unsere kurzskaligen Aktivitäten das Potenzial haben, auf die große erdgeschichtliche Skala einzuwirken und wir daraus lernen müssen – selbst wenn Artensterben, Atommüllproduktion und CO2-Ausstoß aus fossilen Quellen schon morgen abgestellt werden könnten, würde das nichts mehr daran ändern, dass sich die Auswirkungen über Jahrhunderte, Jahrtausende und Jahrmillionen erstrecken werden. So gesehen leben wir im »Langen Jetzt«. Damit es nicht zu einer „Diktatur des Jetzt“ kommt, müssen Politik und Wirtschaft umdenken. Das aber wird wiederum nur geschehen, wenn die Zivilgesellschaft ihre aktive Rolle und Verantwortung wahrnimmt und an Entscheidungsprozessen teilnimmt bzw. diese einfordert. Hierzu ist ein umfassender, kommunikativer, auch diskursiver Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik notwendig.

 

 

Die Zukunft im Anthropozän – mögliche Pfade der Zeitreise

Der Anthropozän-Ansatz stellt für den notwendigen Dialog von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik eine hervorragende Orientierung dar und kann wesentlich zu der Einsicht beitragen, dass ein Umdenken und Umlenken notwendig ist. Daraus ergibt sich allerdings nicht zwangsläufig die Antwort, in welche Richtung und wie es denn nun tatsächlich weitergehen müsste, aber auch für das Skizzieren möglicher Zukunftspfade bietet die Offenheit, aber auch die Gestaltungsnotwendigkeit des Anthropozäns einen guten Rahmen. So stoßen zwar bei der Frage nach dem „richtigen“ Weg in die Zukunft divergierende, teils sehr konträre Meinungen aufeinander, die sich aber durchaus gewinnbringend gemeinsam im Sinne eines Möglichkeitsspektrums diskutieren lassen (Leinfelder 2016b, Leinfelder & Haum 2016, siehe auch „Zukunftswelten laden ein„, in: Der Tagesspiegel Sonntag vom 10.7.2016). Alternative Pfade der Reise in mögliche „Zukünfte“ könnten folgendermaßen aussehen [7] (vgl. Abb. 7):

  • Wir begegnen den Umweltproblematiken und sonstigen Herausforderungen reaktiv, im Sinne von raschen, umfassenden Reparaturen an kritischen Symptomen, weil wir gar nicht weit genug in die Zukunft vorausschauen können und uns die Zeit davonläuft: CO2-Abscheidung und Speicherung im Untergrund? Schutzdämme gegen den Meeresspiegelanstieg? Schwimmende Städte (wie etwa in den Niederlanden schon erprobt)? Steigerung der Nahrungsmittelproduktion, um die weiter rasch wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können.
  • Wir halten uns an die Devise Weniger ist mehr! Häuser werden besser gedämmt Heizungen heruntergeregelt, stattdessen vielleicht Pullis getragen. Wir essen bedeutend weniger Fleisch, ernähren uns überwiegend von regionalen und saisonalen Produkten, und am besten vegetarisch oder gar vegan. Was wir an Energie brauchen, schöpfen wir aus erneuerbaren Energien, die Erzeugung organisieren wir dezentral.
  • Wir etablieren eine neue Überflussgesellschaft. Es kann weiter kräftig produziert werden, sofern wir die Natur zum Vorbild nehmen und in Kreisläufen wirtschaften. Alles wird wiederverwertet oder in optimierter Weise an die Natur zurückgegeben. In dieser bioadaptiven Kreislaufwirtschaft bleiben die Ressourcen im Fluss, sie werden mit viel (erneuerbarer) Energie immer wieder zu neuen Produkten zusammengesetzt. Ebenso lernen wir beim Essen von der Natur, vielleicht indem wir gekoppelte Aquaponik-Kreislaufsysteme weiterentwickeln, bei denen z.B. Abwasser aus der Fischzucht gleich wieder die Tomaten mit Nährstoffen versorgt, oder wir gar auf die ressourcenschonende Insektenzucht als Ersatz für Fleisch und Fischfutter setzen.
  • Wir folgen den High-Tech-Visionären. Die ländliche Natur wird entlastet, indem wir uns fast vollständig in die Städte zurückziehen. Dort leben und arbeiten wir verdichtet in Ultrahochhäusern aus Nanokohlenstoff-verstärkten Baumaterialien, nutzen ein individualisiertes gondelartiges Personen-Nahverkehrssystem, produzieren Gemüse und Getreide in LED-beschienenen Farmhochhäusern und Kunstfleisch im Labor. Die Energie wird mittels künstlicher Photosynthese an Hochhauswänden gewonnen. Und vielleicht klappt es ja sogar noch mit der Kernfusion?

