Posted in WissenschaftAktuell

Auswirkungen der Pandemie auf die weltweite Energiepolitik

Der Covid-19-Ausbruch führt zu einer wirtschaftlichen Rezession, die möglicherweise schwerwiegender ausfällt als nach der Finanzkrise 2008. Damit einher geht ein weltweiter Rückgang der Energienachfrage. Wie sich die Pandemie auf den globalen Energiesektor auswirkt, ob politische Entscheidungen in der Krise den Wandel der Energiesysteme beschleunigen oder ob weiterhin auf fossile Energieträger gesetzt wird, wurde für eine aktuelle Studie des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) untersucht. Darin enthalten eine Analyse der Energiepolitik Argentiniens, Chinas, Deutschlands, Indiens, Israels und der USA.

Quelle: IDW Informatinsdienst Wissenschaft

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Welche Auswirkung hat Covid-19 auf die Weltwirtschaftsordnung?

Lieferketten kollabieren, Firmen schließen, Massenarbeitslosigkeit. Covid-19 hat eine globale Finanzkrise ausgelöst und zwingt Staaten zu nie dagewesenen Rettungsaktionen. Damit nicht genug. Die Krise stellt die Hegemonie des US-Dollars in Frage und könnte das globale Währungssystem neu definieren. Ein Team des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) hat vier Zukunftsszenarien entwickelt, die zeigen, wie sich die politischen Entscheidungen auf die Welt nach Corona auswirken.

Quelle: IDW Informatinsdienst Wissenschaft

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Helmut Schmidt: Über die Bankenkrise

Dieses Jahr wäre Helmut Schmidt 100 geworden. Bei einer Zigarette sprach er 2008 mit dem ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über die Finanzkrise. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

Posted in Technologie

Banken als Infrastruktur-Betreiber

Seit der Finanzkrise wird die Bankenbranche genauer beobachtet, kann aber weiterhin relativ frei ihren Geschäften nachgehen. Ein US-Regulierungsexperte fordert jetzt einen radikal anderen Umgang mit ihnen.

(Mehr in: Technology Review)

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Merkel auf Petersberger Klimadialog: „Die Investitionen entscheiden“

Kanzlerin Merkel sieht auch Investoren in der Pflicht, den Weltklimavertrag umzusetzen. Es wäre schön, wenn das globale Finanzsystem eine positivere Rolle spielen würde als während der Finanzkrise, sagte sie. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

Posted in WissenschaftAktuell

Psychologie-Experiment: Banken machen Banker gierig

Die Finanzkrise und viele Betrugskandale haben das Image der Banken schwer beschädigt. Ein psychologisches Experiment legt nahe, dass Unehrlichkeit ein systematisches Problem der Branche ist. (Mehr in: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft)

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Das Versprechen des Geldes. Vortrag am 15. September im Hamburger Institut für Sozialforschung

Die Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 und die daraus resultierende Finanzkrise führten der Öffentlichkeit mit schmerzhafter Nachdrücklichkeit die Fragilität des Geldes vor Augen. „Schulden und Guthaben sind Synonyme“, sagt der Philosoph Aaron Sahr, „unser Geld besteht also aus Risiko“.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Studie: Zahl der Suizide in der Finanzkrise weltweit gestiegen

Besonders in Europa und in den USA und gerade unter Männern hat die Suizidrate im Jahr 2009 stark zugenommen. Forscher sehen eine Verbindung zur Arbeitslosenzahl. (Mehr in: ZEIT ONLINE: Mehr aus Forschung und Wissenschaft)

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Wegwerfmenschen

altIn wenigen Jahren jährt sich die Abschaffung der Sklaverei in den USA zum 150ten mal. Menschen in Ketten, die zur Arbeit gezwungen werden, wirken nur noch wie ein unrühmliches Kapitel aus den Geschichtsbüchern. Dies ist allerdings ein Trugschluss, denn heutzutage leben mehr Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ob als Kinderarbeiter auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste, als Zwangsprostituierte in den Bordellen Thailands oder als Haushaltshilfen in Indien. Diese Menschen haben eins gemeinsam: ihnen wird die freie Entscheidung über ihr Leben mit Gewalt genommen. Ihre Arbeitskraft wird ausgebeutet, als wären sie ein Verbrauchsgegenstand. Zurück bleiben Leid, Elend und Verzweiflung. Sie sind Wegwerfmenschen.

Sklaverei in der modernen Welt

Der 26. Juli 1833 markiert einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Die britische Regierung verabschiedete nach jahrelangen Auseinandersetzungen den Slavery Abolition Act, der alle im Kolonialreich lebenden Sklaven die Freiheit zurückgab. Frankreich verabschiedete sich von der Sklaverei 1848, die Vereinigten Staaten folgten 1865. Sklaverei sollte eigentlich eine unrühmliche Geschichte längst vergangener Tage sein.
Obwohl die Sklaverei heute weltweit geächtet wird, schätzt das US-State Department, dass mehr als 27 Millionen Menschen in Verhältnissen leben, die als Sklaverei bezeichnet werden können. Die hohe Zahl ist erschütternd, da sie doppelt so hoch ist wie die Anzahl sämtlicher Menschen, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert von den Kolonialmächten in Afrika versklavt wurden.

Laut internationaler Charta ist Sklaverei eine Situation, in der sich eine Person oder deren Arbeitskraft im Besitz eines Dritten befindet und diese Person keine Freiheit über ihr eigenes Leben ausüben kann. Die Sklaverei nimmt heute aber unterschiedlichste Formen an, so dass eine eindeutige Definition unmöglich ist. Die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Formen von Zwangsarbeit, Ausbeutung oder Schuldknechtschaft sind häufig fließend. Unterm Strich lässt sich aber festhalten, dass Menschen, die sich in diesen Abhängigkeitsverhältnissen befinden, unter der Androhung von Gewalt gezwungen werden, eine bestimmte Tätigkeit gegen den eigenen Willen auszuüben.
Heutige sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse sind häufig davon geprägt, dass Menschen durch Schulden in starke Abhängigkeiten gelangen. Die erzwungene Arbeitsleistung ist dabei meistens eine Form der Schuldentilgung, die finanziell, religiös oder gesellschaftlich begründet wird. Da die Sklaverei weltweit geächtet wird, bewegen sich diese Menschen zudem ausschließlich in der Illegalität und damit im informellen Arbeitssektor. Rechtsansprüche auf eine angemessene Entlohnung, medizinische Versorgung oder eine legale Anerkennung ihrer Arbeitsleistung besteht nur in den seltensten Fällen.

Weltweit mehr als 9 Millionen Kindersklaven

Die International Labour Organisation schätzt, dass weltweit mehr als neun Millionen Kindersklaven existieren. Diese Zahl entspricht in etwa der Bevölkerung von Schweden. Im Jahr 2002 wurden 5,7 Millionen Mädchen und Jungen zur Arbeit und 1,8 Millionen zur Prostitution gezwungen. Zusätzlich wurden ca. 1,2 Millionen Kinder verkauft oder gehandelt. Diese Statistiken beruhen nur auf groben Schätzungen, da diese Geschäfte ausschließlich in der Schattenwirtschaft stattfinden. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist zudem ein ansteigender Trend in diesem Bereich zu beobachten.
Um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu sein, drücken gerade Textilproduzenten und landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktionskosten, indem Kinder in der Produktion zum Einsatz kommen. Als Lohn tilgen sie häufig die Schulden ihrer Familien. In Indien gibt es Fälle, in denen sich Familien bereits in der dritten Generation in Schuldknechtschaft bei einem Großgrundbesitzer befinden. Aber auch der Menschenhandel ist in einigen Regionen der Erde noch vorhanden. Preise für Kinderarbeiter in Haiti bewegen sich beispielsweise zwischen USD 30 und 50 (link). An der Gewalt, die diesen Kindern zugefügt wird, sterben jährlich mehr als 50.000. Die Tendenz ist steigend, da viele Kinder in Fabriken schuften, in denen hochgiftige Chemikalien ihren Einsatz in der Produktion finden.

Vor wenigen Jahren war ich für das indische Kinderhilfswerk Deepalaya tätig, das Schulen und Jugendeinrichtungen für Straßenkinder in Neu Delhi betreibt. Viele von den betreuten Kindern stammen aus ländlichen Regionen und sind durch Schlepperbanden in die indische Hauptstadt gelangt. Mit rosigen Aussichten wurden viele Kinder in die Textilproduktion oder in die Schrottentwertung gelockt, in der sie dann täglich bis zu 14 Stunden schufteten. Nach nur wenigen Jahren waren viele von ihnen gesundheitlich so geschädigt, dass ihre körperliche und geistige Entwicklung stark eingeschränkt ist. Körperliche Behinderungen als Folge der Gewalt und der Mangelernährung sind leider keine Seltenheit. Nachdem sie den Fabrikbesitzern nicht mehr dienlich sind, werden sie dann einfach in den Slums der Stadt ausgesetzt. Wegwerfmenschen.
   
In Nepal, Indien und Pakistan haben sich zahlreiche Organisationen gebildet, die diese Kinder vermitteln. Aufgrund hoher Geburtenraten und weit verbreiteter Armut auf dem Land geben Familien ihr viertes oder fünftes Kind in die Obhut dieser Schlepperbanden. Als Bezahlung für das Leben ihres Kindes erhalten die Eltern kleinere Geldbeträge oder Saatgut. Diese Kinder verlieren in dem Moment der Übergabe ihren rechtlichen Status, da ihre legalen Dokumente wie Geburtsurkunden oder Ausweise zerstört werden oder in den Besitz der Schlepperorganisationen übergehen. Ohne Dokumente werden die Kinder häufig in Regionen fern der eigenen Heimat verschleppt und dort zur Arbeit gezwungen.

Besonders erschreckend ist dabei die hohe Anzahl von Kindern, die als Zwangsprostituierte in den Bordellen der Großstädte gelangen. Die thailändische Regierung hat vor ein paar Jahren festgestellt, dass das Eintrittsalter von Prostituierten immer weiter absinkt. Die weit verbreitete Angst vor HIV/AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten verleitet die Freier zur naiven Annahme, dass eine Übertragung dieser Krankheiten vermieden werden kann, wenn besonders junge Prostituierte zum Einsatz kommen. Immer wieder geistern Schauergeschichten durch die Medien, wie die der jungen Dalyn. Die BBC berichtete vor ein paar Jahren, dass das junge Mädchen über Wochen in einem Käfig im Keller eines kambodschanischen Bordells eingesperrt, geschlagen und missbraucht wurde, bis sie einwilligte als Prostituierte zu arbeiten. Ein weiterer Fall beschäftigte sich mit Eltern in Ghana, die ihre Kinder für umgerechnet USD 50 an Plantagenbesitzer verkaufen. Perspektivlos schuften diese dann auf den Kakaoplantagen des Landes. Armut, der Mangel an ökonomischen Alternativen und ein Gesellschaftsbild, welches besonders den Mädchen keine Bildung oder Freiheit in der Gestaltung ihres Lebens zugesteht, sind meist die Ursachen für die Versklavung von Kindern.

Insbesondere die Finanzkrise von 2008 und der damit einhergehenden Wirtschaftseinbruch in vielen strukturschwachen Regionen in Afrika, Asien und Südamerika hat in der Folge die Zahl der erzwungenen Beschäftigungsverhältnisse erhöht. Psychische und physische Folgen drücken sich besonders in Analphabetismus, Lernschwächen und dem Alkohol- und Drogenmissbrauch aus. Professor Paulo Pinheiro, der Verantwortliche der UN Studie „Violence Against Children“ , sieht in der Vermeidung von Kinderarbeit den besten Weg, Gewalt an Kindern zu verhindern. Dafür müssen allerdings alle Staaten in die Pflicht genommen werden, damit die Verantwortlichen von sklavenähnlichen Abhängigkeitsverhältnissen hart bestrafen werden, denn, so führt es die ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour aus, Gewalt gegen Kinder ist durch nichts in der Welt zu rechtfertigen.

