Energieverbrauchsausweis und Energiebedarfsausweis online erstellen

Karlsruhe – Ihren Anfang nahm die Geschichte in einem dieser unzähligen Internet-Foren. Bauingenieur Gunnar Clemenz, seit 2006 selbstständig, fachsimpelt mal wieder mit Kollegen, als einer von ihnen ganz beiläufig ein entscheidendes Stichwort zum Thema Energieausweise gibt. Schon bald werde es die Pässe für Hausbesitzer einfach im Internet zu kaufen geben, sagt der Kollege. Das ist die Idee, denkt sich Clemenz sogleich und macht sich direkt an die Umsetzung des Konzepts. Seit zwei Monaten ist www.energiepass-rechner.de nun online, eine Seite auf der Kunden ihre Energiepässe nach Bedarf und Verbrauch ohne viel Aufwand selbst erstellen können.

Clemenz, Leiter des Büros dieBauingenieure mit Sitz in Karlsruhe und im benachbarten Rheinmünster, ist von Beginn an auf energetische Gebäudekonzepte und Bauschäden spezialisiert. Er bietet Energiebedarfsberechnungen für Wohngebäude und auch Nicht-Wohngebäude an. Neben der umfangreichen Berechnung von Neubauten und Sanierungsprojekten werden seit der Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 bei dieBauingenieure auch immer mehr Energieausweise für den Wohnungsbestand nachgefragt. Dieser Pass für Bestandsgebäude ist durch die Richtlinie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) so weit vereinfacht worden, dass es sogar Laien möglich ist, die erforderlichen Daten selbst einzugeben. Und genau dies bietet die neue Internetplattform.

Unter energiepass-rechner.de haben Eigentümer die Möglichkeit, den Ausweis für ihr Gebäude interaktiv selbst zu erstellen. Dabei ist sowohl der Bedarfs- als auch der Verbrauchsausweis erhältlich. Den günstigeren Verbrauchsausweis, der laut Clemenz in gut fünf Minuten online erstellt werden kann, brauchen Eigentümer von Gebäuden mit mehr als fünf Wohneinheiten beziehungsweise von Häusern, die nach dem Jahr 1977 erbaut wurden. Für kleine Gebäude mit älterem Baujahr ist der Bedarfsausweis erforderlich. Auch dafür braucht der Laie nicht mehr als eine halbe Stunde, erklärt Clemenz den Hauptvorteil des neuen Online-Angebots. Nach Eingabe der Daten kann der Kunde den fertigen Ausweis sofort als Muster im pdf-Format einsehen. Erst bei Zufriedenheit bezahlt er und kann sich das Dokument anschließend bequem herunterladen und ausdrucken. Dieses einfache Konzept ist bisher bundesweit einzigartig, sagt der Bauingenieur, der sein Handwerk an der renommierten Technischen Hochschule Karlsruhe erlernt hat.

Nicht wenige Wohneigentümer sehen die Online-Erstellung jedoch kritisch, da sie befürchten, dass der Ausweis nicht die rechtlichen Anforderungen der EnEV erfüllt. Dies ist absolut unbegründet, unterstreicht Clemenz. Sowohl die erforderlichen Modernisierungsempfehlungen als auch eine Plausibilitätsprüfung der eingegebenen Daten decke das Portal ab, versichert er. Mit der Entwicklung des erforderlichen Algorithmus war der findige 31-Jährige mehr als ein Jahr beschäftigt. Das Design der einfach zu bedienenden Seite wurde von der Webschmiede welt-räume.de aus Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Fabian Hartmann erstellt.

Zur Ermittlung der Eingabedaten für den Bedarfsausweis braucht der User lediglich die Planunterlagen seines Gebäudes sowie Angaben zur Haustechnik wie Heizung, Trinkwasser-Erwärmung und Lüftung. Die Werte können in einer selbsterklärenden Menüführung schnell eingegeben werde – und schon berechnet das ausgeklügelte System den Energiekennwert. Als besonderes Feature bietet die Seite Modernisierungsempfehlungen an und berechnet zugleich, wie sich der Wert bei Umsetzung der Maßnahmen positiv verändert.

Noch einfacher kommt der Kunde auf energiepass-rechner.de zu einem Verbrauchsausweis. Dafür bedarf es nur der Energieverbrauchswerte dreier aufeinander folgender Heizperioden, so Clemenz. Eventueller Leerstand wird dabei ebenso berücksichtigt wie die Klimabereinigung, die von der regionalen Lage des Gebäudes abhängt. Auch besteht die Möglichkeit, ein Foto der Immobilie in den Ausweis einzufügen.

Bislang richtet sich das Angebot an Hauseigentümer. Zukünftig planen die Bauingenieure aus dem Badischen aber auch eine Ausweitung auf Makler und Energiepass-Aussteller. Gegen eine monatliche Gebühr soll die Berechnungsroutine zu günstigen Paketpreisen nutzbar werden, um das Knowhow auch solchen Dienstleistern zugänglich zu machen. Ein Energieberater kann so zum Beispiel Pässe für seine Kunden auf der Seite erstellen und mit seinem eigenen Logo versehen. Nach dem simplen Motto Zeit ist Geld könnte das Angebot zu einer echten Alternative für Dienstleister werden, prognostiziert Clemenz. Denn energiepass-rechner.de sei für die Ausstellung von Pässen deutlich schneller und auch einfacher zu bedienen als die umfangreiche Spezialsoftware, die derzeit benutzt werde.

Vom Erfolg seines Konzepts ist Clemenz überzeugt. Denn neben dem kleinen Hausbesitzer, der das Angebot schon heute fleißig nutzt, und professionellen Energieberatern sei der Online-Rechner vor allem auch für große Immobilienunternehmen interessant. Firmen wie etwa die Deutsche Wohnen AG müssen tausendfach Energieausweise vorhalten, weiß der Fachmann. Und dank der besagten Idee im Internet-Forum sind diese mittlerweile ja ganz einfach online zu bekommen – bei energiepass-rechner.de.