Wie Vornamen uns beinflussen

Vornamen erzeugen in unseren Köpfen bestimmte Assoziationen – unabhängig davon, ob das Wesen des jeweiligen Namenträgers diesen tatsächlich entspricht. Eine umfangreiche Namen-Studie legt diese Assoziationen nun offen. Auf Grundlage von mehr als 500.000 im Internet abgegebenen Stimmen zu 2.300 Vornamen hat der Leipziger Namenforscher Thomas Liebecke (36) detaillierte Erkenntnisse über die Wirkung von Rufnamen gewonnen und diese online veröffentlicht. Die seit 2007 laufende Studie ist die größte ihrer Art im deutschsprachigen Raum.

Die Studie offenbart: Den intelligentesten Menschen vermuten wir hinter dem Namen Cornelius, den liebsten hinter Rosemaria, den attraktivsten hinter Alessandro, den größten hinter Vladimir. Bedeutungsnuancen bei weniger stark konnotierten Rufnamen werden ebenso sichtbar. Maximilian lässt eine Person vermuten, die deutlich intelligenter und wohlhabender ist, als ein Träger der Kurzform Max. Der Name Johanna wirkt zuverlässiger als Hanna, dafür galt Hanna als leicht attraktiver.

Ein weiteres Ergebnis der Namen-Studie: Je schöner ein Vorname in unseren Ohren klingt, desto schöner ist tendenziell auch die Person, die wir dahinter vermuten. „Vokalreiche Namen mit offenen Silben gelten als wohlklingend. Bei weiblichen Namen trat oft ein tragendes I auf, bei männlichen Namen sorgen eher die dunklen Vokale O und A für Wohlklang“, sagt Liebecke.

Aber die Studie offenbart auch Unschönes: „Leider haben wir Vorurteile, die bestimmten Namen nachgesagt werden, auch in dieser Studie bestätigt gefunden“, bedauert Liebecke. Das betreffe sowohl „übliche Verdächtige“ wie Kevin und Jacqueline, als auch Namen, die einen Migrationshintergrund vermuten ließen.

Liebecke will seine Studie im kommenden Jahr erneut starten und wieder sechs Jahre laufen lassen. „Namenmoden kommen und gehen, die Wahrnehmung von Vornamen verändert sich“, sagt er. Diese Veränderungen will er mithilfe der zweiten Studie untersuchen.