Internationale Verpflichtung

Trotz internationalen Vereinbarungen von Regierungen, Herstellern und Produzenten gegen Kinderarbeit auf den betroffenen Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste im Jahre 2001, hat sich die Zahl der arbeitenden Kinder nicht gravierend verändert. Ein historisch niedriger Kakaopreis veranlasste die Plantagenbesitzer sogar vermehrt auf billige Arbeitskräfte zurück zugreifen, wie die BBC im Jahre 2006 berichtete. Um die erzwungene Arbeit in der Kakaoindustrie zu verringern, haben sich die großen Produzenten wie Cadbury, Nestle und Kraft Foods aber dazu verpflichtet bis 2020 nur noch Kakao zu verwenden, der ein Fair Trade Siegel besitzt, welches Kinderarbeit in der Produktion ausschließt. Der Verbraucher muss allerdings auch bereit sein, höherer Preise für Schokolade zu akzeptieren. Insbesondere in den vergangenen Jahren scheint sich da wenigstens in Europa einiges getan zu haben (link).

Auch in der Textilproduktion wächst der Druck auf internationale Produzenten. Organisationen wie Anti-Slavery International, Free the Slaves und Stop the Traffik engagieren sich für Mindeststandards in der Textilproduktion. Demzufolge haben sich viele internationale Unternehmen dazu verpflichtet, nicht mehr bei Zulieferern einzukaufen, in denen Menschen und vor allem Kinder unter Zwang arbeiten. Dass diese Standards nicht immer eingehalten werden, zeigten in den vergangenen Wochen die Fälle Takko und KIK. Aber der Druck der westlichen Konsumenten wächst, je häufiger diese Themen in den Medien auftauchen.

Ein hartes Vorgehen gegen Kinderarbeit und Sklavenarbeit ist derzeit in Brasilien zu beobachten. Alle Unternehmen, die gewisse Produktionsstandards nicht einhalten, werden auf einer öffentlichen „dirty list“ vermerkt. Diese Unternehmen müssen hohe Geldstrafen bezahlen und verlieren die Möglichkeit, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Es wird sich zeigen, ob dieses Vorgehen erfolgreich ist und gleichzeitig Vorbildcharakter für andere Staaten besitzt.

Weitere Artikel

1. More slaves now than at any other time in history

2. Nigeria: Child Labour On the Increase

3. The world of modern child slavery

4. Globalization’s Ugly Side: Sex Slavery

Foto: www.pixelio.de

Der Beitrag Wegwerfmenschen erschien zuerst auf GEO-LOG.

(Mehr in: GEO-LOG)

Posted in Wissen

Wegwerfmenschen

altIn wenigen Jahren jährt sich die Abschaffung der Sklaverei in den USA zum 150ten mal. Menschen in Ketten, die zur Arbeit gezwungen werden, wirken nur noch wie ein unrühmliches Kapitel aus den Geschichtsbüchern. Dies ist allerdings ein Trugschluss, denn heutzutage leben mehr Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ob als Kinderarbeiter auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste, als Zwangsprostituierte in den Bordellen Thailands oder als Haushaltshilfen in Indien. Diese Menschen haben eins gemeinsam: ihnen wird die freie Entscheidung über ihr Leben mit Gewalt genommen. Ihre Arbeitskraft wird ausgebeutet, als wären sie ein Verbrauchsgegenstand. Zurück bleiben Leid, Elend und Verzweiflung. Sie sind Wegwerfmenschen.

Sklaverei in der modernen Welt

Der 26. Juli 1833 markiert einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Die britische Regierung verabschiedete nach jahrelangen Auseinandersetzungen den Slavery Abolition Act, der alle im Kolonialreich lebenden Sklaven die Freiheit zurückgab. Frankreich verabschiedete sich von der Sklaverei 1848, die Vereinigten Staaten folgten 1865. Sklaverei sollte eigentlich eine unrühmliche Geschichte längst vergangener Tage sein.
Obwohl die Sklaverei heute weltweit geächtet wird, schätzt das US-State Department, dass mehr als 27 Millionen Menschen in Verhältnissen leben, die als Sklaverei bezeichnet werden können. Die hohe Zahl ist erschütternd, da sie doppelt so hoch ist wie die Anzahl sämtlicher Menschen, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert von den Kolonialmächten in Afrika versklavt wurden.

Laut internationaler Charta ist Sklaverei eine Situation, in der sich eine Person oder deren Arbeitskraft im Besitz eines Dritten befindet und diese Person keine Freiheit über ihr eigenes Leben ausüben kann. Die Sklaverei nimmt heute aber unterschiedlichste Formen an, so dass eine eindeutige Definition unmöglich ist. Die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Formen von Zwangsarbeit, Ausbeutung oder Schuldknechtschaft sind häufig fließend. Unterm Strich lässt sich aber festhalten, dass Menschen, die sich in diesen Abhängigkeitsverhältnissen befinden, unter der Androhung von Gewalt gezwungen werden, eine bestimmte Tätigkeit gegen den eigenen Willen auszuüben.
Heutige sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse sind häufig davon geprägt, dass Menschen durch Schulden in starke Abhängigkeiten gelangen. Die erzwungene Arbeitsleistung ist dabei meistens eine Form der Schuldentilgung, die finanziell, religiös oder gesellschaftlich begründet wird. Da die Sklaverei weltweit geächtet wird, bewegen sich diese Menschen zudem ausschließlich in der Illegalität und damit im informellen Arbeitssektor. Rechtsansprüche auf eine angemessene Entlohnung, medizinische Versorgung oder eine legale Anerkennung ihrer Arbeitsleistung besteht nur in den seltensten Fällen.

Weltweit mehr als 9 Millionen Kindersklaven

Die International Labour Organisation schätzt, dass weltweit mehr als neun Millionen Kindersklaven existieren. Diese Zahl entspricht in etwa der Bevölkerung von Schweden. Im Jahr 2002 wurden 5,7 Millionen Mädchen und Jungen zur Arbeit und 1,8 Millionen zur Prostitution gezwungen. Zusätzlich wurden ca. 1,2 Millionen Kinder verkauft oder gehandelt. Diese Statistiken beruhen nur auf groben Schätzungen, da diese Geschäfte ausschließlich in der Schattenwirtschaft stattfinden. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist zudem ein ansteigender Trend in diesem Bereich zu beobachten.
Um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu sein, drücken gerade Textilproduzenten und landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktionskosten, indem Kinder in der Produktion zum Einsatz kommen. Als Lohn tilgen sie häufig die Schulden ihrer Familien. In Indien gibt es Fälle, in denen sich Familien bereits in der dritten Generation in Schuldknechtschaft bei einem Großgrundbesitzer befinden. Aber auch der Menschenhandel ist in einigen Regionen der Erde noch vorhanden. Preise für Kinderarbeiter in Haiti bewegen sich beispielsweise zwischen USD 30 und 50 (link). An der Gewalt, die diesen Kindern zugefügt wird, sterben jährlich mehr als 50.000. Die Tendenz ist steigend, da viele Kinder in Fabriken schuften, in denen hochgiftige Chemikalien ihren Einsatz in der Produktion finden.

Vor wenigen Jahren war ich für das indische Kinderhilfswerk Deepalaya tätig, das Schulen und Jugendeinrichtungen für Straßenkinder in Neu Delhi betreibt. Viele von den betreuten Kindern stammen aus ländlichen Regionen und sind durch Schlepperbanden in die indische Hauptstadt gelangt. Mit rosigen Aussichten wurden viele Kinder in die Textilproduktion oder in die Schrottentwertung gelockt, in der sie dann täglich bis zu 14 Stunden schufteten. Nach nur wenigen Jahren waren viele von ihnen gesundheitlich so geschädigt, dass ihre körperliche und geistige Entwicklung stark eingeschränkt ist. Körperliche Behinderungen als Folge der Gewalt und der Mangelernährung sind leider keine Seltenheit. Nachdem sie den Fabrikbesitzern nicht mehr dienlich sind, werden sie dann einfach in den Slums der Stadt ausgesetzt. Wegwerfmenschen.
   
In Nepal, Indien und Pakistan haben sich zahlreiche Organisationen gebildet, die diese Kinder vermitteln. Aufgrund hoher Geburtenraten und weit verbreiteter Armut auf dem Land geben Familien ihr viertes oder fünftes Kind in die Obhut dieser Schlepperbanden. Als Bezahlung für das Leben ihres Kindes erhalten die Eltern kleinere Geldbeträge oder Saatgut. Diese Kinder verlieren in dem Moment der Übergabe ihren rechtlichen Status, da ihre legalen Dokumente wie Geburtsurkunden oder Ausweise zerstört werden oder in den Besitz der Schlepperorganisationen übergehen. Ohne Dokumente werden die Kinder häufig in Regionen fern der eigenen Heimat verschleppt und dort zur Arbeit gezwungen.

Besonders erschreckend ist dabei die hohe Anzahl von Kindern, die als Zwangsprostituierte in den Bordellen der Großstädte gelangen. Die thailändische Regierung hat vor ein paar Jahren festgestellt, dass das Eintrittsalter von Prostituierten immer weiter absinkt. Die weit verbreitete Angst vor HIV/AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten verleitet die Freier zur naiven Annahme, dass eine Übertragung dieser Krankheiten vermieden werden kann, wenn besonders junge Prostituierte zum Einsatz kommen. Immer wieder geistern Schauergeschichten durch die Medien, wie die der jungen Dalyn. Die BBC berichtete vor ein paar Jahren, dass das junge Mädchen über Wochen in einem Käfig im Keller eines kambodschanischen Bordells eingesperrt, geschlagen und missbraucht wurde, bis sie einwilligte als Prostituierte zu arbeiten. Ein weiterer Fall beschäftigte sich mit Eltern in Ghana, die ihre Kinder für umgerechnet USD 50 an Plantagenbesitzer verkaufen. Perspektivlos schuften diese dann auf den Kakaoplantagen des Landes. Armut, der Mangel an ökonomischen Alternativen und ein Gesellschaftsbild, welches besonders den Mädchen keine Bildung oder Freiheit in der Gestaltung ihres Lebens zugesteht, sind meist die Ursachen für die Versklavung von Kindern.

Insbesondere die Finanzkrise von 2008 und der damit einhergehenden Wirtschaftseinbruch in vielen strukturschwachen Regionen in Afrika, Asien und Südamerika hat in der Folge die Zahl der erzwungenen Beschäftigungsverhältnisse erhöht. Psychische und physische Folgen drücken sich besonders in Analphabetismus, Lernschwächen und dem Alkohol- und Drogenmissbrauch aus. Professor Paulo Pinheiro, der Verantwortliche der UN Studie „Violence Against Children“ , sieht in der Vermeidung von Kinderarbeit den besten Weg, Gewalt an Kindern zu verhindern. Dafür müssen allerdings alle Staaten in die Pflicht genommen werden, damit die Verantwortlichen von sklavenähnlichen Abhängigkeitsverhältnissen hart bestrafen werden, denn, so führt es die ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour aus, Gewalt gegen Kinder ist durch nichts in der Welt zu rechtfertigen.

Internationale Verpflichtung

Trotz internationalen Vereinbarungen von Regierungen, Herstellern und Produzenten gegen Kinderarbeit auf den betroffenen Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste im Jahre 2001, hat sich die Zahl der arbeitenden Kinder nicht gravierend verändert. Ein historisch niedriger Kakaopreis veranlasste die Plantagenbesitzer sogar vermehrt auf billige Arbeitskräfte zurück zugreifen, wie die BBC im Jahre 2006 berichtete. Um die erzwungene Arbeit in der Kakaoindustrie zu verringern, haben sich die großen Produzenten wie Cadbury, Nestle und Kraft Foods aber dazu verpflichtet bis 2020 nur noch Kakao zu verwenden, der ein Fair Trade Siegel besitzt, welches Kinderarbeit in der Produktion ausschließt. Der Verbraucher muss allerdings auch bereit sein, höherer Preise für Schokolade zu akzeptieren. Insbesondere in den vergangenen Jahren scheint sich da wenigstens in Europa einiges getan zu haben (link).

Auch in der Textilproduktion wächst der Druck auf internationale Produzenten. Organisationen wie Anti-Slavery International, Free the Slaves und Stop the Traffik engagieren sich für Mindeststandards in der Textilproduktion. Demzufolge haben sich viele internationale Unternehmen dazu verpflichtet, nicht mehr bei Zulieferern einzukaufen, in denen Menschen und vor allem Kinder unter Zwang arbeiten. Dass diese Standards nicht immer eingehalten werden, zeigten in den vergangenen Wochen die Fälle Takko und KIK. Aber der Druck der westlichen Konsumenten wächst, je häufiger diese Themen in den Medien auftauchen.

