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Erfinder, Musiker und Meisterspion Leon Theremin in Moskau gewürdigt: Kein Staat ohne seine Wanzen

Wie ein Dirigent nur mit präzisen Handgesten Musik erzeugen: Der Erfinder Leon Theremin führt in New York vor, wie das von ihm entwickelte Instrument Termenvox funktioniert.

Kleines vaterländisches Kriegsgerät: Eine Moskauer Gedenkfeier für den Erfinder, Musiker und Meisterspion Leon Theremin, der eigentlich nur ohne Anstrengung Töne erzeugen wollte.

Quelle: FAZ.de

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Cybergrüße aus Moskau

US-Sonderermittler Robert Mueller hat unlängst zwölf russische Geheimdienstoffiziere beschuldigt, unerlaubt in amerikanische Computersysteme eingedrungen zu sein. Wie war es möglich, die Täter zu identifizieren?

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Moskau: Verlängerung möglich: Vertrag für US-Nutzung von russischen Raumkapseln endet

(Mehr in: RSS-Feed Wissenschaft – die neusten Meldungen zum Thema Wissenschaft von STERN.DE)

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Raumfahrtmuseum Moskau: Diebe stehlen Gagarin-Druckkammer

Sie ist größer als ein Auto – dennoch gelang es Dieben in Moskau, eine Druckkammer zu stehlen. In ihr soll sich einst Jurij Gagarin auf seine legendäre Weltraummission vorbereitet haben. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Nach Casting: Astronautinnen beginnen Ausbildung in Moskau

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Astronaut Alexander Gerst übt nahe Moskau Notfall im Wasser

(Mehr in: RSS-Feed Wissenschaft – die neusten Meldungen zum Thema Wissenschaft von STERN.DE)

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Agenten-Vorwurf: Russische Wissenschaftsstiftung muss schließen

Schwerer Schlag für die russische Forschung: Die angesehene Dynasty Foundation muss schließen. Sie wurde von der Regierung in Moskau auf eine schwarze Liste gesetzt. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Alexander Gerst: Bin mal eben im Weltraum spazieren

Etwas Heimat, das glitzernde Moskau, der dunkle Schlund: Seit einem Jahr twittert @Astro_Alex seine Fotos aus dem All. Für alle war leider kein Platz. Hier ein Best-of (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Vielseitiger Schalter für lichtgesteuerte Zellen

9. April 2015 – Forschern aus Jülich, Frankfurt, Grenoble und Moskau ist es gelungen, die Struktur der lichtaktivierten bakteriellen Ionenpumpe KR2 zu entschlüsseln und sie anschließend mit einfachen Mitteln von einer Natrium- in eine Kaliumpumpe umzuwandeln. In Nervenzellen eingebaut, könnte KR2 damit zu wertvollen neuen Werkzeugen für die Optogenetik führen. Lichtempfindliche Proteine werden von dieser noch jungen Forschungsdisziplin als molekulare Schalter genutzt, um die Aktivität von Neuronen und anderen elektrisch erregbaren Zellen durch gezielte Lichtimpulse zu steuern. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Structural and Molecular Biology veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Moskau: Eine deutsch-russische Brücke bröckelt

Die deutsch-russische Freundschaft siecht dahin: Jetzt ist auch noch das Deutsche Historische Institut in Moskau heimatlos geworden. Seine Existenz ist bedroht. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Internationale Raumstation ISS: Kosmonauten reparieren defekte Weltraum-Toilette

Die Kosmonauten der Internationalen Raumstation ISS haben sich als „Sanitärtechniker“ bewährt und eine kaputte Toilette in ihrem Modul repariert. Das hat die Flugleitung nahe Moskau mitgeteilt. (Mehr in: RSS-Feed Wissenschaft – die neusten Meldungen zum Thema Wissenschaft von STERN.DE)

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Moskau: Operation „Letzte Adresse“

Russische Menschenrechtsaktivisten greifen in Moskau das Prinzip der Stolpersteine auf, um der Opfer des Sowjetterrors zu gedenken. Die Behörden stellen sich quer. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Neue Raumfahrtallianz: Russland und China gegen den Rest der Welt

Zwischen Moskau und Peking bahnt sich eine Raumfahrt-Allianz an. Treibende Kraft sind die Russen. Sie wollen nicht zuletzt die fatalen Folgen der westlichen Sanktionen kompensieren. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Merkwürdiger Orbiter: Spekulationen um russischen Satelliten-Killer

Ein mysteriöses Objekt im Erdorbit löst Spekulationen aus: Hat Moskau einen Satelliten-Killer im All stationiert? Es wäre nicht der erste Versuch dieser Art – und Russland nicht der einzige Staat, der mit solcher Technologie experimentiert. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Mehr Wetterextreme durch Aufschaukeln riesiger Wellen in der Atmosphäre

In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Wetterextreme im Sommer – wie etwa die Rekord-Hitzewelle 2010 in Osteuropa, die mit Ernteeinbußen und verheerenden Waldbränden um Moskau einherging – ein außergewöhnliches Maß erreicht. Die vom Menschen verursachte globale Erwärmung kann eine graduelle Zunahme solcher Hitzewellen erklären, die beobachtete extreme Stärke und Dauer einiger dieser Ereignisse sind jedoch nicht so leicht zu erklären. Sie werden mit einem neu entdeckten Mechanismus in Verbindung gebracht: dem Aufschaukeln riesiger Wellen in der Atmosphäre.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Goldrausch in der Arktis

Es ist schon einige Monate her, da bestätigte der Weltklimarat eine längst bekannte Tatsache: die Temperaturen werden global ansteigen. Alle Modelle zeigen, dass der Klimawandel regional höchst unterschiedlich ausfallen wird. Insbesondere in den nördlichen Polarregionen werden milde Sommer und nicht mehr ganz so kalte Winter die Regel werden. Die Auswirkungen auf die fragilen Ökosysteme im hohen Norden sind nicht abzusehen. Während die medialen Diskussionen noch immer um die Frage kreisen, wie ein Ansteigen der globalen Temperaturen abzuwenden ist, bereiten sich Investoren und Unternehmen bereits auf einen wahren Goldrausch vor. In Canada, Russland, Norwegen, Island und den USA eröffnen sich gerade Möglichkeiten, die sprudelnde Gewinne bedeuten können.
Im vergangenen Sommer habe ich mit großem Interesse die Nachrichtenlage in der Arktis verfolgt. Und die hatten es in sich. Nicht ohne Grund reagierte Russland so heftig auf die Proteste von Greenpeace, die gegen eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung in der Barent See protestierten, denn die Industrie hat großes in der Region vor. Eine Bedrohung für die fragilen Ökosysteme sei die Rohstoffförderung, so Greenpeace. Durch höhere Temperaturen tauen die Permafrostböden auf und zahlreiche Rohstoffquellen werden für die Industrie nutzbar.

Aber auch anderen Meldungen hatten zeigen, wie sich die Interessenlage in der Region entwickelt. China und Indien sind beispielsweise dem Arktischen Rat beigetreten und besitzen nun Beobachterstatus. Und dass, obwohl diese Länder ihre Grenzen fern ab der Arktis haben. Dafür bestehen große wirtschaftliche Interessen im Nordpolarmeer. Und als Wirtschaftshandelsmacht des 21. Jahrhundert kann man es sich nicht leisten, diesem Spiel fern zu bleiben.
Auch hat das erste Containerschiff die Nordostpassage von China nach Rotterdam durchquert. Es sind diese vereinzelten Meldungen, die oberflächlich betrachtet nur wenig gemeinsam haben. Doch sie zeigen, dass sich in der Arktis große Veränderungen anbahnen und eine neue Ära beginnt. Höhere Temperaturen drängen Eisschilde und Permafrostböden in großem Maßstab nach Norden. Ungesehen haben sich bereits alle großen politischen und ökonomischen Akteure in Stellung gebracht. Während die ökologischen Folgen durch diesen fundamentalen Wandel noch gar nicht abschätzbar sind, wachsen die wirtschaftlichen Interessen bereits in den Himmel. Schon lange liegen Pläne für die wirtschaftliche Nutzung in den Schubladen der arktischen Anrainerstaaten. Zwei zentrale Themen sind es, die in den nächsten Jahren (Dekaden) die Entwicklung der Region maßgeblich beeinflussen werden: Rohstoffe und Handelsrouten.

Der Schatz im Boden
Unter den Permafrostböden liegen wahre Schätze. Die Menschheit war bisher noch nicht in der Lage, größere Rohstoffvorkommen in der Arktis auszubeuten. Der U.S. Geological Survey schätzt, dass sich fast ein Viertel aller unentdeckten Erdöl- und –gasvorkommen in den Gebieten der Arktis befinden.
Bereits heute produziert die Arktis schon große Mengen an Öl und Gas. Die beiden  Hotspots der Exploration liegen in Westsibirien und in Alaska. Die Arktischen Erdöl- und Gasfelder produzieren aktuell 10,5% der globalen Erdölfördermenge und 25,5% der weltweiten Erdgasproduktion. Doch es liegt noch viel mehr unter den Permafrostböden. Die Arktis könnte sich zu einer zweiten Golfregion entwickeln.
Durch den starken Anstieg der Temperaturen in dieser Region wird es möglich sein, Vorkommen auszubeuten, die vorher nur unter höchsten technischen Einsatz nutzbar waren. Durch geringere Temperaturen und längere Sommer interessieren sich mittlerweile alle großen Rohstoffproduzenten für Lizenzen im hohen Norden.