 

Fällt die Entscheidung schwer, hier gleich den „richtigen“ Zukunftspfad auszuwählen? Wir sollten auch nicht nach „Bauchgefühl“ entscheiden. Warum schaffen wir also nicht erst einmal die Möglichkeit, vieles davon in Labor-Situationen unter Beteiligung vieler zu entwickeln und auszuprobieren, ja, in eigenen Prototypen zu produzieren? Schon jetzt kann man erkunden, wie es sich anfühlt, in einer landwirtschaftlichen Kleingenossenschaft selbst an der Produktion seiner eigenen Nahrungsmittel beteiligt zu sein. Auch unterschiedliche Formen des Wohnens, etwa in einer minimalistischen, aber hochfunktionalen Kleinstwohnung, könnte man derzeit schon im Urlaub erproben. Noch nicht ganz so einfach ist es wahrscheinlich, Erfahrungen im Umgang mit Robotern als Hausgehilfen zu machen oder mit Augmented Reality Freunde aus weiter Ferne mit an den eigenen Tisch zu holen. Das erhebende Gefühl in einem Repaircafé beispielsweise den eigenen kaputten Haarfön wieder selbst in Gang gesetzt zu haben oder bei einer Maker Faire ein kleines Insektenzuchtsystem mitentwickelt zu haben, ist dagegen ganz in Reichweite.

Fazit

Das auf wissenschaftlicher Erkenntnis basierende Anthropozän-Konzept zeigt neben der erstystemisch-geologischen Analyse des derzeitigen Zustands des Planeten zum einen in aufklärerischem Sinne die vielfältigen Wechselwirkungen auf, die zwischen allen Lebensbereichen (bspw. Ernährung, Wohnen, Gesundheit, Energie, Arbeiten und Wirtschaften) bestehen. Darüber hinaus eröffnet es eine neue Sicht auf die Welt, ohne selbst weltanschaulich zu sein. Das Konzept bedeutet ausdrücklich nicht eine Engführung in der Entwicklung von Zukunftsoptionen. Die Erdsystem- und Sozialwissenschaften geben lediglich gemeinsam den dringenden Hinweis darauf, dass wir zur Erreichung globaler Entwicklungsziele, wie Gerechtigkeit, Nahrungssicherheit, Gesundheit und Frieden, auch weiterhin „einschätzbare“ Bedingungen des Erdsystems benötigen. Um die relative Stabilität des Holozän nicht gegen unwägbare Risiken vollständig einzutauschen, sondern in ein dauerhaft habitables Anthropozän zu gestalten, wird es notwendig im Sinne des Anthropozän-Konzepts planetarische Grenzen (sensu Rockström et al. 2009, Steffen et al. 2015) nicht zu überschreiten. Innerhalb dieses weiten Rahmens kann je nach Bereich, je nach Kulturkreis, je nach gesellschaftlichen Erfordernissen und Wünschen sehr frei verhandelt und werden, wohin die Zukunftsreise im Einzelnen gehen soll. In diesem Sinne ist das Anthropozän-Konzept auf keiner Ebene »technikverliebt« oder »forschungsverliebt«, ebenso wenig ist es positivistisch. Stattdessen hebt es die Orientierung an diversen gesellschaftlichen Wünschbarkeiten hervor, die allerdings hinsichtlich potentieller Nebenwirkungen durchdacht sein müssen. Nur so kann das Anthropozän tatsächlich zu einer langen erdgeschichtlichen Epoche der Integration menschlicher Gesellschaften in ein funktionsfähiges Erdsystem werden. Aufgrund der integrativen und transdisziplinären wissenschaftlich-gesellschaftlichen Ausrichtung erscheint das Anthropozän-Konzept, von dem der Impuls für eine erdsystemkompatible Gestaltung der Zukunft ausgeht, als ein geeigneter Kommunikations- und Diskursansatz, um einen kollaborativen Gesellschaftsvertrag vorstellbar und umsetzbar zu machen. Durch das Skizzieren möglicher Zukunftspfade und das Aufzeigen vielfältiger Handlungsoptionen soll im ersten Schritt ein Umdenken vorangetrieben werden, im zweiten Schritt können auf dieser Basis auch praktikable Handlungsvorschläge erarbeitet werden.