Ein hartes Vorgehen gegen Kinderarbeit und Sklavenarbeit ist derzeit in Brasilien zu beobachten. Alle Unternehmen, die gewisse Produktionsstandards nicht einhalten, werden auf einer öffentlichen „dirty list“ vermerkt. Diese Unternehmen müssen hohe Geldstrafen bezahlen und verlieren die Möglichkeit, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Es wird sich zeigen, ob dieses Vorgehen erfolgreich ist und gleichzeitig Vorbildcharakter für andere Staaten besitzt.

Weitere Artikel

1. More slaves now than at any other time in history

2. Nigeria: Child Labour On the Increase

3. The world of modern child slavery

4. Globalization’s Ugly Side: Sex Slavery

Foto: www.pixelio.de

(Mehr in: GEO-LOG)

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Wegwerfmenschen

altIn wenigen Jahren jährt sich die Abschaffung der Sklaverei in den USA zum 150ten mal. Menschen in Ketten, die zur Arbeit gezwungen werden, wirken nur noch wie ein unrühmliches Kapitel aus den Geschichtsbüchern. Dies ist allerdings ein Trugschluss, denn heutzutage leben mehr Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ob als Kinderarbeiter auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste, als Zwangsprostituierte in den Bordellen Thailands oder als Haushaltshilfen in Indien. Diese Menschen haben eins gemeinsam: ihnen wird die freie Entscheidung über ihr Leben mit Gewalt genommen. Ihre Arbeitskraft wird ausgebeutet, als wären sie ein Verbrauchsgegenstand. Zurück bleiben Leid, Elend und Verzweiflung. Sie sind Wegwerfmenschen.

Sklaverei in der modernen Welt

Der 26. Juli 1833 markiert einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Die britische Regierung verabschiedete nach jahrelangen Auseinandersetzungen den Slavery Abolition Act, der alle im Kolonialreich lebenden Sklaven die Freiheit zurückgab. Frankreich verabschiedete sich von der Sklaverei 1848, die Vereinigten Staaten folgten 1865. Sklaverei sollte eigentlich eine unrühmliche Geschichte längst vergangener Tage sein.
Obwohl die Sklaverei heute weltweit geächtet wird, schätzt das US-State Department, dass mehr als 27 Millionen Menschen in Verhältnissen leben, die als Sklaverei bezeichnet werden können. Die hohe Zahl ist erschütternd, da sie doppelt so hoch ist wie die Anzahl sämtlicher Menschen, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert von den Kolonialmächten in Afrika versklavt wurden.

Laut internationaler Charta ist Sklaverei eine Situation, in der sich eine Person oder deren Arbeitskraft im Besitz eines Dritten befindet und diese Person keine Freiheit über ihr eigenes Leben ausüben kann. Die Sklaverei nimmt heute aber unterschiedlichste Formen an, so dass eine eindeutige Definition unmöglich ist. Die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Formen von Zwangsarbeit, Ausbeutung oder Schuldknechtschaft sind häufig fließend. Unterm Strich lässt sich aber festhalten, dass Menschen, die sich in diesen Abhängigkeitsverhältnissen befinden, unter der Androhung von Gewalt gezwungen werden, eine bestimmte Tätigkeit gegen den eigenen Willen auszuüben.
Heutige sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse sind häufig davon geprägt, dass Menschen durch Schulden in starke Abhängigkeiten gelangen. Die erzwungene Arbeitsleistung ist dabei meistens eine Form der Schuldentilgung, die finanziell, religiös oder gesellschaftlich begründet wird. Da die Sklaverei weltweit geächtet wird, bewegen sich diese Menschen zudem ausschließlich in der Illegalität und damit im informellen Arbeitssektor. Rechtsansprüche auf eine angemessene Entlohnung, medizinische Versorgung oder eine legale Anerkennung ihrer Arbeitsleistung besteht nur in den seltensten Fällen.

Weltweit mehr als 9 Millionen Kindersklaven

Die International Labour Organisation schätzt, dass weltweit mehr als neun Millionen Kindersklaven existieren. Diese Zahl entspricht in etwa der Bevölkerung von Schweden. Im Jahr 2002 wurden 5,7 Millionen Mädchen und Jungen zur Arbeit und 1,8 Millionen zur Prostitution gezwungen. Zusätzlich wurden ca. 1,2 Millionen Kinder verkauft oder gehandelt. Diese Statistiken beruhen nur auf groben Schätzungen, da diese Geschäfte ausschließlich in der Schattenwirtschaft stattfinden. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist zudem ein ansteigender Trend in diesem Bereich zu beobachten.
Um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu sein, drücken gerade Textilproduzenten und landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktionskosten, indem Kinder in der Produktion zum Einsatz kommen. Als Lohn tilgen sie häufig die Schulden ihrer Familien. In Indien gibt es Fälle, in denen sich Familien bereits in der dritten Generation in Schuldknechtschaft bei einem Großgrundbesitzer befinden. Aber auch der Menschenhandel ist in einigen Regionen der Erde noch vorhanden. Preise für Kinderarbeiter in Haiti bewegen sich beispielsweise zwischen USD 30 und 50 (link). An der Gewalt, die diesen Kindern zugefügt wird, sterben jährlich mehr als 50.000. Die Tendenz ist steigend, da viele Kinder in Fabriken schuften, in denen hochgiftige Chemikalien ihren Einsatz in der Produktion finden.

Vor wenigen Jahren war ich für das indische Kinderhilfswerk Deepalaya tätig, das Schulen und Jugendeinrichtungen für Straßenkinder in Neu Delhi betreibt. Viele von den betreuten Kindern stammen aus ländlichen Regionen und sind durch Schlepperbanden in die indische Hauptstadt gelangt. Mit rosigen Aussichten wurden viele Kinder in die Textilproduktion oder in die Schrottentwertung gelockt, in der sie dann täglich bis zu 14 Stunden schufteten. Nach nur wenigen Jahren waren viele von ihnen gesundheitlich so geschädigt, dass ihre körperliche und geistige Entwicklung stark eingeschränkt ist. Körperliche Behinderungen als Folge der Gewalt und der Mangelernährung sind leider keine Seltenheit. Nachdem sie den Fabrikbesitzern nicht mehr dienlich sind, werden sie dann einfach in den Slums der Stadt ausgesetzt. Wegwerfmenschen.
   
In Nepal, Indien und Pakistan haben sich zahlreiche Organisationen gebildet, die diese Kinder vermitteln. Aufgrund hoher Geburtenraten und weit verbreiteter Armut auf dem Land geben Familien ihr viertes oder fünftes Kind in die Obhut dieser Schlepperbanden. Als Bezahlung für das Leben ihres Kindes erhalten die Eltern kleinere Geldbeträge oder Saatgut. Diese Kinder verlieren in dem Moment der Übergabe ihren rechtlichen Status, da ihre legalen Dokumente wie Geburtsurkunden oder Ausweise zerstört werden oder in den Besitz der Schlepperorganisationen übergehen. Ohne Dokumente werden die Kinder häufig in Regionen fern der eigenen Heimat verschleppt und dort zur Arbeit gezwungen.

Besonders erschreckend ist dabei die hohe Anzahl von Kindern, die als Zwangsprostituierte in den Bordellen der Großstädte gelangen. Die thailändische Regierung hat vor ein paar Jahren festgestellt, dass das Eintrittsalter von Prostituierten immer weiter absinkt. Die weit verbreitete Angst vor HIV/AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten verleitet die Freier zur naiven Annahme, dass eine Übertragung dieser Krankheiten vermieden werden kann, wenn besonders junge Prostituierte zum Einsatz kommen. Immer wieder geistern Schauergeschichten durch die Medien, wie die der jungen Dalyn. Die BBC berichtete vor ein paar Jahren, dass das junge Mädchen über Wochen in einem Käfig im Keller eines kambodschanischen Bordells eingesperrt, geschlagen und missbraucht wurde, bis sie einwilligte als Prostituierte zu arbeiten. Ein weiterer Fall beschäftigte sich mit Eltern in Ghana, die ihre Kinder für umgerechnet USD 50 an Plantagenbesitzer verkaufen. Perspektivlos schuften diese dann auf den Kakaoplantagen des Landes. Armut, der Mangel an ökonomischen Alternativen und ein Gesellschaftsbild, welches besonders den Mädchen keine Bildung oder Freiheit in der Gestaltung ihres Lebens zugesteht, sind meist die Ursachen für die Versklavung von Kindern.

Insbesondere die Finanzkrise von 2008 und der damit einhergehenden Wirtschaftseinbruch in vielen strukturschwachen Regionen in Afrika, Asien und Südamerika hat in der Folge die Zahl der erzwungenen Beschäftigungsverhältnisse erhöht. Psychische und physische Folgen drücken sich besonders in Analphabetismus, Lernschwächen und dem Alkohol- und Drogenmissbrauch aus. Professor Paulo Pinheiro, der Verantwortliche der UN Studie „Violence Against Children“ , sieht in der Vermeidung von Kinderarbeit den besten Weg, Gewalt an Kindern zu verhindern. Dafür müssen allerdings alle Staaten in die Pflicht genommen werden, damit die Verantwortlichen von sklavenähnlichen Abhängigkeitsverhältnissen hart bestrafen werden, denn, so führt es die ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour aus, Gewalt gegen Kinder ist durch nichts in der Welt zu rechtfertigen.

Internationale Verpflichtung

Trotz internationalen Vereinbarungen von Regierungen, Herstellern und Produzenten gegen Kinderarbeit auf den betroffenen Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste im Jahre 2001, hat sich die Zahl der arbeitenden Kinder nicht gravierend verändert. Ein historisch niedriger Kakaopreis veranlasste die Plantagenbesitzer sogar vermehrt auf billige Arbeitskräfte zurück zugreifen, wie die BBC im Jahre 2006 berichtete. Um die erzwungene Arbeit in der Kakaoindustrie zu verringern, haben sich die großen Produzenten wie Cadbury, Nestle und Kraft Foods aber dazu verpflichtet bis 2020 nur noch Kakao zu verwenden, der ein Fair Trade Siegel besitzt, welches Kinderarbeit in der Produktion ausschließt. Der Verbraucher muss allerdings auch bereit sein, höherer Preise für Schokolade zu akzeptieren. Insbesondere in den vergangenen Jahren scheint sich da wenigstens in Europa einiges getan zu haben (link).

Auch in der Textilproduktion wächst der Druck auf internationale Produzenten. Organisationen wie Anti-Slavery International, Free the Slaves und Stop the Traffik engagieren sich für Mindeststandards in der Textilproduktion. Demzufolge haben sich viele internationale Unternehmen dazu verpflichtet, nicht mehr bei Zulieferern einzukaufen, in denen Menschen und vor allem Kinder unter Zwang arbeiten. Dass diese Standards nicht immer eingehalten werden, zeigten in den vergangenen Wochen die Fälle Takko und KIK. Aber der Druck der westlichen Konsumenten wächst, je häufiger diese Themen in den Medien auftauchen.

Ein hartes Vorgehen gegen Kinderarbeit und Sklavenarbeit ist derzeit in Brasilien zu beobachten. Alle Unternehmen, die gewisse Produktionsstandards nicht einhalten, werden auf einer öffentlichen „dirty list“ vermerkt. Diese Unternehmen müssen hohe Geldstrafen bezahlen und verlieren die Möglichkeit, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Es wird sich zeigen, ob dieses Vorgehen erfolgreich ist und gleichzeitig Vorbildcharakter für andere Staaten besitzt.

Weitere Artikel

1. More slaves now than at any other time in history

2. Nigeria: Child Labour On the Increase

3. The world of modern child slavery

4. Globalization’s Ugly Side: Sex Slavery

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Privatvermögen nimmt zu: Deutschlands Reiche werden immer reicher

Rund 10 Billionen Euro sind inzwischen in privater Hand. Tendenz steigend. Trotz Finanzkrise vermehren die Deutschen Jahr für Jahr ihr Vermögen. Der Staat verliert dagegen an finanzieller Substanz.
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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Raumfahrt: Warum Raketenbauer die Euro-Krise fürchten

Die Trägerrakete Ariane-5 ermöglicht Europa einen eigenen Zugang ins All – und das mit einem neuen Rekord in Sachen Nutzlast. Die Finanzkrise könnte Pläne für einen Nachfolger sterben lassen.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Finanzkrise und Währungsmanipulation schon vor 400 Jahren

Tübinger Doktorand veröffentlicht preisgekröntes Buch zum „Prager Münzkonsortium“
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Evolutionsbiologie: Finanzkrise verleitet Männer zum Seitensprung

Geht es Männern materiell gut, ist die Chance höher, dass sie treu sind: Ein US-Psychologe sieht den Grund in den biologischen Mechanismen der sexuellen Auslese.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Regionalökonomie im PRD (China)

Das Wort Finanzkrise ist seit 2008 aus den Schlagzeilen nicht mehr herauszudenken. Wir sind die Generation „Finanzkrise“. Für mich stellt sich die Frage, wie Entwicklungs- und Schwellenländer von den scheinbar lokalen Finanzkrisen in Nordamerika und Europa betroffen sind. In diesem Artikel richte ich mein Augenmerk auf die Regionalökonomie im Perlflussdelta (China) und verfolge die Frage, welche Auswirkungen die Finanzkrise von 2008 hatte.   

Die Ursachen der globalen Währungs- und Finanzkrise von 2008 liegen im Platzen der Spekulationsblase im nordamerikanischen Immobilienmarkt. Diese Entwicklung führte zu den Ereignissen an der Wall Street, die mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 begann. Die Hauptursachen waren undurchsichtige Finanzprodukte, der Abbau von Regulationsinstrumenten, der Zusammenbruch von Schlüsselinstitutionen und eine allgemeine Panik an den Finanzmärkten, die sich danach in einer ausgewachsenen Finanzkrise manifestierte. Aufgrund starker Netzwerke innerhalb des globalen Finanzmarktes wirkten die Ereignisse im September 2008 wie Schockwellen, die die darauffolgende Kreditklemme an den Finanzmärkten auslösten.

Die globalen Auswirkungen der Krise waren ein allgemeiner Einbruch der Wirtschaftsleistung, des Konsums und eine Schwächung des Finanzmarktes. Diese Effekte wirkten besonders schwer in Entwicklungs- und Schwellenländern, die in den vergangenen Jahren eine exportorientierte Wirtschaftspolitik betrieben haben. Aufgrund einer hohen Weltmarktintegration asiatischer Volkswirtschaften verringerten sich Wachstumsraten insbesondere in asiatischen Schwellenländern (vgl. Chen und De Lombaerde 2010: 106). In fast allen beobachteten Krisen führte ein Rückgang auf den Konsummärkten Nordamerikas, Europas und Japans zu einer Abschwächung der Wachstumsraten in Schwellenländern. Unterentwickelte institutionelle Systeme, schwache staatliche Finanzüberwachungsinstitutionen sowie anfällige einheimische Verbrauchermärkte verstärkten den Rückgang der Wirtschaftsleistung in Entwicklungs- und Schwellenländer zusätzlich.

Über die Effekte der Währungs- und Finanzkrise von 2008 in Entwicklungs- und Schwellenländer werden derzeit zahlreiche Studien veröffentlicht. Prof. Wim Naude von der United Nations Universität in Finnland hat einen sehr interessanten Beitrag hierzu geleistet. Er diskutiert unterschiedliche Kanäle, über die sich Finanzschocks in Industrienationen auf  Entwicklungs- und Schwellenländer ausbreiten.

1.    Rückgang der globalen Exporte

Der erste Kanal einer Übertragung ökonomischer Schocks manifestiert sich darin, dass es ein Rückgang im globalen Konsum zu beobachten ist, was in exportorientierten Volkswirtschaften schwere ökonomische Verwerfungen hervorrufen kann. Dieser Effekt lässt sich besonders in stark miteinander vernetzten Volkswirtschaften beobachten, wie es der französische Ökonom Jean Tirole bereits 2002 feststellte.

Die Währungs- und Finanzkrise erfasste auch die exportorientierte Wirtschaft des Perlflussdeltas (PRD) in China. Die Hintergründe und Ursachen des ökonomischen Erfolges der Region liegen in der geographischen Nähe zu Hongkong, niedrigen Lohnkosten, ausreichend Arbeitskräften, einer Exportorientierung des produzierenden Gewerbes sowie in einer starken Unterstützung durch die Politik begründet. Das Zusammenspiel dieser Elemente begünstigt eine agile Unternehmensorganisation, die sowohl informelle als auch flexible Bestandteile enthält (vgl. Revilla Diez et al. 2008: 265). Im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung verlagerten Unternehmen aus Hongkong ihre Produktion in die Städte des PRD, während der zentrale Sitz des Unternehmens, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie das Produktmarketing in Hongkong verblieben. Diese Unternehmen adaptierten etablierte Produktionsverfahren in ihrem jeweiligen Bereich und entwickelten diese konsequent weiter, um Produktionskosten zu senken und insgesamt ihre Konkurrenzfähigkeit auf internationalen Märkten auszubauen.

Im Zuge dieser Kostensenkung errangen die Unternehmen, die günstig im PRD produzierten, zunehmend Marktanteile sowohl auf dem chinesischen als auch auf internationalen Märkten (vgl. Davies 1996: 689). Seit dem Beitritt Chinas zur WTO 2001 beschleunigte sich der Verlagerungsprozess von Produktionsstätten in das PRD zunehmend. Die Ursache hierfür ist eine stärkere Integration der Wirtschaft Hongkongs in die des PRD. Gemeinsame Planungs- und Steuerungsprojekte der Regierungen in Hongkong und Guangdong treiben diesen Prozess weiter voran (vgl. Meyer 2008: 25). Dieses Geschäftsmodell wird in der Literatur auch als „Hong Kong Model“ oder „front office – back factory“ bezeichnet. In den vergangenen Jahren betreiben jedoch nicht nur Unternehmen aus Hongkong dieses Geschäftsmodell, sondern auch Unternehmen aus Taiwan haben diese Geschäftsstrategie erfolgreich adaptiert. Produktionsstätten im PRD importieren hauptsächlich Rohmaterialien, Ausrüstungsgegenstände sowie zentrale technologische Kernkomponenten, während Endprodukte exportiert werden (vgl. Hürtgen et al. 2009: 123f.; Meyer et al. 2009: 229f.; Lai 2010: 58). Der Exportsektor ist eine Schlüsselkomponente für den Erfolg des PRD. Ein Großteil des Wirtschaftswachstums im PRD ist abhängig von dessen Entwicklung. Aufgrund des Rückgangs der Weltkonjunktur, bedingt durch den Einbruch des Konsums in Nordamerika, Europa und Japan in der zweiten Hälfte 2008, verzeichneten auch die exportorientierten Industrien in China einen signifikanten Einbruch in der Wirtschaftsleistung (vgl. Spence 2009: 504).

Laut IMF verzeichnete das Welthandelsvolumen 2009 einen Rückgang von 12,3%, während 2008 noch ein Wachstum von 2,8% vorherrschte. Diese Krise manifestierte sich viel stärker in der chinesischen Wirtschaft, als dies noch während der Asienkrise 1997 der Fall gewesen ist. Dies liegt darin begründet, dass die chinesische Wirtschaft 2009 viel stärker in die Weltwirtschaft integriert war. Die geographische Verteilung der chinesischen Exporte veränderte sich in diesem Zeitraum signifikant. Fast die Hälfte aller Exporte hatte noch 1991 als Ziel Hongkong. Fast zwei Dekaden später hat sich diese Verteilung komplett verändert. Die wichtigsten Empfänger der Exporte PRD waren 2008 die EU (20,07%), die USA (18,39%), Hongkong (13,59%) und Japan (8,12%) (vgl. Chou et al. 2009: 534). Infolge eines Einbruchs des Welthandelsvolumens war demnach die Exportindustrie insgesamt stärker betroffen.  

2.    Zusammenbrüche im Bankensektor

Als zweiter Kanal können Zusammenbrüche von Banken zu einer verringerten Kreditvergabe an Unternehmen führen. Eine verringerte Kreditvergabe hat direkte Auswirkungen auf den produzierenden Sektor und den internationalen Handel, da viele Unternehmen für ihre Produktion Kredite benötigen. In Einklang mit Naude’s (2009) Argumentation schlussfolgern Dell’Ariccia et al. (2008), dass während Finanzkrisen besonders Unternehmen, die auf externe Finanzierung angewiesen sind, große Probleme haben. Dies gilt besonders im Vergleich zu Unternehmen, die nicht auf externe Finanzierungsquellen angewiesen sind. Die Ursachen für diesen Zusammenhang liegen darin begründet, dass viele Unternehmen ihre Betriebsmittel durch kurzfristige Kredite finanzieren. Wenn in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken ins Stocken gerät und eine erhöhte Unsicherheit auf den Finanzmärkten vorherrscht, geraten gerade diese Unternehmen schnell in finanzielle Engpässe. Die Autoren schätzen, dass ca. 90 Prozent des Welthandels durch kurzfristige Kredite finanziert wird. Eine Kreditklemme auf den wichtigen globalen Finanzplätzen kann daher zu starken Einbrüchen im Welthandel führen.

Im Falle Chinas war keine Kreditklemme der chinesischen Banken zu beobachten. Die Ursachen hierfür liegen in der starken Regulierung des chinesischen Finanzsystems. Die Zentralregierung in Beijing hat in den vergangenen Jahren die Finanzwirtschaft nur sehr langsam liberalisiert. Große Marktanteile in China halten staatliche Banken, die von der Zentralregierung gesteuert werden. Ausländische Banken dagegen nehmen in der Unternehmensfinanzierung nur eine untergeordnete Bedeutung ein. Zudem ist der chinesische Markt stark reguliert und der Handel mit ausländischen Derivaten sehr gering (vgl. Naude 2009: 7). Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die chinesischen Banken die Kreditvergabe nicht zurückfuhren, sondern diese in der Krise weiter ausdehnten, um den Markt mit der benötigten Liquidität zu versorgen. Im Vergleich zum Juli 2008 wuchs die Kreditvergabe chinesischer Banken im Juli 2009 um beeindruckende 34,4% (vgl. Sun 2009: 32).
Die Börsen in Shenzhen, Shanghai und Hongkong zeigten sich zudem sehr robust, obwohl diese Indizes durch die Währungs- und Finanzkrise unter Druck gerieten. Sie entwickelten sich stabiler als vergleichbare Indizes in Südostasien. Eine Abschwächung dieser Handelsplätze setzte allerdings 2007 ein und sie erreichten einen Tiefststand im vierten Quartal 2008 (vgl. Shenzhen Stock Exchange 2010).

3.    Rückgang der globalen Kapitalströme

Als dritten Kanal definiert Naude (2009: 6) das Einbrechen von Kapitalströmen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer. Private Investitionen und Rücküberweisungen in Entwicklungsländer fielen 2009 dramatisch um geschätzte 300 bis 400 Milliarden US$. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass neben Rücküberweisungen auch Entwicklungshilfezahlungen 2009 stark rückläufig waren.
Chen und Lombaerde (2010: 98f.) weisen nach, dass der Rückgang von ausländischen Investitionen einer der Hauptgründe für den wirtschaftlichen Einbruch in Südostasien war. Und das, obwohl sich die finanziellen Institutionen in einem relativ gesunden Zustand befanden. Ihre Beteiligung am Handel mit amerikanischen Derivaten war limitiert. Die Finanzkrise hatte signifikante Auswirkungen auf die globalen Kapitalströme. Nach einer Phase des stetigen Wachstums im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 fielen globale ausländische Direktinvestitionen (ADI) 2008 um ca. 14% geringer aus. Insgesamt betrug deren globales Volumen 1.697 Mrd. US$. In der ersten Hälfte 2009 fielen diese zudem mit beschleunigter Rate (vgl. UNCTAD 2009: 3f.).
In den vergangenen zwei Dekaden entwickelten sich ADI zu einem wichtigen Element für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Seit 1993 wuchsen die eingehenden ADI nach China stetig an. Bereits 2001 war China, noch vor den USA, der weltweit größte Empfänger von ADI (vgl. Fan et al. 2009: 854). Whalley und Xin (2010: 134) schlussfolgern, dass der Anteil von ausländisch finanzierten Unternehmen in China ca. 20% beträgt. Diese tragen mit 40% zum chinesischen Wirtschaftswachstum bei. Ohne ADI hätte in diesem Zeitraum das Wirtschaftswachstum in China um jährlich 3,4% geringer ausfallen müssen. Die Finanzkrise hatte also einen signifikanten Effekt auf die Kapitalströme nach China. Diese fielen um 20,56% von 27.414 Millionen US$ im ersten Quartal 2008 auf 21.777 Millionen US$ im ersten Quartal 2009 (vgl. UNCTAD 2009: 51).

Es lassen sich aufgrund der Argumentation von Naude drei Schlussfolgerungen ableiten:

(1)    Unternehmen mit einem hohen Exportanteil waren von den Auswirkungen der Finanzkrise stärker betroffen als Unternehmen mit einem geringeren Exportanteil.
(2)    Aufgrund der starken Regulierung des chinesischen Finanzmarktes gerieten die chinesischen Banken nicht in eine ökonomische Schieflage, weshalb die im Westen bekannte Kreditklemme nicht auftrat.
(3)    Unternehmen, die durch ausländische Investoren finanziert werden, waren den Auswirkungen der Finanzkrise stärker ausgesetzt als rein chinesische Unternehmen.

Verwendete Literatur

Chen, L.; De Lombaerde, P. 2010: The Crisis in the U.S. and the Future of East Asian Production Sharing. – Global Journal of Emerging Market Economies, 2(1): 91-108.

Chou, K.-H.; Chen, C.-H.; Mai, C.-C. 2009: A Geospatial Analysis of China’s Exports, 1991-2008. In: Eurasian Geography and Economics, 50(5), S.532-546.

Davies, H. 1996:  High IQ and Low Technology: Hong Kong’s Key to success. – Long Range Planning, 29(5): 684-690.

Dell’Ariccia, G.; Detrangiache, E.; Rajan, R. 2008: The real effect of banking crises. In: Journal of Financial Intermediation, 17(1), S.89-112.

Fan, J.P.H.; Morck, R.; Xu, L.C. 2009: Institutions and Foreign Direct Investment: China versus the Rest of the World. In: World Development, 37(4), S.852-86.

Hürtgen , S.; Lüthje, B.; Schumm, W.; Sproll, M. 2009: Von Silicon Valley nach Shenzhen. Hamburg: VSA-Verlag.

Lai, P. 2010: External Demand Decline-caused Industry Collapse in China. In: China & World Economy, 18(1), S.47-62.

Meyer, D.R. 2008: Structural Changes in the Economy of Hong Kong since 1997. In: The China Review, 8(1), S.7-29.

Meyer, S.; Schiller, D.; Revilla-Diez, J. 2009: The Janus-Faced Economy: Hong Kong Firms as Intermediaries between global Customers and local Producers in the Electronics Industry. In: Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie, 100(2), S.224-235.

Naudé, W. 2009: The Financial Crisis of 2008 and the Developing Countries. – Discussion Paper, 2009/1. World Institute for Development Economics Research. Helsinki.

Revilla Diez, J.; Schiller, D.; Meyer, S.; Liefner, I.; Brömer, C. 2008: Agile firms and their spatial organisation of business activities in the greater Pearl River Delta. In: Die Erde, 139(3), S.251-269.

Spence, M.A. 2009: The financial and economic crisis and the developing world. In: Journal of Policy Modelling, 31(4), S.502-508.

Sun, M. 2009: China: Unscathed through the Global Financial Tsunami. In: China & the World Economy, 17(6), S.24-42.

Tirole, J. 2002: Financial Crisis, Liquidity, and the International Monetary System. Princeton, Oxford: Princeton University Press.

Whalley, J.; Xin, X. 2010: China’s FDI and non-FDI economies and the sustainability of future high Chinese growth. In: China Economic Review, 21(1), S.123-135.

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Die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Regionalökonomie im PRD (China)

Das Wort Finanzkrise ist seit 2008 aus den Schlagzeilen nicht mehr herauszudenken. Wir sind die Generation „Finanzkrise“. Für mich stellt sich die Frage, wie Entwicklungs- und Schwellenländer von den scheinbar lokalen Finanzkrisen in Nordamerika und Europa betroffen sind. In diesem Artikel richte ich mein Augenmerk auf die Regionalökonomie im Perlflussdelta (China) und verfolge die Frage, welche Auswirkungen die Finanzkrise von 2008 hatte.   

Die Ursachen der globalen Währungs- und Finanzkrise von 2008 liegen im Platzen der Spekulationsblase im nordamerikanischen Immobilienmarkt. Diese Entwicklung führte zu den Ereignissen an der Wall Street, die mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 begann. Die Hauptursachen waren undurchsichtige Finanzprodukte, der Abbau von Regulationsinstrumenten, der Zusammenbruch von Schlüsselinstitutionen und eine allgemeine Panik an den Finanzmärkten, die sich danach in einer ausgewachsenen Finanzkrise manifestierte. Aufgrund starker Netzwerke innerhalb des globalen Finanzmarktes wirkten die Ereignisse im September 2008 wie Schockwellen, die die darauffolgende Kreditklemme an den Finanzmärkten auslösten.

Die globalen Auswirkungen der Krise waren ein allgemeiner Einbruch der Wirtschaftsleistung, des Konsums und eine Schwächung des Finanzmarktes. Diese Effekte wirkten besonders schwer in Entwicklungs- und Schwellenländern, die in den vergangenen Jahren eine exportorientierte Wirtschaftspolitik betrieben haben. Aufgrund einer hohen Weltmarktintegration asiatischer Volkswirtschaften verringerten sich Wachstumsraten insbesondere in asiatischen Schwellenländern (vgl. Chen und De Lombaerde 2010: 106). In fast allen beobachteten Krisen führte ein Rückgang auf den Konsummärkten Nordamerikas, Europas und Japans zu einer Abschwächung der Wachstumsraten in Schwellenländern. Unterentwickelte institutionelle Systeme, schwache staatliche Finanzüberwachungsinstitutionen sowie anfällige einheimische Verbrauchermärkte verstärkten den Rückgang der Wirtschaftsleistung in Entwicklungs- und Schwellenländer zusätzlich.

Über die Effekte der Währungs- und Finanzkrise von 2008 in Entwicklungs- und Schwellenländer werden derzeit zahlreiche Studien veröffentlicht. Prof. Wim Naude von der United Nations Universität in Finnland hat einen sehr interessanten Beitrag hierzu geleistet. Er diskutiert unterschiedliche Kanäle, über die sich Finanzschocks in Industrienationen auf  Entwicklungs- und Schwellenländer ausbreiten.

1.    Rückgang der globalen Exporte

Der erste Kanal einer Übertragung ökonomischer Schocks manifestiert sich darin, dass es ein Rückgang im globalen Konsum zu beobachten ist, was in exportorientierten Volkswirtschaften schwere ökonomische Verwerfungen hervorrufen kann. Dieser Effekt lässt sich besonders in stark miteinander vernetzten Volkswirtschaften beobachten, wie es der französische Ökonom Jean Tirole bereits 2002 feststellte.

Die Währungs- und Finanzkrise erfasste auch die exportorientierte Wirtschaft des Perlflussdeltas (PRD) in China. Die Hintergründe und Ursachen des ökonomischen Erfolges der Region liegen in der geographischen Nähe zu Hongkong, niedrigen Lohnkosten, ausreichend Arbeitskräften, einer Exportorientierung des produzierenden Gewerbes sowie in einer starken Unterstützung durch die Politik begründet. Das Zusammenspiel dieser Elemente begünstigt eine agile Unternehmensorganisation, die sowohl informelle als auch flexible Bestandteile enthält (vgl. Revilla Diez et al. 2008: 265). Im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung verlagerten Unternehmen aus Hongkong ihre Produktion in die Städte des PRD, während der zentrale Sitz des Unternehmens, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie das Produktmarketing in Hongkong verblieben. Diese Unternehmen adaptierten etablierte Produktionsverfahren in ihrem jeweiligen Bereich und entwickelten diese konsequent weiter, um Produktionskosten zu senken und insgesamt ihre Konkurrenzfähigkeit auf internationalen Märkten auszubauen.

Im Zuge dieser Kostensenkung errangen die Unternehmen, die günstig im PRD produzierten, zunehmend Marktanteile sowohl auf dem chinesischen als auch auf internationalen Märkten (vgl. Davies 1996: 689). Seit dem Beitritt Chinas zur WTO 2001 beschleunigte sich der Verlagerungsprozess von Produktionsstätten in das PRD zunehmend. Die Ursache hierfür ist eine stärkere Integration der Wirtschaft Hongkongs in die des PRD. Gemeinsame Planungs- und Steuerungsprojekte der Regierungen in Hongkong und Guangdong treiben diesen Prozess weiter voran (vgl. Meyer 2008: 25). Dieses Geschäftsmodell wird in der Literatur auch als „Hong Kong Model“ oder „front office – back factory“ bezeichnet. In den vergangenen Jahren betreiben jedoch nicht nur Unternehmen aus Hongkong dieses Geschäftsmodell, sondern auch Unternehmen aus Taiwan haben diese Geschäftsstrategie erfolgreich adaptiert. Produktionsstätten im PRD importieren hauptsächlich Rohmaterialien, Ausrüstungsgegenstände sowie zentrale technologische Kernkomponenten, während Endprodukte exportiert werden (vgl. Hürtgen et al. 2009: 123f.; Meyer et al. 2009: 229f.; Lai 2010: 58). Der Exportsektor ist eine Schlüsselkomponente für den Erfolg des PRD. Ein Großteil des Wirtschaftswachstums im PRD ist abhängig von dessen Entwicklung. Aufgrund des Rückgangs der Weltkonjunktur, bedingt durch den Einbruch des Konsums in Nordamerika, Europa und Japan in der zweiten Hälfte 2008, verzeichneten auch die exportorientierten Industrien in China einen signifikanten Einbruch in der Wirtschaftsleistung (vgl. Spence 2009: 504).

Laut IMF verzeichnete das Welthandelsvolumen 2009 einen Rückgang von 12,3%, während 2008 noch ein Wachstum von 2,8% vorherrschte. Diese Krise manifestierte sich viel stärker in der chinesischen Wirtschaft, als dies noch während der Asienkrise 1997 der Fall gewesen ist. Dies liegt darin begründet, dass die chinesische Wirtschaft 2009 viel stärker in die Weltwirtschaft integriert war. Die geographische Verteilung der chinesischen Exporte veränderte sich in diesem Zeitraum signifikant. Fast die Hälfte aller Exporte hatte noch 1991 als Ziel Hongkong. Fast zwei Dekaden später hat sich diese Verteilung komplett verändert. Die wichtigsten Empfänger der Exporte PRD waren 2008 die EU (20,07%), die USA (18,39%), Hongkong (13,59%) und Japan (8,12%) (vgl. Chou et al. 2009: 534). Infolge eines Einbruchs des Welthandelsvolumens war demnach die Exportindustrie insgesamt stärker betroffen.  

2.    Zusammenbrüche im Bankensektor

Als zweiter Kanal können Zusammenbrüche von Banken zu einer verringerten Kreditvergabe an Unternehmen führen. Eine verringerte Kreditvergabe hat direkte Auswirkungen auf den produzierenden Sektor und den internationalen Handel, da viele Unternehmen für ihre Produktion Kredite benötigen. In Einklang mit Naude’s (2009) Argumentation schlussfolgern Dell’Ariccia et al. (2008), dass während Finanzkrisen besonders Unternehmen, die auf externe Finanzierung angewiesen sind, große Probleme haben. Dies gilt besonders im Vergleich zu Unternehmen, die nicht auf externe Finanzierungsquellen angewiesen sind. Die Ursachen für diesen Zusammenhang liegen darin begründet, dass viele Unternehmen ihre Betriebsmittel durch kurzfristige Kredite finanzieren. Wenn in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken ins Stocken gerät und eine erhöhte Unsicherheit auf den Finanzmärkten vorherrscht, geraten gerade diese Unternehmen schnell in finanzielle Engpässe. Die Autoren schätzen, dass ca. 90 Prozent des Welthandels durch kurzfristige Kredite finanziert wird. Eine Kreditklemme auf den wichtigen globalen Finanzplätzen kann daher zu starken Einbrüchen im Welthandel führen.

Im Falle Chinas war keine Kreditklemme der chinesischen Banken zu beobachten. Die Ursachen hierfür liegen in der starken Regulierung des chinesischen Finanzsystems. Die Zentralregierung in Beijing hat in den vergangenen Jahren die Finanzwirtschaft nur sehr langsam liberalisiert. Große Marktanteile in China halten staatliche Banken, die von der Zentralregierung gesteuert werden. Ausländische Banken dagegen nehmen in der Unternehmensfinanzierung nur eine untergeordnete Bedeutung ein. Zudem ist der chinesische Markt stark reguliert und der Handel mit ausländischen Derivaten sehr gering (vgl. Naude 2009: 7). Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die chinesischen Banken die Kreditvergabe nicht zurückfuhren, sondern diese in der Krise weiter ausdehnten, um den Markt mit der benötigten Liquidität zu versorgen. Im Vergleich zum Juli 2008 wuchs die Kreditvergabe chinesischer Banken im Juli 2009 um beeindruckende 34,4% (vgl. Sun 2009: 32).
Die Börsen in Shenzhen, Shanghai und Hongkong zeigten sich zudem sehr robust, obwohl diese Indizes durch die Währungs- und Finanzkrise unter Druck gerieten. Sie entwickelten sich stabiler als vergleichbare Indizes in Südostasien. Eine Abschwächung dieser Handelsplätze setzte allerdings 2007 ein und sie erreichten einen Tiefststand im vierten Quartal 2008 (vgl. Shenzhen Stock Exchange 2010).

3.    Rückgang der globalen Kapitalströme

Als dritten Kanal definiert Naude (2009: 6) das Einbrechen von Kapitalströmen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer. Private Investitionen und Rücküberweisungen in Entwicklungsländer fielen 2009 dramatisch um geschätzte 300 bis 400 Milliarden US$. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass neben Rücküberweisungen auch Entwicklungshilfezahlungen 2009 stark rückläufig waren.
Chen und Lombaerde (2010: 98f.) weisen nach, dass der Rückgang von ausländischen Investitionen einer der Hauptgründe für den wirtschaftlichen Einbruch in Südostasien war. Und das, obwohl sich die finanziellen Institutionen in einem relativ gesunden Zustand befanden. Ihre Beteiligung am Handel mit amerikanischen Derivaten war limitiert. Die Finanzkrise hatte signifikante Auswirkungen auf die globalen Kapitalströme. Nach einer Phase des stetigen Wachstums im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 fielen globale ausländische Direktinvestitionen (ADI) 2008 um ca. 14% geringer aus. Insgesamt betrug deren globales Volumen 1.697 Mrd. US$. In der ersten Hälfte 2009 fielen diese zudem mit beschleunigter Rate (vgl. UNCTAD 2009: 3f.).
In den vergangenen zwei Dekaden entwickelten sich ADI zu einem wichtigen Element für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Seit 1993 wuchsen die eingehenden ADI nach China stetig an. Bereits 2001 war China, noch vor den USA, der weltweit größte Empfänger von ADI (vgl. Fan et al. 2009: 854). Whalley und Xin (2010: 134) schlussfolgern, dass der Anteil von ausländisch finanzierten Unternehmen in China ca. 20% beträgt. Diese tragen mit 40% zum chinesischen Wirtschaftswachstum bei. Ohne ADI hätte in diesem Zeitraum das Wirtschaftswachstum in China um jährlich 3,4% geringer ausfallen müssen. Die Finanzkrise hatte also einen signifikanten Effekt auf die Kapitalströme nach China. Diese fielen um 20,56% von 27.414 Millionen US$ im ersten Quartal 2008 auf 21.777 Millionen US$ im ersten Quartal 2009 (vgl. UNCTAD 2009: 51).

Es lassen sich aufgrund der Argumentation von Naude drei Schlussfolgerungen ableiten:

(1)    Unternehmen mit einem hohen Exportanteil waren von den Auswirkungen der Finanzkrise stärker betroffen als Unternehmen mit einem geringeren Exportanteil.
(2)    Aufgrund der starken Regulierung des chinesischen Finanzmarktes gerieten die chinesischen Banken nicht in eine ökonomische Schieflage, weshalb die im Westen bekannte Kreditklemme nicht auftrat.
(3)    Unternehmen, die durch ausländische Investoren finanziert werden, waren den Auswirkungen der Finanzkrise stärker ausgesetzt als rein chinesische Unternehmen.

Verwendete Literatur

Chen, L.; De Lombaerde, P. 2010: The Crisis in the U.S. and the Future of East Asian Production Sharing. – Global Journal of Emerging Market Economies, 2(1): 91-108.

Chou, K.-H.; Chen, C.-H.; Mai, C.-C. 2009: A Geospatial Analysis of China’s Exports, 1991-2008. In: Eurasian Geography and Economics, 50(5), S.532-546.

Davies, H. 1996:  High IQ and Low Technology: Hong Kong’s Key to success. – Long Range Planning, 29(5): 684-690.

Dell’Ariccia, G.; Detrangiache, E.; Rajan, R. 2008: The real effect of banking crises. In: Journal of Financial Intermediation, 17(1), S.89-112.

Fan, J.P.H.; Morck, R.; Xu, L.C. 2009: Institutions and Foreign Direct Investment: China versus the Rest of the World. In: World Development, 37(4), S.852-86.

Hürtgen , S.; Lüthje, B.; Schumm, W.; Sproll, M. 2009: Von Silicon Valley nach Shenzhen. Hamburg: VSA-Verlag.

Lai, P. 2010: External Demand Decline-caused Industry Collapse in China. In: China & World Economy, 18(1), S.47-62.

Meyer, D.R. 2008: Structural Changes in the Economy of Hong Kong since 1997. In: The China Review, 8(1), S.7-29.

Meyer, S.; Schiller, D.; Revilla-Diez, J. 2009: The Janus-Faced Economy: Hong Kong Firms as Intermediaries between global Customers and local Producers in the Electronics Industry. In: Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie, 100(2), S.224-235.

Naudé, W. 2009: The Financial Crisis of 2008 and the Developing Countries. – Discussion Paper, 2009/1. World Institute for Development Economics Research. Helsinki.

Revilla Diez, J.; Schiller, D.; Meyer, S.; Liefner, I.; Brömer, C. 2008: Agile firms and their spatial organisation of business activities in the greater Pearl River Delta. In: Die Erde, 139(3), S.251-269.

Spence, M.A. 2009: The financial and economic crisis and the developing world. In: Journal of Policy Modelling, 31(4), S.502-508.

Sun, M. 2009: China: Unscathed through the Global Financial Tsunami. In: China & the World Economy, 17(6), S.24-42.

Tirole, J. 2002: Financial Crisis, Liquidity, and the International Monetary System. Princeton, Oxford: Princeton University Press.

Whalley, J.; Xin, X. 2010: China’s FDI and non-FDI economies and the sustainability of future high Chinese growth. In: China Economic Review, 21(1), S.123-135.

(Mehr in: GEO-LOG)

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Die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Regionalökonomie im PRD (China)

Das Wort Finanzkrise ist seit 2008 aus den Schlagzeilen nicht mehr herauszudenken. Wir sind die Generation „Finanzkrise“. Für mich stellt sich die Frage, wie Entwicklungs- und Schwellenländer von den scheinbar lokalen Finanzkrisen in Nordamerika und Europa betroffen sind. In diesem Artikel richte ich mein Augenmerk auf die Regionalökonomie im Perlflussdelta (China) und verfolge die Frage, welche Auswirkungen die Finanzkrise von 2008 hatte.   

Die Ursachen der globalen Währungs- und Finanzkrise von 2008 liegen im Platzen der Spekulationsblase im nordamerikanischen Immobilienmarkt. Diese Entwicklung führte zu den Ereignissen an der Wall Street, die mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 begann. Die Hauptursachen waren undurchsichtige Finanzprodukte, der Abbau von Regulationsinstrumenten, der Zusammenbruch von Schlüsselinstitutionen und eine allgemeine Panik an den Finanzmärkten, die sich danach in einer ausgewachsenen Finanzkrise manifestierte. Aufgrund starker Netzwerke innerhalb des globalen Finanzmarktes wirkten die Ereignisse im September 2008 wie Schockwellen, die die darauffolgende Kreditklemme an den Finanzmärkten auslösten.

Die globalen Auswirkungen der Krise waren ein allgemeiner Einbruch der Wirtschaftsleistung, des Konsums und eine Schwächung des Finanzmarktes. Diese Effekte wirkten besonders schwer in Entwicklungs- und Schwellenländern, die in den vergangenen Jahren eine exportorientierte Wirtschaftspolitik betrieben haben. Aufgrund einer hohen Weltmarktintegration asiatischer Volkswirtschaften verringerten sich Wachstumsraten insbesondere in asiatischen Schwellenländern (vgl. Chen und De Lombaerde 2010: 106). In fast allen beobachteten Krisen führte ein Rückgang auf den Konsummärkten Nordamerikas, Europas und Japans zu einer Abschwächung der Wachstumsraten in Schwellenländern. Unterentwickelte institutionelle Systeme, schwache staatliche Finanzüberwachungsinstitutionen sowie anfällige einheimische Verbrauchermärkte verstärkten den Rückgang der Wirtschaftsleistung in Entwicklungs- und Schwellenländer zusätzlich.

Über die Effekte der Währungs- und Finanzkrise von 2008 in Entwicklungs- und Schwellenländer werden derzeit zahlreiche Studien veröffentlicht. Prof. Wim Naude von der United Nations Universität in Finnland hat einen sehr interessanten Beitrag hierzu geleistet. Er diskutiert unterschiedliche Kanäle, über die sich Finanzschocks in Industrienationen auf  Entwicklungs- und Schwellenländer ausbreiten.

1.    Rückgang der globalen Exporte

Der erste Kanal einer Übertragung ökonomischer Schocks manifestiert sich darin, dass es ein Rückgang im globalen Konsum zu beobachten ist, was in exportorientierten Volkswirtschaften schwere ökonomische Verwerfungen hervorrufen kann. Dieser Effekt lässt sich besonders in stark miteinander vernetzten Volkswirtschaften beobachten, wie es der französische Ökonom Jean Tirole bereits 2002 feststellte.

Die Währungs- und Finanzkrise erfasste auch die exportorientierte Wirtschaft des Perlflussdeltas (PRD) in China. Die Hintergründe und Ursachen des ökonomischen Erfolges der Region liegen in der geographischen Nähe zu Hongkong, niedrigen Lohnkosten, ausreichend Arbeitskräften, einer Exportorientierung des produzierenden Gewerbes sowie in einer starken Unterstützung durch die Politik begründet. Das Zusammenspiel dieser Elemente begünstigt eine agile Unternehmensorganisation, die sowohl informelle als auch flexible Bestandteile enthält (vgl. Revilla Diez et al. 2008: 265). Im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung verlagerten Unternehmen aus Hongkong ihre Produktion in die Städte des PRD, während der zentrale Sitz des Unternehmens, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie das Produktmarketing in Hongkong verblieben. Diese Unternehmen adaptierten etablierte Produktionsverfahren in ihrem jeweiligen Bereich und entwickelten diese konsequent weiter, um Produktionskosten zu senken und insgesamt ihre Konkurrenzfähigkeit auf internationalen Märkten auszubauen.

Im Zuge dieser Kostensenkung errangen die Unternehmen, die günstig im PRD produzierten, zunehmend Marktanteile sowohl auf dem chinesischen als auch auf internationalen Märkten (vgl. Davies 1996: 689). Seit dem Beitritt Chinas zur WTO 2001 beschleunigte sich der Verlagerungsprozess von Produktionsstätten in das PRD zunehmend. Die Ursache hierfür ist eine stärkere Integration der Wirtschaft Hongkongs in die des PRD. Gemeinsame Planungs- und Steuerungsprojekte der Regierungen in Hongkong und Guangdong treiben diesen Prozess weiter voran (vgl. Meyer 2008: 25). Dieses Geschäftsmodell wird in der Literatur auch als „Hong Kong Model“ oder „front office – back factory“ bezeichnet. In den vergangenen Jahren betreiben jedoch nicht nur Unternehmen aus Hongkong dieses Geschäftsmodell, sondern auch Unternehmen aus Taiwan haben diese Geschäftsstrategie erfolgreich adaptiert. Produktionsstätten im PRD importieren hauptsächlich Rohmaterialien, Ausrüstungsgegenstände sowie zentrale technologische Kernkomponenten, während Endprodukte exportiert werden (vgl. Hürtgen et al. 2009: 123f.; Meyer et al. 2009: 229f.; Lai 2010: 58). Der Exportsektor ist eine Schlüsselkomponente für den Erfolg des PRD. Ein Großteil des Wirtschaftswachstums im PRD ist abhängig von dessen Entwicklung. Aufgrund des Rückgangs der Weltkonjunktur, bedingt durch den Einbruch des Konsums in Nordamerika, Europa und Japan in der zweiten Hälfte 2008, verzeichneten auch die exportorientierten Industrien in China einen signifikanten Einbruch in der Wirtschaftsleistung (vgl. Spence 2009: 504).

Laut IMF verzeichnete das Welthandelsvolumen 2009 einen Rückgang von 12,3%, während 2008 noch ein Wachstum von 2,8% vorherrschte. Diese Krise manifestierte sich viel stärker in der chinesischen Wirtschaft, als dies noch während der Asienkrise 1997 der Fall gewesen ist. Dies liegt darin begründet, dass die chinesische Wirtschaft 2009 viel stärker in die Weltwirtschaft integriert war. Die geographische Verteilung der chinesischen Exporte veränderte sich in diesem Zeitraum signifikant. Fast die Hälfte aller Exporte hatte noch 1991 als Ziel Hongkong. Fast zwei Dekaden später hat sich diese Verteilung komplett verändert. Die wichtigsten Empfänger der Exporte PRD waren 2008 die EU (20,07%), die USA (18,39%), Hongkong (13,59%) und Japan (8,12%) (vgl. Chou et al. 2009: 534). Infolge eines Einbruchs des Welthandelsvolumens war demnach die Exportindustrie insgesamt stärker betroffen.  

2.    Zusammenbrüche im Bankensektor

Als zweiter Kanal können Zusammenbrüche von Banken zu einer verringerten Kreditvergabe an Unternehmen führen. Eine verringerte Kreditvergabe hat direkte Auswirkungen auf den produzierenden Sektor und den internationalen Handel, da viele Unternehmen für ihre Produktion Kredite benötigen. In Einklang mit Naude’s (2009) Argumentation schlussfolgern Dell’Ariccia et al. (2008), dass während Finanzkrisen besonders Unternehmen, die auf externe Finanzierung angewiesen sind, große Probleme haben. Dies gilt besonders im Vergleich zu Unternehmen, die nicht auf externe Finanzierungsquellen angewiesen sind. Die Ursachen für diesen Zusammenhang liegen darin begründet, dass viele Unternehmen ihre Betriebsmittel durch kurzfristige Kredite finanzieren. Wenn in Krisenzeiten die Kreditvergabe der Banken ins Stocken gerät und eine erhöhte Unsicherheit auf den Finanzmärkten vorherrscht, geraten gerade diese Unternehmen schnell in finanzielle Engpässe. Die Autoren schätzen, dass ca. 90 Prozent des Welthandels durch kurzfristige Kredite finanziert wird. Eine Kreditklemme auf den wichtigen globalen Finanzplätzen kann daher zu starken Einbrüchen im Welthandel führen.

Im Falle Chinas war keine Kreditklemme der chinesischen Banken zu beobachten. Die Ursachen hierfür liegen in der starken Regulierung des chinesischen Finanzsystems. Die Zentralregierung in Beijing hat in den vergangenen Jahren die Finanzwirtschaft nur sehr langsam liberalisiert. Große Marktanteile in China halten staatliche Banken, die von der Zentralregierung gesteuert werden. Ausländische Banken dagegen nehmen in der Unternehmensfinanzierung nur eine untergeordnete Bedeutung ein. Zudem ist der chinesische Markt stark reguliert und der Handel mit ausländischen Derivaten sehr gering (vgl. Naude 2009: 7). Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die chinesischen Banken die Kreditvergabe nicht zurückfuhren, sondern diese in der Krise weiter ausdehnten, um den Markt mit der benötigten Liquidität zu versorgen. Im Vergleich zum Juli 2008 wuchs die Kreditvergabe chinesischer Banken im Juli 2009 um beeindruckende 34,4% (vgl. Sun 2009: 32).
Die Börsen in Shenzhen, Shanghai und Hongkong zeigten sich zudem sehr robust, obwohl diese Indizes durch die Währungs- und Finanzkrise unter Druck gerieten. Sie entwickelten sich stabiler als vergleichbare Indizes in Südostasien. Eine Abschwächung dieser Handelsplätze setzte allerdings 2007 ein und sie erreichten einen Tiefststand im vierten Quartal 2008 (vgl. Shenzhen Stock Exchange 2010).

3.    Rückgang der globalen Kapitalströme

Als dritten Kanal definiert Naude (2009: 6) das Einbrechen von Kapitalströmen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer. Private Investitionen und Rücküberweisungen in Entwicklungsländer fielen 2009 dramatisch um geschätzte 300 bis 400 Milliarden US$. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass neben Rücküberweisungen auch Entwicklungshilfezahlungen 2009 stark rückläufig waren.
Chen und Lombaerde (2010: 98f.) weisen nach, dass der Rückgang von ausländischen Investitionen einer der Hauptgründe für den wirtschaftlichen Einbruch in Südostasien war. Und das, obwohl sich die finanziellen Institutionen in einem relativ gesunden Zustand befanden. Ihre Beteiligung am Handel mit amerikanischen Derivaten war limitiert. Die Finanzkrise hatte signifikante Auswirkungen auf die globalen Kapitalströme. Nach einer Phase des stetigen Wachstums im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 fielen globale ausländische Direktinvestitionen (ADI) 2008 um ca. 14% geringer aus. Insgesamt betrug deren globales Volumen 1.697 Mrd. US$. In der ersten Hälfte 2009 fielen diese zudem mit beschleunigter Rate (vgl. UNCTAD 2009: 3f.).
In den vergangenen zwei Dekaden entwickelten sich ADI zu einem wichtigen Element für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Seit 1993 wuchsen die eingehenden ADI nach China stetig an. Bereits 2001 war China, noch vor den USA, der weltweit größte Empfänger von ADI (vgl. Fan et al. 2009: 854). Whalley und Xin (2010: 134) schlussfolgern, dass der Anteil von ausländisch finanzierten Unternehmen in China ca. 20% beträgt. Diese tragen mit 40% zum chinesischen Wirtschaftswachstum bei. Ohne ADI hätte in diesem Zeitraum das Wirtschaftswachstum in China um jährlich 3,4% geringer ausfallen müssen. Die Finanzkrise hatte also einen signifikanten Effekt auf die Kapitalströme nach China. Diese fielen um 20,56% von 27.414 Millionen US$ im ersten Quartal 2008 auf 21.777 Millionen US$ im ersten Quartal 2009 (vgl. UNCTAD 2009: 51).

Es lassen sich aufgrund der Argumentation von Naude drei Schlussfolgerungen ableiten:

(1)    Unternehmen mit einem hohen Exportanteil waren von den Auswirkungen der Finanzkrise stärker betroffen als Unternehmen mit einem geringeren Exportanteil.
(2)    Aufgrund der starken Regulierung des chinesischen Finanzmarktes gerieten die chinesischen Banken nicht in eine ökonomische Schieflage, weshalb die im Westen bekannte Kreditklemme nicht auftrat.
(3)    Unternehmen, die durch ausländische Investoren finanziert werden, waren den Auswirkungen der Finanzkrise stärker ausgesetzt als rein chinesische Unternehmen.

Verwendete Literatur

Chen, L.; De Lombaerde, P. 2010: The Crisis in the U.S. and the Future of East Asian Production Sharing. – Global Journal of Emerging Market Economies, 2(1): 91-108.

Chou, K.-H.; Chen, C.-H.; Mai, C.-C. 2009: A Geospatial Analysis of China’s Exports, 1991-2008. In: Eurasian Geography and Economics, 50(5), S.532-546.

Davies, H. 1996:  High IQ and Low Technology: Hong Kong’s Key to success. – Long Range Planning, 29(5): 684-690.

Dell’Ariccia, G.; Detrangiache, E.; Rajan, R. 2008: The real effect of banking crises. In: Journal of Financial Intermediation, 17(1), S.89-112.

Fan, J.P.H.; Morck, R.; Xu, L.C. 2009: Institutions and Foreign Direct Investment: China versus the Rest of the World. In: World Development, 37(4), S.852-86.

Hürtgen , S.; Lüthje, B.; Schumm, W.; Sproll, M. 2009: Von Silicon Valley nach Shenzhen. Hamburg: VSA-Verlag.

Lai, P. 2010: External Demand Decline-caused Industry Collapse in China. In: China & World Economy, 18(1), S.47-62.

Meyer, D.R. 2008: Structural Changes in the Economy of Hong Kong since 1997. In: The China Review, 8(1), S.7-29.

Meyer, S.; Schiller, D.; Revilla-Diez, J. 2009: The Janus-Faced Economy: Hong Kong Firms as Intermediaries between global Customers and local Producers in the Electronics Industry. In: Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie, 100(2), S.224-235.

Naudé, W. 2009: The Financial Crisis of 2008 and the Developing Countries. – Discussion Paper, 2009/1. World Institute for Development Economics Research. Helsinki.

Revilla Diez, J.; Schiller, D.; Meyer, S.; Liefner, I.; Brömer, C. 2008: Agile firms and their spatial organisation of business activities in the greater Pearl River Delta. In: Die Erde, 139(3), S.251-269.

Spence, M.A. 2009: The financial and economic crisis and the developing world. In: Journal of Policy Modelling, 31(4), S.502-508.

Sun, M. 2009: China: Unscathed through the Global Financial Tsunami. In: China & the World Economy, 17(6), S.24-42.

Tirole, J. 2002: Financial Crisis, Liquidity, and the International Monetary System. Princeton, Oxford: Princeton University Press.

Whalley, J.; Xin, X. 2010: China’s FDI and non-FDI economies and the sustainability of future high Chinese growth. In: China Economic Review, 21(1), S.123-135.

Der Beitrag Die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Regionalökonomie im PRD (China) erschien zuerst auf GEO-LOG.

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Hochgeschwindigkeitszüge in China

Die wirtschaftlichen Zentren Chinas liegen in Beijing, Shanghai und im PRD. Um das Wachstums dieser Regionen und des ganzen Landes weiterhin zu sichern, fördert die chinesische Regierung ein milliardenschweres Infrastrukturprogram. Bis 2020 entsteht ein engmaschiges Transportsystem, in dem die Megastädte des Landes mittels Hochgeschwindigkeitszüge verbunden sind.

 

Hochgeschwindigkeitsnetz

Wer noch vor wenigen Jahren mit dem Zug aus dem südchinesischen Guangzhou ins zentralchinesische Wuhan fahren wollte, benötigte viel Zeit und starke Nerven. Je nach Qualität und Auslastung der eingesetzten Züge, dauerte solch eine Reise leicht mehrere Tage. Die Züge waren in der Regel älteren Datums, die Strecken schlecht ausgebaut und es kam häufig zu Störungen. Diese Situation ändert sich derzeit gewaltig. Seit dem 26. Dezember 2009 gehören diese nervenaufreibenden Zugfahrten der Vergangenheit an. An diesem Tag wurde die Hochgeschwindigkeitsstrecke Guangzhou – Wuhan eröffnet. Mit den neuen Hochgeschwindigkeitszügen ist diese ca. 1.000 Kilometer lange Strecke in drei Stunden zu bewältigen. Diese Verbindung läutet den Beginn einer neuen Ära im chinesischen Transportsystem ein. Bis 2020 sollen alle größeren Zentren an dieses Netz angeschlossen werden. Gefördert und finanziert wird dieses Infrastrukturprojekt von der chinesischen Zentralregierung, mit dem Ziel ein modernes Hochgeschwindigkeitssystem zu schaffen, dass hohe Transportkapazitäten bewältigt und gleichzeitig den Flugverkehr zwischen den Metropolen verringern soll.  

Die Geschichte der Hochgeschwindigkeitszüge in China ist relativ jung. Die ersten Züge, die Geschwindigkeiten von mehr als 150 km/h erreichten, verkehrten zwischen Hongkong, Shenzhen und Guangzhou. Solche regionalen Zugsysteme existieren mittlerweile in sämtlichen Metropolen des Landes. Interregionale Verbindungen solchen Typs sind aber häufig noch sehr selten.

Die neuen Hochgeschwindigkeitszüge übertreffen diese regionalen Lösungen sowohl in Geschwindigkeit als auch im Komfort. Auf der Strecke Guangzhou – Wuhan werden Höchstgeschwindigkeiten von 350 km/h erreicht. Und dies ist noch nicht das Maximum. Es werden mittlerweile Trassen errichtet, auf denen Geschwindigkeiten von 400 km/h erreicht werden sollen. Generell hat dieses Transportsystem innenpolitische Priorität. Derzeit werden 40 Hochgeschwindigkeitstrassen gebaut, während sich weitere 200 in Planung befinden. Im Jahr 2020 soll auch die Bahnstrecke Beijing – Hong Kong fertiggestellt sein, auf der in acht Stunden mehr als 2.000 Kilometer zurück gelegt werden sollen.

Stadtplanerische Einbindung

Auf der zweiten International Conference on China’s Urban Transition and City Planning in Cardiff (UK) Ende Mai war das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz ein viel diskutiertes  Thema. Dr. Jochem de Vries von der University of Amsterdam hielt einen vielbeachteten Vortrag, der die Bedeutung des Hochgeschwindigkeitsnetzes für die städtische Entwicklung beleuchtete. Die große Besonderheit ist, dass dieses Netz scheinbar isoliert vom bisherigen Schienennetz existiert. Die Bahnhöfe gleichen Flughäfen, die weit außerhalb der Zentren errichtet werden. In Wuhan ist der Bahnhof so weit vom Zentrum entfernt, dass Reisende für diese Fahrt mehr als eine Stunde mit dem Taxi benötigen. Auch der Bahnhof in Guangzhou liegt mehr als 15 U-Bahn Stationen vom Zentrum und dem alten Hauptbahnhof entfernt. Es stellt sich also die Frage, wieso dieses Hochgeschwindigkeitsnetz die Zentren nicht direkt anbindet.

Die Begründung ist vielseitig. Einerseits werden so Konflikte mit Anwohnern vermieden, wie sie derzeit bei uns in Stuttgart zu beobachten sind. Innerstädtische Großprojekte sind auch in China nicht mehr so einfach umzusetzen, wie es noch vor mehreren Jahren der Fall war. Insbesondere in wohlhabenderen Regionen wissen sich Anwohner gegenüber der Politik und Großprojekten zu wehren. Zusätzlich nutzen die Stadtverwaltungen die neuen Bahnhöfe, um periphere Regionen innerhalb der Stadtgrenzen planerisch neu zu gestalten. Um die riesigen Bahnhöfe entstehen neue Wohn- und Geschäftsviertel. Befeuert werden diese Projekte durch das gewaltige Konjunkturprogramm, das während der Finanzkrise im Jahr 2009 aufgelegt wurde. Viele Stadtverwaltungen nutzen diese zusätzlichen Gelder, um die Planungsbereiche auszuweiten oder zu vergrößern.
Trotz der Vorteile, die durch eine höhere Geschwindigkeit entstehen, werden diese Projekte auch in China kritisch diskutiert. Der Zeitgewinn durch die Hochgeschwindigkeitsverbindungen wird dadurch aufgehoben, dass sich die Bahnhöfe außerhalb der alten Zentren befinden. Einzig in Shanghai entsteht ein Anschluss an das alte Stadtzentrum. Zusätzlich wächst die Kritik an den hohen Ticketpreisen für diese Verbindungen. Besonders für ärmere Bevölkerungsschichten ist eine Fahrt mit diesen Zügen nicht erschwinglich. Zusätzlich werden langsamere Direktverbindungen zugunsten der schnelleren gestrichen. Eine Fahrt zwischen Guangzhou und Wuhan, die zuvor ca. 11 Stunden benötigte, dauert mit herkömmlichen Zügen heute sogar länger als zuvor.

(Mehr in: GEO-LOG)

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Luftflotte im Ruhestand: Airlines holen Flieger aus der Wüste zurück

Die Finanzkrise zwang Dutzende Gesellschaften dazu, überzählige Passagierjets zu Hunderten im Westen der USA einzumotten. Mit der anziehenden Konjunktur beordern die Unternehmen Großflugzeuge zurück in die Heimat – und in die Luft.
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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IfL-Karten zeigen Verteilung von Finanzhilfen

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat Deutschland hart getroffen. Die im zweiten Konjunkturpaket bereitgestellten Milliarden sollen vor allem den Investitionsbedarf von Ländern und Kommunen berücksichtigen. Aktuelle Deutschlandkarten des Leibniz-Instituts für Länderkunde zeigen, wo die Mittel hinfließen und welche Projekte gefördert werden.
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Nachhaltige Kapitalanlagen behaupten sich in Finanzkrise

Im Auftrag der DBU erstellte neue ZEW-Studie heute präsentiert – Grünes Licht für grüne Geldanlage
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Globales Risiko: Wie kranke Mitarbeiter die Wirtschaft belasten

Chronische Erkrankungen stehen unter den Toprisiken für die Weltwirtschaft gleichauf mit der globalen Finanzkrise: Sie verringern die Produktivität der Unternehmen um bis zu zwei Billionen Dollar. Investitionen in das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeiter bringt Firmen dagegen finanziellen Gewinn.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Gesundheit: Wie kranke Mitarbeiter die Wirtschaft belasten

Chronische Erkrankungen stehen unter den Toprisiken für die Weltwirtschaft gleichauf mit der globalen Finanzkrise: Sie verringern die Produktivität der Unternehmen um bis zu zwei Billionen Dollar. Investitionen in das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeiter bringt Firmen dagegen finanziellen Gewinn.
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Kopfwelten zu Wedels "Gier": Geld macht geil

In dem Zweiteiler „Gier“ zeigt Dieter Wedel eindrucksvoll, wie die Aussicht auf Traum-Renditen den menschlichen Verstand ausschaltet. Was sind das für Mechanismen, die in unserem Kopf vorgehen und letztlich in die Finanzkrise führen?
Quelle: stern.de – Wissenschaft & Gesundheit

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Mathe-Stiftung gegründet: "Wer rechnen kann, ist tüchtiger im Leben"

Spaß am großen Einmaleins und öfters Pi mal Daumen – die Stiftung Rechnen hat sich viel vorgenommen. Vorstand Johannes Friedemann will nicht Büffeln fördern, sondern Freude an der Mathematik. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt er, warum Banker trotz Finanzkrise ausgefuchste Rechner sind.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Uno-Statistik: Industrieländer stoßen immer mehr Treibhausgase aus

Ungeachtet aller Bekenntnisse zum Klimaschutz stoßen Industrieländer immer mehr Treibhausgase aus. Das geht aus einer Statistik des Uno-Klimasekretariats hervor, die allerdings die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht berücksichtigt.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Umweltpolitik: Uno veröffentlicht besorgniserregende Statistik zu Klimagasen

Ungeachtet aller Bekenntnisse zum Klimaschutz stoßen Industrieländer immer mehr Treibhausgase aus. Das geht aus einer Statistik des Uno-Klimasekretariats hervor, die allerdings die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht erfasst.
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Ernährungskrise: Nie zuvor mussten so viele Menschen hungern

Die Bilanzen des Welthunger-Index 2009 fallen dramatisch schlecht aus: Erstmals sind weltweit mehr als eine Milliarde Menschen vom Hunger betroffen und damit fast jeder sechste Erdbewohner. Ursache für die wachsende Zahl der Hungernden ist dem Bericht zufolge vor allem die Wirtschafts- und Finanzkrise.
Quelle: WELT ONLINE – Wissenschaft

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Gekürzte Hilfsprogramme: Finanzkrise begünstigt Ausbreitung von Aids

Die westlichen Länder ächzen unter der Finanzkrise und streichen deshalb Gelder für Anti-Aids-Programme. Mit fatalen Folgen: Immer mehr Afrikaner sterben an der HIV-Infektion – und Pharmaunternehmen weigern sich, den betroffenen Staaten mit verbilligten Medikamenten zu helfen.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Neue Antworten auf eine alte Frage: Forstliche Nachhaltigkeit zwischen Klimawandel und Finanzkrise

Tagung bilanziert die Ergebnisse des BMBF-Förderschwerpunktes „Nachhaltige Waldwirtschaft“

Leipzig/Hamburg. „In Deutschland ist eine andere Einstellung zum Wald und zur Waldpolitik erforderlich.“ Zu diesem Ergebnis kommen Akteure aus Forst und Holz, aus Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Über fünf Jahre hinweg forschten rund 380 Experten zu vielfältigsten forst- und holzfachlichen Themen sowie zu Fragen von Wissenstransfer, Bildung und Kommunikation Gemeinsam legen sie am 9. und 10. September in Hamburg zur Tagung „Nachhaltigkeit in Forst und Holz“ neue Antworten auf die alte Frage vor:
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Befragung: Klimawandel und Finanzkrise sind Top-Themen in Unternehmen

IÖW/Future-Ranking befragt deutsche Großunternehmen und KMU zu Status Quo und Trends der Nachhaltigkeitsberichterstattung / Mehrheit gegen Einführung einer Berichtspflicht
Quelle: Pressemitteilungen – idw – Informationsdienst Wissenschaft

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Studie zum Thema Liebe in der Krise – Keine Lust mehr auf Sex – lieber kuscheln

ddp

Die Finanzkrise beeinflusst Medienberichten zufolge auch das Liebesleben der Menschen. Sexualforscher beobachteten seit Beginn der Rezession weltweit ein stärkeres Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit in der Paarbeziehung.

Quelle: Wissenschaft | RP ONLINE

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Finanzkrisen-Psychologie: "Vertrauen ist immer auch Selbsttäuschung"

Das Weltfinanzsystem ist am Boden – weil die Aussicht auf satte Renditen bei vielen Anlegern das gesunde Misstrauen außer Kraft gesetzt hat. Max-Planck-Forscher Guido Möllering warnt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE vor überzogenen Rufen nach mehr Kontrolle.
Quelle: SPIEGEL ONLINE – Wissenschaft

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Erneuerbare Energien trotz Finanzkrise auf dem Vormarsch

Berlin – Gegen den aktuellen Trend in der Wirtschaft bleibt die dynamische Entwicklung der Erneuerbaren Energien ungebrochen. In Zeiten weltweiter Unsicherheit und als Folge des mittelfristig zu erwartenden Preisanstiegs bei fossilen Energieträgern werden Alternativen zur old economy der Energieerzeugung immer attraktiver. Zudem bilden der absehbar steigende Strombedarf und die in vielen Ländern Europas für 20 Jahre garantierten Einspeisevergütungen eine gesicherte Kalkulationsbasis.

Damit entwickeln sich die Erneuerbaren Energien selbst bei den Energiemultis, für die diese Techniken bis vor kurzem vor allem zur Imagebildung interessant waren, mehr und mehr zu wichtigen Geschäftszweigen mit glänzenden Zukunftsperspektiven. Neben internationalen Konzernen profitieren aber zunehmend auch kleine und mittelständische Unternehmen von diesem Boom. Er beschert nicht nur Planungsbüros und Anlagenbauern eine erfreuliche Auftragslage, auch ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, beispielsweise bei der Akquisition oder Finanzierung neuer Projekte.

So hat die Berliner rds energies GmbH einen neuen Markt entdeckt und besetzt und erfreut sich stetig wachsender Nachfrage. Sie akquiriert Projektrechte, Dachflächen oder strategische Partner im Auftrag von Projektentwicklern und unterstützt damit deren nationale und internationale Expansion. Gleichzeitig fördert rds energies die weitere Verbreitung der Erneuerbaren Energien, trägt zum Wirtschaftswachstum bei und schafft neue Arbeitsplätze.

Unsere Arbeitsgrundlagen sind Marktkenntnis und ein internationales Netzwerk. Mit den rds acquisition services bieten wir eine einzigartige Dienstleistung und arbeiten so effizient und flexibel, dass inzwischen selbst große internationale Unternehmen unsere Unterstützung in Anspruch nehmen. Wir wachsen mit unserem Markt., beschreibt Eva-Catrin Reinhardt, Geschäftsführerin und Vordenkerin der rds energies GmbH, die Entwicklung.

Auch die großen Energieversorger sprechen inzwischen von einer der Schlüsseltechnologien für das 21. Jahrhundert (Zitat EnBW AG) und investieren verstärkt in neue Projekte und Anlagen. Erneuerbare Energien zeigen damit nicht nur eine Perspektive für unser Klima auf, sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Sicherung unseres Wohlstands.