Shell hat bereits 5 Milliarden US $ in Explorationsvorhaben in der Chukchi See (Alaska) investiert, während die schottische Firma Cairn Energy mehr als 1 Milliarde in Grönland ausgibt. In Russland stehen bereits Gazprom und Rosneft davor, Milliardenschwere Investitionen zu tätigen, um schwer erreichbare Öl- und Gasfelder auszubeuten. Als Partner dienen ConocoPhillips, ExxonMobile, Eni, Statoil und andere. Es sind bereits alle wichtigen Player vor Ort und teilen sich diesen Schatz untereinander auf.
Aber nicht nur die traditionelle Erdöl- und Gasförderung ist in der Arktis zu beobachten. In Sibirien, Alaska und Canada werden derzeit neue Fracking-Methoden im großen Stil getestet. Großer Gegenwind aus der Bevölkerung ist nicht zu erwarten, denn diese Regionen sind zumeist nur spärlich besiedelt.
Ein regelrechter Goldrausch nach wertvollen Mineralien und Erzen ist derzeit von Alaska bis Russland im Gange. Die weltweit produktivste Zink-Mine befindet sich bereits in Nordalaska und die produktivste Nickelmine in Nordrussland. Die aktuellen Rohstoffförderzahlen sind beeindruckend. Bereits heute produziert die Arktis 40% des globalen Palladiums, 20% aller Diamanten, 15% des Platins und 11% des Cobalts. In Alaska sind schon mehr als 100 Lagerstätten seltener Erden entdeckt worden, deren Nutzung aktuell vorbereitet werden. Steigen die Temperauren in der Region weiter an, werden mit der Zeit immer mehr Lagerstätten ökonomisch und technisch nutzbar. Sollte der nächste Sommer so warm werden wie der vergangene, werden wir 2014 von zahlreichen Investitionsvorhaben großer Rohstoffunternehmen in der Arktis hören.
Gleichzeitig spielt sich aber auch eine ökologische Katastrophe ab. Die borealen Nadelwälder, die aktuell noch 8% der globalen Waldfläche ausmachen, wandern nach Norden. Da irgendwann das Land endet, bedeutet dies, dass große Waldflächen einfach verschwinden. Und mit ihnen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Dass die Unternehmen nicht gerade zimperlich im Umgang mit unberührten Waldgebieten sind, zeigt die Ölschieferförderung in Canada. Für die Förderung dieser Ölsande werden große Waldflächen unberührten Waldes gerodet. Rücksicht auf die empfindlichen Ökosysteme wird selten genommen.

Handelsrouten
Die Schifffahrtsroute durch das Nordpolarmeer beflügelt schon sehr lange den Welthandel. Durch eine eisfreie Nordostpassage sinkt die Transportzeit zwischen Shanghai und Rotterdam von derzeit 48 auf 35 Tage. Für den globalen Handel eine enorme Kostenersparnis. Die schwierige politische Situation in Somalia und in Ägypten könnte so wenigstens im Sommer umgangen werden, da die arktischen Anrainerstaaten derzeit politisch und finanziell noch relativ sicher sind. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den sehenswerten Film Captain Phillips empfehlen, der die Piraterie am Horn von Afrika eindrucksvoll darstellt.
Bereits 2010 sind zum ersten Mal in der Geschichte vier kommerzielle Schiffe durch die Nordwestpassage der kanadischen Arktis gefahren. 2011 waren es bereits 34 Schiffe und im arktischen Sommer 2012 schon 46. Ähnliche Beobachten lassen sich auf der Nordostpassage machen. Russland bereitet sich derzeit intensiv auf einen anwachsenden Seeverkehr vor. Das russische Ministerium für Transport hat eine Behörde in Moskau geschaffen, die die Wasserwege vor den Küsten Nordrusslands überwachen soll. Aktuell stellt die Behörde zwar nur wenige Genehmigungen aus und versorgt Schiffe mit aktuellen Wetterinformationen, doch es wird aufgerüstet. Vor den Küsten Russlands entsteht ein engmaschiges Netz modernen Wetter- und Navigationsbojen.

Das vollkommende Abschmelzen der Polkappen liegt zwar noch in weiter Ferne, doch es scheint bei anhaltendem Trend möglich, dass die Arktis ab 2035 in den Sommermonaten relativ eisfrei sein wird. 2012 war bereits der wärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn in Grönland, Nordkanada und Alaska. Aufgrund der geographischen Lage, könnten sich Städte wie Reykjavik und Anchorage in globale Rohstoffhandels- und Finanzplätze verwandeln. Die Dubai‘s und Singapore’s des 21. Jahrhundert.

Der Managing Director of CargoMetrics und Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation ArcticCircle hat im letzten Jahr einen vielbeachteten Artikel in der Foreign Affairs geschrieben. Eine seiner Grundaussagen lautete: „Like it or not, the Arctic is open for business, and governments and investors have every reason to get in on the ground floor“.

Der Beitrag Goldrausch in der Arktis erschien zuerst auf GEO-LOG.

(Mehr in: GEO-LOG)

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Goldrausch in der Arktis

Es ist schon einige Monate her, da bestätigte der Weltklimarat eine längst bekannte Tatsache: die Temperaturen werden global ansteigen. Alle Modelle zeigen, dass der Klimawandel regional höchst unterschiedlich ausfallen wird. Insbesondere in den nördlichen Polarregionen werden milde Sommer und nicht mehr ganz so kalte Winter die Regel werden. Die Auswirkungen auf die fragilen Ökosysteme im hohen Norden sind nicht abzusehen. Während die medialen Diskussionen noch immer um die Frage kreisen, wie ein Ansteigen der globalen Temperaturen abzuwenden ist, bereiten sich Investoren und Unternehmen bereits auf einen wahren Goldrausch vor. In Canada, Russland, Norwegen, Island und den USA eröffnen sich gerade Möglichkeiten, die sprudelnde Gewinne bedeuten können.
Im vergangenen Sommer habe ich mit großem Interesse die Nachrichtenlage in der Arktis verfolgt. Und die hatten es in sich. Nicht ohne Grund reagierte Russland so heftig auf die Proteste von Greenpeace, die gegen eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung in der Barent See protestierten, denn die Industrie hat großes in der Region vor. Eine Bedrohung für die fragilen Ökosysteme sei die Rohstoffförderung, so Greenpeace. Durch höhere Temperaturen tauen die Permafrostböden auf und zahlreiche Rohstoffquellen werden für die Industrie nutzbar.

Aber auch anderen Meldungen hatten zeigen, wie sich die Interessenlage in der Region entwickelt. China und Indien sind beispielsweise dem Arktischen Rat beigetreten und besitzen nun Beobachterstatus. Und dass, obwohl diese Länder ihre Grenzen fern ab der Arktis haben. Dafür bestehen große wirtschaftliche Interessen im Nordpolarmeer. Und als Wirtschaftshandelsmacht des 21. Jahrhundert kann man es sich nicht leisten, diesem Spiel fern zu bleiben.
Auch hat das erste Containerschiff die Nordostpassage von China nach Rotterdam durchquert. Es sind diese vereinzelten Meldungen, die oberflächlich betrachtet nur wenig gemeinsam haben. Doch sie zeigen, dass sich in der Arktis große Veränderungen anbahnen und eine neue Ära beginnt. Höhere Temperaturen drängen Eisschilde und Permafrostböden in großem Maßstab nach Norden. Ungesehen haben sich bereits alle großen politischen und ökonomischen Akteure in Stellung gebracht. Während die ökologischen Folgen durch diesen fundamentalen Wandel noch gar nicht abschätzbar sind, wachsen die wirtschaftlichen Interessen bereits in den Himmel. Schon lange liegen Pläne für die wirtschaftliche Nutzung in den Schubladen der arktischen Anrainerstaaten. Zwei zentrale Themen sind es, die in den nächsten Jahren (Dekaden) die Entwicklung der Region maßgeblich beeinflussen werden: Rohstoffe und Handelsrouten.

Der Schatz im Boden
Unter den Permafrostböden liegen wahre Schätze. Die Menschheit war bisher noch nicht in der Lage, größere Rohstoffvorkommen in der Arktis auszubeuten. Der U.S. Geological Survey schätzt, dass sich fast ein Viertel aller unentdeckten Erdöl- und –gasvorkommen in den Gebieten der Arktis befinden.
Bereits heute produziert die Arktis schon große Mengen an Öl und Gas. Die beiden  Hotspots der Exploration liegen in Westsibirien und in Alaska. Die Arktischen Erdöl- und Gasfelder produzieren aktuell 10,5% der globalen Erdölfördermenge und 25,5% der weltweiten Erdgasproduktion. Doch es liegt noch viel mehr unter den Permafrostböden. Die Arktis könnte sich zu einer zweiten Golfregion entwickeln.
Durch den starken Anstieg der Temperaturen in dieser Region wird es möglich sein, Vorkommen auszubeuten, die vorher nur unter höchsten technischen Einsatz nutzbar waren. Durch geringere Temperaturen und längere Sommer interessieren sich mittlerweile alle großen Rohstoffproduzenten für Lizenzen im hohen Norden.

Shell hat bereits 5 Milliarden US $ in Explorationsvorhaben in der Chukchi See (Alaska) investiert, während die schottische Firma Cairn Energy mehr als 1 Milliarde in Grönland ausgibt. In Russland stehen bereits Gazprom und Rosneft davor, Milliardenschwere Investitionen zu tätigen, um schwer erreichbare Öl- und Gasfelder auszubeuten. Als Partner dienen ConocoPhillips, ExxonMobile, Eni, Statoil und andere. Es sind bereits alle wichtigen Player vor Ort und teilen sich diesen Schatz untereinander auf.
Aber nicht nur die traditionelle Erdöl- und Gasförderung ist in der Arktis zu beobachten. In Sibirien, Alaska und Canada werden derzeit neue Fracking-Methoden im großen Stil getestet. Großer Gegenwind aus der Bevölkerung ist nicht zu erwarten, denn diese Regionen sind zumeist nur spärlich besiedelt.
Ein regelrechter Goldrausch nach wertvollen Mineralien und Erzen ist derzeit von Alaska bis Russland im Gange. Die weltweit produktivste Zink-Mine befindet sich bereits in Nordalaska und die produktivste Nickelmine in Nordrussland. Die aktuellen Rohstoffförderzahlen sind beeindruckend. Bereits heute produziert die Arktis 40% des globalen Palladiums, 20% aller Diamanten, 15% des Platins und 11% des Cobalts. In Alaska sind schon mehr als 100 Lagerstätten seltener Erden entdeckt worden, deren Nutzung aktuell vorbereitet werden. Steigen die Temperauren in der Region weiter an, werden mit der Zeit immer mehr Lagerstätten ökonomisch und technisch nutzbar. Sollte der nächste Sommer so warm werden wie der vergangene, werden wir 2014 von zahlreichen Investitionsvorhaben großer Rohstoffunternehmen in der Arktis hören.
Gleichzeitig spielt sich aber auch eine ökologische Katastrophe ab. Die borealen Nadelwälder, die aktuell noch 8% der globalen Waldfläche ausmachen, wandern nach Norden. Da irgendwann das Land endet, bedeutet dies, dass große Waldflächen einfach verschwinden. Und mit ihnen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Dass die Unternehmen nicht gerade zimperlich im Umgang mit unberührten Waldgebieten sind, zeigt die Ölschieferförderung in Canada. Für die Förderung dieser Ölsande werden große Waldflächen unberührten Waldes gerodet. Rücksicht auf die empfindlichen Ökosysteme wird selten genommen.

