Angst beeinflusst Wahrnehmung

Die Wochenzeitschrift Die Zeit titelt heute Reales Grausen vor dem Garagenmonster und fasst das Ergebnis einer psychologischen Studie mit den Worten zusammen: „Spinnenangst ist keine Einbildung. Das wurde jetzt konkret gemessen.“ Das hat mich ziemlich überrascht. Glauben Wissenschaftler immer noch, Angst sei Einbildung und keine reale, auch körperliche Reaktion auf Reize? In Zeiten, in denen Psychosomatik und der Placeboeffekt mit seinem negativen Bruder, dem Noceboeffekt, in aller Munde sind?

Der Text des Artikels enthüllt jedoch, dass es um etwas ganz anderes geht. Die Psychologin Antje B. M. Gerdes und ihr Kollege Georg W. Alpers haben herausgefunden, wie stark Angst die Wahrnehmung von Menschen beeinflusst. Menschen, die Spinnenangst haben, nehmen das Bild einer Spinne schneller wahr und konzentrieren sich länger darauf, als Menschen ohne Spinnenangst.

Ich frage mich, warum dieses Ergebnis nicht gut genug für die Zusammenfassung war. Angst verstärkt die Wahrnehmung. Dinge, vor denen wir Angst haben, nehmen unsere Wahrnehmung auch dann stark in Anspruch, wenn das Angstobjekt eigentlich harmlos, wenn die Angst irrational ist.

Das ist eine wichtige Information. Eigentlich harmlose Dinge können unsere Aufmerksamkeit binden, wenn wir eine rational begründete oder irrationale Angst vor ihnen haben. Das kann zu falschen Entscheidungen führen, wenn wir aufgrund der Angst wichtigere Dinge aus den Augen verlieren.

Ich wünsche Ihnen einen guten Blick für das Wichtige im neuen Jahr 2014.

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