Marie Sklodowska Curie

Heute, am Weltfrauentag, möchte ich an eine großartige Wissenschaftlerin erinnern, deren Biografie ich vor Jahren gelesen habe und die mich aus vielen Gründen sehr fasziniert hat. Marie Curie hat nicht nur einige Elemente entdeckt und erstmals erkannt, dass Radioaktivität etwas ganz anderes ist als die chemischen Reaktionen, die man bis dahin kannte. Sie ist auch eine der vier Menschen, die zwei Nobelpreise verliehen bekommen haben. Und sie war eine ausgesprochen fleißige Person, die unermüdlich im Labor arbeiten konnte und kompromisslos für die Freiheit der Wissenschaft eingetreten ist.

Marie Curie wurde 1867 in Warschau, das damals unter russischer Herrschaft stand, als Marie Sklodowska geboren und ist dort zweisprachig aufgewachsen. In der Schule war Russisch vorgeschrieben, zuhause wurde heimlich Polnisch gesprochen. Sie soll schon als Schülerin auffällig selbstbewusst und brillant gewesen sein. Da Frauen damals in Wahrschau nicht studieren durften, schloss die junge Marie mit ihrer Schwester einen Pakt: Sie arbeitete nach der Schule als Gouvernante um ihrer Schwester ein Studium in Paris zu ermöglichen. Die Schwester würde sie dann nachholen, wenn sie in Paris ein Einkommen hat. Im Herbst 1891 hatte sie das endlich geschafft und Marie Curie begann das Studium der Naturwissenschaften an der Sorbonne.

Als Marie Curie 1897 ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt wählte, waren die von Antoine-Henri Becquerel 1896 entdeckten Uranstrahlen gerade ein heißes Thema. Das wollte sie zusammen mit ihrem Ehemann Pierre Curie genauer untersuchen. Ihre Fragestellung war: Was ist es, das in der Pechblende die rätselhaften Strahlen aussendet? Sie besorgte also große Mengen schwach radioaktiver Pechblende und begann die chemischen Bestandteile dieses Erzes zu separieren. Das erste strahlende Element, das Marie Curie entdeckte, nannte sie nach ihrer Heimat Polonium. Es ist ein Zwischenprodukt des Stufenweisen Zerfalls von Uran in Blei. Ein Poloniumatom hält im Mittel nur 140 Tage und zerfällt dann unter Aussendung von Strahlung weiter in stabiles Blei. Das weitaus wichtigere Element, das Curie entdeckte, war das Radium, ein anderes Zwischenprodukt derselben Zerfallsreihe. Radium hat eine wesentlich längere Halbwertszeit von 1600 Jahren. Erst nach 1600 Jahren ist also die Hälfte einer Menge von Radiumatomen zerfallen.

Marie Curie hatte als erste die Idee, dass Uranstrahlung mit einem Prozess verbunden ist, der die bis dahin als unteilbar und ewig haltbar geltenden Elemente ineinander umwandeln konnte. Während andere den Zerfall der Elemente noch für einen chemischen Prozess hielten, prägte Marie Curie den neuen Begriff Radioaktivität für eine Kernumwandlung. Ernest Rutherford gelang es 1902, diese Hypothese endgültig zu beweisen. 1903 wurde Marie Curie gemeinsam mit Pierre Curie der Nobelpreis für Physik zu einer Hälfte verliehen. Die andere Hälfte wurde Becquerel für die ursprüngliche Entdeckung der Strahlung zugesprochen.1

Radium galt um die Jahrhundertwende geradezu als Wunderelement. Im Gegensatz zum kurzlebigen Polonium nahm seine Strahlenintensität nicht merklich ab und es konnte bestimmte Stoffe zum grünlichen Leuchten bringen. Man versprach sich von Radium allerlei Heilwirkungen und hielt es für möglich, dass eines Tages alle Wohnzimmer mit Radiumlampen erleuchtet würden. Ganz ohne den Einsatz von Elektrizität oder der Notwendigkeit Brennstoff nachzufüllen.

Marie Curie war die Entdeckerin des chemischen Verfahrens mir dem Radium separiert werden konnte. Hierfür bekam sie 1911, diesmal als alleinige Preisträgerin, den Nobelpreis für Chemie. Hätte sie das Verfahren patentieren lassen und sich Lizenzen zahlen lassen, hätte Marie Curie ein Vermögen verdienen können. Sie war aber davon überzeugt, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit frei sein sollten. Also verzichtete sie auf ein Patent. Ihr Verfahren sollte frei von Gebühren allen Menschen nutzen können.

Marie Curie war nicht nur der erste Mensch, der zwei Nobelpreise bekam, sie war auch 1906 nach dem Tod ihres Mannes die erste Frau, die an der Sorbonne gelehrt hat und zwei Jahre später Professorin wurde. Einer Frau eine Professur zu übertragen, traute man(n) sich 1906 noch nicht so recht. Dabei stand es außer Frage, dass Marie Curie als Nobelpreisträgerin und Entdeckerin der Radioaktivität die beste Besetzung für Pierre Curies Nachfolge war. Ihre erste Vorlesung an der Sorbonne war ein Medienereignis und bis auf den letzten Platz besetzt. Die bescheidene Madame Curie dachte aber nicht daran, diesen Ruhm auszukosten und eine Rede zu halten. Sie nahm der Lehrstoff genau dort auf, wo ihr Mann zuvor abgebrochen hatte. Vermutlich verstanden weit über die Hälfte der Anwesenden kein Wort.

Im ersten Weltkrieg stattete Marie Curie mehrere Röntgenwagen aus und fuhr selbst an die Front, um verwundeten zu helfen. Nach dem Krieg leitete sie das Radium-Institut in Paris, in dem sie auch gezielt Frauen und aus dem Ausland stammende Studierende förderte. Marie Curies Radium-institut war eines der führenden Kernforschungsinstitute weltweit. Sie bildete dort unter anderem ihre Tochter Irène Joliot-Curie aus, die 1935 zusammen mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot den Nobelpreis für Chemie erhielt. Den Joliot-Curies gelang es erstmals, durch radioaktive Bestrahlung neue Elemente künstlich zu schaffen.

Marie Curie starb 1934 im Alter von 66 Jahren. Vermutlich an den Langzeitfolgen der von ihr entdeckten Strahlung. Ihrer jüngeren Tochter Eve verdanken wir unter anderem diesen Blogbeitrag. Sie hat eine sehr lesenswerte Biographie über ihre Mutter geschrieben: Madame Curie

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