Handelsrouten
Die Schifffahrtsroute durch das Nordpolarmeer beflügelt schon sehr lange den Welthandel. Durch eine eisfreie Nordostpassage sinkt die Transportzeit zwischen Shanghai und Rotterdam von derzeit 48 auf 35 Tage. Für den globalen Handel eine enorme Kostenersparnis. Die schwierige politische Situation in Somalia und in Ägypten könnte so wenigstens im Sommer umgangen werden, da die arktischen Anrainerstaaten derzeit politisch und finanziell noch relativ sicher sind. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den sehenswerten Film Captain Phillips empfehlen, der die Piraterie am Horn von Afrika eindrucksvoll darstellt.
Bereits 2010 sind zum ersten Mal in der Geschichte vier kommerzielle Schiffe durch die Nordwestpassage der kanadischen Arktis gefahren. 2011 waren es bereits 34 Schiffe und im arktischen Sommer 2012 schon 46. Ähnliche Beobachten lassen sich auf der Nordostpassage machen. Russland bereitet sich derzeit intensiv auf einen anwachsenden Seeverkehr vor. Das russische Ministerium für Transport hat eine Behörde in Moskau geschaffen, die die Wasserwege vor den Küsten Nordrusslands überwachen soll. Aktuell stellt die Behörde zwar nur wenige Genehmigungen aus und versorgt Schiffe mit aktuellen Wetterinformationen, doch es wird aufgerüstet. Vor den Küsten Russlands entsteht ein engmaschiges Netz modernen Wetter- und Navigationsbojen.

Das vollkommende Abschmelzen der Polkappen liegt zwar noch in weiter Ferne, doch es scheint bei anhaltendem Trend möglich, dass die Arktis ab 2035 in den Sommermonaten relativ eisfrei sein wird. 2012 war bereits der wärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn in Grönland, Nordkanada und Alaska. Aufgrund der geographischen Lage, könnten sich Städte wie Reykjavik und Anchorage in globale Rohstoffhandels- und Finanzplätze verwandeln. Die Dubai‘s und Singapore’s des 21. Jahrhundert.

Der Managing Director of CargoMetrics und Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation ArcticCircle hat im letzten Jahr einen vielbeachteten Artikel in der Foreign Affairs geschrieben. Eine seiner Grundaussagen lautete: „Like it or not, the Arctic is open for business, and governments and investors have every reason to get in on the ground floor“.

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Goldrausch in der Arktis

Es ist schon einige Monate her, da bestätigte der Weltklimarat eine längst bekannte Tatsache: die Temperaturen werden global ansteigen. Alle Modelle zeigen, dass der Klimawandel regional höchst unterschiedlich ausfallen wird. Insbesondere in den nördlichen Polarregionen werden milde Sommer und nicht mehr ganz so kalte Winter die Regel werden. Die Auswirkungen auf die fragilen Ökosysteme im hohen Norden sind nicht abzusehen. Während die medialen Diskussionen noch immer um die Frage kreisen, wie ein Ansteigen der globalen Temperaturen abzuwenden ist, bereiten sich Investoren und Unternehmen bereits auf einen wahren Goldrausch vor. In Canada, Russland, Norwegen, Island und den USA eröffnen sich gerade Möglichkeiten, die sprudelnde Gewinne bedeuten können.
Im vergangenen Sommer habe ich mit großem Interesse die Nachrichtenlage in der Arktis verfolgt. Und die hatten es in sich. Nicht ohne Grund reagierte Russland so heftig auf die Proteste von Greenpeace, die gegen eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung in der Barent See protestierten, denn die Industrie hat großes in der Region vor. Eine Bedrohung für die fragilen Ökosysteme sei die Rohstoffförderung, so Greenpeace. Durch höhere Temperaturen tauen die Permafrostböden auf und zahlreiche Rohstoffquellen werden für die Industrie nutzbar.

Aber auch anderen Meldungen hatten zeigen, wie sich die Interessenlage in der Region entwickelt. China und Indien sind beispielsweise dem Arktischen Rat beigetreten und besitzen nun Beobachterstatus. Und dass, obwohl diese Länder ihre Grenzen fern ab der Arktis haben. Dafür bestehen große wirtschaftliche Interessen im Nordpolarmeer. Und als Wirtschaftshandelsmacht des 21. Jahrhundert kann man es sich nicht leisten, diesem Spiel fern zu bleiben.
Auch hat das erste Containerschiff die Nordostpassage von China nach Rotterdam durchquert. Es sind diese vereinzelten Meldungen, die oberflächlich betrachtet nur wenig gemeinsam haben. Doch sie zeigen, dass sich in der Arktis große Veränderungen anbahnen und eine neue Ära beginnt. Höhere Temperaturen drängen Eisschilde und Permafrostböden in großem Maßstab nach Norden. Ungesehen haben sich bereits alle großen politischen und ökonomischen Akteure in Stellung gebracht. Während die ökologischen Folgen durch diesen fundamentalen Wandel noch gar nicht abschätzbar sind, wachsen die wirtschaftlichen Interessen bereits in den Himmel. Schon lange liegen Pläne für die wirtschaftliche Nutzung in den Schubladen der arktischen Anrainerstaaten. Zwei zentrale Themen sind es, die in den nächsten Jahren (Dekaden) die Entwicklung der Region maßgeblich beeinflussen werden: Rohstoffe und Handelsrouten.

Der Schatz im Boden
Unter den Permafrostböden liegen wahre Schätze. Die Menschheit war bisher noch nicht in der Lage, größere Rohstoffvorkommen in der Arktis auszubeuten. Der U.S. Geological Survey schätzt, dass sich fast ein Viertel aller unentdeckten Erdöl- und –gasvorkommen in den Gebieten der Arktis befinden.
Bereits heute produziert die Arktis schon große Mengen an Öl und Gas. Die beiden  Hotspots der Exploration liegen in Westsibirien und in Alaska. Die Arktischen Erdöl- und Gasfelder produzieren aktuell 10,5% der globalen Erdölfördermenge und 25,5% der weltweiten Erdgasproduktion. Doch es liegt noch viel mehr unter den Permafrostböden. Die Arktis könnte sich zu einer zweiten Golfregion entwickeln.
Durch den starken Anstieg der Temperaturen in dieser Region wird es möglich sein, Vorkommen auszubeuten, die vorher nur unter höchsten technischen Einsatz nutzbar waren. Durch geringere Temperaturen und längere Sommer interessieren sich mittlerweile alle großen Rohstoffproduzenten für Lizenzen im hohen Norden.

Shell hat bereits 5 Milliarden US $ in Explorationsvorhaben in der Chukchi See (Alaska) investiert, während die schottische Firma Cairn Energy mehr als 1 Milliarde in Grönland ausgibt. In Russland stehen bereits Gazprom und Rosneft davor, Milliardenschwere Investitionen zu tätigen, um schwer erreichbare Öl- und Gasfelder auszubeuten. Als Partner dienen ConocoPhillips, ExxonMobile, Eni, Statoil und andere. Es sind bereits alle wichtigen Player vor Ort und teilen sich diesen Schatz untereinander auf.
Aber nicht nur die traditionelle Erdöl- und Gasförderung ist in der Arktis zu beobachten. In Sibirien, Alaska und Canada werden derzeit neue Fracking-Methoden im großen Stil getestet. Großer Gegenwind aus der Bevölkerung ist nicht zu erwarten, denn diese Regionen sind zumeist nur spärlich besiedelt.
Ein regelrechter Goldrausch nach wertvollen Mineralien und Erzen ist derzeit von Alaska bis Russland im Gange. Die weltweit produktivste Zink-Mine befindet sich bereits in Nordalaska und die produktivste Nickelmine in Nordrussland. Die aktuellen Rohstoffförderzahlen sind beeindruckend. Bereits heute produziert die Arktis 40% des globalen Palladiums, 20% aller Diamanten, 15% des Platins und 11% des Cobalts. In Alaska sind schon mehr als 100 Lagerstätten seltener Erden entdeckt worden, deren Nutzung aktuell vorbereitet werden. Steigen die Temperauren in der Region weiter an, werden mit der Zeit immer mehr Lagerstätten ökonomisch und technisch nutzbar. Sollte der nächste Sommer so warm werden wie der vergangene, werden wir 2014 von zahlreichen Investitionsvorhaben großer Rohstoffunternehmen in der Arktis hören.
Gleichzeitig spielt sich aber auch eine ökologische Katastrophe ab. Die borealen Nadelwälder, die aktuell noch 8% der globalen Waldfläche ausmachen, wandern nach Norden. Da irgendwann das Land endet, bedeutet dies, dass große Waldflächen einfach verschwinden. Und mit ihnen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Dass die Unternehmen nicht gerade zimperlich im Umgang mit unberührten Waldgebieten sind, zeigt die Ölschieferförderung in Canada. Für die Förderung dieser Ölsande werden große Waldflächen unberührten Waldes gerodet. Rücksicht auf die empfindlichen Ökosysteme wird selten genommen.

