Elektrosmog aus dem WLAN

Was die Menschen nicht sehen, fühlen oder riechen können, ist ihnen unheimlich. Dafür habe ich nicht nur Verständnis, das geht mir genauso. Nicht zuletzt deshalb ist die Angst der meisten Menschen vor Radioaktivität irrational hoch, also höher als die tatsächliche Gefahr verglichen mit anderen Gefahrenquellen nahelegt. Absurd wird diese Angst vor unsichtbarer Strahlung, wenn sie sich auf die harmlose und gut erforschte Strahlung des drahtlosen Internet, des WLAN erstreckt.

Die Online-Ausgabe der FAZ berichtet heute darüber, dass ein hamburger Schulprojekt wegen Gesundheitsbedenken gegen WLAN vorläufig gestoppt wurde1. Unter anderem könnten, so wird der Ulmer Psychiater und Gehirnforscher Manfred Spitzer zitiert, nachweislich Spermienschädigungen und DNA-Strangbrüche auftreten. Das wäre, wenn er es wirklich so gemeint hat2, falsch.

DNA-Strangbrüche treten bei radioaktiver Bestrahlung und Röntgenstrahlung auf. Hierbei werden die Molekülbindungen in der DNA, dem Erbgut tragenden Molekül, aufgebrochen. Um solch eine kovalente Molekülbindung aufzubrechen ist Energie nötig. Diese Energie kann im Photoeffekt nur von einem einzelnen Photon aufgebracht werden3. Die Photonenenergie der Strahlung, die im WLAN verwendet wird, liegt bei etwa 10 Mikroelektronenvolt. Um eine kovalente Bindung aufzubrechen braucht es mehrere Elektronenvolt, also einige 10.000 mal mehr Energie, als die 2,4 Gigahertz-WLAN-Strahlung aufbringen kann. DNA-Strangbrüche durch WLAN sind physikalisch unmöglich.

Schädigung der Spermien wird der Strahlung nachgesagt, weil sie vom Gewebe absorbiert wird und damit zu lokalen Erwärmungen führen kann. Immerhin arbeiten Mikrowellenherde im gleichen Frequenzbereich. Aber mit viel höheren Intensitäten. Während ein Mikrowellenherd einige hundert Watt benötigt um die Speisen zu erwärmen, ist die Leistung von WLAN-Geräten auf ein Zehntel Watt an der Antenne begrenzt. Mit zunehmendem Abstand fällt die Leistung rasch ab. Eine merkliche Erwärmung der Körpertemperatur oder gezielt der Hoden ist durch eine irgendwo im Raum betriebene WLAN Antenne ausgeschlossen. Selbst das Handy4 in der Hosentasche dürfte eher durch die Abwärme des Prozessors als durch Absorption der Strahlung auffallen.

Eine „Korrelation des Anstiegs von Überforderung, Kopfschmerzen, ADHS und psychischen Erkrankungen mit der wachsenden Nutzung der digitalen Medien“, ist vielleicht tatsächlich besorgniserregend, wie der Gehirnforscher auch zitiert wird. Aber zum einen folgt aus einer Korrelation noch kein Ursache-Wirkung-Zusammenhang und zum anderen treten mit wachsender Nutzung digitaler Medien erheblich mehr Einflüsse auf. Alles auf das WLAN zurückführen zu wollen, ist hanebüchen.

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