Fußnoten:

[1] zum Beispiel: Das Anthropozän-Projekt, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2013/2014), Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft Erde, Deutsches Museum, München (2014-2016), Anthropozän als Cover z.B. in Le Monde, Time Magazin, Economist u.v.m., Buch Menschenzeit (von Christian Schwägerl, 2010, Riemann, 2012 Goldmann), Sachcomic Die Anthropozän-Küche. (Leinfelder et al. 2016, Springer), Amazon zeigt 54 Bücher zum Stichwort Anthropozän an, Google-Ergebnisse zu Anthropozän: ca. 95.000, zu Anthropocene: ca 433.000 , Fachartikelsuche in Google Scholar zu Anthropozän 723 Ergebnisse, zu Anthropocene ca. 26.300 Ergebnisse (jeweils Stand 6.7.2016)

[2] z.B. Ayestaran 2008, cf. Schellnhuber 1999, siehe auch Richter in Bayern 2, v. 7.1.2016 http://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung-1142362.html

[3] z.B. Michael Müller, SPD, ehem. Staatssekretär, derzeit Vorsitzender der Naturfreunde in DIE ZEIT: http://www.zeit.de/2013/50/anthropozaen-paul-crutzen/komplettansicht ,Theaterperformance Klagenfurt http://imsueden.at/termine/anthropozaen/, Symposien und Tagungen der Deutschen Bundesumweltstiftung zum Anthropozän, z.B. https://www.dbu.de/708ibook76845_36602_2486.html oder https://www.dbu.de/1254ibook76506_36460_2487.html ; Marx21: https://www.marx21.de/09-02-09-umwelt/, Turnschuh Anthropozän-Sneaker von Adidas: http://www.spikeartmagazine.com/de/artikel/adidas-anthropozan-sneaker u.v.m.

[4] Bundeszentrale für Politische Bildung, pers. Mitt.

[5] Auch die internationale Anthropocene Working Group, zu der der Autor gehört, befasst sich damit intensiv, etwa auf einem Workshop in Oslo im Frühjahr dieses Jahres. Auch werden einige Stellungnahmen zu speziellen Kritikpunkten vorbereitet bzw sind im Druck. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich darüber getrennt berichten.

[6] Statt einer näheren Stellungnahme sei hier auf die Stellungnahme von Christian Schwägerl verwiesen: http://christianschwaegerl.com/?p=1444

[7] Die skizzierten idealtypischen Zukunftspfade basieren auf meinem inhaltlichen Konzept für das Haus der Zukunft (seit 4.7.2016 umbenannt in Futurium). Eine vorläufige Version wurde ursprünglich hier auf diesem Blog unter dem Namen „Das Haus der Zukunt als Ort der Partizipation“ vorab veröffentlicht (5. Okt. 2014), eine aktualisierte Version stellt Leinfelder (2016b) dar. Siehe auch aktuelles Interview zum Konzept im Tagesspiegel vom 10.7.2016 sowie weitere Artikel zum Futurium aus derselben Ausgabe zum Ausstellungskonzept, zum Reallabor, zur Architektur und generelles zur Zukunftsforschung.

 

 

 

Zitierte Literatur

Ayestaran, I. (2008): The second Copernican revolution in the Anthropocene: an Overview.- Revista International de Sustenibilidad,Tecnología y Humanidade.- No. 3. 145-157

Hamilton, C. (2016): The Anthropocene as a rupture.- The Anthropocene Review, doi: 10.1177/2053019616634741

Leinfelder, R. (2011): Von der Umweltforschung zur Unsweltforschung,- Frankfurter Allgemeinen Zeitung 12.10.2011, siehe auch http://www.scilogs.de/der-anthropozaeniker/unsweltforschung/

Leinfelder, R. (2013): Verantwortung für das Anthropozän übernehmen. Ein Auftrag für neuartige Bildungskonzepte. In: Vogt, M., Ostheimer, J. & Uekötter, F. (Hg), Wo steht die Umweltethik? Argumentationsmuster im Wandel.- Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung, Bd. 5., S. 283-311, Metropolis Verlag, Marburg.

Leinfelder, R. (2016a): Vom Parasitismus zur Symbiose. Zu den drei Hauptebenen des Anthropozäns.- Politik & Kultur 3/16 (Mai/Juni 2016), S. 20 (> download des gesamten Heftes)

Leinfelder, R. (2016b): Das Haus der Zukunft (Berlin) als Ort der Partizipation.- In: Popp, R. (ed.), Einblicke, Ausblicke, Weitblicke. Aktuelle Perspektiven der Zukunftsforschung S. 74-93, Berlin, Wien etc. (LIT-Verlag), ISBN 978-3-643-90662

Leinfelder, R., Hamann, A., Kirstein, J. & Schleunitz, M. (Hrsg.)(2016): Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – in zehn Speisen um die Welt.- 236 S., Springer-Spektrum Verlag (Berlin, Heidelberg, New York), ISBN 978-3-662-49871-2

Leinfelder, R. & Haum, R. (2016): Die Reise ins Anthropozän.- In: Sommer, Jörg & Müller, Matthias (Hrsg.), Unter 2 Grad? Was der Weltklimavertrag wirklich bringt. S.133-141, Stuttgart (Hirzel-Verlag). ISBN 978-3-7776-2570-6 (erscheint am 20.4.2016)

Rockström, J., et al. (2009), A Safe Operating Space for Humanity, Nature, 461, 4725.

Schellnhuber, H.-J. (1999):  „Earth System“ Analysis and the second Copernican Revolution.- Nature, 402, supplement C19-C23.

Steffen et al. (2015): Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. cience  Science. Vol. 347, Issue 6223, DOI: 10.1126/science.1259855

Waters, C., N., Zalasiewicz, J., Summerhayes, C., Barnosky, A.D., Poirier, C., Galuszka, A., Cearreta, A., Edgeworth, E., Ellis, E.C., Ellis, M., Jeandel, C., Leinfelder, R., McNeill, J. R., Richter, D.B., Steffen, W., Syvitski, J., Vidas, D., Wagreich, M., Williams, M., Zhisheng, A., Grinevald, J., Odada, E., Oreskes, N.,& Wolfe, A.P. (2016): The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene.- Science, 8 January 2016: Vol. 351 no. 6269, DOI: 10.1126/science.aad2622

Williams, Mark, Jan Zalasiewicz, Colin N. Waters, Matt Edgeworth, Carys Bennett, Anthony D. Barnosky, Erle C. Ellis, Michael A. Ellis, Alejandro Cearreta, Peter K. Haff, Juliana A. Ivar do Sul, Reinhold Leinfelder, John R. McNeill, Eric Odada, Naomi Oreskes, Andrew Revkin, Daniel deB Richter, Will Steffen, Colin Summerhayes, James P. Syvitski, Davor Vidas, Michael Wagreich, Scott L. Wing, Alexander P. Wolfe andAn Zhisheng (2016): The Anthropocene: a conspicuous stratigraphical signal of anthropogenic changes in production and consumption across the biosphere.Earth’s Future (Wiley) doi: 10.1002/2015EF000339

WBGU (Schellnhuber, H.J., Messner, D., Leggewie, C., Leinfelder, R., Nakicenovic, N., Rahmstorf, S., Schlacke, S., Schmid, J. & Schubert, R.) (2011): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation.- Hauptgutachten, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, 420 p. (WBGU, Berlin).

 

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(Mehr in: BrainLogs)

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Es ist angerichtet – die Anthropozän-Küche

Neue interkulturelle Narrative für das Anthropozän am Beispiel der Ernährung

 

Essen zieht sich durch alle unsere Lebensbereiche. Es lässt uns vom Säugling zum Erwachsenen werden und versorgt unser gesamtes System, vom Gehirn, über die Muskeln und alle sonstigen Organe und Körperteile mit Energie und lebenswichtigen Bausteinen. Der gemeinsame Genuss von Speisen ist oft das zentrale Element des Familienlebens bzw. unseres kompletten sozialen Austausches: keine Party ohne Häppchen, kein Geburtstag ohne einen Kuchen oder etwas Süßes, keine Feier ohne Festtagsessen, aber auch kaum ein Treffen mit einer guten Freundin oder einem guten Freund, bei dem wir nicht irgendetwas zu uns nehmen. Wir integrieren die Ernährung in unser Arbeitsleben, etwa indem wir uns zu Geschäftsessen treffen oder uns in der Kantine mit Kolleginnen und Kollegen austauschen. Unsere Ernährung ist eng verbunden mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden, nicht umsonst heißt es ja auch: Du bist, was du isst. Viele Menschen legen großen Wert auf ihre Küchen und deren Ausstattung, andere haben nur eine Mikrowelle, aber eine Wohnung ohne Küche ist beinahe undenkbar.Egal, in welcher Form wir unsere Nahrung zu uns nehmen, irgendwoher muss sie kommen und irgendwer muss sie produzieren. Das hat große globale Auswirkungen, meist ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Es macht einen Unterschied, ob Sie im Supermarkt einkaufen gehen oder im Kiezladen um die Ecke, ob die Waren in der Region hergestellt wurden oder von einem Weltkonzern. Die Produktion und Weiterverarbeitung benötigen viel Fläche, immense Technik, Infrastrukturen und vor allem Energie. Auch unsere Nahrungsmittel brauchen Nährstoffe, um überhaupt entstehen zu können. So fressen Kühe Gras oder auch zunehmend Soja, dies beansprucht Bodenfläche, Wasser und wiederum Nährstoffe, die wir teils durch technische Prozesse wie das Haber-Bosch-Verfahren einfach aus der Luft gewinnen, um Stickstoffdünger zu generieren, oder für die wir mineralische Ressourcen abbauen, wie Phosphat und Kalium, und zur Ertragssteigerung auf den Feldern ausbringen.

Essen ist und bleibt ein lokaler, sehr persönlicher und oftmals auch emotionaler Akt. Gleichzeitig bekommen wir dabei die Globalisierung quasi direkt auf den Teller; verzehren Obst, Schokolade, Gewürze, Fleisch, Fisch, Getreide oder Gemüse, die teilweise rund um den Globus unterwegs waren. In der Küche haben wir also nicht nur den Kochlöffel, sondern auch den Schalthebel der Globalisierung in der Hand. Wir bestimmen mit unserem Ernährungstyp (vegan, vegetarisch, etc.), unserem Ernährungsstil (saisonal, lokal, global), unserer sozialen Wohnstruktur (ein Single kauft anders ein als eine Familie oder eine WG) und nicht zuletzt unserer Kücheneinrichtung (auch Töpfe und Teller wollen hergestellt und transportiert werden, und Gas ist eine andere Energiequelle als Strom oder Holzkohle), wie das Essen die Welt gestaltet und verändert. Die Lebensmittelindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Zugang zu gesunder Ernährung für eine rasant wachsende Weltbevölkerung gehört weiterhin zu den großen globalen Herausforderungen und ist eng verknüpft mit Themen wie Gesundheit, Armut, Gerechtigkeit und Frieden, aber auch Klimawandel, Schutz der biologischen Vielfalt und Endlichkeit der Ressourcen.

Mit diesen Themen befinden wir uns mitten im Anthropozän. Werfen wir einen ernährungstechnischen Blick zurück: Unsere Menschenart, den Homo sapiens, gibt es seit etwa 200.000 Jahren – das Thema Ernährung hat uns dabei sprichwörtlich herumgetrieben. Die meiste Zeit waren wir Jäger und Sammler, bis wir uns vor mehr als 10.000 Jahren zunehmend niederließen und begannen, das Land zu bestellen. Seitdem greifen wir kräftig in die Natur ein. Frühe Bauern schufen Acker- und Weideflächen, indem sie Wälder abholzten, damit einen natürlichen Kohlenstoffspeicher plünderten und so das Treibhausgas CO2 freisetzten. Sie fluteten Felder zum Reisanbau und produzierten im modderigen Schlamm ein weiteres Treibhausgas, das Methan. Durch gezielte Zuchtverfahren und Eliminierung aller Feinde schränkte der Mensch die natürliche Tier- und Pflanzenwelt ein, zusätzlich verfrachtete er seit den Entdeckungsreisen der frühen Neuzeit ihm nützlich erscheinende Arten, welche lokale Ökosysteme zu einem großen Teil umgestalteten.

Mit dem Beginn der Industrialisierung nahm auch die Emanzipation des Menschen von seiner eigenen Muskelkraft immer weiter zu: Unsere Vorfahren konnten sich nur mit ihren eigenen Muskeln fortbewegen. Auch Tiere müssen mit ihren Kiefer-, Zungen- oder Lippenmuskeln Pflanzen abreißen und zerkauen oder Beute fangen und diese zerkleinern. Sie graben, bauen Nester oder fällen sogar ganze Bäume. Die dafür notwendige Kraft müssen sie sich förmlich „anfressen“. Ganz anders der moderne Mensch: Er ließ sich zuerst durch Ochs, Esel und Pferd, dann durch Wasser- und Windräder und noch später durch Dampfmaschinen und andere Motoren die eigene Muskelarbeit abnehmen. Diese neuen Maschinen mussten aber wiederum selbst mit Energie gefüttert werden, zuerst mit Holz, dann mit Kohle, Erdgas und Erdöl. In der Industrialisierung begann eine wahre Kettenreaktion von sich gegen- seitig verstärkenden Entwicklungen: Durch die Förderung von fossilen Brennstoffen konnten mehr Bodenschätze abgebaut werden, mit denen man mehr Maschinen bauen konnte, die wiederum mehr Energie benötigten. Produktionsmaschinen und Transportmittel wie Eisenbahn, Autos, Schiffe und Flugzeuge eroberten die Welt. Nun müssen wir nicht mehr essen, um uns fortzubewegen oder Dinge zu produzieren. Wie wir wohl aussähen, wenn wir uns aus Muskelkraft wie in einem PKW mit 100 PS fortbewegen wollten? Mit Muskelpakete von 100 Pferden bepackt? Nicht auszudenken! Dank der fossilen Energien, die wiederum nichts anderes sind als die konservierte Energie von Lebewesen, wie Bäumen, Sträuchern oder Meeresplankton, die nicht von anderen gefressen, sondern über teilweise Hunderte von Millionen Jahren akkumulierten und durch geologische Prozesse zu Kohle, Öl und Gas umgewandelt wurden, können wir still am Schreibtisch sitzen und Tasten drücken oder eben im 100 PS-Auto durch die Gegend flitzen. Alles dank der fossilen Organismen. Selbst Bodenschätze wie der größte Teil der Eisenerzlagerstätten oder die für unsere Ernährung so notwendigen Phosphate gehen auf Organismenprozesse zurück.