Handelsrouten
Die Schifffahrtsroute durch das Nordpolarmeer beflügelt schon sehr lange den Welthandel. Durch eine eisfreie Nordostpassage sinkt die Transportzeit zwischen Shanghai und Rotterdam von derzeit 48 auf 35 Tage. Für den globalen Handel eine enorme Kostenersparnis. Die schwierige politische Situation in Somalia und in Ägypten könnte so wenigstens im Sommer umgangen werden, da die arktischen Anrainerstaaten derzeit politisch und finanziell noch relativ sicher sind. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den sehenswerten Film Captain Phillips empfehlen, der die Piraterie am Horn von Afrika eindrucksvoll darstellt.
Bereits 2010 sind zum ersten Mal in der Geschichte vier kommerzielle Schiffe durch die Nordwestpassage der kanadischen Arktis gefahren. 2011 waren es bereits 34 Schiffe und im arktischen Sommer 2012 schon 46. Ähnliche Beobachten lassen sich auf der Nordostpassage machen. Russland bereitet sich derzeit intensiv auf einen anwachsenden Seeverkehr vor. Das russische Ministerium für Transport hat eine Behörde in Moskau geschaffen, die die Wasserwege vor den Küsten Nordrusslands überwachen soll. Aktuell stellt die Behörde zwar nur wenige Genehmigungen aus und versorgt Schiffe mit aktuellen Wetterinformationen, doch es wird aufgerüstet. Vor den Küsten Russlands entsteht ein engmaschiges Netz modernen Wetter- und Navigationsbojen.

Das vollkommende Abschmelzen der Polkappen liegt zwar noch in weiter Ferne, doch es scheint bei anhaltendem Trend möglich, dass die Arktis ab 2035 in den Sommermonaten relativ eisfrei sein wird. 2012 war bereits der wärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn in Grönland, Nordkanada und Alaska. Aufgrund der geographischen Lage, könnten sich Städte wie Reykjavik und Anchorage in globale Rohstoffhandels- und Finanzplätze verwandeln. Die Dubai‘s und Singapore’s des 21. Jahrhundert.

Der Managing Director of CargoMetrics und Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation ArcticCircle hat im letzten Jahr einen vielbeachteten Artikel in der Foreign Affairs geschrieben. Eine seiner Grundaussagen lautete: „Like it or not, the Arctic is open for business, and governments and investors have every reason to get in on the ground floor“.

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Ziviler Nutzen von „miltärischer“ Mathematik?

Mündliche Abiturprüfung “Katholische Religionslehre”, Mai 1981: Mein Religionslehrer will wissen, was Heisenberg mit der “Ambivalenz von Wissenschaft und Technik” meine. Ich habe damals herumgedruckst – weil ich nicht zugeben wollte, dass ich nicht wusste, was “Ambivalenz” ist.

Was damals abstrakte “Ambivalenz” war, äußert sich heute ganz konkret als “dual-use”: Zivile Technik, die in den Kriegseinsatz kommen könnte – ein aktuelles, hochpolitisches Thema, auch bei deutschen, europäischen, russischen und US-amerikanischen Lieferungen in den nachfrühlingshaft brodelnden Nahen Osten.

Mir geht es aber nicht um die Lastwagen, auf die Raketenabschussrampen montiert werden könnten: alle Wissenschaft, Forschung und Technik kann (wenn überhaupt) zum Guten und zum Bösen eingesetzt werden – das gilt auch für die abstraktesten Ideen und Strukturen der Mathematik. Aktueller Anlass, darüber zu sprechen, ist ein noch nicht ganz fertiggestelltes Hochhaus in London, 20 Fenchurch Street, “Walkie Talkie” genannt, dessen Fassade wie ein gigantischer Parabolspiegel wirkt, das Sonnenlicht bündelt und billige Fahrradsättel entflammt und Karosserieteile an Nobelkarossen zum Schmelzen bringt, die nichtsahnende Besitzer unglücklicherweise unbeaufsichtigt im Brennpunkt des Spiegels geparkt haben. Die Geschichte ist so unglaublich wie (offenbar) wahr, und galoppiert seit ein paar Tagen durch die Gazetten – teilweise mit martialischen Überschriften: “Ein Wolkenkratzer als Strahlenkanone?” hieß das in der Stuttgarter Zeitung.

www.cityam.com/, Bericht über die Hitzeschäden durch Reflektion an der Fassade von 20 Fenchurch Street, London

(Screenshot von http://www.cityam.com/)

Aber hat irgendjemand darauf hingewiesen, dass es sich hier um ein bemerkenswertes Beispiel für zivilen Nutzen von mathematisch-physikalischer Kriegsforschung handelt, sehr ambivalent? Archimedes hat der Legende nach gigantische Parabolspiegel entworfen und bauen lassen, die dann erfolgreich verwendet wurden, um während der Belagerung seiner Heimatstadt Syrakus 215-212 v.Chr. Sonnenlicht zu bündeln und damit römische Schiffe in Brand zu setzen. 

Kupferstich auf dem Titelblatt der lateinischen Ausgabe des Thesaurus opticus, einem Werk des arabischen Gelehrten Alhazen. Die Darstellung zeigt wie Archimedes von Syrakus römische Schiffe mit Hilfe von Parabolspiegeln in Brand gesetzt haben soll. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München

(Archimedes setzt römische Schiffe in Brand. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München)

Ob das funktioniert haben kann, wurde nach jahrhundertelangem Streit in letzter Zeit experimentell getestet und ausführlich diskutiert. Und nun: Es funktioniert! Ein Jaguar beschädigt, ein Fahrradssattel brennt, Straßenbeläge zeigen Reparaturbedarf, Parkplätze werden vorsorglich gesperrt.

Wie konnte das passieren – wer hat Schuld? Hätte man das nicht vorher wissen können und müssen? Nun, Architekten lernen Geometrie in der Schule, und auch im Studium, und manche hassen das Fach. Und Quadriken sind ein esoterisch-anmutendes Thema aus der Hochschul-Geometrie: Flächen, die man in Raumkoordinaten (x,y,z) durch quadratische Gleichungen von der Form ax2 + by2 + cz2 + dxy +exz + fyz + gx + hy +iz + j= 0 beschreiben kann. Die Klassifikation der Quadriken war im 19. Jahrhundert wohl Schulwissen; sie wird jetzt in den Anfängervorlesungen des Mathematikstudiums als Teil der “Linearen Algebra und Analytischen Geometrie” recht stiefmütterlich betrachtet. Das ist schade, und auch nicht angemessen, denn die Quadriken sind Grundformen der Natur, der Technik, der Wissenschaft – viele davon schön, viele davon nützlich, manche davon gefährlich. Aus der Formenvielfalt, die es da zu entdecken und zu bändigen gilt, greife ich hier nur zwei besondere Strukturen heraus:

  1. einschalige Hyperboloide werden für Turmkonstruktionen verwendet, unter ihnen nicht nur der Moskauer Fernsehturm, sondern auch die Skulptur Mae West am Effnerplatz in München. Eine wichtige Struktur für Ingenieure und Architekten (weil sich das Hyperboloid aus Geraden zusammensetzen lässt, eine Regelfläche ist), aber eben auch Kunst!
  2. Rotationsparaboloide werden als Spiegel verwendet, um parallel-einfallendes Licht (etwa von der Sonne) auf einen Punkt (den Brennpunkt) zu fokussieren – oder aber Licht, das aus einem Punkt kommt (Glühbirne!) in paralleles Licht zu transformieren (Parabolspiegel!). Das ist also eine Kriegswaffe bei Archimedes, aber ein Segen für die Autofahrer – und jetzt ein Problem in London, weil die Architekten des Gebäudes offenbar nicht wussten, dass und wie Quadriken als Spiegel wirken.

Quadriken für das Leben, als Kriegswaffen, als Hochhausfassaden, und als Kunstwerke!
Warum mich das gerade jetzt so elektrisiert? Weil das mehrere Erzählstränge verbindet aus meinem neuen Buch „Mathematik – Das ist doch keine Kunst!“, das gerade eben fertig geworden ist:

Cover von Günter M. Ziegler: Mathematik - Das ist doch keine Kunst!, Knaus 2013, 300dpi

Darin tauchen die Quadriken in zwei ganz unterschiedlichen Kapiteln auf: in dem Kapitel über Mathematik und Krieg, und über die „Mae West“-Skulptur in München. Das Buch präsentiere ich erstmals am 17. September in Berlin im Museum für Kommunikation und freue mich auf Gäste!  

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Ziviler Nutzen von „miltärischer“ Mathematik?

Mündliche Abiturprüfung “Katholische Religionslehre”, Mai 1981: Mein Religionslehrer will wissen, was Heisenberg mit der “Ambivalenz von Wissenschaft und Technik” meine. Ich habe damals herumgedruckst – weil ich nicht zugeben wollte, dass ich nicht wusste, was “Ambivalenz” ist.

Was damals abstrakte “Ambivalenz” war, äußert sich heute ganz konkret als “dual-use”: Zivile Technik, die in den Kriegseinsatz kommen könnte – ein aktuelles, hochpolitisches Thema, auch bei deutschen, europäischen, russischen und US-amerikanischen Lieferungen in den nachfrühlingshaft brodelnden Nahen Osten.

Mir geht es aber nicht um die Lastwagen, auf die Raketenabschussrampen montiert werden könnten: alle Wissenschaft, Forschung und Technik kann (wenn überhaupt) zum Guten und zum Bösen eingesetzt werden – das gilt auch für die abstraktesten Ideen und Strukturen der Mathematik. Aktueller Anlass, darüber zu sprechen, ist ein noch nicht ganz fertiggestelltes Hochhaus in London, 20 Fenchurch Street, “Walkie Talkie” genannt, dessen Fassade wie ein gigantischer Parabolspiegel wirkt, das Sonnenlicht bündelt und billige Fahrradsättel entflammt und Karosserieteile an Nobelkarossen zum Schmelzen bringt, die nichtsahnende Besitzer unglücklicherweise unbeaufsichtigt im Brennpunkt des Spiegels geparkt haben. Die Geschichte ist so unglaublich wie (offenbar) wahr, und galoppiert seit ein paar Tagen durch die Gazetten – teilweise mit martialischen Überschriften: “Ein Wolkenkratzer als Strahlenkanone?” hieß das in der Stuttgarter Zeitung.

www.cityam.com/, Bericht über die Hitzeschäden durch Reflektion an der Fassade von 20 Fenchurch Street, London

(Screenshot von http://www.cityam.com/)

Aber hat irgendjemand darauf hingewiesen, dass es sich hier um ein bemerkenswertes Beispiel für zivilen Nutzen von mathematisch-physikalischer Kriegsforschung handelt, sehr ambivalent? Archimedes hat der Legende nach gigantische Parabolspiegel entworfen und bauen lassen, die dann erfolgreich verwendet wurden, um während der Belagerung seiner Heimatstadt Syrakus 215-212 v.Chr. Sonnenlicht zu bündeln und damit römische Schiffe in Brand zu setzen. 

Kupferstich auf dem Titelblatt der lateinischen Ausgabe des Thesaurus opticus, einem Werk des arabischen Gelehrten Alhazen. Die Darstellung zeigt wie Archimedes von Syrakus römische Schiffe mit Hilfe von Parabolspiegeln in Brand gesetzt haben soll. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München

(Archimedes setzt römische Schiffe in Brand. Quelle: Wikimedia/Bayerische Staatsbibliothek München)

Ob das funktioniert haben kann, wurde nach jahrhundertelangem Streit in letzter Zeit experimentell getestet und ausführlich diskutiert. Und nun: Es funktioniert! Ein Jaguar beschädigt, ein Fahrradssattel brennt, Straßenbeläge zeigen Reparaturbedarf, Parkplätze werden vorsorglich gesperrt.

Wie konnte das passieren – wer hat Schuld? Hätte man das nicht vorher wissen können und müssen? Nun, Architekten lernen Geometrie in der Schule, und auch im Studium, und manche hassen das Fach. Und Quadriken sind ein esoterisch-anmutendes Thema aus der Hochschul-Geometrie: Flächen, die man in Raumkoordinaten (x,y,z) durch quadratische Gleichungen von der Form ax2 + by2 + cz2 + dxy +exz + fyz + gx + hy +iz + j= 0 beschreiben kann. Die Klassifikation der Quadriken war im 19. Jahrhundert wohl Schulwissen; sie wird jetzt in den Anfängervorlesungen des Mathematikstudiums als Teil der “Linearen Algebra und Analytischen Geometrie” recht stiefmütterlich betrachtet. Das ist schade, und auch nicht angemessen, denn die Quadriken sind Grundformen der Natur, der Technik, der Wissenschaft – viele davon schön, viele davon nützlich, manche davon gefährlich. Aus der Formenvielfalt, die es da zu entdecken und zu bändigen gilt, greife ich hier nur zwei besondere Strukturen heraus:

  1. einschalige Hyperboloide werden für Turmkonstruktionen verwendet, unter ihnen nicht nur der Moskauer Fernsehturm, sondern auch die Skulptur Mae West am Effnerplatz in München. Eine wichtige Struktur für Ingenieure und Architekten (weil sich das Hyperboloid aus Geraden zusammensetzen lässt, eine Regelfläche ist), aber eben auch Kunst!
  2. Rotationsparaboloide werden als Spiegel verwendet, um parallel-einfallendes Licht (etwa von der Sonne) auf einen Punkt (den Brennpunkt) zu fokussieren – oder aber Licht, das aus einem Punkt kommt (Glühbirne!) in paralleles Licht zu transformieren (Parabolspiegel!). Das ist also eine Kriegswaffe bei Archimedes, aber ein Segen für die Autofahrer – und jetzt ein Problem in London, weil die Architekten des Gebäudes offenbar nicht wussten, dass und wie Quadriken als Spiegel wirken.

Quadriken für das Leben, als Kriegswaffen, als Hochhausfassaden, und als Kunstwerke!
Warum mich das gerade jetzt so elektrisiert? Weil das mehrere Erzählstränge verbindet aus meinem neuen Buch „Mathematik – Das ist doch keine Kunst!“, das gerade eben fertig geworden ist:

Cover von Günter M. Ziegler: Mathematik - Das ist doch keine Kunst!, Knaus 2013, 300dpi

Darin tauchen die Quadriken in zwei ganz unterschiedlichen Kapiteln auf: in dem Kapitel über Mathematik und Krieg, und über die „Mae West“-Skulptur in München. Das Buch präsentiere ich erstmals am 17. September in Berlin im Museum für Kommunikation und freue mich auf Gäste!  

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Kurzzeitige Tsunami-Warnung: Starkes Erdbeben im fernen Osten Russlands

Ein Erdbeben der Stärke 8,2 hat den fernen Osten Russlands erschüttert. Der Erdstoß war bis nach Moskau zu spüren, verletzt wurde nach ersten Behördenangaben jedoch niemand. Eine für die Region Sachalin ausgegebene Tsunami-Warnung wurde kurze Zeit später wieder aufgehoben.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Zoologen aus Bonn und Moskau entdecken spektakulär blauen Mini-Drachen in den Regenwäldern Vietnams

Reptilienspezialisten aus dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn haben gemeinsam mit Kollegen der Lomonossov-Universität Moskau eine prachtvolle neue Echsenart im Süden Vietnams entdeckt und jetzt (07.01.2013) unter dem Namen Calotes bachae in der renommierten Fachzeitschrift Zootaxa beschrieben.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Raumfahrt: Russischer Satellit legt Fehlstart hin

Wieder eine Panne bei Russlands Weltraumagentur Roskosmos: Der Satellit „Jamal-402“ hat seine Umlaufbahn nach dem Raketenstart verfehlt. Nun will Moskau ihn aus eigener Kraft in die richtige Position bringen. Es ist bereits der dritte Fehlstart eines Nachrichtensatelliten seit dem vergangenen August.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Video: 339-Meter-Tower: Moskau baut Europas höchstes Haus

Es geht hoch hinaus: In Moskau entsteht mit dem 339 Meter großem Mercury City Turm das höchste Gebäude Europas. In eine andere Stadt würde das Hochhaus aber nicht passen.
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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Video: Eklat in Moskau: Pilot lässt Rollstuhlfahrer nicht mitfliegen

Am Montag wollten sechs Rollstuhlfahrer von Moskau nach Düsseldorf fliegen. Da jedoch nur zwei von ihnen als gehbindert angemeldet waren, sah der Pilot ein Sicherheitsrisiko.
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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Happy Birthday, Dr. Turing!

Der Film „Colors of Math“ der Berliner Filmemacherin Ekaterina Eremenko wird am kommenden Samstag, 23. Juni 2012, im Dokumentarfilm-Wettbewerb des Moskauer Filmfest seine Weltpremiere haben. Gleich zu Beginn des Films spricht Cedric Villani, ein brillianter Mathematiker, Fieldsmedaillist und bekennender Exzentriker, in die Kamera: 

Boltzmann hat sich umgebracht — Mark Kac‘ gesamte Familie kam im Krieg ums Leben — Turing hat sich umgebracht, nachdem die englische Regierung ihn für Homosexualität bestraft hat — Nash hat dreißig Jahre zugebracht mit schwerer Geisteskrankheit zugebracht — Maxwell ging’s gut!

Sehen Sie: das ist kein notwendiges Schicksal.

Das ist, natürlich, eine sehr negative und sehr düstere Sicht auf die Mathematiker – und die beruht auf einer sehr eigenwilligen, mutwilligen Auswahl von Mathematikern mit dramatischen Biographien. Unter ihnen findet sich der britische Mathematiker Alan Turing, dem ich hiermit heute zum Geburtstag gratulieren will.

Alan Turing Year 2012 Logo

WISSEN SCHAFFT AKZEPTANZ

Ebenfalls am kommenden Samstag, dem 23. Juni 2012, findet der diesjährige Berliner “Christopher Street Day” statt – unter dem ungewöhnlichen Wissenschafts-Motto “Wissen schafft Akzeptanz”, zu Ehren von Alan Turing. Gleich zu Beginn der politischen Forderungen, die mit dieser Straßendemonstration unterstützt werden solllen, heißt es:

1. Queeres Wissen und Bildung schaffen Akzeptanz und räumen mit Vorurteilen auf. Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) prägen nach wie vor die öffentliche Wahrnehmung. Wissenschaft und Bildung müssen mit diesen Vorurteilen aufräumen. Die Geschichte wissenschaftlicher Größen wie Magnus Hirschfeld oder Alan Turing zeigt, dass selbst in der Wissenschaft queere Personen verfolgt wurden und werden. 

Schon wieder Alan Turing. Wer war Alan Turing? Ich nehme mal an, dass der Durchschnittsberliner – und auch der Durchschnittskinogänger in Moskau und der Durchschnittsschwule auf dem Berliner CSD – den Namen noch nicht gehört hat.

Zu den bemerkenswerten kalendarischen Zufällen, hinter denen man Absicht oder “Schicksal” vermuten könnte oder wollte, gehört, dass der 23. Juni 2012, der Premierentag auf dem Moskauer Filmfest und der Tag des Berliner CSD 2012, auf den Tag genau der einhundertste Geburtstag von Alan Turing ist.

ALAN MATHISON TURING (1912-1954)

 Wer war Alan Turing? Ein genialer Wissenschaftler, Vater des Computers und der künstlichen Intelligenz, Kriegsheld, und ein Schwuler, der wie Schneewittchen an einem vergifteten Apfel starb. 

Alan Turing war geheim, verdrängt, vergessen – und es ist zu einem großen Teil ein Verdienst seines Biographen Andrew Hodges, ihn der Geschichte entrissen zu haben. Das Buch erschien 1983, kurz nachdem die Archive zu Turings Zeit in Bletchley Park freigegeben worden waren, unter dem Titel “The Enigma”. Zumindest auf meiner Paperback-Ausgabe heißt das dann sehr ausführlich

Alan Turing – the enigma. The extraordinary story of the brilliant scientist who broke “Enigma,” Germany’s most secret World War II code, who pioneered the modern computer age, and who finally fell victim to the cold-war world of military secrets and sexual scandal.

Turing biography by Andrew Hodges, Cover photo

Weil “man den kennen sollte” kommt hier meine Alan Turing – Kurzbiographie in Stichpunkten:

  • Geboren 23. Juni 1912 in London
  • 1931-1934 Studium der Mathematik am King’s College, Cambridge
  • Sein Aufsatz On Computable Numbers, with an Application to the “Entscheidungsproblem” von 1936 löst das von David Hilbert 1928 gestellte Problem, ob sich jedes mathematisch-formale Problem algorithmisch entscheiden lässt, kurz nach der ersten Lösung durch Alonzo Church. Die Lösung durch Turing, mit dem Modell der „Turing-Maschine“, ist eleganter, und zukunftsweisend – sie gilt als die Geburtsurkunde des Computers, und fundamentale Grundlage der theoretischen Informatik, inklusive Komplexitätstheorie
  • 1939-1945 Leiter der Expertengruppe „Government Code and Cypher School“ des Britischen Geheimdienstes zur Entschlüsselung der deutschen Funksprüche. Entschlüsselung der „Enigma“, die für die deutsche U-Boot Flotte verwendet wurde – mit Hilfe der von Turing und Mitarbeitern konstruierten Computer. Funktionsfähige elektronische Computer, kriegsentscheidend!
  • 1946 Ehrung mit dem „Order of the British Empire“ (ohne Begründung, weil für Leistungen unter Geheimhaltung)
  • Hervorragender Marathonläufer: Fünfter Platz bei den Vorausscheidungen für die Olympische Spiele 1948 in London mit 2:46 
  • 1950 Aufsatz “Computing machinery and intelligence”: Grundlagen der Künstlichen Intelligenz, der „Turing Test“
  • ab 1952 mathematische Biologie, wieder fundamentale Leistungen: 1952  “The Chemical Basis of Morphogenesis” – spontane Strukturbildung aus Reaktions-Diffusionssystemen
  • 1952 Prozess wegen „Grober Unzucht“, nachdem Turing sich bei der Polizei im Zusammenhang mit einem Einbruch in seine Wohnung sich selbst als homosexuell geoutet hatte. Verurteilung mit der Alternative zwischen Gefängnisstrafe oder Hormontherapie (Östrogen-Therapie, „chemische Kastration“); einjährige Hormonbehandlung 
  • 7. Juni 1954, kurz vor dem 42. Geburtstag, Selbstmord: Zyankalivergiftung, angeblich an präpariertem Apfel.  

(Wikipedia weiß da noch mehr, aber wirklich empfohlen wird die Biographie von Andrew Hodges, und die Turing-Homepage, die Hodges verwaltet.) 

Eine filmreife Biographie, voller Höchstleistungen und Widersprüche. Können wir uns Alan Turing als glücklich vorstellen? Ein Happy Mr. Turing? Es gibt ein Foto von ihm, auf dem er lacht, und aus dem die Organisatoren des Turing-Jahres 2012 ja auch das Logo gemacht haben.

Andererseits Legenden um seinen Tod: Seine Mutter, deren biographisches Buch gerade wieder neu aufgelegt wurde, hält seinen Tod für einen Unfall, Alan sei immer unvorsichtig gewesen beim Umgang mit Chemikalien…. Andererseits die schöne Legende, das Apple-Logo, der angebissene Apfel, sei zu Ehren Turings gewählt worden. Steve Jobs hat das offenbar bestritten.

LITERATUR UND KINO

Filmstoff, Romanstoff: das hat auch der Dramatiker Rolf Hochhuth erkannt, und sich gleich mal daran heftig überhoben. Seine Erzählung Alan Turing von 1987 ist literarisch schwach, biographisch fragwürdig – schlicht überflüssig. Der Kampf um “unseren” Alan Turing wird aber auch in Hollywood ausgetragen. So in dem Film “Enigma” nach dem gleichnamigen Roman von Robert Harris:

Enigma FilmDessen Filmheld “Tom Jericho” ist ein Zombie – die biographische Hülle von Alan Turing und seiner Leistungen in Bletchley Park wird mit einer heterosexuellen Lovestory und einem unrealistischen Spionagethriller gefüllt. “Er war der Mann, der den Code knacken sollte. Sie war die Frau, die er nicht entschlüsseln konnte.” So ein Unsinn. Hat Alan Turing das verdient?

Aber der nächste Film kommt schon. Auf der Biographie von Andrew Hodges basiert ein Drehbuch “The Imitation Game” von Graham Moore, das in Hollywood hoch gehandelt wurde – und in kürzester Zeit für eine Million Dollar an Warner Bros. ging. Angeblich hat Leonardo DiCaprio Interesse an der Rolle des britischen Mathegenies, Codeknackers und Computerpioniers Alan Turing. Ob und wann der Film wirklich kommt, weiß ich aber auch nicht.

“WE’RE SORRY”, BUT NO PARDON

Die Britische Regierung unter Gordon Brown hat sich 2009 – aufgrund einer Internet-Petition mit vielen Tausend Stimmen – für das Urteil über Alan Turing entschuldigt, ein großes “Sorry” also. Im offiziellen Statement wurde das Urteil “horrifying” und “utterly unfair” genannt, und man stellte fest, dass das Land bei Alan Turing in großer Schuld steht:

Tausende Leute haben sich zusammengefunden, um Gerechtigkeit zu fordern für Alan Turing und Anerkennung der abstoßenden Weise, wie er behandelt wurde. Während Turing mit den damals geltenden Gesetzen behandelt wurde und wir die Uhr nicht zurückdrehen können, war seine Behandlung trotzdem extrem ungerecht und es freut mich jetzt die Gelegenheit zu haben zu sagen, wie sehr mir und uns allen das leid tut, was ihm passiert ist.

Deshalb bin ich stolz darauf, im Namen der Britischen Regierung und all derer, die frei leben Dank Alans Werk, es tut uns leid, Du hättest es besser verdient.

(Meine Übersetzung, nach der Version im Guardian. Das Original klingt ähnlich schwammig und redundant.) 

Das war’s dann aber auch. Eine Initiative, die auf eine posthume Begnadigung hinzielt, und damit auf die offizielle Eingeständnis, dass das Urteil Unrecht war, war bisher nicht erfolgreich. Das Urteil sei damals nach geltendem Recht erfolgt. Eine Petition an die Britische Regierung läuft, sie hat inzwischen fast 35000 Unterschriften.

EINLADUNG AUF DEN CSD BERLIN 2012

 
Feiern Sie mit – auf dem Berliner CSD, der vermutlich größten Geburtstagsparty für einen Mathematiker aller Zeiten. Der schwule Mathematiker Alan Turing wird am kommenden Samstag, 23. Juni 2012, hundert Jahre alt. Für die Geburtstagsparty erwarten wir eine halbe Million Teilnehmer. Happy Birthday, Dr. Turing!

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Happy Birthday, Dr. Turing!

Der Film „Colors of Math“ der Berliner Filmemacherin Ekaterina Eremenko wird am kommenden Samstag, 23. Juni 2012, im Dokumentarfilm-Wettbewerb des Moskauer Filmfest seine Weltpremiere haben. Gleich zu Beginn des Films spricht Cedric Villani, ein brillianter Mathematiker, Fieldsmedaillist und bekennender Exzentriker, in die Kamera: 

Boltzmann hat sich umgebracht — Mark Kac‘ gesamte Familie kam im Krieg ums Leben — Turing hat sich umgebracht, nachdem die englische Regierung ihn für Homosexualität bestraft hat — Nash hat dreißig Jahre zugebracht mit schwerer Geisteskrankheit zugebracht — Maxwell ging’s gut!

Sehen Sie: das ist kein notwendiges Schicksal.

Das ist, natürlich, eine sehr negative und sehr düstere Sicht auf die Mathematiker – und die beruht auf einer sehr eigenwilligen, mutwilligen Auswahl von Mathematikern mit dramatischen Biographien. Unter ihnen findet sich der britische Mathematiker Alan Turing, dem ich hiermit heute zum Geburtstag gratulieren will.

Alan Turing Year 2012 Logo

WISSEN SCHAFFT AKZEPTANZ

Ebenfalls am kommenden Samstag, dem 23. Juni 2012, findet der diesjährige Berliner “Christopher Street Day” statt – unter dem ungewöhnlichen Wissenschafts-Motto “Wissen schafft Akzeptanz”, zu Ehren von Alan Turing. Gleich zu Beginn der politischen Forderungen, die mit dieser Straßendemonstration unterstützt werden solllen, heißt es:

1. Queeres Wissen und Bildung schaffen Akzeptanz und räumen mit Vorurteilen auf. Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) prägen nach wie vor die öffentliche Wahrnehmung. Wissenschaft und Bildung müssen mit diesen Vorurteilen aufräumen. Die Geschichte wissenschaftlicher Größen wie Magnus Hirschfeld oder Alan Turing zeigt, dass selbst in der Wissenschaft queere Personen verfolgt wurden und werden. 

Schon wieder Alan Turing. Wer war Alan Turing? Ich nehme mal an, dass der Durchschnittsberliner – und auch der Durchschnittskinogänger in Moskau und der Durchschnittsschwule auf dem Berliner CSD – den Namen noch nicht gehört hat.

Zu den bemerkenswerten kalendarischen Zufällen, hinter denen man Absicht oder “Schicksal” vermuten könnte oder wollte, gehört, dass der 23. Juni 2012, der Premierentag auf dem Moskauer Filmfest und der Tag des Berliner CSD 2012, auf den Tag genau der einhundertste Geburtstag von Alan Turing ist.

ALAN MATHISON TURING (1912-1954)

 Wer war Alan Turing? Ein genialer Wissenschaftler, Vater des Computers und der künstlichen Intelligenz, Kriegsheld, und ein Schwuler, der wie Schneewittchen an einem vergifteten Apfel starb. 

Alan Turing war geheim, verdrängt, vergessen – und es ist zu einem großen Teil ein Verdienst seines Biographen Andrew Hodges, ihn der Geschichte entrissen zu haben. Das Buch erschien 1983, kurz nachdem die Archive zu Turings Zeit in Bletchley Park freigegeben worden waren, unter dem Titel “The Enigma”. Zumindest auf meiner Paperback-Ausgabe heißt das dann sehr ausführlich

Alan Turing – the enigma. The extraordinary story of the brilliant scientist who broke “Enigma,” Germany’s most secret World War II code, who pioneered the modern computer age, and who finally fell victim to the cold-war world of military secrets and sexual scandal.

Turing biography by Andrew Hodges, Cover photo

Weil “man den kennen sollte” kommt hier meine Alan Turing – Kurzbiographie in Stichpunkten:

  • Geboren 23. Juni 1912 in London
  • 1931-1934 Studium der Mathematik am King’s College, Cambridge
  • Sein Aufsatz On Computable Numbers, with an Application to the “Entscheidungsproblem” von 1936 löst das von David Hilbert 1928 gestellte Problem, ob sich jedes mathematisch-formale Problem algorithmisch entscheiden lässt, kurz nach der ersten Lösung durch Alonzo Church. Die Lösung durch Turing, mit dem Modell der „Turing-Maschine“, ist eleganter, und zukunftsweisend – sie gilt als die Geburtsurkunde des Computers, und fundamentale Grundlage der theoretischen Informatik, inklusive Komplexitätstheorie
  • 1939-1945 Leiter der Expertengruppe „Government Code and Cypher School“ des Britischen Geheimdienstes zur Entschlüsselung der deutschen Funksprüche. Entschlüsselung der „Enigma“, die für die deutsche U-Boot Flotte verwendet wurde – mit Hilfe der von Turing und Mitarbeitern konstruierten Computer. Funktionsfähige elektronische Computer, kriegsentscheidend!
  • 1946 Ehrung mit dem „Order of the British Empire“ (ohne Begründung, weil für Leistungen unter Geheimhaltung)
  • Hervorragender Marathonläufer: Fünfter Platz bei den Vorausscheidungen für die Olympische Spiele 1948 in London mit 2:46 
  • 1950 Aufsatz “Computing machinery and intelligence”: Grundlagen der Künstlichen Intelligenz, der „Turing Test“
  • ab 1952 mathematische Biologie, wieder fundamentale Leistungen: 1952  “The Chemical Basis of Morphogenesis” – spontane Strukturbildung aus Reaktions-Diffusionssystemen
  • 1952 Prozess wegen „Grober Unzucht“, nachdem Turing sich bei der Polizei im Zusammenhang mit einem Einbruch in seine Wohnung sich selbst als homosexuell geoutet hatte. Verurteilung mit der Alternative zwischen Gefängnisstrafe oder Hormontherapie (Östrogen-Therapie, „chemische Kastration“); einjährige Hormonbehandlung 
  • 7. Juni 1954, kurz vor dem 42. Geburtstag, Selbstmord: Zyankalivergiftung, angeblich an präpariertem Apfel.  

(Wikipedia weiß da noch mehr, aber wirklich empfohlen wird die Biographie von Andrew Hodges, und die Turing-Homepage, die Hodges verwaltet.) 

Eine filmreife Biographie, voller Höchstleistungen und Widersprüche. Können wir uns Alan Turing als glücklich vorstellen? Ein Happy Mr. Turing? Es gibt ein Foto von ihm, auf dem er lacht, und aus dem die Organisatoren des Turing-Jahres 2012 ja auch das Logo gemacht haben.

Andererseits Legenden um seinen Tod: Seine Mutter, deren biographisches Buch gerade wieder neu aufgelegt wurde, hält seinen Tod für einen Unfall, Alan sei immer unvorsichtig gewesen beim Umgang mit Chemikalien…. Andererseits die schöne Legende, das Apple-Logo, der angebissene Apfel, sei zu Ehren Turings gewählt worden. Steve Jobs hat das offenbar bestritten.

LITERATUR UND KINO

Filmstoff, Romanstoff: das hat auch der Dramatiker Rolf Hochhuth erkannt, und sich gleich mal daran heftig überhoben. Seine Erzählung Alan Turing von 1987 ist literarisch schwach, biographisch fragwürdig – schlicht überflüssig. Der Kampf um “unseren” Alan Turing wird aber auch in Hollywood ausgetragen. So in dem Film “Enigma” nach dem gleichnamigen Roman von Robert Harris:

Enigma FilmDessen Filmheld “Tom Jericho” ist ein Zombie – die biographische Hülle von Alan Turing und seiner Leistungen in Bletchley Park wird mit einer heterosexuellen Lovestory und einem unrealistischen Spionagethriller gefüllt. “Er war der Mann, der den Code knacken sollte. Sie war die Frau, die er nicht entschlüsseln konnte.” So ein Unsinn. Hat Alan Turing das verdient?

Aber der nächste Film kommt schon. Auf der Biographie von Andrew Hodges basiert ein Drehbuch “The Imitation Game” von Graham Moore, das in Hollywood hoch gehandelt wurde – und in kürzester Zeit für eine Million Dollar an Warner Bros. ging. Angeblich hat Leonardo DiCaprio Interesse an der Rolle des britischen Mathegenies, Codeknackers und Computerpioniers Alan Turing. Ob und wann der Film wirklich kommt, weiß ich aber auch nicht.

“WE’RE SORRY”, BUT NO PARDON

Die Britische Regierung unter Gordon Brown hat sich 2009 – aufgrund einer Internet-Petition mit vielen Tausend Stimmen – für das Urteil über Alan Turing entschuldigt, ein großes “Sorry” also. Im offiziellen Statement wurde das Urteil “horrifying” und “utterly unfair” genannt, und man stellte fest, dass das Land bei Alan Turing in großer Schuld steht:

Tausende Leute haben sich zusammengefunden, um Gerechtigkeit zu fordern für Alan Turing und Anerkennung der abstoßenden Weise, wie er behandelt wurde. Während Turing mit den damals geltenden Gesetzen behandelt wurde und wir die Uhr nicht zurückdrehen können, war seine Behandlung trotzdem extrem ungerecht und es freut mich jetzt die Gelegenheit zu haben zu sagen, wie sehr mir und uns allen das leid tut, was ihm passiert ist.

Deshalb bin ich stolz darauf, im Namen der Britischen Regierung und all derer, die frei leben Dank Alans Werk, es tut uns leid, Du hättest es besser verdient.

(Meine Übersetzung, nach der Version im Guardian. Das Original klingt ähnlich schwammig und redundant.) 

Das war’s dann aber auch. Eine Initiative, die auf eine posthume Begnadigung hinzielt, und damit auf die offizielle Eingeständnis, dass das Urteil Unrecht war, war bisher nicht erfolgreich. Das Urteil sei damals nach geltendem Recht erfolgt. Eine Petition an die Britische Regierung läuft, sie hat inzwischen fast 35000 Unterschriften.

EINLADUNG AUF DEN CSD BERLIN 2012

 
Feiern Sie mit – auf dem Berliner CSD, der vermutlich größten Geburtstagsparty für einen Mathematiker aller Zeiten. Der schwule Mathematiker Alan Turing wird am kommenden Samstag, 23. Juni 2012, hundert Jahre alt. Für die Geburtstagsparty erwarten wir eine halbe Million Teilnehmer. Happy Birthday, Dr. Turing!

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Happy Birthday, Dr. Turing!

Der Film „Colors of Math“ der Berliner Filmemacherin Ekaterina Eremenko wird am kommenden Samstag, 23. Juni 2012, im Dokumentarfilm-Wettbewerb des Moskauer Filmfest seine Weltpremiere haben. Gleich zu Beginn des Films spricht Cedric Villani, ein brillianter Mathematiker, Fieldsmedaillist und bekennender Exzentriker, in die Kamera: 

Boltzmann hat sich umgebracht — Mark Kac‘ gesamte Familie kam im Krieg ums Leben — Turing hat sich umgebracht, nachdem die englische Regierung ihn für Homosexualität bestraft hat — Nash hat dreißig Jahre zugebracht mit schwerer Geisteskrankheit zugebracht — Maxwell ging’s gut!

Sehen Sie: das ist kein notwendiges Schicksal.

Das ist, natürlich, eine sehr negative und sehr düstere Sicht auf die Mathematiker – und die beruht auf einer sehr eigenwilligen, mutwilligen Auswahl von Mathematikern mit dramatischen Biographien. Unter ihnen findet sich der britische Mathematiker Alan Turing, dem ich hiermit heute zum Geburtstag gratulieren will.

Alan Turing Year 2012 Logo

WISSEN SCHAFFT AKZEPTANZ

Ebenfalls am kommenden Samstag, dem 23. Juni 2012, findet der diesjährige Berliner “Christopher Street Day” statt – unter dem ungewöhnlichen Wissenschafts-Motto “Wissen schafft Akzeptanz”, zu Ehren von Alan Turing. Gleich zu Beginn der politischen Forderungen, die mit dieser Straßendemonstration unterstützt werden solllen, heißt es:

1. Queeres Wissen und Bildung schaffen Akzeptanz und räumen mit Vorurteilen auf. Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) prägen nach wie vor die öffentliche Wahrnehmung. Wissenschaft und Bildung müssen mit diesen Vorurteilen aufräumen. Die Geschichte wissenschaftlicher Größen wie Magnus Hirschfeld oder Alan Turing zeigt, dass selbst in der Wissenschaft queere Personen verfolgt wurden und werden. 

Schon wieder Alan Turing. Wer war Alan Turing? Ich nehme mal an, dass der Durchschnittsberliner – und auch der Durchschnittskinogänger in Moskau und der Durchschnittsschwule auf dem Berliner CSD – den Namen noch nicht gehört hat.

Zu den bemerkenswerten kalendarischen Zufällen, hinter denen man Absicht oder “Schicksal” vermuten könnte oder wollte, gehört, dass der 23. Juni 2012, der Premierentag auf dem Moskauer Filmfest und der Tag des Berliner CSD 2012, auf den Tag genau der einhundertste Geburtstag von Alan Turing ist.

ALAN MATHISON TURING (1912-1954)

 Wer war Alan Turing? Ein genialer Wissenschaftler, Vater des Computers und der künstlichen Intelligenz, Kriegsheld, und ein Schwuler, der wie Schneewittchen an einem vergifteten Apfel starb. 

Alan Turing war geheim, verdrängt, vergessen – und es ist zu einem großen Teil ein Verdienst seines Biographen Andrew Hodges, ihn der Geschichte entrissen zu haben. Das Buch erschien 1983, kurz nachdem die Archive zu Turings Zeit in Bletchley Park freigegeben worden waren, unter dem Titel “The Enigma”. Zumindest auf meiner Paperback-Ausgabe heißt das dann sehr ausführlich

Alan Turing – the enigma. The extraordinary story of the brilliant scientist who broke “Enigma,” Germany’s most secret World War II code, who pioneered the modern computer age, and who finally fell victim to the cold-war world of military secrets and sexual scandal.

Turing biography by Andrew Hodges, Cover photo

Weil “man den kennen sollte” kommt hier meine Alan Turing – Kurzbiographie in Stichpunkten:

  • Geboren 23. Juni 1912 in London
  • 1931-1934 Studium der Mathematik am King’s College, Cambridge
  • Sein Aufsatz On Computable Numbers, with an Application to the “Entscheidungsproblem” von 1936 löst das von David Hilbert 1928 gestellte Problem, ob sich jedes mathematisch-formale Problem algorithmisch entscheiden lässt, kurz nach der ersten Lösung durch Alonzo Church. Die Lösung durch Turing, mit dem Modell der „Turing-Maschine“, ist eleganter, und zukunftsweisend – sie gilt als die Geburtsurkunde des Computers, und fundamentale Grundlage der theoretischen Informatik, inklusive Komplexitätstheorie
  • 1939-1945 Leiter der Expertengruppe „Government Code and Cypher School“ des Britischen Geheimdienstes zur Entschlüsselung der deutschen Funksprüche. Entschlüsselung der „Enigma“, die für die deutsche U-Boot Flotte verwendet wurde – mit Hilfe der von Turing und Mitarbeitern konstruierten Computer. Funktionsfähige elektronische Computer, kriegsentscheidend!
  • 1946 Ehrung mit dem „Order of the British Empire“ (ohne Begründung, weil für Leistungen unter Geheimhaltung)
  • Hervorragender Marathonläufer: Fünfter Platz bei den Vorausscheidungen für die Olympische Spiele 1948 in London mit 2:46 
  • 1950 Aufsatz “Computing machinery and intelligence”: Grundlagen der Künstlichen Intelligenz, der „Turing Test“
  • ab 1952 mathematische Biologie, wieder fundamentale Leistungen: 1952  “The Chemical Basis of Morphogenesis” – spontane Strukturbildung aus Reaktions-Diffusionssystemen
  • 1952 Prozess wegen „Grober Unzucht“, nachdem Turing sich bei der Polizei im Zusammenhang mit einem Einbruch in seine Wohnung sich selbst als homosexuell geoutet hatte. Verurteilung mit der Alternative zwischen Gefängnisstrafe oder Hormontherapie (Östrogen-Therapie, „chemische Kastration“); einjährige Hormonbehandlung 
  • 7. Juni 1954, kurz vor dem 42. Geburtstag, Selbstmord: Zyankalivergiftung, angeblich an präpariertem Apfel.  

(Wikipedia weiß da noch mehr, aber wirklich empfohlen wird die Biographie von Andrew Hodges, und die Turing-Homepage, die Hodges verwaltet.) 

Eine filmreife Biographie, voller Höchstleistungen und Widersprüche. Können wir uns Alan Turing als glücklich vorstellen? Ein Happy Mr. Turing? Es gibt ein Foto von ihm, auf dem er lacht, und aus dem die Organisatoren des Turing-Jahres 2012 ja auch das Logo gemacht haben.

Andererseits Legenden um seinen Tod: Seine Mutter, deren biographisches Buch gerade wieder neu aufgelegt wurde, hält seinen Tod für einen Unfall, Alan sei immer unvorsichtig gewesen beim Umgang mit Chemikalien…. Andererseits die schöne Legende, das Apple-Logo, der angebissene Apfel, sei zu Ehren Turings gewählt worden. Steve Jobs hat das offenbar bestritten.

LITERATUR UND KINO

Filmstoff, Romanstoff: das hat auch der Dramatiker Rolf Hochhuth erkannt, und sich gleich mal daran heftig überhoben. Seine Erzählung Alan Turing von 1987 ist literarisch schwach, biographisch fragwürdig – schlicht überflüssig. Der Kampf um “unseren” Alan Turing wird aber auch in Hollywood ausgetragen. So in dem Film “Enigma” nach dem gleichnamigen Roman von Robert Harris:

Enigma FilmDessen Filmheld “Tom Jericho” ist ein Zombie – die biographische Hülle von Alan Turing und seiner Leistungen in Bletchley Park wird mit einer heterosexuellen Lovestory und einem unrealistischen Spionagethriller gefüllt. “Er war der Mann, der den Code knacken sollte. Sie war die Frau, die er nicht entschlüsseln konnte.” So ein Unsinn. Hat Alan Turing das verdient?

Aber der nächste Film kommt schon. Auf der Biographie von Andrew Hodges basiert ein Drehbuch “The Imitation Game” von Graham Moore, das in Hollywood hoch gehandelt wurde – und in kürzester Zeit für eine Million Dollar an Warner Bros. ging. Angeblich hat Leonardo DiCaprio Interesse an der Rolle des britischen Mathegenies, Codeknackers und Computerpioniers Alan Turing. Ob und wann der Film wirklich kommt, weiß ich aber auch nicht.

“WE’RE SORRY”, BUT NO PARDON

Die Britische Regierung unter Gordon Brown hat sich 2009 – aufgrund einer Internet-Petition mit vielen Tausend Stimmen – für das Urteil über Alan Turing entschuldigt, ein großes “Sorry” also. Im offiziellen Statement wurde das Urteil “horrifying” und “utterly unfair” genannt, und man stellte fest, dass das Land bei Alan Turing in großer Schuld steht:

Tausende Leute haben sich zusammengefunden, um Gerechtigkeit zu fordern für Alan Turing und Anerkennung der abstoßenden Weise, wie er behandelt wurde. Während Turing mit den damals geltenden Gesetzen behandelt wurde und wir die Uhr nicht zurückdrehen können, war seine Behandlung trotzdem extrem ungerecht und es freut mich jetzt die Gelegenheit zu haben zu sagen, wie sehr mir und uns allen das leid tut, was ihm passiert ist.

Deshalb bin ich stolz darauf, im Namen der Britischen Regierung und all derer, die frei leben Dank Alans Werk, es tut uns leid, Du hättest es besser verdient.

(Meine Übersetzung, nach der Version im Guardian. Das Original klingt ähnlich schwammig und redundant.) 

Das war’s dann aber auch. Eine Initiative, die auf eine posthume Begnadigung hinzielt, und damit auf die offizielle Eingeständnis, dass das Urteil Unrecht war, war bisher nicht erfolgreich. Das Urteil sei damals nach geltendem Recht erfolgt. Eine Petition an die Britische Regierung läuft, sie hat inzwischen fast 35000 Unterschriften.

EINLADUNG AUF DEN CSD BERLIN 2012

 
Feiern Sie mit – auf dem Berliner CSD, der vermutlich größten Geburtstagsparty für einen Mathematiker aller Zeiten. Der schwule Mathematiker Alan Turing wird am kommenden Samstag, 23. Juni 2012, hundert Jahre alt. Für die Geburtstagsparty erwarten wir eine halbe Million Teilnehmer. Happy Birthday, Dr. Turing!

CSD Banner

 

 

 

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Experiment "Mars 500" – Virtuelles Raumschiff steht vor der "Landung"

AFP

Das Experiment „Mars 500“ im Moskauer Institut für Medizinisch-Biologische Probleme steuert auf eine entscheidende Phase zu. Das Landemodul des virtuellen Mars-Komplexes dockt heute (12. Februar) mit drei Astronauten an Bord vom Mutterraumschiff ab und geht auf dem Roten Planeten nieder.


Quelle: Wissenschaft | RP ONLINE

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"Mars 500"-Projekt: Der erste Mensch wird zum "Marsianer"

Am Samstag betritt zum ersten Mal ein Mensch den Mars. Nach einer gut achtmonatigen „Reise“ haben die Teilnehmer der „Mars 500“-Mission ihr Ziel erreicht. Der Rote Planet, auf dem sie landen, liegt allerdings in einer Halle in Moskau.
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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Epidemie: Massive Grippewelle trifft Moskau

Moskau hat mit der schlimmsten Grippewelle seit Jahren zu kämpfen. Rund 100.000 Menschen, die Hälfte davon Kinder, müssen in Kliniken behandelt werden. Die Stadtverwaltung hat jetzt alle öffentlichen Schulen für eine Woche geschlossen.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Virtuelle Mission zum Roten Planeten – Ein wirklich unwirklicher Anflug auf den Mars

ddp, ddp

Das virtuelle Mars-Raumschiff mit sechs Freiwilligen an Bord nähert sich im Moskauer Institut für Medizinisch-Biologische Probleme (IMBP) dem Roten Planeten. Am 4. Februar schwenke es in eine Kreisbahn um den Mars ein, berichten Moskauer Medien am Dienstag.


Quelle: Wissenschaft | RP ONLINE

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Ab 2013 – Russen fliegen wieder Touristen zur ISS

NASA, AP

Russland nimmt ab 2013 wieder zahlende Weltraumtouristen mit zur Internationalen Raumstation ISS. Der Raumfahrtkonzern „Energija“ in Koroljow bei Moskau werde eigens dafür eine zusätzliche fünfte „Sojus“-Kapsel pro Jahr bauen, teilte die Vermarktungsgesellschaft Space Adventures Ltd. in Vienna (Virginia) mit.


Quelle: Wissenschaft | RP ONLINE

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Raumfahrt: Nasa schickt Space Shuttles in Rente – Moskau feiert

Das Raumfahrtjahr 2011 wird für die USA und Russland sehr unterschiedlich: Moskau hofft auf neues Geld, die USA müssen um ihren Ruf bangen.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Funkkontakt zur "Sojus"-Kapsel abgebrochen: "Moskau, hört ihr uns?"

Panne auf dem Weg zur ISS: Mehrere Stunden flog eine russische „Sojus“-Kapsel ohne Kontakt zur Erde durchs All. Wegen einer technischen Panne hatte das Raumgefährt seine Funkverbindung zum Flugleitzentrum verloren.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft