Gehe zu…

SCIENCE.NEWZS - Datenbank populärer Wissenschaftsthemen mit mehr als 30.000 Einträgen

on YouTubeRSS Feed

23. August 2017

Angst vor Technik macht mir Sorgen


Ein Weihnachtsartikel der Bloggerin Metamädchen, Überprüfe deine Feindbilder, zeigt sehr schön ein Problem, das aus irrationaler Angst vor Strahlung entsteht. Kürzlich habe ich begründet, warum WLAN-Strahlung nicht schädlich sein kann. Die Frequenzen, über die sich Smartphones, Tablets und Laptops mit den Telekommunikations-Providern verbinden, liegen in ganz ähnlichen Frequenzbereichen und sind damit ebenso unschädlich, wie die WLAN-Strahlung.

Dennoch sind Menschen besorgt und bekommen geradezu Angstzustände, wenn sie wissen, dass sie dieser Strahlung ausgesetzt sind. Ich kann nicht beurteilen, was die Kopfschmerzen die älteren Dame in dem Bericht verursacht. Es könnte eine direkte Wirkung des Nocebo-Effektes sein: Durch das wissen um einen vermuteten Schaden verursachte Symptome. Es könnte aber auch andere Gründe geben, warum sie im Zug häufig Kopfschmerzen bekommt. Die Verbindung mit den elektrischen Geräten wäre dann einfach ein Wahrnehmungseffekt.

Ich bin überzeugt, dass wir Ängste immer ernst nehmen sollten. Wenn es mir möglich ist, versuche ich meinen Mitmenschen kein Unbehagen zu bereiten. Dazu gehört auf Ängste Rücksicht zu nehmen, wenn sie mir bekannt sind oder ich mit ihnen rechnen kann1. Aber wenn sich die irrationale Angst vor Elektrosmog durchsetzen sollte und eventuell zu Handyverboten in öffentlichen Räumen führt, dann ist das ein Problem. Es schränkt die ein, die diese Technologie nutzen wollen oder müssen. Dieser Einschränkung stünde kein wirklicher Nutzen entgegen. Denn Anlass für das Unbehagen ist nicht die Strahlung sondern die falsche Wahrnehmung durch Angst. Die Angst ist zu bekämpfen, nicht die Strahlung.

Angst vor neuer Technik ist verbreitet. Sie ist nicht unbegründet. In der Zeit der Entdeckung der Radiaktivität2 hat übertriebene Fortschrittsgläubigkeit dafür gesorgt, dass radioaktive Strahlung unbedacht eingesetzt wurde3. Das darf aber heute nicht dazu führen, dass nachweislich unproblematische Techniken wegen diffuser Bedenken eingeschränkt werden.

 

(Mehr in: Quantenwelt)

Schlüsselwörter:, , ,

About admin

Der Naturwissenschaftler Dipl.-Math. Klaus-Dieter Sedlacek, Jahrgang 1948, studierte in Stuttgart neben Mathematik und Informatik auch Physik. Nach fünfundzwanzig Jahren Berufspraxis in der eigenen Firma widmet er sich nun seinen privaten Forschungsvorhaben und veröffentlicht die Ergebnisse in allgemein verständlicher Form. Darüber hinaus ist er der Herausgeber mehrerer Buchreihen unter anderem der Reihen „Wissenschaftliche Bibliothek“ und „Wissenschaft gemeinverständlich“.