Bleiben wir bei Narrativen: Der Mensch hat einen derartigen Einfluss auf das gesamte Erdsystem gewonnen, dass die Geologen in ihm eine wesentliche geologische Kraft sehen, vergleichbar mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Kontinentalbewegungen. Starke Worte, aber die Fakten sprechen für sich: Nur noch knapp ein Viertel der (nicht vom Eis bedeckten) Erdoberfläche entspricht noch einer unveränderten Natur. Wir tragen Berge ab, schneiden Täler, geben den Flüssen einen neuen Lauf, erschaffen Seen oder lassen andere austrocknen; wir können sogar den Meeresspiegel heben und das Klima verändern. Jedes Jahr produzieren wir so viel Plastik, wie es der Gesamtmasse aller heute lebenden Menschen entspricht. Unsere Nutztiere und Nutzpflanzen dominieren die Biosphäre. Wir verfrachten Sediment in einem Umfang, wie es die Natur durch Abtragung und Transportprozesse nie könnte. Wir haben sogar neue Fossilien geschaffen! Die Geologen nennen sie Technofossilien: Plastikteilchen finden sich heute im Boden von Hochgebirgsseen genauso wie in Tiefseesedimenten, elementares Aluminium, Betonfragmente oder Ascheteilchen aus industriellen Verbrennungsprozessen sind als Ablagerungen weltweit nachweisbar. Radioaktive Niederschläge aus den Atombombenversuchen der Nachkriegszeit, aber auch von Tschernobyl und Fukushima sind ebenfalls charakteristisch für das menschengemachte Neue, so hieße das Anthropozän in der wörtlichen Übersetzung. Die Nacheiszeit der letzten 12.000 Jahre, das umweltstabile Holozän, ist also offensichtlich zu Ende und wurde vom Anthropozän abgelöst.

Wie soll dieses Anthropozän weitergehen? Ergibt sich aus der erschreckenden Erkenntnis, dass der Mensch fähig war, die Erde dermaßen umzugestalten, nicht auch gleichzeitig die Lösung? Sollten wir Menschen in einer Zeit, in der nicht nur die Umweltzerstörung, sondern auch das Wissen über die zugrundeliegenden Prozesse exponentiell gestiegen sind, nicht dazu fähig sein, wissensbasiert, wie behutsame Gärtner, das Anthropozän so zu gestalten, dass die planetaren Grenzen des Erdsystems nicht gefährdet werden, indem wir uns als Teil eines Gesamtsystems verstehen, das es zu erhalten gilt? Die Metapher des Gärtnerns stammt nicht von ungefähr aus dem Ernährungsbereich. Wer dauerhaft ernten will, hegt und pflegt seinen Garten und übernutzt ihn nicht. Wer dauerhaft auf dieser Erde leben will, beutet sie nicht aus, sondern gestaltet sie so, dass menschliches Handeln die eigenen Grundlagen nicht zerstört.

Aber wie sollten wir handeln, oder, um bei der Ernährung zu bleiben, wie sollten wir essen, ohne die Freude daran zu verlieren, und dabei nicht nur uns, sondern auch die Erde gesund erhalten? Nach wie vor haben wir, weltweit betrachtet, eine sehr vielfältige Ernährungs- und Essenskultur. Sollten in dieser Vielfalt nicht auch Lösungsansätze stecken? Dazu müssen wir genau hinsehen und uns in der Welt umschauen. In einem interkulturellen und partizipativen Projekt haben wir dies am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung im Projekt „Die Anthropozän-Küche. Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt“ versucht – herausgekommen ist der Wissenscomic „Die Anthropozän-Küche“, in der wir wir eine Kartographie der Ernährungsstile in globalem Maßstab – natürlich nur exemplarisch und so offen wie möglich versucht haben. Und vor allem – vom Menschen ausgehend. Wissensbasiertes Gärtnern heißt nicht nur, wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Dies ist zwar ein sehr wichtiger Schritt, aber genügt alleine nicht. Wir sollten auch Erfahrungen zusammentragen und berücksichtigen, egal, ob sie aus jahrhundertealten Traditionen stammen, aus neuen Ernährungsmoden resultieren, oder aus der Notwendigkeit heraus, Hungersnöte zu bekämpfen.

 

Also befragten wir zehn Personen aus zehn Ländern in fünf Kontinenten, was und wie sie essen, wo sie einkaufen, ob sie wissen, woher ihre Nahrung kommt und welche Rolle die Küche dabei spielt. Sie verrieten uns ihre Lieblingsrezepte, die für uns Ankerpunkt der Gespräche waren und die Sie nun gerne nachkochen können. Die Ergebnisse dieses Prozesses dienten als Ausgangspunkt unserer wissenschaftlichen Recherchen. In ständigem Austausch entstanden so nach und nach Geschichten, in denen unsere Gesprächspartner nun als Protagonisten in den einzelnen Kapiteln erlebbar sind.

Ein verbindendes Element – und in diesem Fall ist es wirklich ein Element –, das sich durch alle Kapitel durchzieht, ist der Phosphor. Phosphorverbindungen sind nicht nur essenziell für alles Leben auf der Welt, sondern als Phosphat auch einer von drei Hauptbestandteilen in allen Düngemitteln. Phosphat steigerte die weltweiten Agrarerträge um ein Vielfaches und machte die Ernährung einer schnell wachsenden Weltbevölkerung erst möglich. Seine Bedeutung als endliche und nicht erneuerbare Ressource ist vielen noch nicht bewusst. Das möchten wir gerne ändern, und so zieht sich Phosphor als roter Faden durch die Reise um die Welt und zeigt dabei seine vielseitigen Facetten.

Überhaupt geht es im Anthropozän eben nicht um einfache Lösungen sondern um Vielfalt, bei den Lösungsoptionen, die eben auch regionen- und kulturspezifisch sein können, ja vermutlich sogar sein müssen. Daher ist in diesem Buch noch einer ganz anderen Vielfalt zu begegnen, ja, sie wird sogar förmlich „ins Auge springen“. Wer könnte das Lebensgefühl, die Umgebung, die Essgewohnheiten oder den Lebensalltag der Protagonisten besser darstellen als Zeichner aus den Regionen, in denen die Geschichten spielen? So ist auch die bildliche Umsetzung von größter Diversität. Zwölf Künstler ließen sich auf dieses spannende Projekt ein und stellten sich der Aufgabe, wissenschaftliche Fakten und individuelle Erfahrungen in Bildgeschichten zu übersetzen. Die vollkommen verschiedenen Stile und Perspektiven sind eine große Bereicherung und spiegeln die kulturelle Vielfalt unserer Protagonisten, aber auch – wie wir meinen – der ganzen Welt wider.

Wie es im Anthropozän eben so ist, sind Lösungsansätze nicht unbedingt einfach, oder gar noch „sexy“, sondern bestehen aus einem möglichen Portfolio von Lösungsansätzen, die oft sogar alternativ sein können. Wir haben im Buch daher einerseits einen aus den Wissenschaften heraus entwickelten kurzen Abriss möglicher Lösungsansätze – vier Pfade in die Ernährungszukunft, mit ganz vielen Haltestellen, alternativen Ansätzen und unterschiedlichem Ethos. Sie entsprechen im Wesentlichen dem von mir auch fürs Haus der Zukunft entwickelten (und erstmalig hier auf Scilogs präsentierten) Pfadkonzept für mögliche Lösungswege. Vielleicht haben nach der Lektüre des Buches auch die Leser Ideen für sich gewonnen, wie sie selbst die Zukunft mitgestalten wollen, die vier Zukunftspfade mit ihren vielen Rastplätzen sollen dabei zusätzlich helfen, das für sich richtige zu finden.

 

Dem gegenüber setzen wir allerdings noch einen zweiten, eher künstlerischen Ansatz. Alle Künstler kamen nach Erstellung der einzelnen Länderkapitel zu einem Ernährungs- und Comicexpertensymposium und einem anschließenden Workshop zusammen und diskutierten zuerst geeinsam mit den internationalen Experten, dann untereinander die Zukunft unserer Ernährung. Für die Darstellung ihrer Überlegungen und Ergebnisse fanden die Künstler eine unerwartete Form – „konkrete Utopien“: Sie ließen die Protagonisten des Buchs in die Zukunft reisen, jeweils in ein anderes Land. Von dort schicken diese Postkarten und berichten über das Leben und die Ernährung im Jahr 2050. Auch hier gibt es wieder Vielfalt, sowie eine Mischung aus Dystopien und Utopien, wiederum mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern.

Wir hoffen, dass wir den Lesern mit dem Buch neben den Kochrezepten also auch genügend Futter zum Reflektieren, Diskutieren und Ausprobieren mit an die Hand geben.

Dieses Buch ist das Ergebnis eines weltumspannenden Experiments mit vielen Beteiligten und der Welt als Labor. Vielleicht ist daher nicht verwunderlich, dass es in einem interdisziplinären Exzellenzcluster mit Namen Bild Wissen Gestaltung – Ein Interdisziplinäres Labor an der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden ist, und zwar in unserem Forschungsprojekt „Die Anthropozän-Küche: Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt“, in dem Natur- und Kulturwissenschaftler, Designer, Architekten und Künstler eng zusammenarbeiten. Dank auch für die zusätzliche  Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie die Freie Universität Berlin.

Die Mutter aller Labore ist natürlich die Küche, und die Ernährung im Anthropozän ist ein Großlaborversuch. Vielleicht geht ja die Liebe zu unserer Welt auch durch Ihren Magen. Dann hätten wir mit den neuen Narrativen zum Anthropozän vielleicht einen Hilfe gefunden, den Wandel einer parasitischen Lebensbeziehung zwischen Menschheit und Umwelt hin zu einer symbiontischen Beziehung zu ebnen.

(Dieser Beitrag basiert auf dem – für SciLogs leicht veränderten und mit Abbildungen ergänzten  –  Vorwort von Reinhold Leinfelder, Alexandra Hamann, Jens Kirstein und Marc Schleunitz zum ihrem Buch: Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – In zehn Speisen um die Welt. 236 S., Springer Verlag, ISBN 978-3-662-49871-2. Die englische Version: Eating Anthropocene. Curd Rice, Bienenstich and a Pinch of Phosphorus – Around the World in Ten Dishes erscheint im September, ebenfalls bei Springer, ISBN 978-3-662-50402-4

Näheres siehe http://anthropocene-kitchen.com sowie http://www.springer.com/de/book/9783662498712 (auch mit Link zum Originalvorwort des Buchs)

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(Mehr in: BrainLogs)

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Tagaktive Gelsenart erobert neue Gebiete in Österreich

Heimische Hausgelsen sind in den Abendstunden lästig genug. Die tagaktive Asiatische Buschmücke könnte uns auf lange Sicht auch den Rest des Tages quälen. Seit 2011 beobachten ExpertInnen die aktive Ausbreitung der anpassungsfähigen Gelse in Österreich. Sie konnte nun erstmalig auch in den Grenzgebieten von Norditalien und Ungarn nachgewiesen werden. Ohne nachhaltige Kontrollen kann die Buschmücke zu einer neuartigen Plage werden, weil sie sich massenhaft vermehren kann. Zwei Studien im Journal Parasites & Vectors fassen die Erkenntnisse eines Teams um Norbert Nowotny von der Vetmeduni Vienna, Bernhard Seidel und der Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) zusammen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Studie: Hummeln sind in der Stadt produktiver als im Umland

Hummeln bestäuben Pflanzen in der Stadt häufiger als auf dem Land. Und das, obwohl sie in der Stadt vermehrt von Parasiten befallen werden, die ihre Lebensdauer verkürzen können. Das hat eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ergeben, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) entstanden ist. Die Ergebnisse wurden soeben im internationalen Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Fadenwürmer finden Gefallen an Österreich

Die Fadenwürmer Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis stufte man in Österreich bis vor kurzem nur als unangenehme Reiseandenken ein. Eine Vorstudie der Vetmeduni Vienna identifizierte heimische Stechmücken als Träger von Dirofilaria repens und gab damit den ersten Anhaltspunkt einer Ansiedlung in Ostösterreich. Auch der als Herzwurm bekannte Parasit Dirofilaria immitis steht kurz davor Österreich zu besiedeln. Dass die Parasiten trotzdem nur langsam sesshaft werden, liegt auch an der Hundehaltung in Österreich. Eine Studie im Journal PLOS Neglected Tropical Diseases fasst die Erkenntnisse nun zusammen.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Catch me if you can: Malaria-Parasiten in der Radarfalle

Heidelberger Wissenschaftler erfolgreich im Wettbewerb um begehrte Förderung der „Human Frontier Science Program Organization“ mit 300.000 Euro / Aktueller Artikel in Fachzeitschrift ACS Nano: Lasermessungen geben Hinweis auf Bewegungsmechanismus der Parasiten
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Mischform der Hausmücke kann Krankheiten vom Vogel auf den Menschen übertragen

ForscherInnen der Vetmeduni Vienna wiesen erstmals eine Kreuzung zweier nordeuropäischer Hausmückenformen im Osten Österreichs nach. Der fortpflanzungsfähige Hybrid saugt – anders als die zwei bekannten Hausmückenformen – das Blut von Vögeln und Menschen. Damit könnte er auch Krankheitserreger vom Vogel auf den Menschen übertragen. Identifizieren lassen sich die zwei Ökoformen und ihr Hybrid nur über das Erbgut. Äußerlich sind sie nicht voneinander unterscheidbar. Die Studie dazu wurde im Fachjournal Parasites & Vectors veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Parasiten im Menschen stammen von Vögeln

„DNA-Fossilien“ aus Vogelgenomen geben Hinweise darauf, dass einige Fadenwürmer, die heute Menschen parasitieren, früher einmal Vögel als Wirte hatten. Das hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn herausgefunden. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass die Vorfahren dieser Fadenwürmer in einem Zeitraum vor etwa 25 bis 17 Millionen Jahren Vögel parasitierten, die im tropischen Afrika, Asien und Amerika vorkamen. Die Ergebnisse werden nun in der Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft